KW 41 / 2008: Epidemiologische Informationen

Leptospirose in EnglandIn England ist eine 56jährige Frau an Leptospirose verstorben. Die Patientin hatte sich an einer wilden Ratte infiziert. Diese hatte sich in einer Vogelfalle verfangen. Bei einem Befreiungsversuch war die Patientin von der Ratte an der Haut verletzt worden. Die aus der Verletzung resultierende Leptospiren-Infektion manifestierte sich als sog. Weilsche Erkrankung, die schwerste Form der Leptospirose mit Leber- und Nierenversagen. Das Beispiel zeigt, dass grundsätzlich Nagetiere weltweit als Überträger von Infektionskrankheiten dienen können. Jeder direkte ungeschützte Kontakt mit Nagetieren kann zu einer entsprechenden Infektion führen und sollte daher vermieden werden (ProMED, 7. Oktober 2008).
Salmonellose in den USAIn den USA sind mindestens 32 Menschen aus 12 verschiedenen Bundesstaaten an einer Salmonellen-Infektion erkrankt. Als Infektionsquelle konnten fertig verpackte Hühnchenteile identifiziert werden. Die Infektionsübertragung wurde durch die falsche Zubereitung dieser Nahrungsmittel, u.a. als Hähnchen Cordon Bleu, Hähnchen Kiew, oder Hähnchenbrust begünstigt. Die nur angekochten Hähnchenteile wurden von den Betroffenen nur in der Mikrowelle erhitzt, während diese Nahrungsmittel nicht für die Form der Erwärmung, sondern für eine Durchgarung hergestellt wurden. Reisende, die in den USA vorgekochte Hähnchen kaufen und verzehren, sollten über dieses Übertragungsrisiko informiert werden (ProMED, 6. Oktober 2008).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in RusslandIn der Region von Stavropol, im Süden des europäischen Teils Russlands, ist in diesem Jahr die Inzidenz von Erkrankungen an Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber um das 1,5fache höher als im vergangenen Jahr. Damit wurde die höchste Zahl von Erkrankungen seit 10 Jahren in der Region gezählt. Insgesamt wurden 80 Erkrankungsfälle gezählt, davon 6 tödlich verlaufend. Die Patienten mit tödlichen Verlaufsformen waren verspätet diagnostiziert worden. Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber ist eine Virusinfektion, die durch Zecken oder Blut infizierter Tiere übertragen wird. Die Häufigkeit Virustragender Zecken scheint in diesem Jahr in vielen Region der südosteuropäischen Region (v.a. Türkei, Russland, Georgien, Armenien) stark erhöht zu sein. Reisende in die genannten Regionen sollten jeden Kontakt mit Zecken vermeiden und bei Aktivitäten in der Natur entsprechende Expositionsmaßnahmen durchführen (ProMED, 6. Oktober 2008).
Tollwut in den USAIm US-Bundesstaat wurde vom Elternteil eines Schülers eine tote Fledermaus in die Schule gebracht. Diese wurde von einer Reihe von Schülern besichtigt und teilweise auch angefasst. Nun stellte sich heraus, dass die Fledermaus mit dem Tollwut-Virus infiziert war. Alle Schüler mit direktem Kontakt zu der Fledermaus wurden aufgefordert, eine Postexpositionsprophylaxe durchführen zu lassen. In den USA wird die überwiegende Zahl von tierischen Tollwut-Fällen bei Fledermäusen beobachtet. Reisende in die USA sollten hingewiesen werden, jeden direkten Kontakt mit Fledermäusen zu vermeiden. Im Falle, dass eine Fledermaus oder Fledermausspuren in einem Schlafzimmer entdeckt werden, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, um ggf. eine entsprechende Postexpositionsprophylaxe durchführen zu lassen. (PRoMED, 6. Oktober 2008).
Tollwut in den USA aus dem IrakIn den USA ist bei einem Hund, der aus dem Irak importiert wurde, eine Tollwut diagnostiziert worden. Hunde werden aus dem Irak in die USA importiert, um dort zu ehemaligen Irak-Soldaten gebracht zu werden, die diese Hunde im Irak adoptiert hatten. Dabei kommt es immer wieder vor, dass einzelne dieser Hunde an Tollwut erkranken. Auch Hundeimporten aus anderen Ländern führten vereinzelt schon in Europa zu Tollwut-Erkrankungen, u.a. vor allem Hunde aus der Mittelmeer-Region, die illegal importiert werden. Grundsätzlich sollten streunende Hunde aus Ländern mit erhöhter Tollwut-Prävalenz nicht importiert werden und ausschließlich erst nach einer Veterinärinspektion und Quarantäne mit Menschen direkt in Kontakt kommen (ProMED, 6. Oktober 2008).
