KW 46 / 2009: Epidemiologische Informationen
Botulismus in RusslandIn der russischen Stadt Magnitogorsk im südwestlichen Ural sind vier Menschen an Botulismus erkrankt. Drei der Patienten werden auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt und sind nach ärztlichen Aussagen in kritischem Zustand. Als Infektionsquelle wird Käse genannt. Es wurde nicht mitgeteilt, ob es sich um kommerziell oder selbst hergestellten Käse handelte, es ist allerdings von letzterem auszugehen. Grundsätzlich besteht bei selbst hergestellten Nahrungsmitteln immer ein gewisses Risiko, insbesondere dann, wenn es sich um Konserven oder eingeweckte Nahrungsmittel handelt, bei denen die Lebensmittel unter anaeroben Bedingungen gelagert werden (ProMED, 9. November 2009).
Botulismus in BrasilienIn Rio Preto im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo sind zwei Menschen aus einer Familie am Botulismus verstorben. Als Infektionsquelle konnten getrocknet Früchte einer Variante der Äthiopischen Aubergine identifiziert werden, die in Brasilien als Gilo oder Jilo bezeichnet wird. Botulismus in tropischen Regionen ist selten, kommt aber bei nicht fachgerechter Zubereitung von Nahrungsmitteln vor. Selbst hergestellte Nahrungsmittel, insbesondere bei Lagerung unter anaeroben Bedingungen (Konserven, Eingewecktes) bergen immer ein gewisses Risiko der Übertragung von Botulismus (ProMED, 8./9. November 2009).
Q Fieber in den NiederlandenIn den Niederlanden wird aktuell der größte je in Europa registrierte Ausbruch von Q Fieber beobachtet. Insgesamt wurden bisher mehr als 2.200 menschliche Erkrankungsfälle diagnostiziert. Als Infektionsquelle wurden Ziegen identifiziert. Untersuchungen zeigen nun, dass fast jeder vierte Ziegenstall in der betroffenen Region (80 von 360) betroffen ist. Bei Schafställen sind es weniger als 1%. Reisende in die Niederlande sollten daher jeden Kontakt mit Ziegen und Ziegenställen vermeiden. Reiserückkehrer aus den Niederlanden mit Symptomen einer Pneumonie sollten auch auf Q Fieber abgeklärt werden (ProMED, 8. November 2009).
Leishmaniose im SudanIm Süden des Sudan wird zunehmend von Patienten mit viszeraler Leishmaniose berichtet. Besonders betroffen scheinen die sudanesischen Bundesstaaten Jonglei und Upper Nile. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet, dass die diagnostizierten Patienten vermutlich nur die Spitze des Eisbergs darstellen, da der allergrößte Teil der dort lebenden Bevölkerung keinerlei Zugang zu medizinischen Einrichtungen und Versorgung besitzen. Die epidemiologische Situation ist völlig unklar, es ist jedoch von einem epidemischen Ausbruch auszugehen. Die viszerale Leishmaniose (Kala-azar) wird durch Leishmania donovani verursacht und durch Sandfliegen (Phlebotomen, Schmetterlingsmücken) übertragen. Reisende in den Süden des Sudan sollten Maßnahmen zum Schutz vor Sandfliegen durchführen (u.a. engmaschiges Moskito-Netz) (ProMED, 7. November 2009).
Keuchhusten in AustralienDer australische Bundesstaat Southern Australia meldet eine erhöhte Keuchhusten-Aktivität. Die Zahl der diagnostizierten Fälle im Jahr 2009 liegt bei rund 3.500. Dies bedeutet das Vierfache der im ganzen Jahr 2008 diagnostizierten Erkrankungsfälle (859). Erstmals nach 10 Jahren sind in Australien in diesem Jahr Säuglinge (3) am Keuchhusten verstorben. Betroffen sind vor allem Säuglingen im Alter unter sechs Monaten, die keinen kompletten Immunschutz aufweisen. Reisende nach Australien und insbesondere in den Süden des Kontinents sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Keuchhusten verfügen. Reisende ohne Immunschutz, mit Haushaltskontakten zu Erkrankten, sollten ggf. eine Chemoprophylaxe mit einem Makrolid durchführen (ProMED, 7./8. November 2009).
