KW 45 / 2009: Epidemiologische Informationen

Tollwut in IndonesienDie Gesundheitsbehörden der indonesischen Insel Bali warnen erneut alle Bewohner und Touristen der Insel vor Infektionen mit Tollwut durch streunende Hunde. Während bisher die überwiegende Zahl der menschlichen Erkrankungsfälle im Süden auftrat, auch in der Nähe der bekannten Touristenorte, breitet sich die Tollwut in der Hundepopulation ständig weiter nach Norden aus, so dass mittlerweile die gesamte Insel als hoch endemisch für den urbanen Übertragungszyklus der Tollwut gilt. Reisende nach Bali sollten vor Reiseantritt über das akut hohe Risiko einer Tollwut-Infektion informiert werden und nach jedem direkten Kontakt mit unbekannten Hunden einen Arzt aufsuchen.
Bei Aktivitäten mit erhöhtem Expositionsrisiko sollte eine präexpositionelle Tollwut-Impfung durchgeführt werden (ProMED, 31. Oktober 2009).
Japanische Enzephalitis in IndienIm nordindischen Bundesstaat Bihar sind in der bisherigen epidemischen Saison mehr als 130 Fälle der durch Stechmücken übertragenen Flavivirus-Infektion aufgetreten. 30 Patienten sind bisher verstorben. Nach offiziellen Angaben waren 2006 erstmals Fälle von Japanischer Enzephalitis in Bihar aufgetreten. Seither steigt die Zahl der Infektionen jährlich an. Im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh sind in diesem Jahr nach offiziellen Angaben bereits mehr als 2.700 Menschen erkrankt und mehr als 430 Patienten verstorben. Für Reisende, die sich in ländlichen Regionen mit Reisanbau und hohen Schweinepopulationen aufhalten, wird eine Impfung mit dem neuen, auch in Deutschland zugelassenen Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis, empfohlen (ProMED, 31. Oktober/1./4. November 2009).
Chikungunya-Fieber in SüdostasienIn zwei beliebten Reiseländern Südostasiens wird augenblicklich eine hohe Aktivität des Chikungunya-Virus beobachtet. In Thailand sind in diesem Jahr bereits mehr als 42.000 Erkrankungsfälle registriert worden. Die Infektion wurde in mindestens 50 Provinzen nachgewiesen. Betroffen ist insbesondere der Süden Thailands, darunter auch beliebte Touristenziele wie die Insel Phuket. Es ist weiterhin mit einer Zirkulation des Virus in Thailand zu rechnen. In Malaysia sind in diesem Jahr bereits mehr als 3.200 Erkrankungsfälle registriert worden. Betroffen sind insbesondere die Provinzen Kedah, Kelantan, Selangor, Perak und Sarawak. Reisende in die genannten Regionen Thailands und Malaysias sollen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 31. Oktober 2009).
Poliomyelitis in BurundiIm ostafrikanischen Burundi sind zwei Erkrankungsfälle von Poliomyelitis aufgetreten. Es handelt sich um die ersten Fälle der Virusinfektion in Burundi seit 10 Jahren. Es wurde der Serotyp 1 identifiziert und die epidemiologischen Untersuchungen weisen auf eine Einschleppung aus Angola oder der Demokratischen Republik Kongo hin. Afrika gilt weiterhin als endemisch für Polio. Es treten immer wieder kleine Ausbrüche auf, die aus den noch wenigen bekannten endemischen Ländern eingeschleppt werden. Grundsätzlich sollten alle Reisenden nach Afrika ihren Immunschutz gegen die Kinderlähmung vor Reiseantritt überprüfen und ggf. auffrischen lassen (ProMED, 1. November 2009).
