KW 43 / 2008: Epidemiologische Informationen

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Masern in China
Erst jetzt wurde bekannt, dass im ersten Drittel dieses Jahres in der südlichsten chinesischen Provinz Guangdong ein Masernausbruch stattfand. Seither wurden rigorose Impfmaßnahmen in der Bevölkerung ergriffen, die zu einem substantiellen Rückgang der Erkrankungsfälle führte. Als Ursache für den Anstieg Anfang des Jahres wurde der starke Einstrom von Immigranten, insbesondere von Kleinkindern in den letzten beiden Jahren genannt. Aktuell ist die Ausbruchssituation unter Kontrolle. Das Beispiel zeigt, dass die Masern weltweit immer wieder zu Ausbruchsgeschehen führen. Die Masern gehören damit in die Reihe der im Rahmen der reisemedizinischen Beratung aufzuführenden Erkrankungen. Gleichzeitig sollte im Rahmen der reisemedizinischen Beratung der Masern-Immunstatus abgeklärt werden (ProMED, 23. Oktober 2008).

Malaria in Indien
Im indischen Bundesstaat Chhattisgarh, im zentralen Osten des indischen Subkontinents, sind rund 90 Soldaten an Malaria tropica erkrankt. Die Soldaten waren aus einer anderen Region Indiens nach Chhattisgarh verbracht worden, um dort gegen revolutionäre Volksgruppen zu kämpfen. Der Bundesstaat gilt als endemisch für Malaria. Allerdings spricht die genannte Zahl für eine deutlich erhöhte Aktivität des Überträgers. In der Vergangenheit wurden entsprechende Ausbrüche (u.a. auch Dengue Fieber) des Öfteren beobachtet, wenn größere Menschenmengen, meist militärische Truppen, in endemische Regionen verbracht werden. Reisende nach Indien sollten die Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft zur Malariaprophylaxe befolgen (ProMED; 23. Oktober 2008).

Tollwut in Kolumbien
Im kolumbianischen Bundesstaat Bolivar im Norden des Landes sind auf 4 Farmen Kühe an der Tollwut erkrankt und verstorben. Als Überträger konnten sog. Vampir-Fledermäuse identifiziert werden. Diese Fledermäuse fliegen in der Nacht Weidetiere an und lecken nach dem Anbringen einer kleinen Verletzung das austretende Blut auf. Die Tollwutviren werden u.a. im Speichel der Fledermäuse ausgeschieden und infizieren die beigebrachte Wunde. In seltenen Fällen übertragen die Fledermäuse die Tollwut auch auf im Freien schlafende Menschen. Dies ist allerdings ein insgesamt seltenes Ereignis. In der aktuellen epidemischen Situation sollten Aufenthalte im Freien nach der Dämmerung möglichst vermieden werden. Auch jeglicher Kontakt zu erkrankten Tieren (Haus- und Wildtiere) mit auffälligem Verhalten sollten vermieden werden (ProMED, 24. Oktober 2008).

Masern in Australien
In der nordaustralischen Stadt Perth ist ein Fall von Masern aufgetreten. Der Erkrankte war wenige Tage vorher mit einem Flugzeug der Royal Brunei Airways von Thailand nach Perth geflogen. Es handelte sich um den Flug BI516 vom 30. September dieses Jahres. Die australischen Gesundheitsbehörden weisen nun alle Mitflieger des Flugs auf ein gewisses Infektionsrisiko hin. Das Risiko wird am größten in den Sitzen um den Erkrankten gesehen. Das Beispiel zeigt, dass die Masern nach wie vor ein universelles Infektionsrisiko darstellen. Reisende sollten grundsätzlich über einen ausreichenden Masernschutz verfügen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine ideale Möglichkeit dar, die Masern-Immunität auch von Erwachsenen zu überprüfen und ggf. zu ergänzen (ProMED, 24. Oktober 2008).

Milzbrand in Laos
Die Landwirtschaftsbehörden des südostasiatischen Landes melden einen Milzbrandausbruch in der Provinz Champasak. Betroffen sind 5 Rinder und 2 Ziegen auf einer Farm. Das weitere geographische Ausmaß einer möglichen erhöhten Aktivität ist unbekannt. Menschliche Erkrankungsfälle traten bisher nicht auf. Es handelt sich um den ersten bekannten Milzbrand-Ausbruch in Laos. Allerdings treten Erkrankungen immer wieder in den benachbarten Ländern und Regionen auf. Reisende nach Laos und in die gesamte südostasiatische Region sollten jeden Kontakt mit erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermeiden (ProMED, 24. Oktober 2008).

Cholera in Somalia
In der somalischen Region Galguduud, nördlich und östlich der Hauptstadt Mogadischu sind mindestens 15 Menschen an Cholera verstorben. Eine genauere Zahl von Erkrankungsfällen ist nicht verfügbar. Als Grund für den Ausbruch werden die katastrophalen Bedingungen der Trinkwasser-Versorgung und der Mangel an entsprechenden Medikamenten zur Therapie der Cholera gesehen. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs ist unklar. Reisende nach Somalia sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 23. Oktober 2008).

