KW 9 / 2009: Epidemiologische Informationen

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Hantavirus-Kardiopulmonales Syndrom in Brasilien
Im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul ist ein Patient an einem Hantavirus- Kardiopulmonalen Syndrom verstorben. Es handelt sich um den ersten Todesfall an dieser Infektion in diesem Jahr. Die Erkrankung trat in der Stadt Tatterdemalion auf. Der genaue Erreger und die übertragende Nagerspezies sind nicht bekannt. In der genannten Region kommen zwei humanpathogene Hantaviren vor: Laguna Negra-Virus (Überträger ist Calomys callosus) und Castelo dos Sonhos (Überträger Oligoryzomys moojeni).

Die genannten Hantaviren werden durch Aerosol der Exkremente oder durch direkten Kontakt mit den Nagetieren übertragen. Die Infektion manifestiert sich als kombiniertes kardiorespiratorisches Versagen mit einer Letalität von rund 40%. Reisende nach Nord- und Südamerika sollten grundsätzlich jeden direkten Kontakt mit Nagetieren und mit potentiell kontaminierten Gegenständen vermeiden (ProMED, 25. Februar 2009).

Tollwut in den USA
In mehreren US-Bundesstaaten wird weiterhin eine hohe Tollwut-Aktivität beobachtet. In Kentucky wurden seit Jahresbeginn schon 5 Erkrankungsfälle von terrestrischer Tollwut diagnostiziert, während im gesamten Jahr 2008 dagegen nur 4 tierische Tollwutfälle, 3 davon in Fledermäusen registriert. Im US-Bundesstaat New Mexiko wird über mehrere tollwütige Luchse berichtet. Innerhalb von nur 5 Tagen konnte in 2 Luchsen Tollwut nachgewiesen werden. Einer der Luchse hatte zuvor einen Haushund attackiert und infiziert. Am wahrscheinlichsten erscheint eine Infektion durch tollwütige Füchse. Im US-Bundesstaat wurde Tollwut bei 3 Kälbern diagnostiziert, die zuerst mit Symptomen von Pneumonie auffielen. Als Infektionsquelle konnte hier ein tollwütiger Waschbär identifiziert werden. Reisende in die USA, insbesondere in ländliche Regionen sollten jeden direkten Kontakt mit Tieren mit auffälligem Verhalten vermeiden und im Falle eines direkten Haut- oder Schleimhautkontakts unverzüglich einen Arzt aufsuchen (ProMED, 21./22./23. Februar 2009).

Mumps in England
An der Universität von Chichester sind mehr als 60 Studenten an Mumps erkrankt. Betroffen sind beide Universitätsstandorte in den beiden benachbarten Städten Chichester und Bognor an der Südküste Englands. Zum Ausbruchs-Management wurden Experten der englischen Gesundheitsbehörde hinzugezogen. Studenten mit Erkrankungsverdacht werden sofort nach Hause geschickt, um eine Weiterverbreitung der Infektion zu unterbinden. Weiter werden Impfungen angeboten. Reisende und insbesondere Schüler und Studenten, die in England eine Schule oder eine Universität besuchen wollen, sollten über einen ausreichende Mumps-Immunschutz verfügen (ProMED, 21. Februar 2009).

Tollwut aus Indien in den Vereinigten Arabischen Emiraten

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein Patient an Tollwut verstorben. Es handelt sich um den ersten menschlichen Tollwut-Fall in diesem Land seit 10 Jahren. Es handelte sich um einen indischen Arbeiter, der vor der Reise nach Arabien noch im Heimatland Indien von einem Hund in die Hand gebissen worden war. Der Vorfall lag 6 Monate zurück. Indien und die südostasiatischen Regionen stellen immer wieder den Ursprung für Tollwut-Erkrankungsfälle dar, die aus diesen Ländern von Reisenden in entwickelte Länder eingeschleppt werden. Bei der Infektionsquelle handelt es sich meist um streunende Hunde, jedoch werden auch Tollwutfälle durch Affenbisse gesehen. Reisende nach Indien oder Südostasien sollten jeden direkten Haut- und Schleimhautkontakt mit auffälligen Tieren vermeiden. Im Fall eines Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Reisende mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten eine präexpositionelle Tollwut-Impfung vor Reisebeginn durchführen lassen (ProMED, 21. Februar 2009).

