KW 44 / 2008: Epidemiologische Informationen

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF

Milzbrand in England
In England ist ein Erkrankungsfall von Lungenmilzbrand aufgetreten, der durch ein Tierfell für die Herstellung einer Bongo-Trommel übertragen wurde. Ein entsprechender Erkrankungsfall wurde bereits vor einigen Jahren in New York beschrieben. Es handelt sich um einen Spanier, der entsprechende Trommeln aus importierten Tierfellen herstellt. Dabei muss ein Fell eines an Milzbrand verstorbenen Tieres (vermutlich aus Afrika) verwendet worden sein. Die Schwingungen durch das Trommeln setzt Sporen frei, die durch Inhalation zu Lungenmilzbrand führten. Grundsätzlich sollte der Kauf und der Gebrauch entsprechender Trommeln aus Afrika kritisch betrachtet werden. Im Falle von Symptomen des Respirationstraktes sollte sofort eine entsprechend adäquate Therapie eingeleitet werden (ProMED, 27./28. Oktober 2008).

Typhus in Kanada aus Indien
Die Zahl von Typhus-Fällen ist in der kanadischen Provinz British Columbia seit 2007 um 50% angestiegen. Der überwiegende Teil der Erkrankungsfälle wurden im Rahmen von Indienreisen importiert. Dabei stammt der größte Teil der Reiserückkehrer aus dem indischen Bundesstaat Punjab. Die kanadischen Gesundheitsbehörden empfehlen nun dringend allen Reisenden nach Indien und insbesondere Punjab, vor Reiseantritt eine Typhus-Impfung durchzuführen. Reisende nach Indien und insbesondere in den genannten Bundesstaat sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene dringend befolgen und bei Reiseaktivitäten mit erhöhtem Infektionsrisiko eine Typhus-Impfung durchführen (ProMED, 27. Oktober 2008).

Tollwut in England
In der englischen Grafschaft Shropshire, im Westen Mittelenglands an der Grenze zu Wales, wurde erneut eine Tollwut-infizierte Fledermaus gefunden. Es handelt sich um eine sog. Daubentonsche Fledermaus, in der das Europäische Fledermaus-Tollwut-Virus Typ 2 nachgewiesen werden konnte. Das Tier wurde in einer historischen Stätte mit Publikumsverkehr gefunden. Publikum kam nicht mit der Fledermaus in Kontakt. England gilt als frei von terrestrischer Tollwut, jedoch wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von Tollwut bei Fledermäusen und auch eine vereinzelte Übertragung des Fledermaus-Tollwut-Virus auf Menschen beobachtet. Grundsätzlich sollte jeder direkte Kontakt zu lebenden Fledermaus oder Fledermaus-Kadavern unterlassen werden (ProMED, 25. Oktober 2008).

Gelbfieber in Südamerika
In der nordargentinischen Provinz Misiones wurden erneut tote Affen gefunden. Es handelt sich um schwarze Heuleraffen. Die Gesundheits- und Veterinärbehörden befürchten ein erneutes Auftauchen der Gelbfieber-Aktivität. Die Region liegt im Grenzgebiet von Brasilien und Paraguay. Schon Anfang des Jahres war es hier zu einem Gelbfieber-Ausbruch gekommen, daher ist es ungewöhnlich, dass innerhalb kurzer Zeit ein zweiter Ausbruch folgt. Bisher sind keine menschlichen Erkrankungsfälle bekannt, jedoch wurde die genannte Region im Verlauf des ersten Ausbruchs dieses Jahres intensiv beimpft. Reisende in die genannte Region (u.a. auch Iguacu-Wasserfälle) sollten über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 24. Oktober 2008).

Pest in Madagaskar
An der Ostküste Madagaskars sind in einem Dorf in der Nähe der Stadt Moramanga mindestens 7 Menschen an der Pest verstorben. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten wurde nicht mitgeteilt. Auch zur klinischen Form der Pest wurden keine detaillierten Aussagen gemacht, jedoch erkrankte mindestens eine der Verstorbenen an der Lungenpest. Rund 400 Menschen, die Kontakt mit Erkrankten oder Verstorbenen hatten, wurden jetzt unter Antibiotika-Prophylaxe gesetzt. Als Ursache des Ausbruchs wird eine hohe Rattenpopulation genannt, die den Rattenfloh, den wichtigsten Überträger des Erregers, beherbergt. Die Pest kommt auf Madagaskar endemisch vor. Reisende nach Madagaskar sollten jeden direkten oder indirekten Kontakt mit Nagetieren, insbesondere Ratten vermeiden (ProMED, 26. Oktober 2008).

