KW 1/2009: Epidemiologische Informationen

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Chikungunya-Virus in Singapur
Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur steigt die Zahl der wöchentlich gemeldeten Erkrankungsfälle von Chikungunya-Fieber kontinuierlich an. In der Woche vom 14. Dezember waren rund 40 autochthon erworbene Erkrankungsfälle und 4 aus Malaysia importierte Erkrankungsfälle diagnostiziert und gemeldet worden. Insgesamt waren in diesem Jahr ca. 400 Erkrankungsfälle in Singapur erworben worden, weitere rund 160 Erkrankungsfälle wurden von außerhalb (meist Malaysia) eingeschleppt.

In Singapur scheint sich die epidemische Situation augenblicklich zu stabilisieren oder sich noch zu verstärken. Reisende nach Singapur und Malaysia sollten die Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 27. Dezember 2008).

Streptokokken-Infektion in China
In einer psychiatrischen Klinik in Hongkong sind mindestens 15 Patienten an Infektionen mit Streptococcus pyogenes erkrankt. Die Behörden gehen von einer nosokomialen Übertragung aus. Der genaue Übertragungsweg und die Infektionsquelle sind bisher unklar. Die Patienten werden mittlerweile unter Isolierbedingungen medizinisch betreut. Die Situation wird als so ernst eingeschätzt, dass auch alle Besuche in der betroffenen Einrichtung untersagt wurden. Für Reiserückkehrer aus Hongkong mit schweren Wundinfektionen sollte eine Streptokokken-Infektion ausgeschlossen werden (ProMED, 1. Januar 2009).

Chikungunya Virus-Infektion in Australien aus Malaysia
In Australien wurden 2 Infektionen von Chikungunya-Fieber bei Australiern diagnostiziert. Die beiden Patienten kamen von einer Reise von der Insel Sibu in Malaysia zurück. Sibu liegt vor der Küste des Bundesstaats Johor, in dem ebenfalls ein Ausbruch mit Chikungunya-Fieber gemeldet wurde. Insgesamt zeigt sich weiterhin eine Tendenz der Ausbreitung des Chikungunya-Virus in Südostasien. Reisende nach Südostasien sollten grundsätzlich über das erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und ganztägige Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 1. Januar 2009).

Leptospirose in Guyana
In Guayana wurden in den letzten 2 Woche mehr als 70 Patienten mit Leptospirose diagnostiziert. Die Ursache für den Ausbruch wird in den starken Regenfällen gesehen, die vor allem die Küstengebiete im Osten der Hauptstadt bis zu knietief überschwemmt haben. Die Leptospiren werden von chronisch infizierten Nagetieren und z.T. von Haustieren (Schweine, Pferde) ausgeschieden. Insbesondere Nager scheiden jedoch die Erreger insbesondere in Stress-Situationen (Überschwemmung der Nagerbauten) in großen Mengen aus. In tropischen Regionen werden daher immer wieder Ausbrüche von Leptospirose nach Überschwemmungen beobachtet. Bei Reisenden aus Guyana mit fieberhaften Infektionen sollte eine Leptospirose abgeklärt werden (ProMED, 1. Januar 2009).

Leptospirose in Sri Lanka
In der Nordwest-Provinz Sri Lankas wurden in diesem Jahr schon mehr als 280 Erkrankungsfälle von Leptospirose diagnostiziert. Davon sind 55 Patienten verstorben. Betroffen sind insbesondere männliche Erwachsene mit Berufen, die einen Kontakt mit Nagetieren haben, z.B. Bauern, Minenarbeit und Lehmarbeiter. Die am meisten betroffene Altersgruppe ist die Gruppe der 20- bis 50jährigen. Die hohen Letalitätsraten weisen auf schwere Verlaufsformen hin, wie sie u.a. bei der Weilschen Erkrankung (Leptospira icterohaemorrhagiae) mit Leber- und Nierenversagen beobachtet werden. Als übertragende Nagetiere werden insbesondere Ratten genannt, die sich vor allem in der Umgebung von Häusern aufhalten. Reisende aus Sri Lanka mit fieberhaften Infektionen sollten auf Leptospirose untersucht werden (ProMED, 1. Januar 2009).

