KW 40 / 2008: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in SimbabweIn der Provinz West Mashonaland im südafrikanischen Simbabwe ist der Milzbrand ausgebrochen. Mindestes ein Mensch ist erkrankt. Der Ausbruch grassiert unter den Haustieren und Wildtieren in der betroffenen Region. Die lokalen Gesundheits- und Veterinärbehörden haben den Fleischmarkt in der Region eingeschränkt. Weiterhin warnen sie die lokale Bevölkerung, Rinder zu schlachten und insbesondere das Fleisch erkrankter Rinder in den Verkehr zu bringen oder zu verzehren. Simbabwe ist aufgrund der politischen Situation kein klassisches Reiseland. Insbesondere Individualreisende könnten in einer gewissen Gefahr sein.
Diese sollten jeden direkten Kontakt zu kranken und toten Tieren vermeiden und Fleisch unklarer Herkunft nicht verzehren (ProMED, 26. September 2008).
Salmonellose in FrankreichIn Frankreich sind in den letzten Tagen mehrere Säuglinge an Salmonellose erkrankt. Als Erreger konnte Salmonella enterica, Serotyp Give identifiziert werden, ein bei Säuglingen in den letzten Jahren unbekannter Salmonellentyp. Alle Säuglinge waren mit Flaschennahrung ernährt worden. Eine epidemiologische Untersuchung in Frankreich erbrachte in den ersten Ergebnissen, dass alle Säuglinge die gleiche Charge eines französischen Babymilch-Produkts bekommen hatten. Säuglinge, die mit französischen Milchprodukten ernährt werden und Durchfall entwickeln, sollten auf Salmonella enterica Give untersucht werden (ProMED, 26. September 2008).
Trachom im SudanIm südsudanesischen Bundesstaat Jonglei ist im Rahmen einer Untersuchung ein hoher Anteil der Bevölkerung gefunden worden, der mit Trachom infiziert und erkrankt ist. Die Untersuchung in knapp 400 Haushalten mit insgesamt mehr als 2.300 Menschen ergab, dass durchschnittlich in jedem Haushalt ein Erkrankter und in jedem 3. Haushalt ein Patient mit Erblindung durch Trachom zu finden war. Diese extrem hohe Rate von Trachom-Erkrankten ist mit den schlechten Hygiene-Verhältnissen erklärbar. Das Trachom wird von Chlamydia trachomatis verursacht. Die Übertragung erfolgt durch Kontaktinfektion (Schmierinfektion) oder indirekt, z.B. über Fliegen, die auf der Augenschleimhaut sitzen und ebenfalls über Kontakt den Erreger von einem auf das andere Auge übertragen. Schwere Augenschäden resultieren meist aus einer über viele Jahre andauernden chronischen Infektion. Für Reisende in die Region besteht ein gewisses Risiko einer akuten Konjunktivitis durch Chlamydia trachomatis. Bei Augenerkrankungen nach Reisen, insbesondere in die afrikanische Region, sollte an Trachom gedacht werden (ProMED, 28. September 2008).
Hepatitis A in MexikoIm mexikanischen Bundesstaat Queretaro, nördlich der Hauptstadt Mexiko, wird ein Hepatitis A-Ausbruch beobachtet. Insgesamt sind bisher mehr als 290 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Allein in der Region der Stadt Tequisquiapan sind innerhalb weniger Wochen 80 Erkrankungsfälle registriert worden. Als Ursache für die erhöhte Hepatitis A-Aktivität werden die starken Regenfälle genannt, die in den letzten Wochen in der Region auftraten und zu einer deutlichen Verschlechterung der hygienischen Situation in der Region führten. Dadurch scheint die Übertragung des Hepatitis A-Virus begünstigt zu werden. Reisende nach Mexiko und insbesondere in den genannten Bundesstaat sollten über eine Hepatitis A-Immunität verfügen (ProMED, 28. September 2008).