Tollwut in den USAIm US-Bundesstaat Arizona sind in diesem Jahr bereits mehr als 200 Tiere mit Tollwut entdeckt worden. Dies bedeutet einen deutlichen Anstieg der Fälle bei Tieren im Vergleich zu den Vorjahren. Betroffen sind insbesondere Füchse und Stinktiere. In Arizona breitet sich die Fledermaus-Variante des Tollwut-Virus weiter aus. Auch geographisch breitet sich die Variante bei Stinktieren weiter aus. Tollwütige Tiere werden zunehmend im Norden des Bundesstaats diagnostiziert, wo bisher die Tollwut nicht bei Wildtieren verbreitet war. Reisende in die USA und v.a. auch nach Arizona sollten jeden direkten Kontakt mit Wildtieren (Füchse, Stinktiere, Fledermäuse) vermeiden und im Fall eine Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 7. November 2009).
Rocky Mountain-Fleckfieber in den USAIm County Sarasota im Süden des US-Bundesstaats Florida ist ein Mann an Rocky Mountain-Fleckfieber erkrankt. Es handelt sich um den ersten Fall der Erkrankung in Sarasota innerhalb der letzten 5 Jahre. Die Infektion erfolgte im Vorgarten des Grundstücks, als der Mann die Büsche zuschnitt. Der Name der Erkrankung ist etwas irreführend, da die meisten Fälle der Rickettsiose im Südwesten der USA auftreten. Das Rocky Mountain-Fleckfieber wird von Rickettsia rickettsii verursacht und durch Zecken der Gattung Dermacentor spp., Amblyomma spp. übertragen. Rocky Mountain-Fleckfieber kann in bis zu 20% der Fälle tödlich verlaufen, wenn die Therapie zu spät durchgeführt wird. Reisende in den Südosten der USA sollten bei Aktivitäten in der Natur Maßnahmen zum Schutz vor Zecken durchführen (ProMED, 6. November 2009).
Tollwut in PeruIn der peruanischen Provinz Loreto sind fünf Menschen an Tollwut verstorben. Es handelt sich um Mitglieder des Indianerstamms der Huambisa. Die Übertragung erfolgte vermutlich durch sog. Vampir-Fledermäuse. Die Gesundheitsbehörden haben nun ein Epidemiologie-Ausbruchsteam in die betroffene Region gesandt. Die Vampir-Fledermäuse suchen normalerweise Tiere auf Weiden auf, an denen sie nach einem kleinen Hautbiss das austretende Blut auflecken. Dabei geben sie Speichel in die Wunde ab, die die Blutgerinnung hemmen soll und übertragen damit die Tollwut-Viren. Diese Form der Tollwut tritt insbesondere in Südamerika auf. Reisende nach Südamerika sollten daher nicht die Nächte im Freien verbringen (ProMED, 7. November 2009).
West Nil-Fieber in ItalienIn Italien wurden im Jahr 2009 sechs Fälle von West Nil-Meningitis diagnostiziert. Die Fälle traten ausschließlich in der Provinz Veneto auf. Weiterhin konnte bei einem Blutspender ein Virusstamm isoliert werden, dessen Genom jetzt komplett sequenziert wurde. Das Isolat zeigte eine große Homologie zu einem Virusstamm, der vor 10 Jahren bereits im Veneto nachgewiesen worden war. Es zeigte weiterhin eine Mutation im Nichtstruktur-Protein NS, die mit einer erhöhten Virulenz und Übertragbarkeit des Virus in Zusammenhang gebracht wird. Es ist damit weiterhin mit dem Zirkulieren von West Nil-Virus im Veneto zu rechnen. Reisende, die in der Zeit der Stechmücken-Aktivität in den Veneto reisen, sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen durchführen (ProMED, 6. November 2009).
