KW 37 / 2008: Epidemiologische Informationen

Leptospirose in Sri LankaIn Sri Lanka sind seit Jahresbeginn rund 4.000 Menschen an einer Leptospirose erkrankt. Die Infektion forderte bisher etwa 120 Menschenleben. Die bedeutet mehr als eine Verdoppelung zu den Erkrankungszahlen des Zeitraums des Vorjahres und mehr als eine Verdreifachung der Todesfallzahlen. Betroffen sind insbesondere Personen, die durch ihre Arbeit in Kontakt mit dem Erreger kommen können (Bauern, Minenarbeiter, Straßenreiniger), aber auch Personen, die in Süßwasser baden oder schwimmen. Allen Personen mit Risikoaktivitäten wird eine Chemoprophylaxe mit Doxycyclin vor Beginn der Aktivitäten empfohlen. Unter diesem Gesichtspunkt und dem aktuell erhöhtem Infektionsrisiko sollte ggf. bei Reisen nach Sri Lanka eine Malaria-Chemoprophylaxe mit Doxycyclin überlegt werden,
da diese auch einen Schutz gegen die Leptospirose vermitteln kann. Reisende sollten vor Reisebeginn auf das erhöhte Infektionsrisiko hingewiesen und mit den Möglichkeiten der Expositionsprophylaxe vertraut gemacht werden (ProMED, 9. September 2008).
Salmonellose in Touristen aus der TürkeiNach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden sind möglicherweise Hunderte von britischen Touristen während eines Aufenthalts in einem Hotelkomplex in Sarigerme an der türkischen Mittelmeerküste an Salmonellose erkrankt. Bei einer Reihe der Reiserückkehrer konnten Salmonellen identifiziert werden, während die türkischen Behörden von einem potentiellen Virus sprechen. Nach weiteren Informationen könnten möglicherweise mehr als 1.000 Menschen infiziert worden sein. Bisher wurde keine Identifizierung des Erregers genannt. Reiserückkehrer aus der genannten Region der türkischen Küste mit gastrointestinalen Beschwerden sollten auf Salmonellose abgeklärt werden (ProMED, 9. September 2008).
Poliomyelitis in DschibutiAus dem ostafrikanischen Dschibuti wird ein Fall von Poliomyelitis gemeldet. Beim Patienten handelt es sich um ein 2jähriges Kind, das mit seiner Mutter aus dem benachbarten Äthiopien einreiste, um in Dschibuti Verwandte zu besuchen. Dort entwickelte es eine Lähmung der Beine. Nach Konsultation eines Arztes wurde die Verdachtsdiagnose Poliomyelitis gestellt, die dann auch virologisch gesichert werden konnte. Die genaue Typisierung des Erregers, die auch Aussagen über den Ursprung des Virus zulassen könnte, wird augenblicklich am Institut für Virologie in Johannesburg in Südafrika durchgeführt. Es wurden Maßnahmen eingeleitet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. In Ostafrika gelten immer noch Äthiopien und Ägypten als nicht poliofrei. Reisende nach Afrika sollten eine ausreichende Poliomyelitis-Immunität aufweisen (ProMED, 8. September 2008).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in den USAIm US-Bundesstaat Colorado ist ein Mann am Hantavirus Kardiopulmonalen erkrankt. Es handelt sich um den ersten Fall durch dieses Virus im genannten Bundesstaat im aktuellen Jahr und um den bisher sechsten Erkrankungsfall überhaupt in Colorado. Der Patient konnte mittlerweile die Klinik verlassen. Als Erreger wird das Sin Nombre Virus vermutet, das durch die ubiquitär vorkommende Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) übertragen wird. Die Infektion erfolgt meist durch Inhalation von erregerhaltigem Staub. Bei Reisen, insbesondere in die ländlichen Gebiete der USA, sollten direkte Kontakte mit Nagetieren vermieden werden. Insbesondere um Gebäude in der Natur sollten Maßnahmen zum Schutz vor einer hohen Nagerpopulation ergriffen werden. Bei Spuren von Nagerbesiedlung innerhalb von Gebäuden sollte besondere Vorsicht geübt und jede Staubaufwirbelung vermieden werden (ProMED, 8. September 2008).
Trichinose in RusslandAus dem Fernen Osten Russlands wird ein Trichinose-Ausbruch berichtet. Insgesamt scheinen mindestens 12 Menschen erkrankt zu sein, darunter 3 Kinder. Der Ausbruch ereignet sich im Distrikt Magadan am Okhotskischen Meer. Als Infektionsquelle konnte geräuchertes Bärenfleisch identifiziert werden, das von allen Erkrankten verzehrt wurde. Bärenfleisch war schön des öfteren Ausgangspunkt von kleineren Trichinose-Ausbrüchen. Nachdem die Bärenjagd in Russland zu einem immer beliebteren Freizeitsport auch für Touristen aus dem Westen wird, sollte auf das entsprechende Infektionsrisiko hingewiesen werden. Vor allem Teile Sibiriens sind betroffen. Die Trichinose kann aber auch im europäischen Teil Russlands auftreten. Reisende sollten daher den Genuss von geräuchertem oder nicht ausreichend durchgegartem Bärenfleisch vermeiden (ProMED, 7. September 2008).