Meningokokken-Meningitis in Nigeria

Im westafrikanischen Staat Nigeria sind seit Jahresbeginn bereits mindestens 1360 Erkrankungsfälle von Meningokokken-Meningitis aufgetreten. Mehr als 100 Patienten sind verstorben (Letalität ca. 8%). Betroffen sind mehr als die Hälfte der 35 nigerianischen Bundesstaaten. In 8 Bundesstaaten wurde der Grenzwert zum epidemischen Auftreten bereits überschritten und die betroffenen Bundesstaaten haben daraufhin eine entsprechende Warnung bekannt gegeben. In den bisherigen wenigen getesteten Erkrankungsfällen handelte es sich um Meningokokken der Serogruppe A. Reisende nach Nigeria und in den gesamten sog. Meningitis-Gürtel Afrikas sollten bei Haushaltskontakten mit der einheimischen Bevölkerung über einen ausreichenden Immunschutz (ACWY-Impfstoff) verfügen.

Cadmium-Vergiftung in Thailand
In der im Nordwesten Thailands gelegenen Provinz Trak sind möglicherweise mehr als 7.000 Menschen an Symptomen einer Cadmium-Vergiftung erkrankt. In der betroffenen Region wird Zink abgebaut und die Schwermetallvergiftung rührt möglicherweise von diesem Abbau. Die Reisbauern in der Region stellten in den letzten Jahren eine Dunkelfärbung des angebauten Reises fest. Im angebauten Reis konnten bis zu fünffach erhöhte Cadmiumkonzentrationen nachgewiesen werden. Der produzierte Reis darf nicht mehr verkauft werden. Die betroffene Bevölkerung klagt über starke Knochenschmerzen und über Nierenversagen, typische Probleme einer Cadmiumvergiftung, ein Erkrankungsbild, das in Japan auch als „itai itai“ bezeichnet wird. Insbesondere der chronische Genuss des kontaminierten Reises kann zu entsprechenden Symptomen führen. Reisende in die Region sollten den Genuss von verfärbtem, insbesondere dunkel gefärbtem Reis vermeiden (ProMED, 20. Februar 2009).

Clenbuterol-Vergiftung in China

In der chinesischen Provinz Guangdong sind mindestens 70 Menschen durch den Verzehr von Schweinefleisch erkrankt. Als Ursache konnten erhöhte Konzentrationen von Clenbuterol identifiziert werden. Clenbuterol zeigt eine Muskel-aufbauende Wirkung und wird daher illegal als Dopingmittel verwendet. In der Tiermast wird es, ebenfalls illegal, zum Muskelaufbau bei Schweinen verwendet. Bei Menschen führt es zu einer adrenergen Reaktion mit Herzrasen oder gastroenteraler Symptomatik, die zum Tode führen kann. Aufgrund der Zahl der in den letzten Jahren nachgewiesenen Lebensmittel-Kontaminationen in China sollten Reisende in China grundsätzlich vorsichtig sein beim Verzehr von Nahrungsmitteln unbekannter Herkunft, insbesondere Nahrungsmittel aus eigener Produktion in ländlichen Regionen (ProMED, 25. Februar 2009).

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in Chile
Eine Schülerin ist in Zusammenhang mit einem Zeltlager-Aufenthalt im conquillio Nationalpark in der chilenischen Region Asaucania an Hantavirus Kardiopulmonalem Syndrom erkrankt. Sie wird aktuell auf einer Intensivmedizin-Station extrakorporal beatmet und befindet sich in kritischem Zustand. Die Identität des verursachenden Hantavirus ist bisher nicht bekannt, doch gehen die chilenischen Gesundheitsexperten davon aus, dass es sich um eine Infektion mit Andes-Virus handelt. Reisende in den genannten Nationalpark oder die Region Araucania in Chile sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren bzw. deren Exkrementen vermeiden (ProMED, 26. Februar 2009).

Kuhpocken in Europa
Als mehreren Ländern Europas werden Fälle von Kuhpocken gemeldet. Als Überträger dieser Infektion konnten Nager, insbesondere Ratten, identifiziert werden, die als sog. “Kuschelratten“ verkauft werden. In Deutschland traten Fälle insbesondere in Nordrhein-Westfalen und im bayerischen Raum auf. In Frankreich sind mindestens 21 Erkrankungsfälle in der Region Oise in Nordfrankreich aufgetreten. Als Ursprung des Kuhpockenvirus werden ein oder mehrere Züchter in der Tschechischen Republik vermutet, die infizierte Tierbestände an Züchter in Deutschland und möglicherweise Frankreich auslieferten. Die Infektion verläuft bei Immungesunden als lokales vesikuläres Exanthem, kann jedoch bei immunsupprimierten Patienten als generalisierte Kuhpocken-Infektion lebensbedrohlich verlaufen. Bei einem lokalen bläschenförmigen Ausschlag nach direktem Kontakt insbesondere mit Ratten sollten eine Kuhpocken-Infektion abgeklärt werden (ProMED, 26./27. Februar 2009).

