KW 39 / 2008: Epidemiologische Informationen

West Nil-Fieber in RumänienIn der rumänischen Stadt Braila, in der gleichnamigen Provinz im Südwesten Rumäniens, ist bei einem Patienten eine West Nil-Meningitis aufgetreten. Der Patient war an einem fieberhaften Infekt mit makulopapulärem Exanthem erkrankt und entwickelte dann eine Meningitis, die folgenlos ausheilte. Die erst geäußerte Diagnose einer Rickettsiose wurde nach serologischem Nachweis von IgM-Antikörpern gegen West Nil-Virus revidiert. Die Infektion erfolgte an der unteren Donau Rumäniens in einer Region, in der im Jahr 2007 schon Erkrankungsfälle mit West Nil-Virus bei Pferden aufgetreten waren.
Der Erkrankungsfall könnte auf eine erhöhte Aktivität des Virus hindeuten. Reisende in die genannte Region Rumäniens sollten daher Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken-Stichen (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 26. September 2008).
West Nil-Fieber in ItalienIn der Umgebung der italienischen Stadt Ferrara sind 12 Pferde an West Nil-Virus-Infektionen erkrankt. Die Pferde erkrankten an neurologischen Symptomen. Bisher konnte die Diagnose bei 6 Pferden serologisch bestätigt werden, 6 weitere Pferde zeigen deutliche neurologische Symptome. Die Pferde gehören insgesamt 8 verschiedenen Ställen an, so dass nicht von einem punktuellen Geschehen, sondern von einer allgemein erhöhten Virusaktivität in der Region auszugehen ist. Reisende in die Region Emilia Romagna, südlich von Venedig, sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen (Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen. Bei Italien-Rückreisenden mit fieberhaften Erkrankungen sollte eine West Nil- Infektion ausgeschlossen werden (ProMED, 19./26. September 2008).
Chikungunya Fieber in IndienIn Indien wird augenblicklich eine Zunahme der Erkrankungsfälle von Chikungunya-Fieber beobachtet. Insgesamt sind in diesem Jahr mehr als 10.000 Erkrankrankungsfälle mehr als im Zeitraum des Vorjahres aufgetreten. Die höchste Aktivität ist im indischen Bundesstaat Karnataka zu verzeichnen, gefolgt von den Bundesstaaten Kerala und Maharashtra. Eine geringe Aktivität mit jeweils einzelnen Erkrankungsfällen werden aus den Bundesstaaten Gujarat, Andrah Pradesh, Goa, Tamil Nadu und Haryana berichtet. Reisende, insbesondere in die drei erst genannten Bundesstaaten Indiens, sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 24. September 2008).
Hepatitis A in der Tschechischen RepublikSeit Juli dieses Jahres ist ein starker Anstieg der Erkrankungsfälle an Hepatitis A in Tschechien zu verzeichnen. Nach Angaben der tschechischen Gesundheitsbehörden ist das Epizentrum des Ausbruchs in der Hauptstadt Prag zu suchen. Von den insgesamt bisher rund 440 Erkrankungsfällen stammen 260 Fälle aus der Hauptstadt. Innerhalb der nächsten wenigen Wochen könnte die Zahl der gemeldeten Erkrankten noch deutlich ansteigen, da augenblicklich noch eine Reihe von Diagnose-Bestimmungen ausstehen. Insgesamt ist damit augenblicklich von einer hohen Viruszirkulation auszugehen. Ein wirksamer Schutz vor einer Infektion ist nur durch eine Hepatitis A-Impfung möglich, da Hygienemaßnahmen in der Regel schwierig durchzuführen sind. Reisende nach Tschechien sollten augenblicklich über das Infektionsrisiko informiert und ggf. gegen Hepatitis A geimpft werden. Bei Reiserückkehrern mit entsprechenden Symptomen sollte eine Hepatitis A abgeklärt werden (ProMED, 23. September 2008).
Milzbrand in FinnlandIm Süden Finnlands in der Nähe der Stadt Orimattila ist bei einem Jungbullen ein Fall von Milzbrand aufgetreten. 2 landwirtschaftliche Arbeiter sind mit dem Kadaver des Bullen in Kontakt gekommen und wurden nach Stellung der Diagnose unter antibiotische Prophylaxe gesetzt. Auf der gleichen Farm war vor 4 Jahren ein Fall von Milzbrand bei einem Rind aufgetreten. Es handelt sich um ein Einzelereignis. Für Reisende besteht kein unmittelbares Risiko, allerdings zeigt dieses Beispiel, dass grundsätzlich jeder Kontakt mit Tierkadavern vermieden werden sollte (ProMED, 19./23. September).
Östliche Pferdeenzephalitis in den USAIm US-Bundesstaat Maine wurde ein Fall von Östlicher Pferdeenzephalitis bei einem Pferd diagnostiziert. Das Pferd verstarb an neurologischen Symptomen auf einer Farm im County Lebanon. Der Fall ist insofern ungewöhnlich, da eine Virusübertragung des durch Stechmücken übertragenen Virus selten soweit nördlich in den USA zu beobachten ist. Zusammen mit einem Erkrankungsfall bei einem Pferd in Ontario, Kanada, ist damit von einer Virusaktivität ungewöhnlich weit nördlich in der USA in diesem Jahr auszugehen. Reisende an der gesamten Ostküste der USA sollten in Gebieten (v.a. Nähe von Sümpfe) mit hohen Stechmückenpopulationen eine Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. September 2008).
