KW 42 / 2008: Epidemiologische Informationen

Poliomyelitis in PakistanIn Pakistan sind in diesem Jahr bereits 70 Erkrankungsfälle von Poliomyelitis gemeldet worden, die Hälfte der Erkrankungen wurden in den Monaten August und September diagnostiziert. Damit sind in den beiden zurück liegenden Monaten mehr Erkrankungsfälle aufgetreten als im gesamten Vorjahr 2007 (insgesamt 32 Fälle). Pakistan zählt damit zu einem von nur noch vier Ländern, in denen autochthon auftretende Erkrankungsfälle der Polio auftreten. Neben Pakistan sind dies Afghanistan, Nigeria und Indien. In weitere 12 Länder (Tschad, Sudan, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Nepal, Angola, Niger, Benin, Burkina Faso, Äthiopien, Myanmar und Somalia) wurden Polio-Erkrankungsfälle importiert.
Weiterhin gelten damit Asien und Afrika als polio-endemisch. Reisende in die Kontinente und insbesondere in die genannten Länder sollten über einen ausreichenden Polio-Immunschutz verfügen (ProMED, 15. Oktober 2008).
Arenavirus-Infektion in SambiaIn Sambia und Südafrika sind 4 Fälle eines Hämorrhagischen Fiebers aufgetreten. 3 der Erkrankten sind verstorben. Der vierte Fall, eine Krankenschwester, die engen Kontakt mit einem der anderen Erkrankungsfälle hatte, erkrankte an einer fieberhaften Infektion mit Thrombozytopenie und wird aktuell in Südafrika mit Ribavirin behandelt. Als Erreger konnte ein neues, bisher unbekanntes Arenavirus identifiziert werden. Es konnte eine Verwandtschaft mit dem in Westafrika vorkommenden Lassa Fieber-Virus nachgewiesen werden. Über die Epidemiologie des neuen Virus ist bisher nichts bekannt, allerdings ist von einer primären Übertragung durch Nagetiere auszugehen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Das Risiko für Reisende in Sambia ist als gering einzuschätzen, jedoch sollten alle direkten oder indirekten Kontakte mit Nagetieren grundsätzlich vermieden werden (ProMED, 13. Oktober 2008).
Norovirus-Infektion in NeuseelandAuf der Nordinsel Neuseelands erkrankten einige Personen an einem gastrointestinalen Infekt, nachdem sie Austern gegessen hatten. Entsprechende Untersuchungen der Behörden konnten zeigen, dass Austern von der Bay of Islands an der Nordinsel mit Noroviren kontaminiert sind. Auch in der Stadt Auckland waren entsprechende Erkrankungsfälle nach dem Genuss von Austern bekannt geworden. Nach den Angaben der Gesundheitsbehörden sind aktuell keine potentiell kontaminierten Austern mehr im Handel oder im Verkehr. Reisende sollten trotzdem aktuell vorsichtig sein beim Verzehr von Austern auf der Neuseeländischen Nordinsel (ProMED, 14. Oktober 2008).
Dengue Fieber in IndienAktuell werden aus mehreren indischen Bundesstaaten erhöhte Erkrankungszahlen von Dengue Fieber gemeldet. In Punjab sind mehr als 600 Menschen in der Stadt Ludhiana und deren Umgebung erkrankt, mindestens 2 Erkrankte sind bisher verstorben. Auch im Bundesstaat West-Bengalen ist ein Dengue Fieber-Ausbruch zu vermelden. Hier wird die Situation durch die gleichzeitige Zirkulation von Chikungunya-Virus noch kompliziert. Ein entsprechender Doppelausbruch wurde letztmals vor 46 Jahren beschrieben. Reisende in die beiden genannten indischen Bundesstaaten sollten alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe berücksichtigen (ProMED, 14. Oktober 2008).