Cholera in Simbabwe
In der Provinz Mashonaland West, im südafrikanischen Simbabwe, sind mehr als 500 Menschen an der Cholera erkrankt, mindestens 11 Patienten sind verstorben. Der Hauptfokus des Ausbruchs liegt in der Stadt Chinhoyi, rund 115 km nordwestlich von Harare. Die Ursache für den Ausbruch wird in lecken Abwasserrohren gesehen, durch die das Abwasser in Flüsse und Talsperren gelangt, die als Trinkwasser-Reservoire genutzt werden. Reisende nach Simbabwe und insbesondere Mashonaland West sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 23. Oktober 2008).

Cholera in Nigeria
Die Cholera grassiert in Gombe, im Nordosten von Nigeria, wo aktuell die 16. nationalen nigerianischen Studenten-Sportmeisterschaften ausgetragen werden. Nach den Angaben der Veranstalter sind mindestens 5 Sportler in kritischem Zustand. Die Unterbringung der angereisten Sportler und Zuschauer wird als unzureichend beschrieben. Auch scheint es an ausreichendem Trinkwasser zu mangeln. Reisende zu den Sportveranstaltungen sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 23. Oktober 2008).

Dengue Fieber im Pazifik
Die Reihe der pazifischen Inseln mit Dengue Fieber-Ausbrüchen steigt stetig an. Aktuell werden erhöhte Aktivitäten und Erkrankungsfälle gemeldet neben Amerikanisch Samoa (mehr als 200 Erkrankungsfälle, ein Todesfall) und Fidschi (rund 2.000 Erkrankungsfälle), auch auf Samoa (500 Erkrankungsfälle, Tonga (bisher keine genauen Zahlen verfügbar), Neu-Kaledonien (rund 1.000 Erkrankungen), Kiribati (900 Erkrankungsfälle) und Palau (keine verlässlichen Erkrankungszahlen). Nach verlässlichen Schätzungen liegen jedoch die tatsächlichen Erkrankungszahlen vermutlich um mehr als das Doppelte höher. Reisende in die gesamte Region der pazifischen Inseln sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 20. Oktober 2008).

Dengue-Fieber in Indonesien
Die Provinz Aceh, im äußersten Norden der indonesischen Insel Sumatra, wird von einem Dengue Fieber-Ausbruch heimgesucht. Mindestens 13 Menschen sind an der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion verstorben. Die Zahl der Erkrankten scheint in die Tausende zu gehen, allerdings liegen keine genauen Zahlen vor. Auch das geographische Ausmaß des Ausbruchs und der verursachende Virustyp sind bisher nicht bekannt. Reisende in die Region Aceh sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 20. Oktober 2008).

Dengue Fieber in China
In der chinesischen Provinz Yunnan sind 68 Erkrankungsfälle von Dengue Fieber aufgetreten. Nach den Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörden sind von diesen Fällen 48 Erkrankungsfälle aus den angrenzenden Ländern Myanmar, Laos und Vietnam eingeschleppt und die restlichen Infektionen in Yunnan erworben worden. Nach Angaben der chinesischen Behörden ist der Ausbruch mittlerweile unter Kontrolle. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs in der Provinz und eine genaue Zahl von Erkrankungen sind nicht verfügbar. Reisende in die Provinz und in die angrenzenden Länder sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 20. Oktober 2008).

Milzbrand in Slowenien
Aus der Region der Stadt Celje zwischen Maribor und Ljubljana ist ein Milzbrand-Ausbruch zu vermelden. Bisher sind mindestens 5 Rinder erkrankt und verstorben. Eines der Rinder ist rund 7 km entfernt von den übrigen 4 erkrankten Rindern betroffen. Dies weist auf eine gemeinsame Infektionsquelle (z.B. kontaminiertes gemeinsames Futter) oder eine erhöhte Aktivität aufgrund von im Boden befindlichen und aktivierten Milzbrand-Sporen (z.B. Ausschwemmung durch starke Regenfälle) hin. Nach Angaben der Veterinärbehörden scheint kontaminiertes Futter Ursache des Ausbruchs zu sein. Das Infektionsrisiko für Reisende ist gering. Allerdings sollten alle Reisenden jeglichen Kontakt mit kranken Tieren oder Tierkadavern vermeiden (ProMED, 10./24. Oktober 2008).

Malaria in Nigeria
Im Bundesstaat Katsina, im Norden Nigerias, sind innerhalb von 4 Wochen mehr als 50.000 Menschen an Malaria erkrankt und mehr als 400 daran verstorben. Dies bedeutet, dass in diesem Zeitraum mehr als 1% der Gesamtbevölkerung des Bundesstaats an Malaria erkrankt ist. Es handelt sich vermutlich um Malaria tropica. Westafrika ist die Region mit der höchsten Übertragung von Malaria weltweit bekannt. Jedoch ist diese hohe Aktivität selbst für Westafrika ungewöhnlich. Nigeria zählt aufgrund der politischen Situation nicht zu den Reiseländern. Vermutlich ist auch in den angrenzenden Ländern eine erhöhte Malaria-Aktivität zu verzeichnen. Reisende in die genannten Regionen sollten daher entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft eine Malariaprophylaxe durchführen (ProMED; 19. Oktober 2008).

