KW 49 / 2008: Epidemiologische Informationen

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Malaria in Guatemala
In der guatemaltekischen Provinz Chiquimula sind im Rahmen eines Malaria-Ausbruchs mehr als 200 Malaria-Fälle aufgetreten. Es handelt sich um die ersten bekannt gewordenen Erkrankungsfälle in der genannten Region. Insgesamt wurden in Guatemala im letzten Jahr mehr als 15.000 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Mehr als 98% waren Plasmodium vivax. Aktuell werden in den betroffenen Regionen Mücken-Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt. Bisher gibt es keine Änderungen der Malaria-Prophylaxeempfehlung. Hiernach sollte keine Chemoprophylaxe durchgeführt werden, sondern Chloroquin als Notfallmedikament mitgeführt werden. Reisende nach Guatemala sollten die Empfehlungen der persönlichen Stechmücken-Expositionsprophylaxe dringend beachten(ProMED, 2. Dezember 2008).

Hantavirus-Infektionen in Russland
In der Region Yaroslav im Zentrum des europäischen Teils Russlands sind in den letzten Tagen einzelne Fälle von Hämorrhagischem Fieber mit Renalem Syndrom aufgetreten. Es handelt sich um die ersten Fälle der durch Hantaviren verursachten Infektion in der genannten Region seit mindestens 6 Jahren. Das vermutlich verantwortliche Hantavirus ist Puumala-Virus. Es wird insbesondere durch die Rötelmaus übertragen. Reisende in den europäischen Teil Russlands sollten Maßnahmen zum Schutz vor direkten oder indirekten Kontakten mit Nagetieren oder deren Exkrementen durchführen (ProMED, 29. November 2008).

Meningitis in Russland
In der russischen Region Ryazan, südlich von Moskau im zentralen europäischen Russland, sind innerhalb weniger Tage 7 Kinder an aseptischer Meningitis erkrankt. Dies entspricht der Zahl der Erkrankungsfälle in der Region des gesamten Jahres 2007. Bisher konnte der verantwortliche Erreger nicht identifiziert werden, jedoch gehen die Behörden von Enteroviren aus. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Reisende und insbesondere Kinder sollten alle Maßnahmen der persönlichen Hygiene strikt anwenden (ProMED, 30. November 2008).

Leishmaniose in Brasilien
In einer Durchseuchungsuntersuchung wurde in Lago Norte, einem Nobelviertel der brasilianischen Hauptstadt Brasilia, wurde jeder 6. Hund mit Leishmaniose infiziert gefunden. Der Erreger, Leishmania chagasi, verursacht die viszerale Form der Infektion. Die Veterinärbehörden empfehlen die Tötung der infizierten Hunde,um die Infektionskette der Erkrankung zu unterbrechen. Reisende nach Brasilien und andere Teile Südamerikas sollten Maßnahmen zum Schutz vor Sandmückenstichen treffen. Auch in Großstädten mit hohen Hundepopulationen besteht die Gefahr der Übertragung von Leishmaniose (ProMED, 30. November 2008).

Listeriose in Chile
In der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile sind mindestens 5 Menschen an Listeriose verstorben. Mehr als 90 Menschen sind erkrankt, darunter etwa 40 Schwangere. Als Infektionsquelle wurde Weichkäse der Marke Brie Lescure identifiziert. An der Listeriose erkranken insbesondere Immunsupprimierte, Schwangere und Säuglinge. Die Infektion manifestiert sich als Meningitis, Pneumonie oder Sepsis. Reisende mit Grunderkrankungen und Schwangere sollten aktuell keinen Weichekäse der genannten Marke verzehren (ProMED, 29. November 2008).

Botulismus in Irland
In Irland sind 4 Drogenabhängige an Botulismus erkrankt. Es handelt sich um den ersten Ausbruch dieser Form seit 6 Jahren in Irland. Wund-Botulismus bei Drogenabhängigen wird üblicherweise durch mit Botulismus-Sporen kontaminiertem Heroin übertragen. Das Auftreten von 4 Erkrankungsfällen ist ein Hinweis, dass größere Mengen des im Umlauf befindlichen Heroins kontaminiert sind. Reisende Drogenabhängige nach Irland sollten über das aktuell hohe Infektionsrisiko informiert werden. Heroin-Abhängige sollten augenblicklich kein Heroin in Irland erwerben (ProMED, 29. November 2008).

Hepatitis B und C in Pakistan
In den östlichen Provinzen Pakistans ist in den letzten Wochen ein deutlicher Anstieg der Erkrankungszahlen von Hepatitis Bund Hepatitis C zu verzeichnen. Besonders betroffen dabei ist die Provinz Singh, östlich des Indus. In den betroffenen Regionen werden Nadeln und Spritzen häufig mehrfach benutzt, da ein akuter Mangel an medizinischem Verbrauchsmaterial besteht. Bluttransfusionen werden häufig ungetestet verabreicht, da die Kosten für die serologische Testung zu hoch ist und diese Teste häufig nicht verfügbar sind. Reisende nach Pakistan sollten grundsätzlich eine Hepatitis B- (und Hepatitis A-)Impfung aufweisen. Es sollte möglichst keine Bluttransfusion verabreicht werden (ProMED, 1. Dezember 2008).