Dengue Fieber und Chikungunya Fieber auf den Riau-Inseln (Indonesien)Auf den zwischen Singapur und Sumatra gelegenen, zu Indonesien gehörenden Riau-Inseln wird ein Dengue Fieber-Ausbruch beobachtet. In der Stadt Batam auf der gleichnamigen Insel wurden im September mehr als 100 Erkrankungsfälle gezählt. Gleichzeitig wird auf den Riau-Inseln über einen Ausbruch von Chikungunya Fieber berichtet. In mindestens 10 Ortschaften wurden bisher Erkrankungsfälle registriert. Nachdem beide Infektionen einen ähnlichen klinischen verlauf nehmen können und von den gleichen Vektoren übertragen werden, ist das genaue Ausmaß der beiden Ausbrüche nicht unterscheidbar. Auch die diagnostischen Möglichkeiten vor Ort sind aktuell begrenzt. Reisende auf die genannte Inselgruppe sollten daher alle Maßnahmen der persönlichen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 10., 14. 15. Oktober 2008).
Ginseng-Vergiftung in ChinaIn der chinesischen Provinz Yunnan, im Südwesten Chinas, sind 3 Menschen nach Verabreichung von Ginseng-Injektionen verstorben. Der Ginseng stammte aus Sibirien und wurde von einer Firma im Nordosten Chinas verarbeitet. Aktuell ist unbekannt, was die genaue Ursache der Todesfälle war. Systemisch applizierbare Ginseng-Präparate werden in China häufig gegen Herzprobleme und Thrombose verabreicht. Grundsätzlich muss vor entsprechenden Medikamenten aus China gewarnt werden, da diese häufig nicht den westlichen Standards der Medikamentenherstellung entsprechen (ProMED, 15. Oktober 2008).
Chikungunya Fieber in IndonesienDer aktuelle Chikungunya Fieber-Ausbruch breitet sich immer weiter über die gesamte südostasiatische Region aus. Aus dem Westen der Insel Sumatra werden Dutzende von Erkrankungsfällen gemeldet. Die Behörden vor Ort sind von dem Ausbruch überrascht worden. Bisher gibt es keine Anzeichen von Bekämpfungsmaßnahmen gegen die durch Stechmücken übertragene Virusinfektion. Reisende in die gesamte Region sollten alle Empfehlungen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe dringend befolgen (ProMED, 17. Oktober 2008).
Jamestown Canyon Virus-Enzephalitis in den USAIm US-Bundesstaat Mississippi ist ein Patient an einer seltenen Form einer viralen Enzephalitis erkrankt. Dabei handelt es sich um ein Virus aus der Gruppe der California Enzephalitis Viren. Das Jamestown Canyon Virus kommt in weiten Teilen der USA östlich der Rocky Mountains vor und verursacht sehr selten Infektionen beim Menschen. Das klinische Bild reicht von subklinischen Infektionen bis hin zu schweren Enzephalitiden. Das Virus wird von bestimmten Stechmücken, u.a. auch vom asiatischen Tigermosquito (Aedes albopictus) übertragen. Das individuelle Risiko ist schwer abzuschätzen und wird als insgesamt gering angesehen. Reisende in Regionen mit hohen Stechmücken-Populationen sollten sich vor Stichen schützen. Patienten mit fieberhaften Infekten oder Meningitiden/Enzephalitiden nach Rückkehr aus den USA sollten auch auf California Encephalitis-Virusinfektionen untersucht werden (ProMED, 17. Oktober 2008).
Hepatitis A in Slowakischer RepublikIn Stara Lubovna, in der Region Presov, in der nordöstlichen Slowakei wurde der Notstand ausgerufen, nachdem mehr als 200 Menschen an Hepatitis erkrankt sind. Besonders betroffen sind Kinder der Volksgruppe der Roma, die in der angegebenen Stadt unter schlechten hygienischen Bedingungen hausen. Täglich werden aktuell bis zu 20 Neuerkrankungen von Hepatitis A gemeldet. Es wurde eine umfassende Impfaktion gestartet, die jedoch bisher noch nicht den entsprechenden Erfolg zeigt. Möglicherweise erfolgte die Infektion deutlich vor der Impfung, so dass sich der Immunschutz zu langsam ausbilden konnte. Reisende in die genannte Region sollten aktuell über einen ausreichenden Hepatitis A-Immunschutz verfügen (ProMED; 16. Oktober 2008).