Influenza in Europa
In Europa wird augenblicklich schon eine erhöhte Influenza-Aktivität in Großbritannien, in Irland, in Spanien und in Bulgarien beschrieben. Die Inzidenz in England hat sich innerhalb von einer Woche von 18 auf 45/100.000 mehr als verdoppelt. Rund 90% der bisher identifizierten Influenza-Virusstämme gehören dem Subtyp A H3N2 an, rund 8% sind Influenza A H1N1 an und 2% wurden als Influenza B identifiziert. Die H3N2-Stämme ähneln den in Australien in diesem Jahr nachgewiesen Stämmen sehr. Diese Stämme führten zu einer erhöhten Kindersterblichkeit und zu schweren Erkrankungsverläufen in Australien. Alle bisher getesteten H3-Typen zeigten sich als empfindlich gegen die verfügbaren Neuraminidasehemmer (Oseltamivir, Zanamivir), während fast alle getesteten H1-Stämme gegen Oseltamivir resistent sind. Reisende aus den genannten Ländern mit fieberhaften Infektionen sollten auf Influenza abgeklärt werden. Bei schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungsformen sollte Zanamivir verwendet werden, um eine potentielle Oseltamivir-Resistenz zu umgehen (ProMED, 1. Januar 2009).

Angiostrongyliasis in Ekuador

In Ekuador sind seit Mitte dieses Jahres mindestens 11 Patienten an Infektionen mit Angiostrongyloides cantonensis erkrankt. Ein Patient ist an der Infektion mit dem Ratten-Lungenwurm verstorben. Es handelt sich um den erstmaligen Nachweis dieser Nematodeninfektion in Ekuador. Betroffen ist insbesondere die ekuadorianische Provinz Los Rios. In Südamerika war diese Wurminfektion bisher nur in Brasilien nachgewiesen worden. Die Infektion erfolgte bei allen Patienten mittels Wurmlarven-tragender Süßwasser-Schnecken, die von den Patienten roh verzehrt wurden. Die Infektion manifestiert sich gastrointestinalen Symptomen (Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerz, Übelkeit) und neurologischer Symptomatik (v.a. eosinophile Meningitis). Der Entwicklungszyklus umfasst Ratten und Schnecken, der Mensch stellt einen Fehlwirt für den Wurm dar. Reisende nach Ekuador sollten jeden Genuss roher Süßwasser-Schnecken vermeiden (ProMED, 31. Dezember 2008).

Windpocken in Singapur
In Singapur sind mindestens 10 Arbeiter aus Bangladesch im Alter zwischen 20 und 35 Jahren an Windpocken erkrankt. Der Ausbruch kam zutage, als einer der Patienten an Windpocken verstarb, wobei die genaue Ursache noch unklar ist. Alle betroffenen Patienten wohnen in einem Wohnheim in Singapur. Nach Auskunft der Arbeiter hätte ein Anruf bei der Beschäftigungsfirma mehrere Tage lang nicht zu einer medizinischen Betreuung der Erkrankten geführt. Aktuell wird eine erhöhte Aktivität der Windpocken in Singapur beobachtet. Reisende nach Singapur und die angrenzenden Regionen sollten über eine ausreichende natürliche oder impfinduzierte Immunität verfügen (ProMED, 31. Dezember 2008).

Amnestisches Schalentier-Syndrom in Chile
An der Küste der nordchilenischen Provinz Atacama wurde in dort gefangenen Schalentieren Domoinsäure in hohen Konzentrationen nachgewiesen. Domoinsäure ist ein Amin mit ähnlicher Struktur und Wirkung wie Glutaminsäure oder Kanainsäure und verursacht beim Menschen das sog. Amnestische Schalentier-Syndrom. Bisher wurden keine menschlichen Erkrankungsfälle beschrieben, jedoch wurde von den zuständigen Gesundheitsbehörden jeglicher Fang und In-Verkehr-Bringen von Schalentieren aus der Region verboten. Domoinsäure ist hitzestabil und wird durch Kochen nicht zerstört. Domoinsäure wirkt bis zu 100mal stärker als Glutaminsäure. Sie stimuliert exzitatorische Rezeptoren in verschiedenen Hirnregionen, u.a. im Hippocampus. Diese Aktivierung führt zu Gedächtnis- und Geschmacksveränderungen (u.a. anterograde Amnesie) sowie zu zentralnervösen Anfällen. Im Rahmen von Autopsien wurden Nekrosen von Nervenzellen im Hippocampus nachgewiesen (PRoMED; 30. Dezember 2008).

Dengue-Fieber in Singapur
Die Zahl der in diesem Jahr registrierten Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber in Singapur wird mit rund 6.500 angegeben. Damit liegt die Zahl um rund 2.500 Fälle niedriger als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Dies ist umso interessanter, da in den umliegenden Ländern Südostasiens eine im Vergleich zum Vorjahr deutlich höhere Dengue-Aktivität mit höheren Erkrankungszahlen beobachtet wird. Die Gesundheitsexperten führen den Rückgang der Erkrankungsfälle vor allem auf die intensiv durchgeführte Vektorbekämpfung zurück. Trotz der gesunkenen Erkrankungszahlen ist das Dengue-Fieber in Singapur weiterhin endemisch. Reisende nach Singapur sollten in Stadtregionen mit erhöhtem Stechmücken-Risiko eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED; 30. Dezember 2008).