Mumps in den USAIn mehreren Regionen des US-Bundesstaats New York und in der Stadt New York registrieren die Gesundheitsbehörden augenblicklich Mumps-Ausbrüche. Im New Yorker Stadtteil Brooklyn ist von mindestens 57 diagnostizierten oder wahrscheinlichen Erkrankungsfällen die Rede. In Rockland im Bundesstaat New York wurden mindestens 45 Kinder mit Mumps diagnostiziert. Hier handelt es sich ausschließlich um Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft, die Impfen ablehnt. Reisende nach New York und in den Bundesstaat New York sollten über eine ausreichende Mumps-Immunität verfügen (ProMED, 6. November 2009).
Botulismus in SchottlandIn Schottland ist ein 16 Wochen alter Säugling am Kinder-Botulismus lebensbedrohlich erkrankt und wird in einem Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt. Es handelt sich um den ersten Fall einer entsprechenden Infektion bei Säuglingen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 1983. Als Infektionsquelle konnte ein in Honig eingetauchter Schnuller identifiziert werden. Honig enthält häufig geringe Mengen von Clostridium botulinum-Sporen. Diese können im noch nicht vollständig besiedelten Darm von Säuglingen auskeimen und dort Toxin bilden. Säuglinge sollten grundsätzlich keinen Honig zum Essen bekommen (ProMED, 6. November 2009).
Dengue-Fieber in Amerikanisch-SamoaIm südpazifischen amerikanischen Territorium Amerikanisch-Samoa hat sich die Zahl der Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber innerhalb eines Monats verdoppelt. Ursächlich für den Anstieg der Erkrankungsfälle wird der letzte Tsunami verantwortlich gemacht. Dadurch und durch den darauf folgenden Regen haben sich große Mengen von Brutplätzen für Stechmücken gebildet, die nachfolgend die Stechmücken-Populationen wachsen ließen. Reisende nach Amerikanisch-Samoa und auch die benachbarten Inselgruppen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. November 2009).
Dengue-Fieber auf den PhilippinenAuf der philippinischen Insel Cebu ist die Zahl der Erkrankungsfälle mit Dengue-Fieber im Vergleich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um mehr als 40% angestiegen. Es wurden keine Zahlen von Erkrankungsfällen mitgeteilt. Die philippinischen Gesundheitsbehörden bestreiten eine Ausbruchssituation auf Cebu. Trotzdem sollten Reisende auf die Philippinen und insbesondere auf die Insel Cebu aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. November 2009).
Dengue-Fieber in den USAIm September wurden bei drei US-Amerikanern Fälle von Dengue-Fieber diagnostiziert. Alle drei Erkrankten hatten sich in den Tagen vorher ausschließlich auf den Key West-Inseln im Süden Floridas aufgehaltne. Die US-Behörden gehen davon aus, dass es sich um autochthone Erkrankungsfälle aus Florida handelt. Im Oktober wurden keine Erkrankungsfälle bekannt. Es kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Fälle als Schweinegrippe fehldiagnostiziert wurden. Reisende nach Florida und insbesondere auf Key-Inseln sollten vorsichtig sein beim Auftreten von größeren Stechmücken-Populationen und ggf. eine persönliche Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. November 2009).
Dengue-Fieber in MexikoIn Mexiko ist die Zahl der Dengue-Fieber-Erkrankten im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 40% angestiegen. Es ist von mehr als 10.000 Fällen seit Jahresbeginn die Rede. Betroffen sind mittlerweile mehr als 27 mexikanische Bundesstaaten, darunter Queretaro, Zacatecas und Guanajuato, die bisher als Dengue-Fieber frei galten. Reisende nach Mexiko sollten augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken .-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. November 2009).
