KW 38 / 2008: Epidemiologische Informationen

Dengue Fieber in MexikoIn der mexikanischen Stadt Guadalajara wurde eine Dengue Fieber-Warnung ausgesprochen, nachdem in der Stadt zunehmend Erkrankungsfälle von Dengue Fieber auftraten. In der Vergangenheit hatte sich die endemische Aktivität der durch Stechmücken übertragenen Erkrankung auf die ländlichen Küstenbereiche des Bundesstaates Jalisco konzentriert. Seit diesem Jahr wurde die Hälfte der bisher diagnostizierten Fälle in Zapopan, einer Gemeinde im städtischen Bereich von Guadalajara, registriert. Die Gesundheitsbehörden versuchen nun gemeinsam mit der Bevölkerung die Bekämpfungsmaßnahmen zu intensivieren. Reisende, auch in die städtischen Bereiche des genannten Bundesstaates, sollten bei Vorhandensein von Stechmücken
Maßnahmen der individuellen Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. September 2008).
Milzbrand in KasachstanIn der Region Zhambyl, im Südens des zentralasiatischen Landes, sind 5 Personen an Milzbrand erkrankt. Infektionsquelle ist, wie in den meisten Fällen von Milzbrand in Zentralasien, der Verzehr von Fleisch von an Milzbrand erkrankten Rindern oder Schafen. Dieses Fleisch wird von den Bauern ohne veterinärmedizinische Fleischbeschau auf den Markt gebracht. In Kasachstan kommen Milzbrand-Fälle insbesondere im Süden des Landes, entlang der alten Seidenstraße vor. Auch die Charakterisierung der Milzbrand-Bakterien zeigt eine enge Verwandtschaft zwischen den Bakterien entlang der Seidenstraße an, so dass eine Ausbreitung entlang der Handelsroute anzunehmen ist. Reisende nach Zentralasien sollten jeden Genuss von Fleisch unklarer Herkunft oder von nicht ausreichend durchgegartem Fleisch vermeiden (ProMED, 15. September 2008).
Gastrointestinale Infektionen in ÄgyptenIm ägyptischen Sharm el Sheikh am Roten Meer sind mehr als 80 Touristen aus Russland und möglicherweise mehr als 100 Personen insgesamt an einem bisher nicht näher identifizierten gastrointestinalen Infekt erkrankt. Ein Teil der Erkrankten konnte für mehrere Tage die Hotelzimmer nicht verlassen, mindestens 6 Patienten mussten in eine Klinik eingewiesen werden. Zu den Symptomen zählen Durchfall, Magenschmerzen, Krämpfe und Erbrechen. Ein Erreger wurde bisher nicht identifiziert. Betroffen ist das Sheraton Sharm Resort. Die Infektionsquelle ist bisher nicht geklärt. Neu ankommende Reisende wurden nun in andere Hotels umquartiert. Das Ausmaß des möglichen Ausbruchs ist bisher unklar. Reiserückkehrer aus Sharm el-Sheikh sollten bei entsprechender Symptomatik daher auf Infektionen des Gastrointestinaltrakts untersucht werden und ggf. die Ursache an die Behörden mitgeteilt werden (ProMED, 15. September 2008).
Milzbrand in AfghanistanIn der afghanischen Provinz Badakhstan sind vermutlich Dutzende von Menschen an Milzbrand erkrankt. Die Erkrankung ist in mehreren Ortschaften in der Region ausgebrochen. Nach Angaben der medizinischen Behörde in Faizabad wurden in den letzten Tagen mehrere Dutzend von Patienten mit Milzbrand in das dortige Krankenhaus eingewiesen. Entsprechende Erkrankungsfälle werden dort seit mindestens 6 Monaten beobachtet, mit einer deutlichen Zunahme in den letzten Tagen. Über die Form der Milzbrand-Erkrankung wurden keine Angaben gemacht. Afghanistan wird aktuell nicht von Reisenden besucht, allerdings halten sich in der genannten Region deutsche Unterstützungstruppen und Entwicklungshelfer auf. Hier sollte jeder Kontakt mit erkrankten Tieren oder mit Tierkadavern vermieden und einheimisches Fleisch nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 15. September 2008).