Botulismus in RusslandIn der russischen Republik Dagestan sind in diesem Jahr bereits 28 Fälle von Botulismus aufgetreten. Damit liegt die Zahl der Erkrankungen deutlich über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Als wichtigste Übertragungsvehikel gelten selbst eingeweckte Nahrungsmittel, darunter Pilze, Gemüse, geräuchertes Fleisch und geräucherter Fisch. Dagestan liegt im Nord-Kaukasus und ist damit die südlichste Republik Russlands. Botulismus ist nicht auf die Region Dagestans beschränkt. Erkrankungsfälle werden im gesamten Staatsgebiet Russlands immer wieder beobachtet und führen zu kleineren Ausbrüchen. Reisende sollten daher möglichst den Verzehr von selbst eingemachten Nahrungsmittels vermeiden (ProMED, 23. September 2008).
Leptospirose in Sri LankaInnerhalb der letzten 3 Wochen sind 33 Menschen in Sri Lanka an Leptospirose verstorben. Die Zahl von Erkrankungen im genannten Zeitraum wird mit rund 700 angegeben. Die Gesamtzahl der Erkrankungsfälle im Jahr 2008 wird nun mit mehr als 4.500 Fällen angegeben. Betroffen sind in erster Linie Reisbauern. Die Infektion erfolgte auf den überfluteten Reisfeldern. Die Gesundheitsbehörden haben daher eine allgemeine Warnung insbesondere für Reisebauern ausgesprochen. Die Übertragung der Leptospiren erfolgt durch mit Urin von chronisch infizierten Nagetieren kontaminiertem Wasser, die in Mikroverletzungen der Haut eindringen. Reisende nach Sri Lanka sollten daher jeden direkten Hautkontakt mit Wasser vermeiden (ProMED, 22. September 2008).
Globale Situation der PoliomyelitisIn diesem Jahr wurden bisher mehr als 1.200 Erkrankungsfälle von Poliomyelitis diagnostiziert. Dies bedeutet mehr als eine Verdopplung der Erkrankungsfälle im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres, als rund 500 Erkrankungsfälle registriert worden waren. Die Erkrankung tritt weiterhin endemisch in den 4 Ländern auf, in Indien, in Nigeria, in Pakistan und in Afghanistan. In weitere 10 Länder wurde die Poliomyelitis eingeschleppt, in erster Linie aus Nigeria. In all den Ländern in Asien und Afrika wurden einzelne Erkrankungsfälle registriert. Reisende nach Afrika und Asien sollten daher über einen ausreichenden Impfschutz verfügen (ProMED, 19. September 2008).
Masern in IndienIm nördlichsten indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir ist ein Masernausbruch zu verzeichnen. Es ist von mehreren Dutzend Erkrankungen die Rede, genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Allerdings sind mindestens 6 Todesfälle durch Masern aufgetreten. Es wurden nun mehrere hundert Impfstoff-Dosen in die betroffene Region geschafft. Die Ursache für den Masern-Ausbruch wird in der Knappheit der in die betroffenen Regionen gelieferten Impfstoff-Dosen gesehen, die insbesondere bei Kindern zu einer hohen Zahl ungeimpfter und damit nicht immuner Individuen führte. Die genannten Regionen gehören nicht zu den klassischen Reiseregionen Indiens. Grundsätzlich sollte jeder einen Immunschutz gegen Masern aufweisen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Möglichkeit dar, um den Immunschutz gegen Masern und andere Grundimpfungen zu kontrollieren und ggf. zu vervollständigen (ProMED, 22. September 2008).
Masern in FrankreichIn Frankreich sind im Rahmen eines Masern-Ausbruchs 17 Kinder und Jugendliche erkrankt. Der Ausbruch konnte auf die Teilnahme einiger der betroffenen Kinder in einem Ferien-Camp im Anjou zurückgeführt werden. Alle Erkrankungsfälle bei den betroffenen Kindern stehen direkt oder durch Übertragung auf Familienmitglieder in Zusammenhang mit dem Ferien-Camp. Alle erkrankten Kinder hatten keinen Immunschutz. Von insgesamt 23 nicht- immunen Kindern erkrankten 16, was einer Infektionsrate von rund 70% entspricht. Von 24 geimpften Kindern erkrankte keines an den Masern. Auch Kinder und Jugendliche sollten vor Ferienaktivitäten auf ihren Immunschutz durch Grundimmunisierungen überprüft und ggf. aufgefrischt werden (ProMED, 20. September 2008).