Milzbrand in Simbabwe

Neben dem aktuell herrschenden Cholera-Ausbruch in Simbabwe scheint eine zweite Infektionskrankheit immer mehr Opfer zu fordern und sich weiter auszubreiten. Milzbrand ist in Teilen Simbabwes epidemisch auftretend. Nicht-Regierungs-Organisationen berichten von bisher mehr als 30 Erkrankungsfällen und mindestens 3 Todesfällen, verursacht durch den Verzehr von Fleisch Milzbrand-infizierter Tiere. Aktuell sind auch mindestens 150 Rinder verstorben und daneben auch eine ganze Reihe von Wildtieren (u.a. Elefanten, Nashörner, Büffel). Simbabwe ist aktuell kein Reiseland aufgrund der politischen Verhältnisse. Milzbrand könnte eine Gefahr für medizinisches und soziales Personal sein, das sich dort aus humanitären Gründen aufhält. Diese Personen sollten jeden Kontakt mit Tierkadavern oder kranken Tieren vermeiden (ProMED, 1. Dezember 2008).

Malaria in Europa aus Gambia

Bei einer Reihe von Reiserückkehrern aus Gambia sind in den letzten Wochen erstmalig seit 2005 Malaria tropica-Erkrankungsfälle aufgetreten. Insgesamt ist aktuell von mehr als 30 Erkrankungsfällen die Rede (England 4 Fälle, Norwegen 2 Fälle, USA 1 Fall, Niederlande 8 Fälle, Spanien 2 Fälle, Dänemark 8 Fälle, Finnland 8 Fälle). Ein dänischer Patient ist an der Malaria verstorben. Der überwiegende Teil der Patienten hatte keine oder eine nicht ausreichende Malaria-Prophylaxe durchgeführt. Der Anstieg der Erkrankungsfälle weist auf eine stark erhöhte Aktivität der Malaria auch in Touristen-Resorts hin. Reisende nach Gambia sollten auf die Malariagefahr hingewiesen werden und eine entsprechend empfohlene Malariaprophylaxe durchführen (ProMED, 29. November/1. Dezember 2008).

Tollwut auf Bali, Indonesien
Auf der beliebten indonesischen Ferien- und Touristeninsel Bali sind innerhalb weniger Wochen 4 Menschen an Tollwut verstorben. Die Gesundheits- und Veterinärbehörden verfügten eine Tötung der streunenden Hunde in der Region. Auf Bali und in großen Teilen Südostasiens ist die Tollwut hoch-endemisch. Die Übertragung erfolgt direkt durch den Biss streunender, verwilderter Hunde oder über die Infektion von Haushunden nach Kontakt mit verwilderten tollwütigen Hunden. Auch die Infektion durch Affenbisse wird immer wieder beobachtet. Reisende nach Bali sollten jeden direkten Kontakt mit Hunden oder Affen vermeiden und im Falle eines Haut- oder Schleimhaut-Kontakts mit verhaltensauffälligen Tieren sofort einen Arzt aufsuchen. Reisende nach Bali sollten vor Reiseantritt über das aktuell hohe Übertragungsrisiko informiert werden (ProMED, 5. Dezember 2008).

Brucellose in Bosnien-Herzegowina
In Bosnien-Herzegowina hat sich die Zahl der im Jahr 2008 diagnostizierten Erkrankungsfälle an Brucellose im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahrs mehr als verdoppelt. Es ist von mehr als 750 Erkrankungsfällen die Rede, wobei die Zahl der nicht gemeldeten Fälle ein Mehrfaches dieser Zahl beträgt. Die Zahl der infizierten Tiere geht nach Angaben der Veterinärbehörden in die Zehntausende. Die Brucellose wird auf den Menschen durch nicht ausreichend aufbereitete tierische Produkte (in erster Linie Milch, Käse) übertragen. Reisende nach Bosnien-Herzegowina sollten tierische Produkte in ausreichend erhitztem Zustand verzehren (ProMED, 4. Dezember 2008).

Rift Valley Fieber in Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien wurden bei mehreren Wiederkäuern IgM-Antikörper gegen Rift Valley Fieber-Virus nachgewiesen. Aktuell ist ein Mann aus der betroffenen Region Asir (Südwesten Saudi-Arabiens an der Grenze zum Jemen) mit Symptomen eines hämorrhagischen Fiebers in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Nach Angaben der arabischen Veterinärbehörden besteht aktuell der dringende Verdacht eines Rift Valley Fieber-Ausbruchs. Reisende in die aktuell betroffene Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken-Stichen durchführen. Weiterhin sollte keine Milch von Tieren unbehandelt getrunken und jeder direkte Kontakt mit Blut oder Fleisch von erkrankten Tieren (z.B. in Schlachthöfen) vermieden werden (ProMED, 3. Dezember 2008).

Tollwut in USA
Im US-Bundesstaat Missouri ist ein Mann an Tollwut verstorben. Der Patient war im Oktober von einer Fledermaus am Ohr gebissen worden und etwa 30 Tage später an Tollwut erkrankt und verstorben. Das verursachende Tollwut-Virus konnte als nordamerikanische Fledermaus-Variante identifiziert werden. Es handelt sich um den ersten menschlichen Erkrankungs- und Todesfall an Tollwut im Bundesstaat Missouri seit 1959. Das Beispiel zeigt, dass jeder Kontakt mit Fledermäusen zu einer Tollwut-Infektion führen kann. Die in den USA diagnostizierten Erkrankungsfälle werden überwiegend durch Fledermaus-Virusvarianten verursacht. Jeder direkte oder indirekte Kontakt mit Fledermäusen sollte vermieden werden und bei entsprechenden Kontakten sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 2. Dezember 2008).



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