Lassa-Fieber in Nigeria
Nach Angaben der Territorialverwaltung der Hauptstadt Nigerias wird im so genannten Bundeshauptstadt-Territorium und in den angrenzenden nigerianischen Bundesstaaten, insbesondere in Nassarrawa, ein Lassa-Fieberausbruch beobachtet. Aktuell ist von mehr als 90 Erkrankungsfällen mit mindestens 8 Todesfällen innerhalb von 3 Woche die Rede. Unklar ist noch, ob es sich um eine erhöhte Aktivität des Lassavirus oder nur um eine erhöhte Wachsamkeit und Registrierung handelt. Lassavirus wird von Ratten übertragen, die chronisch infiziert das Virus mit Urin und anderen Exkrementen ausscheiden. Lassa-Fieber ist das häufigste schwer verlaufende virale hämorrhagische Fieber, das auch bei Reisenden gesehen wird. Reisende sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren bzw. deren Exkrementen vermeiden (ProMED, 26. Februar 2009).

Viszerale Leishmaniose in Argentinien
In Posadas, einer Stadt in der nordargentinischen Provinz Misiones, sind innerhalb weniger Tage 2 Menschen an viszeraler Leishmaniose erkrankt. Die Gesundheitsbehörden befürchten, dass es sich um eine erhöhte Aktivität des Erregers handelt und damit die Gefahr eines Ausbruchs und vor allem auch der Ausbreitung in andere Regionen und andere Provinzen besteht. Leishmania chagasi wird von Sandmücken der Gattung Lutzomyia übertragen. Als natürlicher Wirt im Vermehrungszyklus dienen Hunde. Reisende in den Norden Argentiniens und vor allem in die Stadt Posadas sollten Maßnahmen zum Schutz vor Sandmückenstichen (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 26. Februar 2009).

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in Paraguay

In der Paraguayanischen Provinz Chaco sind 2 Menschen an Hantavirus Kardiopulmonalem Syndrom erkrankt. Einer der Patienten ist an der Infektion verstorben. Es handelt sich um zwei Landarbeiter aus Presidente Hayes. In der gleichen Region war es schon im Jahr 2008 zu einem Ausbruch des Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom 9 Erkrankungsfällen und 4 Todesfällen. Reisende nach Paraguay und vor allem in die Region Chaco sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden (ProMED, 26. Februar 2009).

Milzbrand in Italien
Aus der italienischen Provinz Umbrien wird ein Fall von Milzbrand bei einem Rind gemeldet. Es handelt sich um ein Tier aus einer Herde von 400 Tieren. Der Erreger ist vom italienischen Referenzlabor bestätigt. Als Infektionsquelle wird kontaminiertes Heu vermutet, da sich die Tiere in entsprechender Zeit nicht auf der Weide befanden. Aktuell wird die Herkunft des Heus abgeklärt. Für Menschen besteht augenblicklich damit keine Gefahr. Es handelt sich um den zweiten Fall von Milzbrand bei Rindern innerhalb von nur 2 Jahren. Grundsätzlich sollte jedoch jeder direkte Hautkontakt mit Tierkadavern vermieden werden (ProMED, 26. Februar 2009).

Poliomyelitis in Kenia
Im Norden Kenias wurde bei einem vierjährigen Mädchen Poliomyelitis diagnostiziert. Es handelt sich um den ersten Fall von Polio in Kenia seit 2006. Die Infektion des Mädchens erfolgte nachweislich im Süden Sudans in einem Flüchtlingslager. Die kenianischen Gesundheitsbehörden haben für den 7. März eine große Impfaktion für die Region angekündigt, in der rund 95.000 Kinder geimpft werden sollen. Aktuell gilt Afrika noch als poliomyelitis-endemischer Kontinent. Reisende nach Kenia und insgesamt nach Afrika sollten über eine gültige Poliomyelitis-Impfung verfügen (ProMED, 27. Februar 2009).



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