Hantavirus Hämorrhagisches Fieber in VietnamIn der vietnamesischen Hauptstadt Ho Chi Minh Stadt sind in den letzten Tagen mehrere Infektionen durch Hantaviren aufgetreten. Obwohl nicht näher bestimmt, handelt es sich vermutlich um das Hantaan-Virus, der Erreger der schweren Form eines hämorrhagischen Fiebers, auch bekannt als Koreanisch Hämorrhagisches Fieber. Vektor und Überträger der Infektion sind Wildmäuse. Das Auftreten von Erkrankungsfällen in Großstädten weist auf eine hohe Population von Wildmäusen hin, mit einem erhöhten Übertragungsrisiko auf den Menschen. Reisende nach Vietnam sollten jeglichen direkten oder indirekten Kontakt zu Nagetieren vermeiden (ProMED, 9. Oktober 2008).
Cholera in BeninIm Norden des Westafrikanischen Staates Benin sind innerhalb der letzten Septemberwoche mehr als 90 Erkrankungsfälle von Cholera aufgetreten. In der ersten Oktoberwoche wurden 2 weitere Distrikte, Djougou und Bassilla, betroffen und mehr als 600 Erkrankungsfälle wurden registriert. Bisher wurde nicht über Todesfälle berichtet. Im August 2008 war ein Choleraausbruch aus der Wirtschaftmetropole des Landes Cotonou gemeldet worden. Es ist bisher unklar, ob beide Ausbrüche in epidemiologischem Zusammenhang stehen. Reisende in den Benin und insbesondere in den Norden des Landes sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 14. Oktober 2008).
Cholera in MosambikAus der nördlichen Provinz Niassa wird ein Choleraausbruch gemeldet. Es ist von mehr als 270 Erkrankungs- und 12 Todesfällen die Rede. Besonders betroffen ist die Stadt Cuama. Als Ursache für den Ausbruch nennen die Gesundheitsbehörden den Mangel an sauberem Trinkwasser und die fehlende Abwasser- und Müllhygiene in der betroffenen Region. Das genaue geographische Ausmaß des Ausbruchs ist unklar. Reisende in den Norden Mosambiks sollten alle Maßnahmen der Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt einhalten (ProMED, 14. Oktober 2008).
Cholera in TansaniaAus dem Süden des ostafrikanischen Landes wird ein Choleraausbruch gemeldet. Betroffen ist der Südwesten der Region Rukwa, die an das Nachbarland Sambia angrenzt. Aktuell sind mehr als 70 Menschen erkrankt und mindestens 4 Patienten verstorben. Im Norden des Landes wurde im September ein Choleraausbruch gemeldet. Es ist aktuell unklar, ob beide Ausbrüche in Zusammenhang stehen. Reisende in den Südwesten Tansanias sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt befolgen (ProMED, 14. Oktober 2008).
Arsenvergiftung in ChinaIn der chinesischen autonomen Region Guangxi Zhuang sind mehr als 200 Menschen an einer Arsenvergiftung erkrankt. Das Arsen wurde durch starke Regenfälle aus den Abwässern einer Metall verarbeitenden Industrie in das Trinkwasser eingeschwemmt. Arsen konnte in einer Reihe von Personen der lokalen Bevölkerung in hohen Konzentrationen im Urin nachgewiesen worden. Das Beispiel zeigt, dass insbesondere in der Nähe von Industrieanlagen die Umwelt potentiell kontaminiert sein kann. Oberflächenwasser sollte in diesen Regionen auf keinen Fall als Trinkwasser oder Brauchwasser verwendet werden (ProMED, 14. Oktober 2008).
Milzbrand im IrakIn den autonomen Kurdengebieten im Norden des Irak sind 37 Menschen am Milzbrand erkrankt. Nach den Angaben der lokalen medizinischen Behörden handelt es sich um den ersten Milzbrandausbruch seit den achtziger Jahren der 20. Jahrhunderts in der Region. Alle Erkrankenten zeigen die klinische Form des Hautmilzbrands, die durch Hautkontakt mit infiziertem Fleisch, oder anderen Tierprodukten entsteht. Bisher ist kein Fall eines Lungemilzbrands oder einer intestinalen Erkrankungsform aufgetreten. Alle infizierten Tiere, bzw. deren Kadaver werden vergraben und für nicht betroffene Tiere wird eine umfangreiche Impfaktion gestartet. Die genannte Region ist keine Reiseregion. Evtl. könnte jedoch technisches oder humanitäres Personal in der Region unterwegs sein, so dass diese Personenkreise jeglichen Kontakt mit erkrankten Haustieren oder deren Kadavern vermeiden sollten (ProMED, 13. Oktober 2008).
