KW 48 / 2008: Epidemiologische Informationen

Norovirus-Infektion in DeutschlandAuf einem Binnenschiff auf dem Rhein sind mehr als 40 Passagiere an einer Norovirus-Infektion erkrankt. Die Patienten litten unter Erbrechen und Durchfällen. 20 Passagiere wurden an Bord behandelt, mindestens 20 weitere Patienten in Krankenhäuser eingewiesen. Insgesamt waren es 8 Patienten, die ihre Reise nach Hause nicht fortsetzen konnten, darunter 4 aus Großbritannien. Norovirus-Infektionen können insbesondere für Kleinkinder und für Senioren über eine rasche und starke Dehydrierung zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild führen. Ausbrüche wurden in der Vergangenheit insbesondere von Meeres-Kreuzfahrtschiffen gemeldet.
Grundsätzlich sollten Reisende auf Schiffsreisen aufgrund der dort aufgrund der Enge herrschenden Verhältnisse alle Maßnahmen der individuellen Hygiene besonders sorgfältig anwenden (ProMED, 27. November 2008).
Neuer Lepra-Erreger in NordamerikaDie Untersuchung von 2 tödlichen Erkrankungsfällen einer speziellen Form der Lepra, der sog. diffusen lepromatösen Lepra, führte zum Nachweis eines neuen Erregers der Lepra. Der bisher noch nicht mit einem offiziellen Namen belegte Erreger konnte durch molekularbiologische Untersuchungen von Mycobacterium leprae unterschieden werden. Bisher ist es nicht gelungen, den bzw. die Erreger der Lepra in künstlichen Nährmedien zu kultivieren. Die diffuse leromatöse Lepra befällt die gesamte Haut und kann über Hautinfektionen zu einer Schocksymptomatik und zum Tod führen. Bisher war davon ausgegangen worden, dass insbesondere die Immunität des infizierten Menschen den Ausgang der Lepra bestimmt. Umso wichtiger ist damit die Diagnose und Differenzierung des Erregers im Fall einer Lepra, da hierdurch nach den neuen Erkenntnissen die Prognose entscheidend mitbestimmt werden kann (ProMED, 26. November 2008).
Cholera in SimbabweIn Simbabwe hat der aktuelle Cholera-Ausbruch nationale Ausmaße angenommen. Mittlerweile werden Erkrankungsfälle aus dem gesamten Land gemeldet. Schätzungsweise mehr als 6.000 Erkrankungen wurden bisher diagnostiziert, davon rund 300 Todesfälle. Nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörden sind insbesondere die schlechten sanitären Verhältnisse und die katastrophale Trinkwasser-Situation dafür verantwortlich. Die Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Erkrankungsfälle und das Ausmaß des Ausbruchs im gesamten Land noch zunehmen werden. Reisende in das südafrikanische Land sollten alle Maßnahmen der Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt beachten (ProMED, 25. November 2008).
Masern in EnglandIn der englischen Grafschaft Warwickshire ist innerhalb der letzten 2 Wochen die Zahl der Masernfälle stark angestiegen. Während Anfang November 4 Erkrankungsfälle gemeldet waren, wurden bis Ende des Monats schon 27 Fälle diagnostiziert. Betroffen sind ausschließlich Kinder im Alter unter 10 Jahren. In den allermeisten Erkrankungsfällen handelt es sich um ungeimpfte Kinder. Der Ausbruch in Warwickshire ist insbesondere ungewöhnlich, da es sich um ein überwiegend ländliches Gebiet handelt mit einer eher geringen Bevölkerungsdichte. Reisende auf die britischen Inseln sollten grundsätzliche einen Immunschutz gegen Masern besitzen, da aktuell in vielen Teilen der britischen Inseln Masern nachgewiesen werden können (ProMED, 25. November 2008).
West Nil Fieber in ItalienDer Nachweis eines Falls einer West Nil-Infektion in der norditalienischen Region Veneto in Italien zeitigte eine umfangreiche serologische Untersuchung in den umliegenden Gehöften. Insgesamt wurden Bewohner und Beschäftigte von mehr als 90 Bauernhöfen serologisch untersucht. In der Provinz Rovigo war einer von 135 untersuchten Bewohnern seropositiv. In der Provinz Venedig war eines von 12 untersuchten Seren Antikörper-positiv. In der Provinz Padua sind 3 verdächtige von 52 untersuchten Seren noch zu bestätigen. Diese Ergebnisse zeigen, dass West Nil-Virus im Veneto zirkuliert und aktuell selten auch Menschen infizieren kann. Untersuchungen zur Durchseuchung von Stechmücken laufen augenblicklich. Für Reisende in die beliebte Touristenregion besteht ein geringes Risiko. Regionen mit hohen Stechmücken-Populationen sollten gemieden werden, bzw. es sollten Maßnahmen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe getroffen werden (ProMED, 22. November 2008).
Botulismus in Kalifornien, USAIn Kalifornien sind 2 gesicherte und ein Verdachtsfall von Wund-Botulismus aufgetreten. Betroffen sind ausschließlich Drogenabhängige, so dass der Verdacht von kontaminiertem Heroin besteht. Die Erkrankungsfälle traten in der Region von Long Beach-South Bay in der Region von Los Angeles auf. Die lokalen Gesundheitsbehörden vermuten, dass das aus Mexiko importierte Heroin mit Botulismussporen kontaminiert ist. Die Behörden empfehlen dringend allen Personen mit Symptomen, die Botulismus vermuten lassen können, einen Arzt aufzusuchen. Reisende Drogenabhängige nach Kalifornien sollten auf das aktuelle Infektionsrisiko hingewiesen werden (ProMED, 21. November 2008).