Leptospirose in den USAIn Kalifornien sind Dutzende von Meeressäugern an Leptospirose erkrankt. In den letzten Tagen wurde eine Reihe von Seelöwen zur Therapie in ein Meeressäuger-Zentrum gebracht. Die Meeressäuger können jedoch Leptospiren mit ihrem Urin ausscheiden und so eine Infektionsquelle für den Menschen darstellen. Erkrankte Seelöwen und andere Meeressäuger sollten daher nicht angefasst werden, sondern es sollte ein entsprechendes Meereszentrum kontaktiert werden, das sich dann um die erkrankten Säugetiere kümmert. Jeder direkte Kontakt mit Meeressäugern sollte vermieden werden (ProMED, 4. Oktober 2008).
Milzbrand in ArgentinienAus der argentinischen Provinz Buenos Aires wird ein Milzbrandausbruch gemeldet. Der Ausbruch ereignete sich in der Nähe der Stadt Bolivar. In einer Herde von 170 Rindern waren 2 Rinder erkrankt und an der Tierseuche verstorben. Die Rinder waren nicht gegen Milzbrand geimpft. Der Milzbrand-Erreger scheint in Argentinien ursprünglich nicht heimisch gewesen zu sein, sondern wurde in den vergangenen 2 Jahrhunderten verschiedentlich durch Futtermittel und Mineralstoffe aus anderen Kontinenten eingeführt. Reisende in die Ebenen Argentiniens sollten jeden direkten Kontakt zu erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermeiden (ProMED; 3. Oktober 2008).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in RusslandIn der russischen autonomen Republik Tatarstan ist im Jahr 2008 die Häufigkeit des durch Hantaviren verursachten Hämorrhagischen Fiebers mit Renalem Syndrom rund 7mal höher als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt ist von mehr als 100 Erkrankungsfällen in diesem Jahr die Rede, darunter auch ein Erkrankungsfall mit tödlichem Ausgang. Als Ursache wird die stark erhöhte Nagerpopulation in der Region angesehen. Hantaviren führen zu einer chronischen Infektion von Nagetieren, die das Virus mit dem Urin und anderen Exkreten und Sekreten ausscheiden. Reisende in den Süden des europäischen Teils Russlands sollten jeden direkten und indirekten Kontakt mit Nagetieren und deren Exkreten und Exkrementen vermeiden (ProMED, 2. Oktober 2008).
Hepatitis A in LettlandIn Lettland ist die Inzidenz der Hepatitis A im Jahr 2008 rund 30 bis 50fach höher als in den zurückliegenden Jahren. Insgesamt ist von mehr als 750 diagnostizierten Erkrankungsfällen, darunter 5 Todesfällen die Rede. Die höchste Inzidenz wird in der Altersgruppe der 18 bis 29Jährigen beobachtet. Bisher konnte keine eindeutige Einzelursache für die starke Erhöhung der Inzidenz entdeckt werden. Während anfänglich in erster Linie Drogenabhängige betroffen waren, scheint sich der Erreger jetzt in die Normalbevölkerung ausgebreitet zu haben und ist dort insbesondere bei der genannten Altersgruppe auf eine hohe Rate nicht-immuner Personen getroffen. Dadurch konnte sich ein autochthoner Übertragungszyklus etablieren. Reisende nach Lettland und in die übrigen baltischen Länder sollten über eine ausreichende Immunität gegen Hepatitis A verfügen (ProMED, 3. Oktober 2008).
Gelbfieber in GhanaIn Accra, der Hauptstadt Ghanas, ist nach den Angaben eines Privatlabors ein Patient am Gelbfieber verstorben. Diese Nachricht brachte nun die Gesundheitsbehörden auf den Plan, die eine nähere Untersuchung des Todesfalls und eine entsprechende Umgebungsuntersuchung fordern. Nähere Informationen zu dem potentiellen Todesfall sind bisher nicht bekannt, auch über die mögliche Aktivität des Gelbfieber-Virus in dem westafrikanischen Land existieren keine Informationen. Reisende nach Westafrika sollten grundsätzlich über einen Gelbfieber-Impfschutz verfügen (ProMED, 3. Oktober 2008).
