KW 10 / 2009: Epidemiologische Informationen

Nahrungsmittelinfektion in Kwazulu-NatalIn Kwazulu-Natal sind mehr als 500 Kinder in Krankenhäuser eingewiesen worden zur Behandlung einer Nahrungsmittelinfektion. Diese war durch gehacktes Fleisch verursacht worden, das in verdorbenem Zustand zum Nahrungsmittel verarbeitet und im Rahmen einer Schulspeisung an die Kinder verabreicht wurde. Der Erreger konnte bisher nicht identifiziert werden. Grundsätzlich sollte gehacktes Fleisch nur mit großer Vorsicht genossen werden, da es immer wieder als Ursache für Nahrungsmittelinfektionen identifiziert wird (ProMED, 28. Februar 2009).
Cryptosporidiose in AustralienIm australischen Bundesstaat New South Wales wird ein großflächiger Ausbruch mit Cryptosporidiose befürchtet. Die durch den Einzeller Cryptosporidium parvum verursachte Darminfektion wurde innerhalb der letzten Wochen mehr als 250mal diagnostiziert, wobei im Januar 2009 ein deutlicher Anstieg der Erkrankungsfälle zu verzeichnen war. Allein an einem einzigen Tag wurden 44 Erkrankungen registriert. Die Übertragung scheint in erster Linie durch Wasser in Swimmingpools zu erfolgen. Die meisten erkrankten Patienten weisen als Risikofaktor Schwimmen in Swimmingpools auf. Die Gesundheitsbehörden weisen nun dringend darauf hin, dass alle Personen mit gastrointestinalen Infektionen für mindestens 14 Tage nicht Swimmingpools schwimmen sollten, um diese nicht zu kontaminieren. Cryptosporidien sind relativ resistent gegen normale Chlorierung. Nur Überchlorierung kann die Protozoen abtöten. Reisende nach Australien sollten über das aktuell erhöhte Risiko informiert werden und Schwimmen in Swimmingpools vermeiden (ProMED, 2. März 2009).
Masern in NeuseelandDie Masern breiten sich in Neuseeland weiter aus. Mittlerweile sind mindestens 13 Bewohner von Otago Southland an Masern erkrankt. Beim Indexfall handelte es sich um einen reisende Familie mit Kontakt zu einem vietnamesischen Kind mit Masern. Die Gesundheitsbehörden fordern nun die Bewohner zu erhöhter Wachsamkeit bezüglich der ersten Symptome von Masern auf. Weiterhin sollten alle Eltern die Impfpässe der Kinder überprüfen und ggf. den Impfstatus vervollständigen. Reisende nach Australien sollten ebenfalls den Impfstatus vor Reisebeginn kontrollieren und ggf. vervollständigen (ProMED, 2. März 2009).
Kyasanur Forest Krankheit in IndienIm indischen Bundesstaat Karantaka ist die Kyasanur Forest Krankheit wieder aufgetreten. Im Subdistrikt Honnovar sind mindestens 24 Menschen an der Virusinfektion erkrankt. Weiterhin wurden 14 tote Affen in der Umgebung der betroffenen Ortschaften gefunden. Kyasanur Forest Krankheit ist eine Virusinfektion. Das Virus gehört in die Familie der Flaviviren, es ist nahe mit unserem FSME-Virus verwandt und die Übertragung erfolgt durch Zecken. Die Infektion kann sich beim Menschen als hämorrhagisches Fieber oder als Enzephalitis manifestieren. Das Risiko für Reisende erscheint aktuell gering. Bei Reisen in das endemische Gebiet sollte jeder Kontakt mit toten Affen vermieden und Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (Expositionsprophylaxe) durchgeführt werden (ProMED, 3. März 2009).
Milzbrand in KeniaIn Kenia sind mindestens 4 Menschen am Milzbrand erkrankt. Einer der erkrankten Patienten, ein Schuljunge, ist an der Infektion verstorben. Als Infektionsquelle wird infiziertes Fleisch eines am Milzbrand verstorbenen Rindes angesehen. Das Fleisch wurde an ahnungslose Mitbewohner verkauft. Aktuell ist Trockenzeit in Kenia und die Nahrungsmittel werden knapp, so dass alle möglichen verfügbaren Fleisch- oder Nahrungsmittelquellen Verwendung finden. Reisende nach Kenia sollten aktuell besonders vorsichtig beim Verzehr von Fleisch sein und jeden direkten Kontakt mit Tierkadavern vermeiden (ProMED, 4. März 2009).
