Influenza H1N1, Schweinegrippe, Grippeimpfung

Am 10.08.2010 wurde die Pandemie der sogenannten Schweinegrippe von der WHO für beendet erklärt. Es finden noch vereinzelte Krankheitsausbrüche, derzeit hpts. in Südostasien statt.

Was ist wirklich passiert, wie empfindet die Bevölkerung und welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Zunächst die Ausgangslage:
Am 24.04.2009 wurde ein neues Grippevirus H1N1 isoliert, welches das schon seit Jahren angekündigte Pandemievirus hätte sein können (damalige Sichtweise) und dann ja auch war, wenngleich mit relativ geringer Gefährlichkeit (heutige Sichtweise).


Am 24.04. meldete Mexiko eine neue Infektionskrankheit, höchst ansteckend und mit 59 Toten bei 854 Pneumoniefällen äußerst gefährlich, wahrscheinlich das neue Grippevirus. Bei der WHO knallten weniger die Sektkorken ob der eingetretenen Prophetie, sondern der ganze lang ausgeklügelte Apparat der Seuchenbekämpfung lief rasant an und gipfelte in der stakatoartigen Ausrufung von Pandemiestufen bis zur 6. am 11.06.09.
Nur bemerkte die Bevölkerung nichts von dieser Gefahr. Der Impfstoff war in Produktion gegeben und sollte im Herbst zur Verfügung stehen, was er dann auch tat.

Im Verlauf der Pandemie, die dann auch Deutschland erfasste, wurden folgende Tatsachen evident:
Es handelt sich um eine extrem ansteckende Krankheit mit relativ mildem Krankheitsverlauf bei den meisten.
Betroffen waren überwiegend die Mittelalten und die Jüngeren sowie einzelne Risikogruppen, weniger die Älteren, wie bei der saisonalen Grippe.
Insgesamt hatten wir aber auch 253 Todesfälle in Deutschland und überdurchschnittlich viele Beatmungsfälle. Über die Exzessmortalität liegen noch keine genauen Daten vor.
Die Zahl der zusätzlichen Arztbesuche bewegte sich auf dem Niveau einer normalen Grippesaison.
Diejenigen, die sich impfen lassen wollten, taten das sehr kurzfristig nach Beginn der Impfaktion.
Es wurden etwa 7% der Bevölkerung geimpft, der Impfstoff war hochwirksam und sehr gut verträglich.

Wie ist die ganze Aktion seitens unserer Gesundheitsbehörden, den Ärzten und Fachleuten zu bewerten?

  1. Die Entscheidung für eine Impfung war vom damaligen Kenntnisstand aus gesehen absolut richtig und notwendig. Ich hätte die Ängste in der Bevölkerung nicht erleben mögen, wenn von Todesfällen und Beatmungsfällen durch eine hochansteckende Krankheit berichtet worden wäre, ohne dass ein Schutzimpfstoff zur Verfügung gestanden hätte.
  2. Die Rasche Entwicklung und Verteilung der Impfstoffe funktionierte wirklich gut. Man muss die Einmaligkeit einer derartigen Aktion unter einem föderalistischen Staatssystem berücksichtigen ebenso den außerordentlich hohen Beratungsaufwand, der nun einmal beim Impfen entsteht. Insbesondere der bayerische Weg mit der individuellen Beratung durch niedergelassene Hausärzte hat sich auch im Hinblick auf die Akzeptanz der Impfung bewährt.
  3. Das Werkzeug der Pandemiestufen der WHO hat sich als äußerst problematisch erwiesen. Hier werden Ängste geschürt, denen keine Lösungsmöglichkeit gegenübersteht. Die Stufen berücksichtigen nicht die tatsächliche Gefährdung der Bevölkerung und die Schwere der Krankheit. Wir haben doch jedes Jahr Stufe 6 bei der saisonalen Grippe?
  4. Das Ganze war eine Kommunikationskatastrophe, die in den verschiedenen Impfstoffen für Bundeswehr und Politiker sowie der restlichen Bevölkerung gipfelte. Viele der sogenannten Fachleute haben durch öffentlich wirksame Statements auch dazu beigetragen. Der Gedanke der Impfungen hat schweren Schaden erlitten.
  5. In der Bevölkerung entstand die Auffassung: Viel Lärm um nichts. Das Ganze ist eh nicht so schlimm und Grippe scheinbar sowieso nicht.
Der heurige Impfstoff gegen die saisonale Grippe enthält auch H1N1. Wie die Bevölkerung heuer zur Grippeimpfung zu motivieren sein wird, weiß niemand. Ebenso wenig abzuschätzen ist die heurige Gefahr durch Influenza. Bevor wir hier nicht genauere Daten und Erfahrungen haben müssen wir eindringlich für die Grippeimpfung plädieren und versuchen, unsere Patienten wieder von Impfungen generell zu überzeugen. Die Grippeimpfung als Reiseimpfung wird zunehmende Bedeutung erlangen.

Dr. med. Nikolaus Frühwein



© 2012 by Dr. Frühwein & Partner | created by nerd-d-sign, ska-design & Maximusweb