Tollwut in USA
Im US-Bundesstaat Colorado ist ein Stinktier mit Tollwut diagnostiziert worden. Das Tier wurde am Sloans Lake im nordwestlichen Stadtgebiet in Denver gefunden. Es handelt sich um den ersten Fall einer Tollwut bei Tieren in der genannten Region seit mehr als 30 Jahren. Die Untersuchung ergab, dass es sich um einen Fledermaus-Tollwut-Stamm handelt. Veterinärmedizinische Experten gehen nun davon aus, dass das Stinktier eine mit Tollwut infizierte Fledermaus verspeist hat. Entsprechende Beobachtungen kommen ab und zu vor. Allerdings scheinen die Tiere das aus Fledermäusen stammende Tollwut-Virus nicht weiter auf andere Tiere übertragen zu können. Die Veterinärmediziner waren die Bevölkerung ihre Haustiere (Hunde, Katzen) gegen Tollwut zu impfen, da ein Kontakt mit infizierten Fledermäusen oder anderen terrestrischen Tieren immer möglich ist (ProMed, 19. Oktober 2008).

Japanische Enzephalitis in Indien
Im indischen Bundesstaat West-Bengalen scheint eine erhöhte Aktivität der Japanischen Enzephalitis vorhanden zu sein. Es wird über den Tod eines 34jährigen Mannes an Komplikationen nach einer Japan Enzephalitis berichtet. In der Region wird augenblicklich auch ein Ausbruch von Dengue Fieber und Chikungunya Fieber beobachtet. Alle 3 Virusinfektionen werden durch unterschiedliche Arten von Stechmücken übertragen, so dass von einer extrem hohen Stechmücken-Population auszugehen ist. Reisende nach West-Bengalen sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen. Bei Aufenthalten in ländlichen Gebieten mit dem erhöhten Risiko von Stechmücken-Stichen sollte eine Japan Enzephalitis-Impfung durchgeführt werden (ProMED, 18. Oktober 2008).

Virus-Konjunktivitis in der Dominikanischen Republik
In der Dominikanischen Republik sind aktuell mehr als 45.000 Erkrankungsfälle von Konjunktivitis aufgetreten. Die Behörden sprechen von einem epidemischen Auftreten. Zur Ursache sind bisher keine Aussagen verfügbar, allerdings ist von einer viralen Genese, vermutlich Adenoviren, auszugehen. Der Ausbruch ist über die gesamte Insel verbreitet. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit Erkrankten oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Reisende in die Dominikanische Republik sollten über das aktuelle Infektionsrisiko vor Reiseantritt informiert werden und Maßnahmen der persönlichen Hygiene strikt durchführen (ProMED, 18. Oktober 2008).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in China
In der ostchinesischen Provinz Fujian sind mindestens 3 Säuglinge an Hand-Fuß-Mund-Krankheit verstorben. Seit dem Beginn des Ausbruchs in Fujian Anfang Oktober sind mindestens 113 Menschen, vorwiegend Säuglinge und Kleinkinder, erkrankt. Es handelt sich um den zweiten Ausbruch der Virusinfektion in diesem Jahr in China. Über den Erreger wurden bisher keine Aussagen gemacht. Vermutlich handelt es sich um Enterovirus Typ 71. Jedoch können auch andere Enteroviren (Coxsackieviren) zu einer entsprechenden Symptomatik führen. Die Übertragung erfolgt durch Kontaktinfektion (Schmierinfektion) direkt über erkrankte Patienten (z.B. über kontaminierte Hände) oder indirekt durch Virus kontaminierte Gegenstände. Reisende in die genannte Provinz sollten alle Maßnahmen der persönlichen Hygiene strikt befolgen (ProMED, 21. Oktober 2008).

Insektizid-Kontamination in Gemüse aus China
In einen japanischen Supermarkt wurden tief gefrorene Bohnen entdeckt, die mit Organosphosphaten kontaminiert sind. Mindestens eine Person in Japan musste mit gastrointestinalen Vergiftungserscheinungen kurzzeitig hospitalisiert werden. In einer der Packungen wurde das 34.000fache der erlaubten Konzentration von Dichlorovos nachgewiesen. Alle Bohnen der entsprechenden chinesischen Firma Yantai Beihai Foodstuff Co. wurden mittlerweile aus entfernt. Es ist ein weiteres Beispiel in einer Reihe von Kontaminationen von Nahrungsmitteln oder Trinkwasser in China. Grundsätzlich sollten Reisende nach China vorsichtig sein beim Genuss von Nahrungsmitteln in China, insbesondere in der Nähe von Industrieanlagen (ProMED, 18. Oktober 2008).



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