EHEC Keine Panik! - Ein genereller Kommentar
EHEC schwappt über Deutschland, zumindest im Norden. Die Panik schwappt über ganz Deutschland und das Ausland, gipfelnd in der Empfehlung einer EU-Behörde, sich nach Besuch in Deutschland auf EHEC-Symptome zu beobachten.
So tragisch die relativ vielen Todesfälle (04.06.2011: 17) und schweren Krankheitsverläufe sind, so schwierig die Lage für die lokalen Krankenhäuser ist, sollten wir doch als Lehre aus dem Ganzen unseren Umgang mit derartigen Risiken hinterfragen.
Gerade am Beispiel EHEC lassen sich einige grundsätzliche Regeln erstellen:Grundsätzliche Einschätzung von "Risiken": Wir haben kein natürliches Gefühl für ‚Risiken, in denen wir leben. Es überwiegt die Angst vor Unbekanntem. Eine Möglichkeit zur halbwegs objektiven Risikoeinschätzung ist der Vergleich mit bekannten Risiken.
Die Schweinegrippe wurde zuerst zur Todesseuche erklärt und ist, nachdem die Fakten bekannt waren, im Bewusstsein der Bevölkerung zu einem absolut harmlosen Geschehen herabgestuft worden. Fakt ist, wir hatten knapp 200 Tote, auch viele jüngere und im mittleren Altersbereich, also direkt vergleichbar mit EHEC. Wie werden wir EHEC in einem Jahr bewerten?
Noch ein Risiko aus dem täglichen Leben: Im Straßenverkehr sterben jeden Tag 15 Personen, wir haben aber keine Angst, im Gegensatz zu EHEC.
Auch in der Gesamtzahl bedeutet EHEC eine seltene Krankheit für den Einzelnen, jedoch mit sehr schwerer Erkrankung. Vergleichbare Krankheiten, wie z.B. die Meningokkenerkrankung bei Jugendlichen und Kleinkindern finden weit weniger Beachtung, wie die mangelnde Impfbereitschaft zeigt.
Verlautbarungen: Man könnte sich vorstellen, dass insbesondere von den Behörden nicht nur allgemein angst machende Maßnahmen, wie der generelle Verzicht auf Obst und Gemüse, veröffentlicht werden, sondern auch angstdämpfende ‚Tatsachen:
Bei EHEC ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch epidemiologisch bedeutungslos. Damit ist eine unkontrollierte Ausbreitung, wie bei der Schweinegrippe, nicht möglich. EHEC ist immer an ein Lebensmittel gebunden. Es gibt kein kontaminierfähiges Lebensmittel, das deutschlandweit die Bevölkerung gefährden würde.
Lehren: Auch wenn wir noch nicht die Ursache des EHEC-Ausbruches kennen, lassen sich doch einige Lehren aus dem bisherigen Geschen ziehen:
- Unser Leben ist nicht risikofrei, sondern in der modernen Gesellschaft nur relativ risikoarm geworden.
- Essen und Trinken sind immer potentiell krankheitsübertragend, aber eben nur sehr selten.
- Die grundsätzlichen Hygieneregeln sowohl bei der Speisenzubereitung als auch bei der Körperpflege haben immer noch ihre Berechtigung.
- Die Natur ist neutral, weder gut noch schlecht zum Menschen. Wir sind der Natur relativ egal.
- Wir haben (immer noch) ein hervorragend funktionierendes Gesundheitssystem, das mit derartig exorbitanten Belastungen fertig wird. Die Arbeit der Gesundheitsbehörden vor Ort ist bewundernswert. Wir sollten uns diese Errungenschaften erhalten.
Dr. med. Nikolaus Frühwein