Dengue Fieber in MexikoIm mexikanischen Bundesstaat Jalisco steigt die Zahl von Neuerkrankungen am Dengue-Fieber in den letzten Tagen deutlich an. Betroffen ist vor allem die Metropolregion der Stadt Guadalajara, wo ein Großteil der mehr als 260 Erkrankungsfälle, darunter 4 hämorrhagische Verlaufsformen, aufgetreten ist. Auch im Bundesstaat Sonora wird ein Ausbruch befürchtet, nachdem bisher 23 Erkrankungsfälle diagnostisch bestätigt sind, während mindestens weitere 50 Proben in der diagnostischen Testung sind. Reisende nach Mexiko und insbesondere in die genannten Bundesstaaten sollten die Empfehlungen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe beachten (ProMED, 30. September 2008).
Dengue Fieber in GuyanaAus dem südamerikanischen Guyana wird die höchste Zahl von Dengue-Infektionen seit 10 Jahren gemeldet. Bisher konnte die durch Stechmücken übertragene Arbovirus-Infektion bei mehr als 300 Einwohnern diagnostiziert werden. Das genaue Ausmaß der Erkrankung im Land ist allerdings unklar, da die Aufmerksamkeit der Gesundheitsbehörden erst durch einen Ausbruch im benachbarten Trinidad und Tobago auf die Erkrankung gelenkt wurde. Damit ist von einer hohen Dunkelziffer von Erkrankungen auszugehen. Reisende nach Guyana sollten die Empfehlungen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe beachten (ProMED, 30. September 2008).
Dengue Fieber in Trinidad und TobagoDengue Fieber breitet sich auf den Inseln des südamerikanischen Inselstaats Trinidad und Tobago rasch aus. Auf Tobago verdoppelte sich die Zahl der diagnostizierten Erkrankungen innerhalb von 2 Wochen. Auf Trinidad werden mindestens 78 Erkrankungsfälle und mindestens schon 4 Todesfälle durch Dengue Fieber, bzw. seine hämorrhagische Verlaufsform, gemeldet. Der verursachende Serotyp ist bisher nicht bekannt. Betroffen scheinen die gesamten Inseln zu sein. Es kann keine eingegrenzte betroffene Region mehr identifiziert werden. Reisende auf die beiden genannten Inseln sollten die Empfehlungen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe beachten (ProMED, 30. September 2008).
Gelbfieber in GuineaAus dem westafrikanischen Staat Guinea wird eine erhöhte Gelbfieber-Aktivität gemeldet. Es kamen 2 Erkrankungsfälle im Verwaltungsdistrikt N'zerekore zur Meldung. Eine epidemiologische Untersuchung ergab weitere 14 Verdachtsfälle in der genannten Region, davon mindestens einen Todesfall. Alle Erkrankten und Verdachtsfälle waren ungeimpft, während in der gesamten Region schätzungsweise 95% Durchimpfungsrate im Rahmen einer Impfkampagne im Jahr 2005 erreicht wurde. Die Erkrankungsfälle scheinen damit Ausdruck einer hohen Aktivität in der Region darzustellen. Die Gesundheitsbehörden wollen in den nächsten Tagen eine Impfauffrisch-Aktion durchführen, um evtl. vorhandene nicht geimpfte Personen damit zu erfassen. Reisende nach Westafrika sollten grundsätzlich eine Gelbfieber-Immunität aufweisen. Einreisen nach Guinea sind ausschließlich mit dem Nachweis einer Gelbfieber-Impfung in einem internationalen Impfpass möglich (ProMED, 30. September 2008).
