KW 53 / 2009: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in SimbabweAus dem südafrikanischen Simbabwe wird ein Milzbrand-Ausbruch gemeldet. Betroffen sind zwei Regionen in den Provinzen Mashonaland West und Mashonaland Ost. Bisher sind mindestens eine Person und 23 Rinder an der Infektion verstorben. Die Zahl der erkrankten Menschen und ggf. Tiere (Haus- und Wildtiere) ist nicht bekannt. Die Regierung will nun 100.000 Tiere gegen Milzbrand impfen. Diese Zahlen sprechen für einen größeren Ausbruch der Zoonose. Die Gesundheitsbehörden raten dringend der Bevölkerung, kein Fleisch unbekannter Herkunft zu verzehren. Reisende nach Simbabwe sollten jeden direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermeiden,
sowie Fleisch unklarer Herkunft nicht zu kaufen oder zu verzehren (ProMED, 27. Dezember 2009).
Milzbrand in den USAIn Strafford County im US-Bundesstaat New Hampshire ist eine Frau am Darm-Milzbrand erkrankt. Nach Auskunft der Gesundheitsbehörden ist die Patientin in kritischem Zustand. Der Erkrankungsfall steht in Zusammenhang mit einem Trommlerkurs, bei dem afrikanische Trommeln verwendet wurden. Anthraxsporen konnten an zwei Trommeln und an einer elektrischen Leitung in einem Kurssaal nachgewiesen werden. Trotzdem wirft der Erkrankungsfall einige Fragen auf. Kontaminierte Trommelfelle können üblicherweise zu Hautmilzbrand (Kontakt mit Haut) oder Lungenmilzbrand (Inhalation von durch Trommeln entstandenem sporenhaltigem Aerosol) führen. Die aktuelle Arbeitstheorie geht davon aus, dass eine orale Infektion über kontaminierte Finger oder Verschlucken von sporenhaltigem Schleim aus der Trachea führte. Allen weiteren Teilnehmern des Trommelkurses wurde eine antibiotische Therapie angeboten. Das Kursgebäude wurde bis auf weiteres geschlossen. Trommelfelle (v.a. aus Afrika) führten in den letzten Jahren vereinzelt zu Milzbrand-Erkrankungen. Bei Reisenden, die entsprechende Felle oder Trommeln mitbringen und benutzen, sollte bei entsprechender Symptomatik differenzialdiagnostisch auch Milzbrand abgeklärt werden (ProMED, 27./30. Dezember 2009).
Gelbfieber an der ElfenbeinküsteAus dem westafrikanischen Land Elfenbeinküste wird ein Gelbfieberausbruch gemeldet. Bisher ist von mindestens 21 Todesfällen und 37 Verdachtsfällen die Rede. Der Ausbruch ereignet sich in der Denguele Region in der Ordienne Provinz im Norden des Landes. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs ist unklar. Die nationalen Gesundheitsbehörden haben gemeinsam mit der WHO ein Ausbruchsteam in die betroffene Region gesandt. Weiterhin ist die Beschaffung von rund 300.000 Impfdosen für die betroffene Bevölkerung im Gange. Die Elfenbeinküste liegt im afrikanischen Gelbfiebergürtel. Reisende in die Elfenbeinküste müssen über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 27./30. Dezember 2009).
Dengue-Fieber in IndonesienIn der indonesischen Provinz Ost-Kalimantan sind mehr als eintausend Menschen am Dengue-Fieber erkrankt. Betroffen sind insbesondere die Regionen von West Kutai und von Balikpapan. Während in West Kutain von mehreren hundert Patienten und von zwei Todesfällen die Rede ist, sprechen die Behörden in Balikpapan von mehr als 900 Erkrankten und zwölf Todesfällen. Bei den Erkrankten und Todesfällen handelt es sich überwiegend um Kinder. Als Ursache für die hohe Zahl von Erkrankungen und Todesfällen werden neben den ungünstigen klimatischen Bedingungen (starke Regenfälle) die fehlende medizinische Versorgung in den entlegenen Regionen und die schlechten Transportmöglichkeiten von Patienten in Krankenhäuser genannt. Die Behörden rechnen mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungsfälle in den nächsten Wochen, da die Regenzeit noch einige Wochen anhalten wird. Reisende nach Indonesien und insbesondere nach Kalimantan sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 28. Dezember 2009).
Dengue-Fieber in MexikoNeben dem Dengue-Fieberausbruch im Norden des Landes (Gujadalajara) wurde jetzt auch bei vier Bundesstaaten im Süden, Veracruz, Yucatan, Tabasco und Campeche, die Dengue-Fieber-Alarmstufe ausgerufen. Bisher wurden in den genannten Bundesstaaten 105 Erkrankungsfälle registriert. Davon verliefen 22 Fälle mit hämorrhagischer Symptomatik. Mindestens ein Patient ist bisher am Dengue-Fieber verstorben. Die Behörden gehen von einem weiteren Anstieg der Dengue-Virusaktivität in den nächsten Wochen aus, da aufgrund der Regenfälle mit weiter hohen Stechmücken-Populationen zu rechnen ist. Reisende in den Süden Mexikos sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 28. Dezember 2009).
Dengue-Fieber in San SalvadorIn El Salvador sind in diesem Jahr bereits mehr als 6.000 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber diagnostiziert worden. Dies bedeutet einen Anstieg um mehr als das Vierfache gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bisher verliefen rund 100 Erkrankungsfälle als hämorrhagische Manifestationsform, ein Anstieg um mehr als das Doppelte zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Elf Patienten verstarben bisher am Dengue-Fieber. Die Behörden gehen von einer weiterhin hohen Aktivität des Dengue-Virus aus. Reisende nach El Salvador sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 28. Dezember 2009).
