KW 38 / 2009: Epidemiologische Informationen

Tollwut in KasachstanIm Distrikt Süd-Kasachstan sind innerhalb weniger Tage 2 Menschen an Tollwut erkrankt und verstorben. Die genauen Umstände, Infektionsquelle (Tier) und Zeitpunkt der jeweiligen Infektion sind bisher nicht bekannt. Grundsätzlich sollten Reisende in Kasachstan jeden direkten Kontakt mit Haus- oder Wildtieren vermeiden und bei entsprechendem Haut- und Schleimhautkontakt sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 13. September 2009).
Tollwut in der UkraineAuf der Krim-Halbinsel wurden in diesem Jahr bereits 96 Tierbisse von tollwütigen Tieren bei Menschen gezählt. Weiterhin wurden mehr als 80 Hunde, 6 Katzen, 26 Füchse und 5 Waschbärenhunde diagnostiziert. Die Tollwut kommt auch in anderen Teilen der Ukraine vor, so dass das gesamte Land als endemisch betrachtet werden muss. Grundsätzlich sollten Reisende in die Ukraine jeden direkten Kontakt mit Haus- oder Wildtieren vermeiden und bei entsprechendem Haut- und Schleimhautkontakt sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 13. September 2009).
Cholera in AfghanistanAus weiten Teilen Afghanistans werden Cholera-Ausbrüche gemeldet. Aktuell sind mindestens 10 Provinzen betroffen. Mehr als 670 Erkrankungsfälle wurden bisher gemeldet. Genauere Infektionszahlen sind aufgrund der politisch-sozialen Situation nicht verfügbar. Über die aktuelle Aktivität der Cholera in den Ausbruchsgebieten sind keine Informationen verfügbar. Reisende nach Afghanistan sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 14. September 2009).
Cholera in ÄthiopienIn Äthiopien sind innerhalb der letzten drei Wochen rund 18.000 Menschen an der Cholera und an wässrigen Durchfällen (nicht diagnostiziert) erkrankt. Davon leben 14.000 auf dem Land und 4.000 Patienten in der Hauptstadt Addis Abeba. Aktuell findet das Meskel Religionsfest statt, auf dem rund eine halbe Million Menschen unter schlechten sanitären Bedingungen über 2 Wochen zusammenleben. Die Gesundheitsbehörden gehen von weiteren Übertragungen und damit steigenden Infektionszahlen aus. Reisende nach Äthiopien sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 14. September 2009).
Cholera in SimbabweIn Simbabwe sind in der letzten Woche 12 Fälle von Cholera bekannt geworden. Die Gesundheitsexperten diskutieren momentan die Bedeutung dieses Ausbruchs in der Provinz Manicaland, die die Behörden das südafrikanische Land vor einigen Wochen als Cholerafrei erklärt haben. Die Cholera scheint sich in Simbabwe mittlerweile endemisch ausgebreitet zu haben. Reisende nach Simbabwe sollten daher grundsätzlich alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 14. September 2009).
Cholera in NigeriaIn Norden Nigerias sind in den letzten Tagen rund 140 Menschen an der Cholera erkrankt, davon mindestens 13 verstorben. Insgesamt hat der aktuelle Ausbruch in der betroffenen Region damit mehr als 50 Todesfälle und mehrere hundert Erkrankungsfälle gefordert. Durch einen augenblicklichen Streik des medizinischen Personals wird die Versorgungssituation der Erkrankten extrem verschlechtert. Reisende nach Nigeria sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 14. September 2009).
Cholera in Papua-NeuguineaSeit mehr als 50 Jahren wird in Papua-Neuguinea ein Cholera-Ausbruch berichtet. Bisher sind 130 Menschen erkrankt und mindestens 12 Patienten verstorben. Nach anderen inoffiziellen Informationen ereignete sich der Ausbruch in der abgelegenen Provinz Morobe an der Nordküste der Insel mit mehreren hundert Erkrankungsfällen und mehr als 40 Todesfällen. Die Behörden haben nun die Hilfe der WHO angefragt, um den Ausbruch einzudämmen und eine weitere Ausbreitung auf der Insel zu verhindern. Reisende in den Norden Papua-Neuguineas sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt beachten (ProMED, 14. September 2009).
Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber in der TürkeiIn der Türkei sind in diesem Jahr bereits 274 Fälle des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers aufgetreten. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es dagegen rund 1.300 Erkrankungsfälle. Es wurden im vergangenen Jahr 59 Todesfälle gezählt, während es im aktuellen Jahr bereits 61 sind. Das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber-Virus wird durch ein Virus hervorgerufen, das durch Zecken (vor allem der Gattung Hyalomma) übertragen wird. Es kann unbehandelt eine Letalität von bis zu 30% aufweisen. Das Vorkommen erstreckt sich in der Türkei vor allem auf den Norden an der Schwarzmeerküste und in der Zentral-Türkei. Reisende in diesen Gebieten sollten persönliche Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 15. September 2009).
Tollwut in RusslandIm russischen Distrikt Omsk in Westsibirien sind 4 Kühe an der Tollwut erkrankt und verendet. 24 Menschen, die mit den tollwütigen Tieren in Kontakt gekommen waren, wurden unter Beobachtung genommen. Angaben zur Postexpositionsprophylaxe wurden nicht gemacht. Der gesamte Fleischhandel in der betroffenen Region wurde eingestellt. Die Infektionsquelle für die Rinder wurde nicht mitgeteilt, jedoch gehen die Experten von Wildtieren aus. Tollwut bei Nutztieren ist selten, kommt jedoch vereinzelt vor. Reisende sollten sich daher grundsätzlich von allen Tieren fernhalten, insbesondere direkte Kontakte mit Tieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden und im Fall eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 15. September 2009).
Chikungunya-Fieber in IndienInnerhalb einer Woche sind im indischen Bundesstaat Tamil Nadu mehr als 1.000 Erkrankungsfälle von Chikungunya-Fieber beobachtet worden. Nach anderen Informationen sind mehr als 2.600 Menschen an Arthritis und Fieber erkrankt. Beunruhigend ist nach Angaben der Gesundheitsbehörden die Zunahme der Erkrankungsfälle nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern zunehmend in der Stadt Madurai im Süden des Landes. Reisende nach Indien und insbesondere in diesen Bundesstaat sollten augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (PRoMED, 15. September 2009).
Tollwut in den USAIm County Escambia im Norden des US-Bundesstaats Florida wurde von den dortigen Gesundheitsbehörden eine Tollwut-Warnung an die Bevölkerung ausgegeben. Ein Bewohner war von einem tollwütigem Fuchs gebissen worden. Drei weitere tollwütige Wildtiere wurden gefunden und die Erkrankung bei ihnen diagnostiziert. Den Bewohnern wird ringend geraten, jeden direkten Kontakt mit Wildtieren zu vermeiden und alle Haustiere gegen die Tollwut zu impfen. Im US-bundesstaat Maine musste bei einer dreiköpfigen Familie eine Postexpositionsprophylaxe durchgeführt werden, nachdem die Familienkatze als tollwütig diagnostiziert wurde. Im aktuellen Jahr wurden in dem nordöstlichen US-Bundesstaat bereits 42 tollwütige Tiere diagnostiziert, darunter 22 Waschbären, 10 Stinktiere und 6 Füchse. Im Fall eines Kontakts mit einem nicht geimpften oder einem unbekannten Tier sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 12./15. September 2009).
Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber in GeorgienAus Georgien wird der erste bekannt geworden Fall eines Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers im Land überhaupt gemeldet. Es handelt sich um einen 33-jährigen Mann, der sich auf einer Intensivstation in sehr schlechtem Zustand befindet. Die Infektion erfolgte vermutlich über einen Zeckenstich. Das genaue Ausmaß der Verbreitung der durch Zecken übertragenen Infektion in Georgien ist unbekannt. Reisende nach Georgien sollten persönliche Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 13. September 2009).
