KW 37 / 2009: Epidemiologische Informationen

Östliche Pferdeenzephalitis in den USADie hohe Aktivität der Östlichen Pferdeenzephalitis in Teilen der östlichen USA hält weiter an. In Flagler County in Florida wurde erstmals überhaupt ein Fall der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion bei einem Pferd nachgewiesen. Im Loudoun County im Norden des US-Bundesstaats ist ebenfalls erstmals ein Fall von Östlicher Pferdeenzephalitis bei einem Pferd nachgewiesen worden. Im Bundesstaat Maine sind bisher fünf Pferde an der Erkrankung verendet, drei Verdachtsfälle bei Pferden werden aktuell untersucht.
Die genannte Form der Pferdeenzephalitis wird durch Alphavirus verursacht und gilt als die gefährlichste der drei amerikanischen Pferdeenzephalitiden mit der höchsten Letalitätsrate. Sie tritt nur selten beim Menschen auf, wenn ökologische Bedingungen dazu führen, dass die ornithophilen Stechmücken Blut am Menschen saugen. Reisende in den Osten der USA sollten daher aktuell Gebiete mit hohen Stechmücken-Populationen meiden und ggf. Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 6./8. September 2009).
Milzbrand in KeniaIn Nyeri in der Zentral-Provinz in Kenia ist ein Mann am Milzbrand verstorben. Hirten hatten eine Herde in die Nähe von Ongata getrieben und dort kranke Rinder geschlachtet. Das Fleisch wurde an Metzgereien in der Umgebung verkauft. Restaurantbesitzer entlang der Masai Lodge Road haben nun Alarm geschlagen und die Behörden verständigt. Aktuell sollten Reisende nach Kenia kein Fleisch unklarer Herkunft kaufen. Fleisch sollte ausschließlich in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 8. September 2009).
Schwefelwasserstoff-Vergiftung in FrankreichIn der französischen Bretagne ist ein Mann vermutlich an Schwefelwasserstoff-Vergiftung verstorben. Der Lastwagenfahrer hatte ungeschützt Seealgen mit seinem Lastwagen vom Strand entfernt. An Teilen der Strände in der Bretagne wird augenblicklich massenhaft Seegras (Ulva lactuca) angeschwemmt. Dort werden durch die Fäulnisprozesse große Mengen von Schwefelwasserstoff freigesetzt. Durch das Gas wurde auch ein am Strand galoppierendes Pferd getötet, der Reiter musste intensivmedizinisch betreut werden. Reisende sollten augenblicklich die betroffenen Strände meiden (ProMED, 8. September 2009).
Tollwut in IndonesienAuf der indonesischen Insel Bali ist eine 21jährige Frau an Tollwut verstorben. Es war die Tochter eines Mannes, der im August ebenfalls unter Symptomen einer Tollwut verstorben war. Beide Patienten stammten aus der Region Tabanan, die bisher nicht als tollwut-endemisch gilt. Die Patientin war von einem streunenden Hund gebissen worden. Im Krankenhaus in Tabanan hatte sie keine Tollwut-Postexpositionsprophylaxe erhalten. Diese wurde erst 15 Tage später verabreicht. Reisende nach Bali sollten jeden Kontakt mit streunenden Hunden oder Wildtieren vermeiden und bei einem Haut- oder Schleimhautkontakt sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 7. September 2009).
Dengue-Fieber in BrasilienIn mehreren Bundesstaaten Brasiliens haben sich die Zahlen der Dengue-Fälle in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Im Bundesstaat Bahia sind in diesem Jahr rund 110.000 Erkrankungsfälle registriert worden, dreimal soviel wie im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Im Bundesstaat Mato Grosso stieg die Zahl der Erkrankungen in diesem Jahr auf mehr als 36.000 an im Vergleich zu rund 10.500 im Vergleichszeitraum des Jahres 2008. Reisende nach Brasilien sollten über das augenblicklich erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und Maßnahmen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 7. September 2009).