Influenza in der UkraineDie Weltgesundheitsorganisation berichtet über eine ungewöhnlich hohe Aktivität von Influenza-ähnlichen Erkrankungsformen in der Ukraine. Gleichzeitig steigt die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle an Respirationstrakt-Infektionen. Nach Angaben der ukrainischen Gesundheitsbehörden konnte bei 11 von 30 Untersuchungsproben das epidemische H1N1-Influenzavirus nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse zeigen, dass neben einem Großteil von H1N1-Patienten noch andere Erreger zirkulieren und als Ursache für Influenza-ähnliche Erkrankungen dienen. Reisende mit Kontakten zur einheimischen Bevölkerung in der Ukraine sollten augenblicklich über eine Impfung gegen das epidemisch auftretende H1N1-Influenza-Virus verfügen und bei längeren Aufenthalten ggf. einen Neuraminidase-Hemmer mitführen (ProMED, 2. November 2009).
Dengue-Fieber in VenezuelaIm venezolanischen Bundesstaat Carabobo wurde der epidemische Status für Dengue-Fieber ausgerufen, nachdem in diesem Jahr insgesamt mehr als 700 Erkrankungsfälle diagnostiziert wurden und aktuell wöchentlich mehr als 20 Fälle allein im Krankenhaus der Provinzhauptstadt registriert werden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden stellen sich augenblicklich viele Verdachtsfälle von H1N1-Influenza nach Durchführung diagnostischer Untersuchungen als Dengue-Fieber heraus. Reisende nach Venezuela und insbesondere in die Provinz Carabobo sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. November 2009).
Dengue-Fieber auf den Kapverdischen InselnDer Dengue-Fieberausbruch auf den Kapverdischen Inseln breitet sich weiter aus. Ende Oktober wurde von den Gesundheitsbehörden über mehr als 3.300 Erkrankungsfälle berichtet. Betroffen sind die vier Inseln Brava, Fogo, Maio und Santiago. Es handelt sich um den ersten je auf den Kapverden berichteten Dengue-Fieberausbruch. Es wurde nun wiederholt der Virus-Serotyp 3 nachgewiesen, so dass von einer Einschleppung des Virus aus Westafrika auszugehen ist. Reisende auf die Kapverden sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. November 2009).
Dengue-Fieber in IndienIn der indischen Hauptstadt Delhi sind an einem Sonntagmorgen 14 Fälle von Dengue-Fieber bestätigt worden, so dass die Gesamtzahl der registrierten Fälle in der Hauptstadt bei mehr als 360 liegt. Nach den Angaben der Behörden handelt es sich um eine durchschnittliche Denguevirus-Aktivität in diesem Jahr. Aufgrund der geringeren Niederschläge und der relativ hohen Temperaturen wurden weniger Stechmücken-Brutplätze beobachtet. Das Beispiel von Delhi zeigt, dass Dengue-Fieber auch innerhalb von Städten vorkommt und dass ggf. auch Stadt-Touristen Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen sollten (ProMED; 2. November 2009).
Dengue-Fieber im JemenIn der jemenitischen Stadt Taiz, rund 250 km südlich der Hauptstadt Sanaa, sind Hunderte von Bewohnern am Dengue-Fieber erkrankt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden treten alle 2-3 Jahre Dengue-Ausbrüche in der Region auf. Insgesamt ist bisher von mindestens 350 bestätigten Fällen und mehr als 1.000 Verdachtsfällen die Rede. Überträger ist die Stechmückenart Aedes aegypti, die sich in den häufig offenen Wassertanks und Sümpfen ideal vermehren kann. Reisende in den Jemen und dort in die Region von Taiz sollten augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. November 2009).
Cholera in AfrikaAus mehreren Teilen Afrikas werden neue Ausbrüche oder eine Intensivierung bestehender Cholera-Ausbrüche beobachtet. Im äußersten Norden Kameruns sind mehr als 400 Menschen an der Cholera erkrankt und mindestens 65 Patienten verstorben. In der südöstlichen ugandischen Provinz Bugiri sind innerhalb von nur zehn Tagen mehr als 45 Menschen mit Cholera in Krankenhäuser eingewiesen worden, mindestens 10 Menschen sind an der Infektion verstorben. Auch aus einer Trabantenstadt der ugandischen Hauptstadt wird ein Cholera-Ausbruch gemeldet. Dort sind eine unbekannte Zahl von Patienten und mindestens 5 Todesfälle aufgetreten. In der tansanischen Tanga-Region im Norden Tansanias sind innerhalb der letzten 2 Monate mehr als 3.500 Erkrankungsfälle beobachtet worden. Dort werden täglich rund 60 neue Erkrankungsfälle registriert. Mindestens 59 Patienten sind in Tanga bisher an der Cholera verstorben. Die Cholera ist eine bei Reisenden selten beobachtete Infektion. Reisende in die genannten Länder und Regionen sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachten (ProMED; 4. November 2009).
