KW 39 / 2009: Epidemiologische Informationen

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Epidemische Polyarthritis in Australien
Aus dem australischen Bundesstaat Northern Territories wird ein Ausbruch von Epidemischer Polyarthritis beschrieben. Es handelt sich um eine Infektion mit dem Ross River-Virus, das durch Stechmücken übertragen wird. Die gemeldete Zahl von mehr als 200 Erkrankungsfällen stellt die höchste Zahl von Erkrankungen seit dem Jahr 1990 dar. Die meisten Erkrankungsfälle treten in der Umgebung der Stadt Darwin auf. Als Ursache werden die heftigen Regenfälle genannt, die in den letzten Wochen in der Region fielen.

Es ist von einer hohen Aktivität des Virus in den Stechmücken-Populationen auszugehen. Reisende nach Australien und insbesondere in die Northern Territories sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 23. September 2009).

Chikungunya-Fieber auf den Malediven

Zwei Reise-Rückkehrer von den Malediven sind nach ihrer Rückkehr in München am Chikungunya-Fieber erkrankt. Beide zeigten die typische Klinik der Virusinfektion mit hohem Fieber, einem Exanthem und Gelenkschmerzen. Zur gleichen Zeit wurde im Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts über 3 Erkrankungsfälle bei Reiserückkehrern aus den Malediven gemeldet. Die genannten Erkrankungen sprechen für eine Chikungunya-Fieber-Ausbruchssituation auf der Inselgruppe. Leider wurde in der Meldung nicht mitgeteilt auf welcher(n) Insel(n) die Reisenden sich aufhielten. Reisende auf die Malediven sollten ganztägige Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 23. September 2009).

Bakterienruhr in der Ukraine

In der Autonomen Republik Krim in der Ukraine sind mindestens 190 Personen an Shigellenruhr erkrankt. Betroffen ist dabei insbesondere die Stadt Jankoy auf der Krim-Halbinsel. Dort wurden bis auf weiteres alle Schulen geschlossen. Als Infektionsquelle wird kontaminierter Jogurt angegeben. Das genaue Ausmaß ist nicht bekannt. Auch die Shigellenart wurde nicht mitgeteilt. Reisende auf die Krim und insbesondere nach Jankoy sollten augenblicklich keinen Jogurt essen und insbesondere bei direkten Kontakten und nach Toilettengängen die individuellen Händehygiene-Maßnahmen beachten (ProMED, 21. September 2009).

Strychnin-Vergiftung in Indonesien
Auf der indonesischen Insel Bali ist ein Mann mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Er hatte ein Stück Wurst verzehrt, die vergiftet worden war, um die Hundepopulationen auf der Insel zu dezimieren. Aktuell wird eine hohe Tollwut-Aktivität auf Bali beobachtet. Mindestens 3 Menschen sind an der Virusinfektion allein im Kreis Tabanan erkrankt und verstorben. Exakte Angaben zum verwendeten Gift fehlen. Neben Strychnin wird auch Magnesiumsulfat genannt. Grundsätzlich sollten Reisende keine Wurst- oder Fleischwaren verzehren, die unbekannten Ursprungs sind und zufällig aufgefunden werden (ProMED, 20. September 2009).

Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber in Afghanistan
Ein amerikanischer Soldat hat sich in Afghanistan mit dem Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber infiziert und ist nach dem Transport nach Landstuhl an der Virusinfektion verstorben. Die Infektion erfolgte mutmaßlich durch einen Zeckenstich in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul im Rahmen von zivil-militärischen Kontakten mit Hirten einer Ziegenherde. Krim-Kongo-Virus wird in erster Linie durch Zecken  der Gattung Hyalomma übertragen, die bevorzugt bei Rindern, Schafen und Ziegen Blut saugen, jedoch auch Menschen für eine Blutmahlzeit befallen. Die Erkrankung verläuft als schweres hämorrhagisches Fieber. Das Virus kann nosokomial von Mensch zu Mensch über Blut und bluthaltige Sekrete übertragen werden. Reisende sollten alle Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 19. September 2009).