Dengue-Fieber in ArgentinienIn der nordargentinischen Provinz Santa Fé sind vier Fälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Während es sich bei einem Patienten um einen importierten Fall handelt, ist die Herkunft der drei anderen Fälle unklar und wird aktuell von den Behörden untersucht, ob es sich um autochthon in Santa Fé erworbene Infektionen handelt. In der gleichen Region war im Sommer 2008/09 eine große Dengue-Fieberepidemie aufgetreten mit Tausenden von Erkrankungsfällen. Bis zur weiteren Klärung sollten Reisende in der betroffenen Region Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 28. Dezember 2009).
Tollwut in Bali, IndonesienAuf der indonesischen Insel Bali sind seit Beginn des aktuellen Ausbruchsgeschehens Mitte 2008 mindestens 27 Menschen an der Tollwut verstorben. Die Infektionen traten in Denpasar (2 Fälle), Tabanan (10 Fälle), Karangasem (2 Fälle), Ungasan (5 Fälle) und Gianyar, Buleleng, South Kuta, Kedonganan, Jalan Uluwatu, Nusa Dua, Jimbaran, Kutuh (je ein Fall) auf. Reisende insbesondere auf die Inseln Bali und Flores sollten über das aktuell bestehende erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und jeden direkten Haut- und Schleimhautkontakt mit Haus- oder Wildtieren vermeiden. Im Fall eines entsprechenden Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei Aktivitäten mit erhöhtem Risiko von Tierkontakten sollte ggf. eine Tollwut-Impfung vor Reiseantritt durchgeführt werden (ProMED, 29. Dezember 2009).
Tollwut in RusslandIn der Stadtregion von Moskau sind 41 Menschen in Krankenhäuser eingewiesen worden, nachdem sie direkten Kontakt mit tollwütigen Hunden hatten. In der Region Moskau hat die Zahl der streunenden Hunde in den letzten Jahren stark zugenommen. Der silvatische Übertragungszyklus wird nicht mehr primär von Füchsen aufrechterhalten. Hierfür spielt mittlerweile der Waschbärhund die wichtigste Rolle. Reisende in die Region von Moskau sollten jeden direkten Kontakt mit streunenden Hunden oder mit Wildtieren mit auffälligem Verhalten vermeiden und im Fall eines entsprechenden direkten Haut- oder Schleimhautkontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 30. Dezember 2009).
Hochresistente Tuberkulose in den USAIn den USA ist erstmalig ein Fall von extrem-resistenter Tuberkulose bekannt geworden. Es handelt sich um einen Peruaner, der für einen Englischkurs nach Florida im Jahr 2007 eingereist war und dort an einer schweren Atemwegsinfektion mit Fieber, Husten und Nachtschweißattacken erkrankt war. Nachfolgende Untersuchungen ergaben eine Infektion mit einem hochresistenten Antibiotika-Muster. Darunter versteht man Bakterienstämme, die gegen Antituberkulostatika der ersten zweiten und dritten Therapielinie resistent sind. Diese Stämme traten bisher vorwiegend in Afrika auf. Es handelt sich um den erstmaligen Nachweis eines entsprechenden Patienten in den USA. Mittlerweile ist der Patient nach 19monatiger Therapie mit Antibiotika entlassen worden und wieder nach Peru zurückgekehrt. Über seinen weiteren Gesundheitszustand liegen keine Informationen vor (ProMED, 30. Dezember 2009).
Artemisinin-Resistenz in SO-Asien Im thailändisch-kambodschanischen Grenzgebiet sind Stämme von Plasmodium flaciparum mit erhöhter Resistenz gegen Artemisinin aufgetreten. Darunter sind Stämme zu verstehen, die eine erhöhte Dosis oder eine längere Therapiedauer benötigen, um den Parasiten in vitro sicher abzutöten. Die lokalen Gesundheitsbehörden schätzen die Lage als kritisch ein, da die entsprechenden Stämme gegen alle üblicherweise verwendeten Anti-Malariamedikamente resistent sind. Damit wird eine Chemoprophylaxe in der entsprechenden Region zunehmend schwierig. Als Ursache für die Zunahme der Resistenz gegen Artemisinin wird die unkritische und falsche Verabreichung des Medikaments (zu niedrig dosiert, zu kurz verabreicht) genannt. Reisende in die genannte Region sollten sich strikt an die vorgegebenen Dosierungsempfehlungen halten. Im Fall eines Fiebers nach Aufenthalt sollte trotz Chemoprophylaxe auch die Malaria abgeklärt werden (ProMED, 30. Dezember 2009).
Masern in SimbabweIm Verlauf eines Masernausbruchs in mehreren Distrikten (Bubi, Murambinda, Makoni, Chipinge, Chirumanzu, Zvishavane and Marondera )im südafrikanischen Simbabwe sind mindestens 22 Patienten verstorben. Es ist von mehr als 350 erkrankten Menschen die Rede. Betroffen sind in erster Linie Kinder im Alter unter fünf Jahren. In Simbabwe herrscht üblicherweise eine hohe Durchimpfungsrate gegen Masern bei Säuglingen. In der offiziellen Information ist die Rede von Impfverweigerern, die hauptsächlich für Erkrankungsfälle verantwortlich zeichnen. Eine weitere Möglichkeit ist die zurückgehende Impfmöglichkeit aufgrund der herrschenden Situation. Reisende nach Simbabwe sollten einen Immunschutz gegen Masern aufweisen (ProMED, 29. Dezember 2009).