Milzbrand in RumänienIm Kreis Botosani, im Osten Rumäniens, ist der Milzbrand ausgebrochen. Bei einem Rind war Milzbrand diagnostiziert worden. Darauf wurde das Schlachthaus, in dem das Rind geschlachtet worden war, unter Quarantäne gesetzt. Von den acht Personen, die direkten Kontakt mit dem infektiösen Rind hatten, haben mittlerweile zwei Personen Milzbrand-Symptome entwickelt. Die Behörden hoffen, dass es zu keinen weiteren Erkrankungsfällen kommen wird. Milzbrand kommt in Rumänien endemisch vor. Betroffen sind insbesondere der Südosten und der Nordosten des Landes. Reisende nach Rumänien sollten jeden Kontakt zu kranken Tieren oder Tierkadavern vermeiden (ProMED, 11./17. September 2009).
Fascioliasis in VietnamIn Vietnam hat sich die Zahl der Infektionen mit Leberegels (Fasciola spp.) in diesem Jahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs um 45% erhöht. Aktuell wurden bereits mehr als 3.000 Erkrankungsfälle gezählt. Nach Schätzungen sind mehr als die Hälfte des Rinderbestands infiziert. Die Infektionen des Menschen erfolgen durch den Verzehr von roher Wasserkresse, die aus kontaminierten Süßgewässern stammt. Dort befinden sich enzystierte Metazerkarien, die neben dem Menschen auch noch Rinder, Schafe, Schwein, Pferde u.a. Nutztiere infizieren. Reisende sollte vom Verzehr roher Wasserkresse absehen (ProMED, 13. September 2009).
Hepatitis E in FrankreichIn Frankreich wurden in der letzten Zeit 7 Fälle von autochthoner Hepatitis E diagnostiziert. Als Infektionsquelle konnte Figatellu, eine korsische Spezialität aus Schweineleber, die roh verzehrt wird, identifiziert werden. Auch entsprechende Würste in Supermärkten scheinen kontaminiert zu sein und können die Infektion übertragen. Die Würste finden sich als korsische Delikatesse in Geschäften in ganz Frankreich. Reisende nach Frankreich sollten möglichst den Verzehr von Figatellu vermeiden (ProMED, 18. September 209).
Mumps in den USAAus den USA wird wiederum ein Mumps-Ausbruch gemeldet. In Massachusetts, im Osten der USA, sind 3 Studenten an Mumps erkrankt. Sie wurden sofort isoliert, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Erst im April dieses Jahres war ein Mumps-Ausbruch in Boston zu verzeichnen. Ob das augenblickliche Ausbruchsgeschehen mit dem früheren Ausbruch in Zusammenhang steht, ist augenblicklich Gegenstand der Untersuchungen. Reisende und insbesondere Schüler und Studenten, die sich in den USA länger aufhalten, sollten über einen ausreichenden Mumps-Immunschutz verfügen. Viele amerikanische Universitäten verlangen von ihren Studenten mittlerweile ein Zertifikat, dass eine Mumps-Immunität besteht (ProMED, 18. September 2009).
Aedes albopictus in FrankreichIn Frankreich werden erstmals Brutplätze des Asiatischen Tigermosquito (Aedes albopictus) gemeldet. Betroffen ist die Region östlich von Lyon. Die Brutplätze wurden entlang der Autobahn Lyon-Chambery entdeckt. Die Franzosen befürchten nun das Risiko eines Ausbruchs des Chikungunya-Fiebers oder Dengue-Fiebers nach Einschleppung des Erregers durch Reisende. Aedes albopictus ist eine sehr aggressive Stechmücken-Art, die am Menschen häufig Blut saugt und an den weiß-schwarz gestreiften Beinen gut zu erkennen ist. Reisende, die diese Stechmücken erkennen sollten individuelle Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen (ProMED, 16. September 2009).
Östliche Pferdeenzephalitis in den USAIn den beiden US-Bundesstaaten New Hampshire und Maine wird weitehrin eine hohe Aktivität der Östlichen Pferdeenzephalitis beobachtet. Insgesamt sind in diesem Jahr bereits 10 Pferde und ein Lama an der Infektion erkrankt. Aus Candia in New Hampshire wird nun auch der erste menschliche Erkrankungsfall gemeldet. Ein 3-jähriges Mädchen ist vermutlich im eigenen Garten durch Stechmücken infiziert worden. Bewohner der Stadt fordern nun ein engagierteres Handeln der Behörden, um weitere Erkrankungsfälle bei Menschen zu vermeiden. Reisende in den gesamten Osten der USA sollten in Regionen mit Stechmücken-Populationen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. September 2009).