Dengue-Fieber in Puerto RicoIn Puerto Rico sind innerhalb einer Woche mehr als 150 Fälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits mehr als 3.200 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Die Gesundheitsbehörden warnen nun davor, sich nur noch auf die neue Influenza A H1N1 zu konzentrieren und andere Erkrankungen nicht zu beachten und zu bekämpfen. Reisende nach Puerto Rico sollten augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 7. September 2009).
Dengue-Fieber in PakistanIm Süden Pakistans wird ein Dengue-Fieberausbruch erwartet. Aktuell wurden mehr als 500 Patienten in verschiedenen Krankenhäusern Karatschis mit Symptomen eines Dengue-Fiebers behandelt. Die ersten Fälle treten auch bei Bewohnern in der Stadt auf. Nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage wird mit einem entsprechenden Ausbruchsgeschehen mit einem Anstieg der Erkrankungsfälle gerechnet. Reisende nach Pakistan und dort insbesondere in den Süden des Landes sollten eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 7. September 2009).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber im IranIn der iranischen Stadt Mashhad sind 6 Arbeiter in einer Schlächterei an Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber erkrankt. Einer der Patienten ist verstorben. Insgesamt sind in diesem Jahr bereits 63 Menschen an der Infektion erkrankt und 8 Patienten sind verstorben. Nach den Angaben einer iranischen Zeitung breitete sich der Erreger bei iranischen Arbeitern aus, nachdem Vieh aus Afghanistan in der Schlächterei verarbeitet wurde. Genauere Angaben sind nicht verfügbar. Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber ist in Zentralasien endemisch. Der Iran und Teile Afghanistans gelten als endemisch für das durch Zecken übertragene Virus. Auch eine Übertragung durch virämische asymptomatische Haus- oder Nutztiere ist möglich. Reisende sollten Maßnahmen zum individuellen Schutz vor Zecken durchführen und jeden direkten Kontakt zu tierischem Blut und frischem Fleisch/Organen vermeiden (ProMED, 7./9. September 2009).
Chikungunya-Fieber in IndienAus der indischen Stadt Hyderabad wird ein Chikungunya-Fieberausbruch gemeldet. Mindestens ein Patient mit autochthon erworbener Infektion wird in einem Krankenhaus therapiert. Die Behörden gehen jedoch von mehr Patienten in der Stadt aus. Genauere Daten zum Ausmaß des Ausbruchs und zur Zahl der Erkrankten sind nicht verfügbar. Reisende nach Andrah Pradesh und insbesondere nach Hyderabad sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 7. September 2009).
Milzbrand in IndienIm indischen Bundesstaat Kerala ist ein Elefant am Milzbrand verstorben. Entgegen den Vorschriften wurden die Eingeweide des Tieres nicht verbrannt, sondern in der Nähe des Flusses Muvattupuzha vergraben. Die Eingeweide stellen damit eine Kontaminationsgefahr für das Wasser dar, das von Millionen Menschen als Trinkwasser genutzt wird. Milzbrand ist endemisch in Indien. Reisende nach Indien sollten jeden Kontakt zu erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermeiden (ProMED, 7. September 2009).
Tollwut in der UkraineIn der Region von Tschernobyl wurden sechs Personen von einem tollwütigen Wolf gebissen und verletzt. In der letzten Zeit wurden immer wieder Fälle von tierischer Tollwut in der Ukraine berichtet, so dass momentan von einer erhöhten Aktivität im gesamten Land auszugehen ist. Die Gründe für diesen Anstieg der Aktivität sind unklar, jedoch ist u.a. in der Region von Tschernobyl die veterinärmedizinische Überwachung nicht mehr vorhanden. Reisende in die Ukraine sollten jeden Kontakt zu Tieren mit ungewöhnlichem oder aggressivem Verhalten vermeiden und im Fall eines Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 6. September 2009).