Tollwut in Zentral-Asien
In mehreren Ländern Zentralasiens wird über eine erhöhte Tollwut-Aktivität berichtet. In der südlichen Provinz Chimkent in Kasachstan sind innerhalb von 3 Monaten 3 Personen an Tollwut erkrankt und verstorben. Chimkent gilt als die Region mit der höchsten Tollwut-Aktivität in Kasachstan. Auch in Tadschikistan wird eine deutlich höhere Tollwut-Aktivität registriert. Die Zahl der diagnostizierten menschlichen Erkrankungsfälle in den ersten 10 Monaten des Jahres hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 6 auf 13 verdoppelt. Es wurden keine Angaben zum Übertragungstyp gemacht, jedoch ist vom urbanen Typ auszugehen, d.h. in erster Linie verwilderte Hunde übertragen die Tollwut auf den Menschen. Reisende nach Zentralasien sollten jeden direkten Kontakt zu Haus- und Wildtieren vermeiden (ProMED, 30. Dezember 2008).

Typhus in China
In der zentralchinesischen Provinz Hubei sind mehr als 80 Schüler einer Mittelschule an Typhus erkrankt. Nach chinesischen Angaben wurde bei mehr als 60 Schülern die entsprechende Diagnose mikrobiologisch gesichert. Infektionsquelle und Übertragungsweg wurden bisher nicht mitgeteilt, da die epidemiologischen Untersuchungen durch die Gesundheitsbehörden noch laufen. Grundsätzlich besteht in den weniger entwickelten Regionen und Provinzen Chinas ein erhöhtes Risiko von gastrointestinalen Infektionen und auch des Typhus. Reisende dorthin sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene befolgen (ProMED, 29. Dezember 2009).

Typhus in Neu-Guinea
Auf der in Papua Neuguinea in der Milne Bay Provinz gelegenen Insel Kiriwina wird seit Monaten ein Typhus-Ausbruch beschrieben, der sich jedoch in den letzten Wochen intensiviert zu haben scheint. Aktuell ist von mehr als 20 Erkrankungsfällen die Rede. Infektionsquelle und Übertragungswege sind bisher unbekannt. Ein Feld-Epidemiologie-Team ist vor Ort, um die Epidemiologie des Ausbruchs zu untersuchen. Nachdem das geographische Ausmaß des Ausbruchs nicht ganz klar ist, sollten Reisende in die genannte Provinz Papua Neu-Guineas alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachten (ProMED, 29. Dezember 2008).

Echinokokkose in Russland
In der russischen Region Bashkortostan, im Süden des Ural, wird eine beunruhigende Zunahme der Fälle von Echinokokkose beschrieben. Die Zahl der diagnostizierten Erkrankungsfälle hatte sich in diesem Jahr im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres fast verdoppelt. Die Gesundheitsbehörden warnen dir dortige ländliche Bevölkerung vor Kontakten mit Haustieren. Insbesondere Kontakte mit Weidetieren und mit unbehandeltem Gemüse und Salat aus Gärten und der Genuss unbehandelten natürlichen Wassers sollten vermieden werden, um eine Infektion zu vermeiden. Als mögliche Ursache für den Anstieg der Infektionen wird eine Zunahme der Hundepopulation genannt, die v.a. als Wachhunde und zum Schutz von Tierherden gehalten werden. Reisende in die genannte Region sollten die Empfehlungen der lokalen Gesundheitsbehörden befolgen (ProMED, 29. Dezember 2008).

Rift Valley Fieber in Madagaskar
In Madagaskar ist auf mindestens 5 Farmen Rift Valley Fieber bei Rindern ausgebrochen. Die betroffene Region liegt im zentralen südlichen Bergland rund 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Antananarivo. Über menschliche Erkrankungsfälle wurden bisher keine Angaben gemacht. Insgesamt sind 16 Rinder betroffen, davon sind 14 an der Infektion verendet. Nähere Angaben zum Ausmaß und evtl. zu möglichen Vektoren wurden nicht gemacht. Es ist auffällig, dass der Ausbruch deutlich weiter südlich auftrat als frühere Ausbrüche. Reisende nach Madagaskar in die genannte Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen und jeden direkten Kontakt mit dem Fleisch oder mit der Milch von Haustieren vermeiden (ProMED, 27. Dezember 2008).



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