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in den USA

Im US-Bundesstaat New Mexiko sind in diesem Jahr bereits 4 Menschen am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom erkrankt. Im gesamten Jahr 2008 wurden nur 2 Erkrankungsfälle registriert. Zwei der aktuellen Patienten haben die Erkrankung überlebt. Zwei weitere Erkrankte sind noch hospitalisiert. Die Infektion wird durch verschiedene Hantaviren verursacht. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um Infektionen mit dem Sin Nombre-Virus. Es wird durch infizierte Hirschmäuse (Peromyscus maniculatus) mit Urin und anderen Exkreten und Sekreten übertragen und kann Menschen durch direkten Kontakt oder durch Einatmen von an Staub angetrocknetem Virus infizieren. Grundsätzlich sollte jeder direkte Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkreten vermieden werden (ProMED, 19. September 2009).

Stechapfel-Vergiftung in Russland
In der russischen Stadt Novokuybyshevsk, in der Provinz Samara, sind mindestens 11 Schüler einer Schule mit Stechapfel-Vergiftung in Krankenhäuser eingewiesen worden. Die Früchte waren vermutlich anstelle von Drogen verzehrt worden. Stechapfel-Früchte enthalten u.a. Scopolamin, Atropin und Hyoscamin. Sie können neben Tachykardie, Hyperthermie und Hyperämie auch Halluzinationen verursachen. Aufgrund der kardiogenen Wirkung kann der Verzehr von Stechapfel zum Tod führen. Grundsätzlich sollten auf Reisen keine Drogen eingenommen werden, insbesondere wenn sie aus unbekannter Quelle stammen (ProMED, 19. September 2009).

Tollwut in den USA

Weiterhin wird aus verschiedenen Bundesstaaten der USA eine hohe Tollwut-Aktivität gemeldet. Im US-Bundesstaat Colorado wurde der erste Fall einer Tollwut bei einem Pferd seit mindestens 25 Jahren bekannt. Das Pferd war vermutlich durch ein tollwütiges Stinktier infiziert worden. Auch in Texas ist ein Pferd an Tollwut verendet. Das Pferd war während der späten Inkubationszeit noch als Rodeopferd im Einsatz. Es wird nun nachgeforscht, ob jemand auf dem Rodeo von dem Pferd gebissen wurde oder mit Speichel des Pferdes in direkten Kontakt gekommen war. Reisende in die USA sollten über die augenblicklich hohe Tollwut-Aktivität in verschiedenen östlichen und mittelwestlichen Bundesstaaten hingewiesen werden. Direkter Kontakt mit Wild- oder Haustieren mit auffälligem Verhalten sollten vermieden werden oder sofort danach ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 19. September 2009).

Rift Valley Fieber in Südafrika
Die südafrikanischen Veterinärbehörden melden einen Rift Valley Fieber-Ausbruch bei Schafen im Distrikt Mbombela in der Provinz Mpumalanga. Aktuell sind ausschließlich Schafe betroffen. Während im Jahr 2008 insgesamt 17 menschliche Erkrankungsfälle registriert wurden, waren es im aktuellen Jahr bisher nur drei. Alle Erkrankten hatten direkten Kontakt zu Haustieren. Rift Valley Fieber-Virus wird durch Stechmücken übertragen. Infektionen des Menschen passieren häufiger durch Kontakt mit Tierprodukten (Blut, Fleisch, Milch). Der Ausbruch scheint aktuell lokalisiert zu sein. Reisende in den genannten Distrikt in Südafrika sollten direkte Kontakte mit Haustieren oder deren Produkten vermeiden und Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 20. September 2009).

Japanische Enzephalitis in Indien

Im Distrikt Gorakhpur im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh sind seit Beginn des Japan-Enzephalitis-Ausbruchs in diesem Jahr bereits mehr als 300 Kinder an der Virusinfektion verstorben. Insgesamt wurden bisher mehr als 1500 Erkrankungsfälle allein im genannten Distrikt diagnostiziert, allerdings wurde nur bei einem Teil der Erkrankungsfälle Japan-Enzephalitis als Ursache nachgewiesen. Für den Rest der Enzephalitisfälle konnte bisher die Ätiologie nicht abschließend geklärt werden. Reisende nach Uttar Pradesh sollten augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 21. September 2009).