Dengue-Fieber in BrasilienDer brasilianische Bundesstaat Bahia ist der am schwersten von Dengue-Fieber betroffene Bundesstaat. Dort sind in diesem Jahr bereits 66 Todesfälle an Dengue Hämorrhagischem Fieber zu verzeichnen. Besonders schwer betroffen ist die Stadt Itabuna im Süden des Bundesstaats. Dort bilden die vorhandenen Kanäle aufgrund des dort mit Pflanzenteilen verunreinigten Wassers ideale Brutmöglichkeiten für Stechmücken und hier insbesondere für Aedes aegypti. Die Behörden erwarten eine weitere Zunahme der Dengue-Fieber-Aktivität in den nächsten Wochen und warnen daher die Bevölkerung vor einem weiteren Anstieg von Erkrankungsfällen. Reisende nach Brasilien und insbesondere in den Bundesstaat Bahia sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken .-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. November 2009).
Cholera in NeuguineaIn der nahen Umgebung von Madang, einer Stadt an der Nordküste Papua-Neuguineas, breitet sich die Cholera weiter aus. Aktuell werden mehr als 320 Erkrankungsfälle aus der betroffenen Region berichtet. Weitere Informationen zur Ursache des Ausbruchs und zu möglichen Übertragungswegen werden nicht gegeben, allerdings ist von schlechten hygienischen Zuständen auszugehen. Die Cholera wird bei Reisenden sehr selten beobachtet. Trotzdem sollten alle Reisenden nach Papua-Neuguinea und insbesondere in die Region der Hafenstadt Madang aktuell auf die besondere Einhaltung der persönlichen nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene achten (ProMED, 11. November 2009).
Cholera in AserbaidschanAus der aserbaidschanischen Baku wird ein Fall von Cholera gemeldet. Laut den verfügbaren wenigen Informationen handelt es sich um einen autochthonen Fall bei einem Schulkind aus der Schule Nr. 67. Die Klassenräume wurden daraufhin geschlossen und einer intensiven Desinfektion unterzogen. Weitere Informationen wurden nicht bekannt gegeben. Für Reisende besteht ein geringes Infektionsrisiko, trotzdem sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachtet werden (ProMED, 11. November 2009).
Cholera in NigeriaSeit einer Woche wird ein neuer Cholera-Ausbruch im nord-nigerianischen Bundesstaat Adamawa beobachtet. Es ist von mindestens 20 Todesfällen innerhalb einer Woche die Rede. Die Zahl der Erkrankten wird mit mehr als 200 angegeben. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Weitere nord-nigerianische Bundesstaaten (u.a. Jigawa, Taraba, Borno) werden aktuell von Cholera heimgesucht. In den vier genannten Bundesstaaten wurden im Rahmen der aktuellen Ausbrüche mindestens 169 Todesfälle gezählt. Die betroffenen Regionen zählen nicht zu touristischen Reisegebieten. Reisende (z.B. beruflich) dorthin sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachten (ProMED, 11. November 2009).
Chagas-Krankheit in BrasilienIm Distrikt Belem im brasilianischen Bundesstaat Para sind innerhalb von zwei Wochen 13 Fälle von akuter Chagas-Krankheit aufgetreten. Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um eine orale Infektion zu handeln. In den letzten Jahren werden zunehmend entsprechende Erkrankungsfälle durch Fruchtsäfte beschrieben, die mit Trypanosoma cruzi-haltigen Raubwanzen kontaminiert waren und deren Erreger bei der Zubereitung des Saftes in das Getränk gelangen. Besonders häufig wird eine entsprechende Übertragung bei Saft aus Acai-Beeren beobachtet. Reisende sollten vorsichtig sein beim Genuss von frisch zubereiteten Fruchtsäften und insbesondere von Saft aus Acai-Beeren (ProMED, 12. November 2009).