Tollwut in USAAus dem Südosten der USA wird weiterhin eine hohe Tollwut-Aktivität gemeldet. Im US-Bundesstaat North Carolina hatte ein Stinktier mehrere Hunde angegriffen. Zei Hunde waren auf dem Areal des Eigentümers von dem tollwütigen Stinktier verletzt worden. Im Bundesstaat North Carolina war ein 9jähriger Junge auf dem Weg zum Schulbus von einem Fuchs angegriffen und gebissen worden. Der Fuchs griff einen zu Hilfe eilenden Mann an und biss ihn ebenfalls in den Fuß. Über das gesamte Jahr wurden in den beiden US-Bundesstaaten Fälle von Tollwut bei Wildtieren registriert. Reisende in die beiden US-Bundesstaaten sollten jeden direkten Kontakt mit Wild- oder Haustieren mit auffälligem oder aggressivem Verhalten vermeiden. Im Fall eines Schleimhautkontakts oder eines direkten Hautkontakts mit Tieren sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 22./23. November 2008).
Trichinose in RusslandIn der westsibirischen Stadt Novokuznetsk in der Region Kemerovo sind 8 Menschen an Trichinose erkrankt und dort in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Die 4 Erwachsenen und 4 Kinder hatten alle Bärenfleisch gegessen. Bärenfleisch war in den letzten Monaten mehrmals Ursache für kleinere Ausbrüche der Trichinose in Russland. Besonders hohe Prävalenzraten sind im Sibirien und im fernen Osten Russlands, aber auch in Teilen des europäischen Teils Russlands und in ehemaligen Ländern der Sowjetunion registriert. Grundsätzlich ist Vorsicht beim Verzehr von Bärenfleisch und von Wildschweinfleisch geboten (ProMED, 23. November 2008).
Milzbrand in JordanienDas jordanische Landwirtschaftministerium teilte mit, dass in der Region von Zarqa auf einer Farm ein Milzbrandfall bei einer Kuh diagnostiziert wurde. Die Kuh wurde verbrannt. Nach offiziellen Angaben besteht keine weitere Gefahr. Experten sehen jedoch augenblicklich die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Infektion im Vieh der betroffenen Region. Für Reisende nach Jordanien besteht keine unmittelbare Gefahr. Grundsätzlich sollte jeder direkte Kontakt mit erkrankten Tieren oder mit Tierkadavern vermieden werden. Fleisch aus privater Herkunft sollte nicht gekauft und verzehrt werden (ProMED, 23. November 2008).
Trichinose in DeutschlandIm deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wurde in einem Schweinebestand Trichinose festgestellt. Die Nematoden-Infektion war in den letzten Jahrzehnten nicht mehr in deutschen Schweinebeständen aufgetreten. Die Veterinärbehörden berichten, dass die Wurminfektion vermutlich aus dem Osten von Polen eingeschleppt wurde. Vermutlich bilden Wildscheine das Vehikel für eine Verbreitung über längere Strecken. Lokal kann der Erreger, Trichinella spiralis z.B. über Nagetiere auf die Schweine übertragen werden. Eine Übertragung auf den Menschen ist bei Einhaltung der veterinärmedizinischen Vorschriften der Tierbeschau nicht wahrscheinlich, ist jedoch im Rahmen von Schwarz-Schlachtungen nicht auszuschließen (ProMED, 24. November 2008).
Tollwut in RusslandIn der Region Moskau wurde in diesem Jahr die höchste Zahl Tollwut-infizierter Tiere seit 25 Jahren diagnostiziert. Mit bisher 173 Wildtieren wurde die Zahl des letzten Jahres (135) noch um ca. 25% übertroffen. Der wichtigste Überträger der Tollwut in Russland ist nicht mehr der Fuchs, sondern der Marderhund. Einer der beiden menschlichen Todesfälle an Tollwut in der Region in diesem Jahr war durch einen Marderhund übertragen worden. Reisende nach Russland und insbesondere in die ländlichen Regionen Russlands sollten alle Kontakte zu Wildtieren vermeiden und bei einem direkten Haut- oder Schleimhautkontakt sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 23. November 2008).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in RusslandIn der russischen Region Samara im europäischen Teil Russlands sind in diesem Jahr dreimal so viele Fälle von „Mäusefieber“ aufgetreten wie im Zeitraum des Vorjahrs. Insgesamt sieg die Zahl der Fälle von 70 auf 222 in den ersten 10 Monaten des Jahres. Erreger dieser Infektion sind Hantaviren, in erster Linie das Puumala-Virus. Dieses wird von chronisch infizierten Mäusen (Rötelmaus) mit Exkreten (Urin, Stuhl) ausgeschieden. Der damit kontaminierte Staub wird als Aerosol aufgenommen und führt so zur Infektion beim Menschen. Grundsätzlich sollte insbesondere in ländlichen Regionen jeder direkte Kontakt mit Nagetieren sowie deren Exkrementen vermieden werden. Eine Säuberung von Mäuse-infestierten Räumlichkeiten sollte niemals mit dem Besen, sondern immer mit einem nassen Wischtuch erfolgen (ProMED, 20. November 2008).