Malaria in JamaikaIn Jamaika ist wiederum ein Fall von Malaria aufgetreten. Bisher sind keine näheren Informationen dazu verfügbar. Der Erkrankungsfall wird aus der Gemeinde St. Catherine beschrieben. Diese ist die Nachbargemeinde zu Kingston, in der im letzten Jahr Erkrankungsfälle der durch die Anopheles-Stechmücke übertragenen Infektion beobachtet worden waren. Experten gehen daher von einer Weiterverbreitung der Erkrankungen des letzten Jahres aus. Dies wird durch entsprechende Untersuchungen überprüft. Auch eine Neueinschleppung des Erregers kommt in Betracht. Aktuell scheint für Reisende ein geringes Risiko zu bestehen, soweit sie sich nicht in der genannten Gemeinde aufhalten. Eine Chemoprophylaxe wird augenblicklich nicht empfohlen. In Regionen mit Stechmücken-Populationen sollten die Maßnahmen der persönlichen Expositionsprophylaxe durchgeführt werden, um auch das Risiko für andere durch Stechmücken übertragene Infektionen (z.B. Dengue Fieber) zu vermeiden (ProMED, 14. September 2008).
Keratokonjunktivitis in IndienIn der indischen Stadt Madras kommt es in den letzten Tagen und Wochen zu einer ungewöhnlichen Häufung von Fällen von Keratokonjunktivitis durch den Erreger Microsporidium crassum. Es handelt sich um eine äußerst seltene Form der Erkrankung. Insgesamt waren seit der Erstbeschreibung weniger als 100 Erkrankungsfälle weltweit berichtet worden. Nun wurden in Madras innerhalb weniger Tage 7 Fälle diagnostiziert. Die Infektion verläuft länger und schwerer als gleiche Erkrankungen durch Bakterien oder Viren. Durch den langwierigen und schweren Verlauf der Symptomatik war die Erkrankung den lokalen Augenärzten aufgefallen. Bisher gibt es keine Hinweise für die Gründe des ungewöhnlichen Auftretens der Erkrankung. Reiserückkehrer aus Madras und Umgebung, mit Symptomen einer Keratokonjunktivitis, sollten auch auf Microsporidien untersucht werden (ProMED, 13. September 2008).
Fledermaus-Tollwut in UruguayIn Uruguay wurde ein Bauer von einer sog. Vampir-Fledermaus attackiert. Nachdem er das Tier mit einem Stock getroffen hatte, hatte er es mit den Händen angefasst und war damit in ein Gesundheitszentrum in der Hauptstadt Montevideo gefahren. Die dortige Untersuchung erbrachte, dass das Tier tollwütig war. Der Bauer erhielt eine Tollwut-Postexpositionsprophylaxe. In Uruguay sind in den vergangenen 40 Jahren keine menschlichen Fälle von Tollwut aufgetreten. Die genauen Umstände des Vorfalls sind nicht genannt worden. Es ist ungewöhnlich, dass Fledermäuse Menschen attackieren. Normalerweise saugen sie an schlafenden Tieren Blut, d.h. sie verursachen mit ihren Zähnen eine kleine Wunde und lecken das daraus hervortretende Blut auf. Menschen werden üblicherweise dann befallen, wenn sie des nachts auf freiem Feld nächtigen und so von den Fledermäusen auch angeflogen werden. Menschliche Erkrankungsfälle durch diese Tiere treten in ganz Südamerika selten auf. Reisende in Südamerika sollten bei jedem direkten Kontakt mit Fledermäusen einen Arzt aufsuchen und eine entsprechende Post-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. September 2008).