Tollwut in Italien
Im italienischen Grenzgebiet zu Slowenien und Österreich wurde bei einem Fuchs Tollwut diagnostiziert. Betroffen ist die Region Friaul-Venezien. Der Fuchs war aufgefallen, weil er einen Spaziergänger attackiert hatte. Es handelt sich um den ersten Fall einer nachgewiesenen Tier-Tollwut in Italien seit 13 Jahren. Das Tier war vermutlich aus Österreich oder Slowenien eingewandert und dort erkrankt. Die Gesundheitsbehörden empfehlen dringend den Besuchern der Region, jeden direkten Kontakt mit Wild- oder Haustieren zu vermeiden. Im Falle eines Kontakts sollte die Wunde sofort desinfiziert und ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 26. Oktober 2008).

Masern in Gibraltar
Auf der zu Großbritannien gehörenden Enklave Gibraltar, im äußersten Süden der Iberischen Halbinsel, sind innerhalb der letzten 10 Wochen mehr als 250 Fälle von Masern aufgetreten. Aktuell werden noch 4-6 Erkrankungsfälle pro Tag diagnostiziert. Die Dunkelziffer der Erkrankungen wird deutlich höher geschätzt. Alle Erkrankten hatten keinen oder keinen kompletten Impfschutz gegen Masern. Reisende nach Gibraltar oder in die spanischen Grenzgebiete mit Ausflügen nach Gibraltar sollten über eine ausreichende Masern-Immunität verfügen (ProMED, 25. Oktober 2008).

Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in Pakistan
Innerhalb von nur 4 Tagen wurden 3 Patienten mit Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber in der pakistanischen Provinz Balochistan in Krankenhäuser eingewiesen. Insgesamt sind nach offiziellen Angaben in den letzten 2 Monaten mehr als ein Duzend Personen an der durch Zecken übertragenen Virusinfektion erkrankt. Mindestens 3 Patienten sind bisher verstorben. Innerhalb der letzten 2 Jahre sind in der Provinz mehr als 100 Erkrankungsfälle registriert worden. Bei den meisten Erkrankten handelt es sich um Schäfer und Schafhirten. Die Erkrankungen treten insbesondere im Grenzgebiet zu Pakistan in Mittelpakistan auf. Pakistan zählt nicht zu den klassischen Reiseländern. Jedoch kann die erhöhte Aktivität der Zecken und der durch sie übertragenen Erkrankungen ein Hinweis für eine generell erhöhte Aktivität in der gesamten zentralasiatischen Region sein. Reisende in die gesamte Region sollten daher jeden direkten Kontakt mit Zecken vermeiden und die Maßnahmen zur Expositionsprophylaxe strikt befolgen (ProMED, 28. Oktober 2008).

Zeckenenzephalitis in Russland
In der Region Omsk in Westsibirien sind im September mehr als 150 Personen mit Zeckenstichen in medizinische Zentren gekommen. Dies ist mehr als eine Verdopplung zum Monat August. In 5 Zecken konnte das Virus der Russischen Frühjahr-Sommer-Enzephalitis (Subtyp Sibirien) nachgewiesen werden. Die Beobachtung ist ungewöhnlich, da die dort vorherrschende Taigazecke (Ixodes ricinus) insbesondere in den Monaten Mai und Juni aktiv ist und später im Jahr ihre Aktivität weitgehend einstellt. Grundsätzlich sollten alle Reisenden in die Taigaregion Russlands und Asiens über einen Immunschutz gegen FSME verfügen (ProMED, 28. Oktober 2008).

Östliche Pferdeenzephalitis in USA
Im US-Bundesstaat Massachusetts ist ein 73jähriger Mann an der östlichen Form der amerikanischen Pferdeenzephalitis erkrankt. Es handelt sich um den ersten Fall seit 2 Jahren, der in der Region von Bay State in Massachusetts aufgetreten ist. Die Östliche Pferdeenzephalitis wird durch Stechmücken übertragen. Sie weist eine Letalität von bis zu 50% auf und gilt als die gefährlichste Form der amerikanischen Pferdeenzephalitiden. Ein Impfstoff ist nicht verfügbar. Reisende in den Osten der USA mit einem erhöhten Stechmücken-Expositionsrisiko sollten Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 28. Oktober 2008).

Chikungunya Fieber in Indonesien

In der Klinik der deutschen Botschaft in Jakarta in Indonesien werden immer mehr deutsche Patienten mit Chikungunya Fieber diagnostiziert. Der vor Ort befindliche Botschaftsarzt weist nun darauf hin, dass die Regenzeit, die eigentliche Saison der Übertragung, noch nicht begonnen hat. In der Botschaftsklinik handelt es sich in erster Linie um deutsche Auswanderer. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die lokale Bevölkerung in identischer Weise vom Ausbruch betroffen ist. Beunruhigend ist nach Angaben der Botschaft auch, dass es sich um städtische Bevölkerung handelt, so dass v.a. die in Großstädten vorkommenden Stechmücken als Überträger fungieren. Reisende nach Indonesien, auch in die Großstädte, sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 27. Oktober 2008).