West Nil-Infektion in GuadeloupeIn der zu Frankreich gehörenden Karibik-Insel Guadeloupe ist im Rahmen einer Überwachungsuntersuchung bei 2 Pferden auf einer Farm eine Infektion mit West Nil-Virus diagnostiziert worden. Die Meldung wurde über das französische Landwirtschaftministerium an die Internationale Landwirtschafts-Organisation FAO weitergeleitet worden. Nachdem zwei Pferde auf der Farm infiziert wurden, ist von einer hohen lokalen Aktivität auszugehen. Nachdem das genaue Ausmaß der Aktivität bisher ungeklärt ist, wurde für die gesamte Insel eine erhöhte West Nil-Virus-Aktivität gemeldet. Reisende nach Guadeloupe sollten bei erhöhter Stechmücken-Aktivität Maßnahmen zum individuellen Schutz vor Stechmücken-Stichen (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED; 30. September 2008).
Schistosomiasis in KeniaIm kenianischen Distrikt Ganze werden deutlich erhöhte Erkrankungszahlen von Schistosomiasis beobachtet. Insgesamt ist von mehr als 30 Erkrankungsfällen in kurzer Zeit die Rede. Es handelt sich um eine Halbwüstenregion. Die Bewohner sind großteils auf das Wasser während der Regenzeit angewiesen, das in künstlichen Behältnissen gesammelt wird und sich in natürlichen Bodensenken sammelt. Nach Angaben stellen diese natürlichen Teiche die Infektionsquelle für den augenblicklichen Schistosomiasis-Ausbruch dar. Beim Erreger handelt es sich vermutlich um Schistosoma mansoni und damit um die gastrointestinale Form der Erkrankung. Reisende nach Kenia sollten generell jeden Kontakt mit natürlichen Süßgewässern vermeiden, da hier immer das Risiko einer Infektion besteht (ProMED, 30. September 2008).
Pest in TibetIn der tibetischen südöstlichen Provinz Nyinchi sind zwei Fälle von Lungenpest aufgetreten. Nähere Informationen zum Infektionsmodus und zum Verlauf der beiden Fälle wurden nicht mitgeteilt. Allerdings lassen die verfügbaren Angaben stark vermuten, dass es sich bei einem Patienten um eine natürliche Übertragung mit sekundär entwickelter Lungenpest und beim zweiten Patienten um eine primäre Lungenpest (direkte Übertragung von einem zum anderen Patienten über Aerosol) handelte. Nach offiziellen Angaben sind keine weiteren Erkrankungsfälle aufgetreten und der Ausbruch ist unter Kontrolle. Die zentralasiatische Region ist weiterhin endemisches Gebiet für die Pest. Die Erkrankung tritt dort immer wieder sporadisch auf. Reisende nach Zentralasien einschließlich der Mongolei, Teilen Chinas und Tibets sollten jeden direkten Kontakt zu Nagetieren in der Natur vermeiden. Die natürliche Übertragung der Pest erfolgt in erster Linie durch Nagerflöhe, die auf der Suche nach neuen Wirten auf den Menschen übergehen, wenn die Nager an der Pest verstorben sind. (ProMED, 2. Oktober 2008).
Cholera in GhanaDie ghanaischen Gesundheitsbehörden befürchten einen Cholera-Ausbruch in der urbanen Region der Stadt Accra. Es wurden keine Angaben zum Grund für die Warnung an die Bevölkerung gegeben. Allerdings wurde die Bevölkerung der Stadt aufgefordert, bei Auftreten von Symptomen keine Panikreaktion zu entwickeln, sondern unverzüglich ein Gesundheitszentrum aufzusuchen. Reisende nach Ghana sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 2. Oktober 2008).
Cholera in BeninAus dem Nordosten des westafrikanischen Landes Benin wird ein Cholera-Ausbruch gemeldet. Es sind mindestens 40 Erkrankungsfälle bekannt geworden. Die Erkrankungsfälle traten in der Provinz Bourgou auf, an der Grenze zum Niger. Weitere Angaben zum Ausbruch wurden nicht gemacht. Auch zum geographischen Ausmaß gibt es keine weiteren Informationen. Nach den Angaben der Gesundheitsbehörden wurden alle hygienischen Maßnahmen eingeleitet, um den Ausbruch einzudämmen. Reisende in die Region sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 2. Oktober 2008).