Milzbrand in NamibiaIn der Region Caprivi in Namibia sind allein im August mindestens 4 Elefanten am Milzbrand verstorben. Genauere Umstände des Ausbruchs sind bisher nicht bekannt. Aktuell sind jedoch keine Haustiere betroffen. In der genannten Region war es schon vor 2 Jahren zu einem Milzbrand-Ausbruch gekommen, an dem Hunderte von Wild- und Haustieren verendeten. Aktuell stellen die nicht ordnungsgemäß entsorgten Kadaver der Elefanten eine große Gefahr für Mensch und Tier dar. Die Bewohner werden dringend vor dem Verzehr des Fleisches verendeter Elefanten gewarnt. Reisende in das mittlerweile sehr beliebte Reiseland sollten jeden direkten Kontakt mit kranken Tieren oder mit den Kadavern verendeter Tiere vermeiden und möglichst kein Elefantenfleisch verzehren (ProMED, 7. September 2008).
Dengue Fieber auf den PhilippinenIn der philippinischen Hauptstadt Manila sind in diesem Jahr bereits rund 3350 Fälle von Dengue Fieber diagnostiziert worden. Dies bedeutet eine Zunahme im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres von rund 50%. Die Hauptübertragungs-Periode beginnt jedoch gerade erst und dehnt sich aus bis Ende Oktober, so dass mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungsfälle zu rechnen sein wird. Im gesamten Land ist dahingegen eine Abnahme der diagnostizierten Erkrankungsfälle im Vergleich zum letzten Jahr zu verzeichnen. Dengue-Viren werden insbesondere durch Aedes aegypti übertragen, die auch in urbaner Umgebung häufig zu finden sind. Eine Übertragung erfolgt daher auch in städtischen Regionen. Reisende auf die Philippinen sollten die Maßnahmen der individuellen Expositionsprophylaxe anwenden (ProMED, 11. September 2008).
Dengue Fieber in VietnamIn der vietnamesischen Provinz Ca Mau, im äußersten Süden des Landes, sind in diesem Jahr bereits rund 5.000 Dengue Fieber-Erkrankungsfälle diagnostiziert worden. Mindestens 7 Patienten sind verstorben. Die Provinz weist die höchste Virusaktivität in Vietnam (gemessen an der Gesamtpopulation) auf. Auch aus Ho Chi Minh-Stadt werden hohe Erkrankungszahlen (> 6.000 Erkrankungen) gemeldet. In erster Linie sind Kinder betroffen. Als Ursache für die hohen Erkrankungszahlen werden die schlechten sanitären Verhältnisse in den ländlichen Regionen Vietnams genannt, die zu hohen Stechmücken-Populationen und zu einer hohen Aktivität der Dengue-Viren führt. Reisende nach Vietnam sollten alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. September 2008).
Dengue Fieber auf den Fidschi-InselnDer Dengue Fieber-Ausbruch in Ozeanien breitet sich weiter aus. Nach Neu Kaledonien, Tonga, Kiribati und den Cook Inseln wurden jetzt auch 9 autochthone Erkrankungsfälle auf den Fidschi-Inseln diagnostiziert. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden mehren sich Berichte von zunehmenden Arztbesuchen und Krankenhaus-Einweisungen, so dass von einer Ausbruchssituation auszugehen ist. Reisende auf die Fidschi-Inseln und die benachbarten Inselgruppen sollten alle Maßnahmen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. September 2008).
Botulismus in FrankreichIn der Bretagne im Nordwesten Frankreichs sind 2 Fälle von Botulismus aufgetreten. Es handelt sich um eine Mutter und ihre Tochter. Sie sind seit etwa 4 Wochen auf der Intensivstation eines Krankenhauses unter künstlicher Beatmung. Als Infektionsquelle konnte ein kommerziell hergestelltes Hähnchen-Gemüse-Gericht identifiziert werden, in dessen Resten noch hohe Dosen von Botulinum-Toxin nachgewiesen werden konnten. Das Gericht wurde ausschließlich in Frankreich unter dem Namen „Tex-Mex Enchiladas“ vertrieben. Alle Mitgliedstaaten Europas wurden im Rahmen des „Epidemiologischen Frühwarn-Systems“ über den Ausbruch informiert. Reiserückkehrer aus Frankreich mit neurologischen Symptomen sollten auf Botulismus abgeklärt werden (ProMED, 11. September 2008).