Poliomyelitis weltweitDer neueste Polio-Report der Weltgesundheitsorganisation weist auf ein epidemisches Geschehen im Südsudan und den angrenzenden afrikanischen Ländern Kenia (2 Erkrankungsfälle) und Uganda (1 Erkrankungsfall) hin. Weiterhin wurden im Nord-Sudan mehrere autochthone Poliofälle nachgewiesen. Besondere Bedeutung wird dem Nachweis von Polio-Wildvirus vom Serotyp 1 in Port Sudan beigemessen. Von hier aus breitete sich 2004 bis 2006 ein Ausbruch in die Länder Saudi-Arabien, Somalia, Jemen und Indonesien aus mit mehr als 1.200 Erkrankungsfällen. Neben den genannten Ländern haben im Jahr 2009 bereits Indien, Nigeria Pakistan, Benin, Afghanistan Togo, Angola, Burkina Faso, der Niger und Mali autochthone Polio-Fälle gemeldet. Nach wie vor gelten Afrika und Asien als polio-endemische Kontinente. Bei Reisen nach Afrika oder Asien sollten ein wirksamer Impfschutz gegen die Poliomyelitis bestehen (ProMED, 5. März 2009).
Masern in Taiwan aus ChinaAus Taiwan werden 2 Masernausbrüche gemeldet. Beide Ausbrüche sind nach den Angaben der taiwanesischen Gesundheitsbehörden mit Reiserückkehrern aus China assoziiert. Insgesamt wurden bisher 11 Erkrankungsfälle in beiden Ausbrüchen registriert. Molekularbiologische Untersuchungen der isolierten Masernviren zeigen, dass die beiden Ausbrüche nicht miteinander assoziiert sind. Betroffen sind Kinder im Alter von 8 Monaten bis 9 Jahren. Keiner der Patienten war gegen Masern geimpft. Reisende nach China und nach Taiwan sollten über einen ausreichenden Masern-Immunschutz verfügen (ProMED, 4. März 2009).
Milzbrand in ArgentinienIn der argentinischen Provinz Buenos Aires ist auf einer weiteren Rinderfarm Milzbrand aufgetreten. Betroffen ist eine Herde von 150 Tieren. 5 Tiere sind an der Infektion verstorben. Nach Angaben der Veterinärbehörden wurden die Kadaver sachgerecht entsorgt. Menschliche Erkrankungsfälle traten bisher nicht auf der Farm auf. Die Ausbrüche der letzten Wochen werden auf die extreme Trockenheit zurückgeführt. Es handelt sich um die geringsten Niederschläge seit 47 Jahren. Durch die Trockenheit werden Milzbrandsporen in der Erde verstärkt aerosolisiert und von den Rindern aufgenommen. Reisende sollten jeden direkten Kontakt mit Tierkadavern vermeiden (ProMED, 6. März 2009).
Malaria in Schweden aus ThailandIn der schwedischen Hauptstadt Stockholm wurden 2 Reisrückkehrer aus Thailand mit Malaria tropica in ein Krankenhaus eingewiesen. Alle beiden Patienten verbrachten unabhängig voneinander einen Teil der Reisezeit im Khao Sok Nationalpark in der Provinz Surat Thai im Süden Thailands. Der genannte Nationalpark scheint damit der wahrscheinlichste Infektionsort in Thailand zu sein. Nach Angaben der Reiseführer gilt der Nationalpark als Malaria-frei. Reisende in die genannte Provinz und besonders in den Khao Sok Nationalpark sollten eine Expositionsprophylaxe durchführen und bei besonders Übertragungsrisikoreichen Aktivitäten ggf. eine Chemoprophylaxe durchführen (ProMED, 6. März 2009).
Massenpsychose in NicaraguaIn mehreren Ortschaften Nicaraguas sind mehr als 40 Menschen einem vermutlich massenpsychotischen Anfall zum Opfer gefallen. Die Personen laufen unkoordiniert, laut schreiend durch die Dörfer. Ein Teil der Patienten zeigt jedoch daneben auch ein äußerst aggressives Verhalten mit Angriffen auf die übrige Dorfbevölkerung mit Messern oder Macheten. Die Ursache für die lokal als „grisi siknis“ bezeichneten Erkrankung ist weitgehend unklar. Experten vermuten, dass die andauernde starke Trockenheit evtl. mit der Erkrankung in Zusammenhang steht. Reisende in Nicaragua sollten Personen mit ungewöhnlichem Verhalten meiden (ProMED, 5. März 2009).