Algenplage in KanadaIm Mündungsgebiet des kanadischen St. Lorenz-Stroms wurde im Juli und August ein großes Tiersterben beobachtet. Betroffen waren Wasservögel, Fische und auch Meeressäuger. Ursache des Sterbens ist das Massenauftreten einer Algenart, Alexandrium tamarense. Diese Algenart produziert das sog. Saxitoxin, ein Neurotoxin, das zur sog. Paralytischen Schalentier-Vergiftung führen kann. Die Algenart, die natürlicherweise im Mündungsgebiet des St. Lorenz-Stroms vorkommt, hatte sich aufgrund starker Regenfälle und warmer Temperaturen im Mündungsgebiet und in einigen zufließenden Flüssen stark vermehrt und einen rund 600 Quadratkilometer großen Algenteppich gebildet. Menschliche Erkrankungsfälle wurden bisher nicht bekannt, allerdings wurde der Verzehr von Meerestieren aus der betroffenen Region von den Behörden untersagt. Mittlerweile scheinen starke Winde den Algenteppich auseinander getrieben zu haben. Die Symptomatik der Paralytischen Schalentier-Vergiftung tritt meist wenige Stunden nach Verzehr von Saxitoxin-enthaltenden Schalentieren auf. Die Symptomatik beginnt mit Parästhesien um den Mund und im Gesicht und kann bis zu Lähmungen der Atemmuskulatur und zum Tod führen. Eine Therapie ist nicht bekannt. Reisende sollten daher entsprechend den Anordnungen der Behörden ggf. auf den Verzehr von Meerestieren aus verseuchten Regionen verzichten (ProMED, 13. September 2008).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in den USAIm US-Bundesstaat Utah ist ein Mann am durch Hantaviren verursachten Kardiopulmonalen Syndrom verstorben. Es handelt sich um den ersten Erkrankungsfall im genannten US-Bundesstaat seit 4 Jahren. Der Patient verstarb am zweiten Tag nach der Einweisung in ein Krankenhaus an der Infektion. Die genaue Identität des verursachenden Virus wurde nicht bestimmt, jedoch ist davon auszugehen, dass es sich um Sin Nombre Virus handelt, das im genannten Bundesstaat durch die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) übertragen wird. Die Nager sind chronisch mit dem Hantavirus infiziert und scheiden das Virus mit Urin, Kot und anderen Sekreten aus. Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt oder durch aerogene Aufnahme von erregerhaltigem Staub. Aktuell gibt es keine ursächliche Therapie. Die Letalität liegt bei mehr als 30%. Reisende in die USA sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden. In Räumlichkeiten mit Nagetierspuren sollte jedes Aufwirbeln von Staub vermieden werden und die Räume nass mit einem Desinfektionsmittel (Chlorbleiche) gereinigt werden (ProMED; 14. September 2008).
Milzbrand in KirgisienAus dem Süden des zentralasiatischen Landes Kirgisien werden mindestens 2 Ausbrüche von Milzbrand gemeldet. Betroffen sind die beiden Provinzen Batken und Jalal-Abad. In Batken sind mindestens 14 Erkrankungsfälle bestätigt, davon 7 Kinder. In Jalal-Abad sind bisher 6 Personen erkrankt, 71 weitere Personen sind momentan unter Beobachtung. Die Infektion erfolgte durch das Schlachten erkrankter Rinder. Es ist daher von der klinischen Manifestationsform des Hautmilzbrands, bzw. von Darmmilzbrand auszugehen. Allerdings wurden keine Angaben zu den klinischen Verlaufsformen gemacht. Aktuell wird in mehreren Ländern Zentralasiens (u.a. in Afghanistan, in Kasachstan, Teilen Russlands) eine erhöhte Milzbrand-Aktivität beobachtet. Reisende in die gesamte Region sollten jeden direkten Kontakt mit kranken Tieren oder mit Tierkadavern vermeiden und Fleisch nur in gut durchgegartem Zustand verzehren (ProMED, 16./18. September 2008).
Tollwut in RusslandIn Russland sind 2 Menschen an Tollwut verstorben. Die Infektionen erfolgten im Bezirk Voronezhska im Südwesten Russlands an der Grenze zur Ukraine. Die beiden Personen waren von Hunden gebissen worden (urbane Form der Tollwut). Keiner der beiden hatte medizinische Hilfe nach dem Hundebiss aufgesucht. Im genannten Bezirk wird im Jahr 2008 eine erhöhte Aktivität des Tollwut-Virus in der Wildtier- und Hundepopulation im Vergleich zum Vorjahr beobachtet mit einer Verdopplung der in Tieren gemeldeten Tollwut-Fälle. Reisende nach Russland sollten jeden Kontakt mit unbekannten Hunden, Katzen oder mit Wildtieren vermeiden. Im Fall eines Haut-penetrierenden oder Schleimhaut-Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden zur Durchführung einer Postexpositionsprophylaxe (ProMED, 17. September 2008).