Masern in den NiederlandenAus der niederländischen Stadt Utrecht wird ein Masern-Ausbruch gemeldet. Es handelt sich damit um einen weiteren Ausbruch dieser Virusinfektion innerhalb kurzer Zeit. Betroffen ist eine Bevölkerungsgruppe in der Stadt Utrecht, die aus religiösen Gründen gegen jegliche Impfungen ist. Bisher sind mindestens 16 Kinder erkrankt. Die Gesundheitsbehörden empfehlen nun allen Eltern dringend, alle nicht geimpften Kinder gegen Masern zu impfen. Die Masern-Impfung zählt zu den Grundimmunisierungen. Jeder Bürger sollte über einen Masernschutz verfügen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Gelegenheit dar, die Masern-Immunität auch bei Erwachsenen zu überprüfen und ggf. zu vervollständigen (ProMED, 8. Oktober 2008).
Filariose auf den PhilippinenIn der westlichen Visayas-Region auf den Philippinen sind nach den Angaben der offiziellen Gesundheitsbehörden erstmalig Fälle von Filariose aufgetreten. Insgesamt wurde bei 41 von 656 untersuchten Bewohnern die durch Stechmücken übertragene Helminthen-Infektion diagnostiziert. Es wurden keinen Angaben über die Filarienart gemacht. In Frage kommen Brugia malayi oder Wuchereria bancrofti. Das Ausmaß des Ausbruchs ist bisher nicht klar. Auch ist es unklar, ob es sich um eine Neuetablierung der Filariose oder um eine Erstdiagnose eines seit längerer Zeit bestehenden endemischen Zyklus handelt. Reisende auf die Philippinen und insbesondere in die genannte Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 8. Oktober 2008).
Adenovirus-Infektion in Alaska, USAEin besonders virulenter Serotyp von Adenoviren ist Verursacher eines Ausbruchs von schweren Infektionen des unteren Respirationstrakts im US-Bundesstaat Alaska. Als Erreger wurde Adenovirus Serotyp 14 identifiziert. Insgesamt ist von mindestens 32 Erkrankten auf der Prince of Wals-Insel die Rede, davon ein tödlicher Verlauf und ein Patient mit künstlicher Beatmung. Insgesamt war bei 7 der 32 Patienten der Husten so stark, dass eine Krankeneinweisung veranlasst werden musste. Betroffen durch schwere Verlaufsformen sind insbesondere Patienten mit Grunderkrankungen des Respirationstrakts (z.B: obstruktive Bronchitis). Reisende aus der Prince of Wales-Insel mit Respirationstrakt-Symptomatik sollten auf Adenoviren untersucht und bei schwerer Symptomatik ggf. auch hospitalisiert werden (ProMED, 7. Oktober 2008).
Dengue Fieber in PakistanIn der pakistanischen Provinz Punjab in Zentralpakistan wird über eine Reihe von autochthonen Dengue Fieber-Erkrankungsfällen berichtet. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs ist noch unklar, da entsprechende Untersuchungen durch das pakistanische Gesundheitsministeriums noch laufen. Dengue Fieber-Ausbrüche soweit im Norden des Landes sind eher ungewöhnlich. Reisende nach Pakistan sollten generell Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen (ProMED, 7. Oktober 2008).
Dengue Fieber in OzeanienIn Amerikanisch-Samoa sind bisher mehr als 160 Erkrankungsfälle von Dengue Fieber aufgetreten. Diese Zahl liegt insgesamt schon um 50% höher als die Gesamtzahl des Jahres 2007. Als Erreger des Ausbruchs wird Dengue Virus-Serotyp 4 vermutet. In Neukaledonien hat die Zahl der Dengue Fieber-Patienten mittlerweile vierstellige Zahlen erreicht. Es sind aktuell mehr als 1.000 Erkrankungsfälle registriert. Hier scheint jedoch der Serotyp 1 der dominierende Virustyp zu sein. Dies bedeutet, dass in der pazifisch-ozeanischen Inselwelt mindestens zwei Dengue-Viren unabhängig voneinander eingeschleppt wurden. Reisende zu den genannten Inselgruppen sollten über das aktuelle Infektionsrisiko und die Möglichkeiten der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe informiert werden (ProMED, 7. Oktober 2008).
Dengue Fieber in St. MartinAuf der Karibikinsel St. Martin wird seit Ende September ein Dengue Fieber-Ausbruch beobachtet. Genaue Zahlen zum Ausbruchsgeschehen wurden nicht mitgeteilt. Auch über den zirkulierenden Virustyp wurden keine Aussagen gemacht. Nachdem auch auf Trinidad und Tobago eine erhöhte Dengue Fieber-Aktivität zu beobachtet wurde, muss von einer erhöhten Aktivität in der gesamten südlichen karibischen Region ausgegangen werden. Reisende auf die genannten Inseln und diesen Inseln benachbarten Inseln sollten aktuell auf das Infektionsrisiko hingewiesen und mit den Möglichkeiten der individuellen Expositionsprophylaxe vertraut gemacht werden (proMED, 7. Oktober 2008).