Masern in England
In England werden weiterhin kleine Masern-Ausbrüche registriert. In der Grafschaft Cheshire wurden innerhalb kurzer Zeit 22 Erkrankungsfälle gezählt. Betroffen sind Kinder im Alter von 1-12 Jahre. Die Gesundheitsbehörden führen die Ausbrüche auf die seit Jahren nicht optimale Durchimpfung der Bevölkerung zurück. Diese resultierte aus Gerüchten, dass die Masern-Impfung für Autismus bei Säuglingen verantwortlich sei. Diese Hypothese konnte jedoch eindeutig widerlegt werden. Die Gesundheitsbehörden fürchten weitere Erkrankungsfälle und Ausbrüche in verschiedenen Teilen Englands. Alle Reisenden auf die Britischen Inseln sollten über einen ausreichenden Masern-Immunschutz verfügen (ProMED, 30. Oktober 2008).

Tollwut in China

In der chinesischen Provinz Yunnan im Südwesten Chinas wurde die Tötung von mehr als 10.000 Hunden angeordnet und durchgeführt. Aufgrund der hohen und ansteigenden Zahl von menschlichen Erkrankungsfällen wurde angeordnet, dass im Distrikt Mi'le alle Hunde gegen Tollwut geimpft werden müssen. Von den mehr als 80.000 Hunden wurden die nicht geimpften gekeult. Die Behörden führen den Anstieg der Tollwut-Fälle u.a. auf die Zunahme der Hunde in der Bevölkerung zurück. Diese werden zunehmend als Haus- und Wachhunde, aber auch als Nahrungsmittel gehalten. Reisende nach China sollten grundsätzlich jeden direkten Kontakt mit Hunden und Katzen vermeiden. Im Falle eines Haut-penetrierenden Haut- oder Schleimhaut-Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 28. Oktober 2008).

Chikungunya Fieber in Thailand
In Thailand wurde erstmals über einen Ausbruch des Chikungunya Fiebers berichtet. Es sind mindestens 200 Personen erkrankt, bei 20 Patienten konnte die Diagnose gesichert werden. Der Erreger konnte mittels Polymerase-Kettenreaktion serologisch bestätigt werden. Betroffen ist im aktuellen Fall eine Ortschaft im Süden Thailands an der Grenze zu Malaysia. Mittlerweile werden auch aus anderen Regionen entsprechende Erkrankungsfälle gemeldet. Reisende in den Süden Thailands sollten vor Reiseantritt über das Infektionsrisiko informiert werden und eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 28. Oktober 2008).

Kontaminierte Nahrungsmittel in Japan

Japan wird aktuell von mehreren Nahrungsmittel-Skandalen heimgesucht. In einer Fleisch- und Wurstfabrik wurden dreifach erhöhte Zyanid-Werte im Wasser nachgewiesen, das für die Herstellung der Fleischwaren verwendet wurde. Dies führte dazu, dass mehr als 2,7 Millionen Wurstpackungen und Pizza-Gerichte von der Firma zurückgerufen wurden. Gleichzeitig wurden in mehreren Nudelfertiggerichten des größten Nudelherstellers Japans Insektizide (Paradichlorbenzen) nachgewiesen. Mindestens eine Person wurde nach Verzehr entsprechender Nudeln mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Bisher ist völlig unklar, wie die Chemikalien in die Nahrungskette kamen, insbesondere, da in der Nudelfabrik bisher niemals mit dem Insektizid gearbeitet worden war. Aktuell sollten alle entsprechenden Produkte aus den Regalen entfernt sein. Reisende oder Reiserückkehrer, bei denen nach Genuss entsprechender Produkte gesundheitliche Probleme auftreten, sollten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 28. Oktober 2008).

Hantavirus Kardio-pulmonales Syndrom in Panama
In der panamaschen Provinz Cocle ist ein 17jähriger Jugendlicher am Kardiopulmonalen Syndrom verstorben, das durch Hantaviren hervorgerufen wurde. Es handelt sich um den 6. Erkrankungsfall in der genannten Provinz in diesem Jahr. 3 Patienten im Alter von 13, 17 und 18 Jahren sind an der Infektion verstorben. Zur genauen Art des verursachenden Hantavirus wurden bisher keine näheren Aussagen gemacht. Die Gesundheitsbehörden haben nun eine entsprechende Warnung an die Bevölkerung ausgegeben. Jeder direkte Kontakt mit Nagetieren, sowie Kontakte mit Nagetierexkrement-kontaminierten Gegenständen sollten vermieden werden. Um Wohngebäude sollte jeder Müll und Unrat beseitig werden, um den Mäusen möglichst keine Nahrungs- und Nistmöglichkeiten zu bieten. Wohnungen sollten ausschließlich nass ausgewischt und nicht ausgefegt (Aufwirbelung von virushaltigem Staub) werden (ProMED, 27. Oktober 2008).



© 2012 by Dr. Frühwein & Partner | created by nerd-d-sign, ska-design & Maximusweb