Tollwut in den USAIm US-Bundesstaat Arizona werden zwei Frauen postexpositionell gegen Tollwut behandelt, nachdem sie eine Fledermaus gefunden und mitgenommen hatten. Die nachträgliche Untersuchung der Fledermaus ergab, dass sie mit dem Tollwut-Virus infiziert war. Daraufhin wurde die Expositionsprophylaxe begonnen. Die lokalen Gesundheitsbehörden haben nochmals eindringlich die Bevölkerung gewarnt, wilde Tiere oder Tiere mit ungewöhnlichem Verhalten zu berühren oder aus falsch verstandener Sorge mitzunehmen. Reisende sollten über das entsprechende Risiko informiert werden (ProMED, 22. September 2008).
Arsen-Vergiftung in BangladeschIn mehreren Regionen Bangladeschs werden deutlich erhöhte Werte von Arsen im Trinkwasser, im Boden und in Pflanzen gefunden. Die Werte lagen teilweise über dem 10fachen des von der WHO empfohlenen Wertes. Auch bestimmte Reissorten sind betroffen. So wurden signifikant höhere Arsenwerte in sog. „Boro-Reis“ gefunden, während in „Aman-Reis“ deutlich weniger Arsen nachweisbar war. Boro-Reis wird mit belastetem Grundwasser bewässert, wodurch die hohen Werte zustande kommen. Von einem längerfristigen Genuss von Grundwasser oder dem Boro-Reis wird daher dringend abgeraten. Reisende sollten darüber vor Reiseantritt informiert werden (ProMED, 21. September 2008).
Trichinose in RusslandAuf der Halbinsel Chukchi in der gleichnamigen Autonomen russischen Republik im Fernen Osten Russlands an der Pazifikküste sind 8 Menschen an Trichinose erkrankt. Die Patienten stammen aus einem Dorf. Als Infektionsquelle konnte infiziertes Walross-Fleisch identifiziert werden, das traditionellerweise von den dort lebenden Stämmen verzehrt wird. 2 Patienten sind bisher verstorben, 3 der Patienten befinden sich weiterhin zur Behandlung in Krankenhäusern. Die Trichinose ist eine in mehreren Regionen Russlands endemisch vorkommende Erkrankung. Betroffen sind u.a. die Regionen um Tomsk (Westsibirien) und um den Baikalsee. Reisende nach Sibirien und in den Fernen Osten Russlands sollten möglichst kein rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch verzehren (ProMED, 20. September 2008).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in RusslandIn den beiden russischen Distrikten Samara und Mariy El, im südlichen europäischen Teil Russlands, ist eine ungewöhnlich hohe Zahl von Erkrankungen am durch Hantaviren hervorgerufenen Hämorrhagischen Fieber mit Renalem Syndrom zu verzeichnen. Während in Samara von mehr als 100 Erkrankungsfällen die Rede ist, werden für Mariy El 25 Erkrankungen innerhalb einer Woche angegeben. Die Infektion wird in den betroffenen Regionen auch als Mäusefieber bezeichnet. Reisende in die genannten Regionen Russlands sollten Maßnahmen zum Schutz vor direkten oder indirekten Kontakten mit Wildmäusen treffen (ProMED, 19. September 2008).
Dengue Fieber in VietnamIn der in Mittel-Vietnam gelegenen Provinz Nghe An wird ein Dengue-Fieber-Ausbruch gemeldet. Während in diesem Jahr schon mehr als 7.300 Patienten in der Hauptstadt Ho Chi Minh-Stadt und 3.500 Erkrankungsfälle in der südlichen Provinz Tien Giang diagnostiziert wurden, ist dieser aktuelle Ausbruch besonders, da er sich weiter im Norden als bisher beobachtet abspielt und weil das Dengue-Virus nicht durch Aedes aegypti, sondern durch Aedes albopictus übertragen wird. Reisende nach Vietnam sollten auch in Zentral-Vietnam eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 22. September 2008).
Dengue Fieber in BrasilienIn Brasilien wird weiterhin eine hohe Dengue Fieber-Aktivität beobachtet. Im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro sind in diesem Jahr mehr als 240.000 Erkrankungsfälle und 171 Todesfälle aufgetreten. Die Gesundheitsbehörden befürchten, dass die Aktivität in den nächsten Monaten steigen wird, da die Temperaturen steigen und die eigentliche Regenzeit erst einsetzen wird. Reisende nach Brasilien sollten daher über das erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 22. September 2008).
Milzbrand in RusslandIn der russischen Region Astrakhan im Süden des europäischen Teils Russlands sind 3 menschliche Erkrankungsfälle von Milzbrand diagnostiziert worden. Es handelt sich um die Hautform des Milzbrands. Als Infektionsquelle konnte Fleisch eines geschlachteten Rindes identifiziert werden. Weitere Personen, die an der Schlachtung erkrankter Rinder beteiligt waren, stehen unter Beobachtung. Milzbrand ist in der genannten Region Russlands endemisch vorkommend, da lange Jahre Rinder in der Erde vergraben wurden. Die davon überlebenden Bakteriensporen sind nach wie vor in der Erde vorhanden und führen immer wieder zu Infektionen bei Tieren und daraus resultierend bei Menschen. Grundsätzlich gilt für die gesamte russische und zentralasiatische Region, dass jeder direkte Kontakt mit Tieren und insbesondere Tierkadavern vermieden werden sollte (ProMED, 23. September 2008).