Salmonellose in AustralienIm australischen Bundesstaat Western Australia mehren sich die Berichte nach Fällen von Salmonellose nach dem Verzehr von Papaya-Früchten. Insgesamt ist von mittlerweile 7 Erkrankungsfällen die Rede, die sich durch Verzehr von Papaya infiziert haben sollen. Die Gesundheitsbehörden haben nun eine Warnung ausgegeben, in der sie die betroffene Bevölkerung eindringlich warnen, Papayas nur noch nach sorgfältigem Abwaschen zu verzehren. Aktuell ist noch nicht bekannt, um welchen Salmonellen-Typ es sich handelt. Vor 3 Jahren wurde bereits ein ähnlicher Ausbruch durch Papayas in Western Australia beobachtet. Damals war Salmonella enterica, Serotyp Litchfield, als Erreger identifiziert worden. Aktuell sollten Reisende in Western Australia auf den Verzehr von Papaya-Früchten verzichten oder diese nur nach sorgfältigem Waschen verzehren (ProMED, 18. September 2009).
Milzbrand in den USAAus dem US-Bundesstaat North Dakota wird ein Milzbrand-Ausbruch gemeldet. Insgesamt scheinen bisher sieben Tiere (fünf Kühe und zwei Kälber) infiziert und an der Infektion verendet zu sein. Es handelt sich um den ersten größeren Ausbruch der Erkrankung in North Dakota seit 1993 (ein einzelner Erkrankungsfall bei einem Rind war im Jahr 2007) aufgetreten. Die betroffene Weide ist als ein Hot Spot für Milzbrand aus früheren Jahrzehnten bekannt. Reisende in die Prärieregionen Nordamerikas sollten grundsätzlich jeden direkten Kontakt zu erkrankten oder verendeten Tieren vermeiden (ProMED, 18. September 2009).
Dengue-Fieber in MyanmarIm Bundesstaat Rakhine (früher Arakan) des südostasiatischen Landes Myanmar wird eine doppelt so hohe Inzidenz von Dengue-Fiebererkrankungen zum Vergleichszeitraum des Vorjahres beobachtet. Aktuell ist allein im August von mehr als 300 Erkrankungsfällen und mindestens 3 Todesfällen die Rede. Am schwersten betroffen sind die beiden größten Städte des Bundesstaats Sittwe und Kyaukpru. Die Situation auf dem Land ist allerdings weitgehend unklar. Reisende nach Myanmar sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. September 2009).
Dengue-Fieber in MalaysiaIn Malaysia ist in diesem Jahr eine ähnlich hohe Dengue-Virusaktivität zu verzeichnen wie im letzten Jahr. Bisher wurden im Jahr 2009 rund 31.000 Erkrankungsfälle registriert. Dies entspricht in etwa der Zahl des Vergleichszeitraums des letzten Jahres. Auch die Zahl der bisher registrierten Todesfälle liegt mit 70 etwa auf dem Niveau des letzten Jahres. Die meisten Erkrankungsfälle werden aus den Bundesstaaten Selangor, Johor, Sarawak und aus der Hauptstadt Kuala Lumpur gemeldet. Reisende nach Malaysia und insbesondere in die genannten Bundesstaaten sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. September 2009).
Dengue-Fieber in MexikoAus dem Bundesstaat Jalisco, im Westen Mexikos, werden erste autochthone Fälle von Dengue-Fieber gemeldet. Betroffen ist insbesondere der sog. Seen-Distrikt mit der Chapala-Lagune südlich der Stadt Guadalajara. Es handelt sich um eine beliebte Ausflugs- und Erholungsregion für die Bewohner der Stadt Guadalajara. Das genaue Ausmaß der Aktivität ist bisher unklar. Die Gesundheitsbehörden forderten die Bewohner der Region auf, alle stehenden Wasseransammlungen in und um Gebäude und Behausungen konsequent zu entfernen und Maßnahmen zur Bekämpfung von Stechmücken und zum Schutz vor Stechmücken durchzuführen. Reisende in die genannte Region Mexikos sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. September 2009).