Brucellose in den USA
Im US-Bundesstaat Texas wurde bei einem Farmer Brucellose diagnostiziert. Der Farmer hatte sich die ursprünglich als Schweine-Influenza diagnostizierte und dann weiter abgeklärte fieberhafte Infektion durch Kontakt mit Wildschweinen erworben. Der Patient und sein Sohn hatten eines der sein Anwesen verwüstenden Wildschweine geschossen und es dann ausgenommen und für den Verzehr vorbereitet. Ähnliche Erkrankungsfälle wurden in diesem Jahr bereits aus dem Südosten der USA gemeldet. Reisende sollten jeden direkten Kontakt mit Wildschweinen vermeiden (ProMED, 21. September 2009).

Hepatitis in Pakistan
Im Süden der pakistanischen Provinz Punjab sind mindestens 16 Menschen an nosokomialer Hepatitis B oder C erkrankt und verstorben. Eine nicht näher genannte weitere Zahl von Erkrankten ist aktuell in der Therapie. Insgesamt sollen in einer einzigen Woche 42 Menschen verstorben sein. Als Infektionsquelle wird die mehrmalige Verwendung von Spritzen bei verschiedenen Patienten genannt, was zur Übertragung der Hepatitis B und C in den Krankenhäusern führt. Es ist unklar, ob es sich um einen grundsätzlichen Mangel von Spritzen und Kanülen handelt oder ob die Spritzen in korrupter Absicht mehrmals verwendet wurden. Grundsätzlich sollten Reisende Krankenhausaufenthalte in Pakistan vermeiden. Reisende mit Grundkrankheiten und einem daraus resultierenden Risiko für Krankenhauseinweisungen sollten möglichst nicht nach Pakistan reisen (ProMED, 21. September 2009).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in Vietnam
In der vietnamesischen Hauptstadt Ho Chi Minh Stadt sind seit Beginn eines Ausbruchs mit Hand-Fuß-Mund-Krankheit Hunderte von Kindern erkrankt. Allein an einem Tag waren im Kinderkrankenhaus Nr. 1 mehr als 60 Kinder in stationärer Behandlung. Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine Virusinfektion, die von Enteroviren verursacht wird. Häufigste Ursache ist Enterovirus Serotyp 71. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch, meist über mit Viren kontaminierte Gegenstände oder durch direkten Kontakt. Gefährdet sind insbesondere Kinder mit nicht ausreichend entwickeltem Hygiene-Bewusstsein. Reisende, insbesondere mit Kindern, nach Vietnam sollten auf peinliche Beachtung der individuellen Hände-Hygiene achten (ProMED, 21. September 2009).

Venezuelanische Pferdeenzephalitis in Mittelamerika
Zwei mittelamerikanische Länder melden einen Ausbruch der Venezuelanischen Pferdeenzephalitis. In Belize wird eine Zunahme der Aktivität der durch Stechmücken übertragenen Alphavirus-Infektion gemeldet. Genaue Erkrankungszahlen in Pferden werden dabei nicht genannt. In der entsprechenden Meldung wird eine erhöhte Aktivität im gesamten Land genannt. Aus Costa Rica werden Ausbrüche in zwei Regionen mit insgesamt 5 Pferden genannt. Das Auftreten mehrerer Ausbrüche könnte ein Hinweis für eine epidemische Aktivität des verursachenden Virus sein. Es werden sog. epidemische und endemische Virustypen unterschieden. Reisende in die mittelamerikanische Region sollten augenblicklich in Regionen mit erhöhten Stechmücken-Populationen einen ganztägigen individuellen Expositionsschutz durchführen (ProMED, 25. September 2009).

Giardiasis in den USA
Im US-Bundesstaat New York sind mindestens 6 Menschen am sog. Biber-Fieber erkrankt. Dabei handelt es sich um eine Infektion mit Giardia lamblia. Als Infektionsquelle wird ein Frischwasserquelle vermutet, aus der die Erkrankten Wasser zum Trinken ohne weitere Aufbereitung entnommen hatten. Die Behörden haben nun die Bewohner der betroffenen Gegend aufgefordert, kein frisches Quellwasser ohne entsprechende Vorbehandlung zu trinken. Die Infektion mit Giardia lamblia manifestiert sich in erster Linie mit gastrointestinalen Symptomen. Reisende in die ländlichen Regionen des Bundesstaats New York sollten ebenfalls nur Quellwasser in abgekochter Form verwenden (ProMED; 21. September 2009).



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