Meningokokken-Meningitis in BrasilienIm brasilianischen Bundesstaat Bahia sind neun Menschen an einer Meningokokken-Meningitis erkrankt. Fünf der neun Patienten sind an der Infektion verstorben. Alle Patienten hatten eine Party besucht, so dass angenommen werden muss, dass die Infektion dort stattgefunden hatte. Es handelt sich um Meningokokken des Serotyps C. Der Ausbruch könnte ein Hinweis für eine erhöhte Zirkulation des Erregers in Teilen der Bevölkerung sein. Reisende in den genannten Bundesstaat mit engen Kontakten zur Bevölkerung sollten ggf. eine Meningokokken-Impfung mit tetravalentem Polysaccharid-Impfstoff durchführen (ProMED, 4. November 2009).
Hepatitis A in AustralienIm australischen Bundesstaat Victoria wird weiterhin eine Hepatitis A-Ausbruchssituation beschrieben. Innerhalb einer Woche traten mindestens 23 neue Erkrankungsfälle auf. Die Gesundheitsbehörden des Bundesstaats warnen weiterhin vor dem Verzehr von halbgetrockneten Tomaten, die im Verdacht stehen, die Infektionsquelle für den Hepatitis A-Ausbruch zu bilden. Die in Gläsern ausgelieferten Tomaten werden u.a. auch zur Bereitung von Pizzas verwendet. Reisende nach Australien und hier insbesondere Victoria sollten augenblicklich keine Speisen verzehren, in denen halbgetrocknete Tomaten Verwendung finden, bzw. finden könnten. Ggf. sollte eine Hepatitis A-Impfung vor Reisebeginn durchgeführt werden (ProMED, 4. November 2009).
Trichinose in RusslandIm russischen Bezirk Voronezh, im europäischen Teil Russlands, sind mindestens 8 Menschen an Trichinose erkrankt. Alle Erkrankten entstammten einer Familie. Als Infektionsquelle konnte Dachsfleisch identifiziert werden, das von Jägern dort erjagt und dann an die Familie verkauft wurde. Dachse werden in Russland hauptsächlich wegen ihres Fettes gejagt, dem heilende Kräfte zugeschrieben werden. Auch Dachsfleisch wird in gepökeltem Zustand häufig verzehrt. Reisende sollten den Verzehr von Dachsfleisch möglichst vermeiden (ProMED, 5. November 2009).
Leptospirose-Verdacht in der Dominikanischen RepublikIn der Gemeinde Galvan in der Dominikanischen Republik sind rund 30 Menschen an einer fieberhaften Infektion erkrankt. Nachdem erst vermutet worden war, es handelt sich um Influenza, konnte nun nach Angaben der Gesundheitsbehörden der Verdacht erhärtet werden, dass es sich um einen Ausbruch von Leptospirose handelt. Die endgültige Bestätigung der Verdachtsdiagnose steht allerdings noch aus. Die näheren epidemiologischen Umstände des Ausbruchs sind bisher auch unklar. Leptospiren werden von chronisch infizierten Nagetieren mit dem Urin ausgeschieden und gelangen durch direkten Kontakt mit Haut oder Schleimhaut in den menschlichen Körper. Reisende in die Dominikanische Republik sollten jeden direkten Kontakt mit stehenden Süßgewässern und mit Nagerexkrementen vermeiden (ProMED, 5. November 2009).