Pest in den USAIm US-Bundesstaat Arizona ist ein Mann des Indianerstamms der Navajo-Indianer an Beulenpest erkrankt. Die Infektion erfolgte vermutlich in der sog. „Four Corner-Region, in der die vier amerikanischen Bundesstaaten Arizona, Colorado, Utah und New Mexico aneinander grenzen. In der Region scheint auch ein Massensterben von Präriehunden auf eine erhöhte Pestaktivität hinzudeuten. Das zuständige US-Gesundheitsministerium warnt alle Bewohner und Besucher vor dem direkten Kontakt mit lebenden Nagetieren oder toten Nagerkadavern, da hierdurch infizierte Flöhe auf den Menschen übergehen und zur Infektion führen können. In der genannten Region liegen mehrere beliebte Nationalparks. Alle Besucher dieser Parks sollten sich von Nagetieren grundsätzlich fernhalten (ProMED, 12. Oktober 2008).
Streptokokken-Infektion in KanadaIn der kanadischen Provinz Ontario wird eine Häufung von schweren und teilweise tödlich verlaufenden Streptokokken-Infektionen beobachtet. Insgesamt wurden in diesem Jahr 75 Erkrankungsfälle und 10 Todesfälle registriert. Besonders betroffen sind IV-Drogenabhängige und Obdachlose. Es handelt sich um den definierten Streptokokken-Stamm EMM-59. Der genaue Mechanismus der Übertragung ist bisher unklar. Reisende nach Ontario, die zur Risikogruppe der IV-Drogenabhängigen zählen, sollten über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und bei Auftreten von entsprechenden Infektionen sollte sofort eine suffiziente Therapie eingeleitet werden (ProMED, 11. Oktober 2008).
Gelbfieber in der Zentralafrikanischen RepublikAus der Zentralafrikanischen Republik wird ein Gelbfieber-Ausbruch gemeldet. Betroffen ist der Südwesten des Landes. Genaue Zahlen zu Erkrankten oder Todesfällen sind nicht verfügbar. Die Gesundheitsbehörden warnen jeden Bewohner bei Auftreten von plötzlichem Fieber, Gelbsucht oder Blutungen sofort ein medizinisches Zentrum aufzusuchen. Über den Typ des Ausbruchs (sylvatisch oder urban) liegen keine Informationen vor. Die Zentralafrikanische Republik liegt im Gelbfieber-Gürtel. Grundsätzlich sollten alle Reisenden in das zentralafrikanische Land über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 13. Oktober 2008).
Brucellose in UruguayIm Nordwesten Uruguays, an der Grenze zu Brasilien, sind Rinder an Brucellose erkrankt. Die Erkrankung wurde zuerst als Maul- und Klauenseuche (MKS)-Ausbruch gewertet. Dies konnte jedoch nun widerlegt werden. Wieviele Rinder und ggf. auch Farmen betroffen sind, ist nicht bekannt. Das Landwirtschaftministerium von Uruguay gab eine entsprechende Meldung aus, damit es den Status eines MKS-freien Landes behält. Auch ist unklar, ob Menschen von der Brucellose (vermutlich Brucella abortus) betroffen sind. Die Brucellose wird insbesondere durch ungenügend behandelte Milch und Weichkäse auf den Menschen übertragen. Weiterhin werden große Mengen von Brucellen während des Geburtsvorgangs, insbesondere mit dem Fruchtwasser und der Nachgeburt, ausgeschieden. Reisende nach Uruguay und insbesondere in die genannte Region sollten keine unpasteurisierte Milch und entsprechend daraus hergestellte Milchprodukte verzehren (ProMED; 10. Oktober 2008).