Epidemische Polyarthritis in AustralienIm australischen Bundesstaat Western Australia sind aufgrund der starken Regenfälle der letzten Wochen die höchsten Stechmückenpopulationen entstanden, die je in dem Bundesstaat berichtet wurden. Damit steigt das Risiko eines Ausbruchs der Epidemischen Polyarthritis stark an. Bisher wurden 3 Patienten mit der durch Stechmücken übertragenen und durch Ross River Virus verursachten Infektion diagnostiziert. Üblicherweise startet die Übertragungsperiode erst im Oktober/November, so dass die Übertragungsperiode in diesem Jahr rund 6 Wochen früher zu starten scheint. Damit gehen die Gesundheitsexperten von einer erhöhten Ausbruchssituation aus. Reisende nach Western Australia sollten in Gebieten mit erhöhten Stechmücken-Populationen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 5. September 2009).
Milzbrand in ItalienIn der italienischen Region Kampanien ist der Milzbrand ausgebrochen. Rund 70 Kilometer entfernt von Neapel ist eine Ziege am Milzbrand verendet, 11 weitere Ziegen werden vermisst und scheinen nach den Angaben des Besitzers möglicherweise in dem bergigen und damit schwer zu kontrollierenden Gebiet ebenfalls am Milzbrand verendet zu sein. Die gesamte Region ist als endemisch für Milzbrand bekannt. Es treten immer wieder vereinzelt Erkrankungsfälle bei Haustieren auf. Aktuell wird eine Impfkampagne bei den Tieren durchgeführt. Reisende in der Region sollten sich von Tierkadavern fernhalten (ProMED, 10. September 2009).
Zeckenenzephalitis in DänemarkBisher galt nur die Insel Bornholm in Dänemark als endemisch für FSME. Die übrigen Inseln und auch das Festland galten als frei. Nun melden die dänischen Gesundheitsbehörden zwei bestätigte Erkrankungsfälle von der Insel Seeland. Es handelt sich um die ersten überhaupt auf dieser Insel aufgetretenen Erkrankungsfälle. Das Virus konnte molekularbiologisch auch bei auf der Insel gesammelten Zecken nachgewiesen werden. Es bleibt abzuwarten, ob es sich um ein begrenztes Ausbreitungsgebiet handelt oder um eine weitere Verbreitung in großen Teilen der Insel. Reisende mit intensivem Kontakt mit der Natur sollten sich gegen FSME impfen lassen (ProMED, 11. September 2009).
Affen-Malaria in MalaysiaIn Malaysia wächst die Bedeutung der bisher als „Affen-Malaria“ bezeichneten Malariaform für den Menschen. Der Erreger, Plasmodium knowlesi, wird zunehmend bei schweren Verlaufsformen bei Menschen gefunden. Der Erreger kann mikroskopisch leicht mit Plasmodium malariae, dem Erreger der Malaria quartana, verwechselt werden. Plasmodium knowlesi kann alle Formen der Erythrozyten befallen und damit zu hohen Parasitämien und schweren, lebensbedrohlichen Parasitämien führen. Entsprechende Infektionen werden zukünftig auch bei Reiserückkehrern aus Südostasien, insbesondere aus Malaysia, erwartet. Verdachtsfälle von Malaria quartana sollten besonders sorgfältig auf Plasmodium knowlesi abgeklärt werden (ProMED 10. September 2009).
Anaplasmose in den USAIm US-Bundesstaat Wisconsin wird in diesem Jahr ein dramatischer Anstieg der Fälle von Anaplasmose beobachtet. Während noch vor wenigen Jahren weder die Lyme Borreliose noch andere durch Zecken übertragene Infektionen bekannt waren, werden nun die Lyme Borreliose und vor allem die Anaplasmose immer häufiger diagnostiziert. Allein in der Region von La Crosse wurden innerhalb von drei Jahren mehr als 50 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Reisende in den Mittleren Westen der USA sollten bei Aktivitäten in der Natur einen individuellen Expositionsschutz gegen Zecken durchführen (ProMED, 10. September 2009).