Dengue-Fieber in BrasilienIn mehreren brasilianischen Bundesstaaten werden augenblicklich Dengue-Fieberausbrüche beobachtet. Betroffen ist insbesondere die Ost- und Südostküste. Im Bundesstaat Sergipe ist ein 17 Monate altes Kind an der hämorrhagischen Fieberform erkrankt. Gesamtzahlen in diesem Bundesstaat wurden bisher nicht veröffentlicht. Im Bundesstaat Espirito Santo sind seit Jahresbeginn mindestens 6.300 Erkrankungsfälle aufgetreten. Dies bedeutet einen Anstieg um das Vierfache im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres. Aus Bahia werden aktuell mindestens 6 Todesfälle an Dengue Hämorrhagischem Fieber und mindestens 6.500 Erkrankungsfälle an der klassischen Manifestationsform gemeldet. Der Bundesstaat Rio de Janeiro untersucht mindestens 5 Todesfälle und hat seit Jahresbeginn mindestens 1.500 Erkrankungsfälle registriert. Reisende in die genannten Regionen sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2009).
Dengue-Fieber in BolivienAus Bolivien wird der schwerste Dengue-Fieberausbruch seit mindestens 10 Jahren, nach anderen Quellen sogar in der gesamten Geschichte Boliviens, gemeldet. Insgesamt ist von mehr als 31.000 Erkrankungsfällen seit Januar 2009 die Rede. Möglicherweise bis zu 80 Menschen sind bisher an der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion verstorben. Rund Dreiviertel der Erkrankungen werden aus dem Bundesstaat Santa Cruz gemeldet. Weitere betroffene Bundesstaaten sind Beni, Pando und Cochabamba. Reisende in die genannten Bundesstaaten Boliviens sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2009).
Dengue-Fieber in Costa RicaIn der costaricanischen Provinz Puntarenas sind mindestens 173 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt. Im Gegensatz dazu fiel die Zahl der Erkrankungen an der karibischen Küste im Vergleich zu Vorjahr deutlich ab. Die Gesundheitsbehörden beschlossen nun den ersten von insgesamt fünf Dengue-Gesundheitstagen durchzuführen. Dabei soll die Gesundheit auf ein Verhalten aufmerksam gemacht werden, was Brutstätten für Stechmücken reduziert. Reisende an die Pazifikküste Costa Ricas sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2009).
Dengue-Fieber in IndonesienIn der indonesischen Provinz Banten, im äußersten Westen der Insel Java, sind innerhalb eines Monats (Februar) mehr als 100 Menschen an einer Infektion mit Dengue-Viren verstorben. Genauere Informationen über die Zahl der Erkrankten wurden bisher nicht mitgeteilt. Die Gesundheitsbehörden gehen von einem weiteren Anstieg der Erkrankungszahlen aus, da üblicherweise im März die höchsten Erkrankungszahlen zu beobachten sind. Reisende nach Java und insbesondere in den Westen der Insel sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2009).
Dengue-Fieber in AustralienIm Norden des australischen Bundesstaats Queensland werden aktuell alle 4 Serotypen des Dengue-Virus beobachtet. Es handelt sich um das erste Mal in der Medizingeschichte Australiens, dass alle 4 Serotypen gleichzeitig zirkulieren. Gleichzeitig sprechen die Experten vom schlimmsten jemals erinnerlichen Dengue-Fieberausbruch auf dem 5. Kontinent. Seit Beginn des Ausbruchs vor ca. 3 Monaten sind mehr als 500 Erkrankungsfälle diagnostiziert worden. Dies bedeutet eine dreimal höhere Erkrankungszahl im Vergleich mit früheren Ausbrüchen. Betroffen ist insbesondere die Region um die Stadt Townsville. Allerdings wurde jetzt auch in Cairns ein erster Fall diagnostiziert, so dass sich die Virusinfektion möglicherweise ausbreitet. Reisende in die genannten Regionen Australiens sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2009).