Cholera in Haiti
Die Cholera gilt als eine der großen Geißeln der Menschheit schon seit sie 1817 in Indien wütete. Der Erkrankte erleidet extreme Durchfälle, weshalb sie auch als „Morgenländische Brechruhr bezeichnet wurde. Ohne ärztliche Flüssigkeitszufuhr trocknet der Körper extrem aus. Damit kommt es unbehandelt in bis zu 70% der Fälle zum Tode. Die Ansteckung erfolgt über kontaminiertes Trinkwasser, seltener auch über Speisen und Tröpfcheninfektion.
Beim Ausbruch 1854 in München sorgte Max von Pettenkofer über reine Hygienemaßnahmen für eine Eindämmung der gefährlichen Seuche. Auch heute noch ist die Hygiene der maßgebliche Faktor zum Schutz vor Infektionskrankheiten – neben den Impfungen.
1991 erreichte die Cholera Südamerika mit einem Ausbruch in Peru, der sich rapide auf die umliegenden Staaten ausdehnte. Damit war sie in allen drei großen tropischen Regionen, Amerika, Afrika und Asien präsent. Immer wieder sind Ausbrüche zu beobachten, hpts. in Gebieten, in denen die hygienischen Bedingungen nicht optimal sind und es zur Vermischung von Trink- und Brauchwasser kommt. Dies ist insbesondere nach Naturkatastrophen (z.B. Haiti) oder durch kriegerische Handlungen (z.B. Simbabwe) der Fall.
Alles, was uns nicht dauernd direkt betrifft, schwindet langsam aus dem Bewusstsein. So wurde die Cholera kaum mehr wahrgenommen. Erst mit dem Ausbruch in Haiti ist die Cholera wieder im Focus. Typischerweise erfolgte dieser aufgrund des Zusammenbruchs der hygienischen Grundbedingungen nach dem verheerenden Erdbeben 2010.
Für den durchschnittlichen Touristen bedeutet die Cholera nur ein minimales Gefährdungspotential. Wir haben fast keine Einschleppungen nach Deutschland zu verzeichnen. Auch die Fälle in der Dominikanischen Republik, die aus dem Nachbarstaat Haiti eingeschleppt werden, gefährden die Sicherheit der Urlauber in diesem beliebten Reiseland nicht wirklich. Eine generelle Impfung wird nicht empfohlen. In Deutschland kann sich die Cholera aufgrund unseres Hygienestandards kaum verbreiten.
Es gibt einen hochwirksamen und gut verträglichen Schluckimpfstoff gegen Cholera. Dieser wird vor allem für medizinisches Personal an entsprechenden Kliniken oder für Sozialarbeiter in Slums empfohlen. Natürlich sollten sich alle Helfer in aktuellen Infektionsgebieten wie Haiti impfen lassen.
Daneben wirkt der Impfstoff gut gegen die ETEC-Durchfallerkrankung. Dies ist einer der häufigsten Erreger von so genannten Reisedurchfällen. Durch die Impfung können durchschnittlich etwa ein viertel aller Reisedurchfälle vermieden werden. Wir empfehlen die Impfung damit allen Patienten die besonders durch Durchfälle gefährdet wären, etwa bei dauerndem Gebrauch von Magensäurehemmern oder Personen mit chronischen Darmentzündungen.
Die derzeitige Seuchensituation bezüglich Cholera bedeutet keine Einschränkung für den Reisenden. Ist für Sie die Impfung ein relevantes Thema in der reisemedizinischen Vorbereitung?
Dr. med. Nikolaus Frühwein