Japanische Enzephalitis in IndienIm indischen Bundesstaat Uttar Pradesh sind in diesem Jahr bereits mehr als 200 Kinder an der Japanischen Enzephalitis verstorben. Die Zahl der Infektionen in Uttar Pradesh wird mit mehr als 1.000 angegeben. Seit 2006 wurde eine Impfung für alle Kinder eingeführt. Die hohe Zahl der Infektionen in diesem Jahr ist auf den unwirksamen Impfstoff zurückzuführen, der in diesem Jahr an viele medizinische Zentren in Uttar Pradesh ausgeliefert wurde Allerdings wurde nicht mitgeteilt, um welchen Impfstoff es sich genau handelt und warum dieser Impfstoff nicht wirksam war. Die Japanische Enzephalitis zirkuliert jährlich intensiv in Teilen Indiens und großen Teilen Südostasiens. Reisende nach Uttar Pradesh sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen. Bei erhöhtem Risiko einer Stechmücken-Exposition sollte eine Japan-Enzephalitis-Impfung durchgeführt werden (ProMED, 18. September 2008).
Tollwut in SüdafrikaIn der Östlichen Kap-Provinz sind innerhalb kurzer Zeit 2 Menschen und 7 Rinder an Tollwut erkrankt und verstorben. Als Infektionsquelle wurden streunende verwilderte Hunde in der Region identifiziert, so dass es sich um die urbane Form der Tollwut handelt. Die Gesundheitsbehörden haben nun ein Kampagne an Schulen begonnen, um auf die Gefahr von Hunde- und Tierbissen hinzuweisen. Im Falle von stattgefundenen Tierbissen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um eine entsprechende Post-Expositionsprophylaxe durchzuführen. Südafrika gilt als endemisch für Tollwut. Reisende dorthin sollten bei jedem direkten Kontakt mit Tieren mit auffälligem Verhalten einen Arzt aufsuchen (ProMED, 19. September 2008).
Cholera auf den PhilippinenIn der philippinischen Provinz Pangasia auf der Hauptinsel Luzon wird ein starker Anstieg der Zahl der Erkrankungsfälle von Cholera beobachtet. Bei mindestens 57 Patienten wurde eine Cholera bestätigt. Bei schätzungsweise 6.000 Menschen traten in den letzten Wochen Symptome eines akuten gastrointestinalen Infekts auf. Die Behörden sehen einen weiteren Anstieg der entsprechenden Erkrankungsfälle und insbesondere der Fälle an Cholera. Ursache dürfte die schlechte Versorgung mit sauberem Trinkwasser sein. Reisende auf die Insel Luzon und insbesondere in die Provinz Pangasia sollten die Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene dringend befolgen (ProMED, 15. September 2008).
Cholera in TansaniaIn der tansanischen Region Mara an der Grenze zu Kenia sind innerhalb weniger Tage 4 Menschen an der Cholera verstorben. Eine nicht näher genannte Zahl von Menschen ist an der Cholera erkrankt. Nach offiziellen Angaben geht die Zahl der Erkrankten in der Mara-Region in die Dutzende. In den beiden Distrikten Tarime und Rorya allein wurden bisher 180 Erkrankungsfälle gezählt. Genaue Angaben zur Infektionsquelle und zu möglichen Übertragungswegen wurden nicht gemacht. Es ist von unsauberem Trinkwasser als Infektionsquelle auszugehen. Reisende in die genannte Region Tansanias sollten die Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene dringend befolgen (ProMED, 15. September 2008).
Hepatitis in den USADas New Yorker Life Care Dialyse-Zentrum im Stadtteil Manhattan wurde nach dem Auftreten eines Falles von Hepatitis C bei einem Patienten geschlossen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden traten bei einer Inspektion Defizite beim Umgang mit Blut und Blutderivaten zu Tage, die die Schließung nach sich zogen. Es werden jetzt 700 Dialysepatienten des Zentrums aufgefordert, sich gegen Hepatitis B, C und HIV testen zu lassen. Reisende, die in den zurückliegenden Wochen im Rahmen einer New York-Reise eine Dialyse im genannten Zentrum ein Dialyse hatten durchführen lassen, sollten entsprechende Untersuchungen durchführen lassen (ProMED, 17. September 2008).