KW 36 / 2009: Epidemiologische Informationen

Echinokokkose in KasachstanIn der kasachischen Region Aqmola stieg die Inzidenz der Echinokokkose in den letzten 7 Monaten um rund das Dreifache an. Betroffen sind dabei insbesondere auch Kinder. Als Infektionsquellen werden der Verzehr von wilden Beeren und Gemüse, das Trinken von kontaminiertem Wasser und der Verzehr von nicht ausreichend gegartem Wildfleisch gesehen. Eine Studie zeigte, dass in Kasachstan jeder 7. Hund Träger von Echinococcus granulosus ist.
Die Gesundheitsbehörden empfehlen grundsätzlich direkte Kontakte zu Hunden und ihren Exkreten zu vermeiden, Aktivitäten in der Natur mit direkten Kontakten zu möglichen Infektionsquellen zu meiden, und insbesondere Beeren und Gemüse nur in gut gewaschenem Zustand und Wasser nur abgekocht zu verwenden (ProMED, 3. September 2009).
Bleivergiftung in ChinaIn dem Dorf Madaokou und weiteren nahe gelegenen Dörfern in der chinesischen Provinz Shaanxi sind mindestens 800 Kinder an Bleivergiftung erkrankt. Rund 140 Kinder werden aktuell in Krankenhäusern behandelt. Das Blei stammt von einer nahe gelegenen Metallschmelzerei. Der genaue Infektionsweg ist unklar, aber vermutlich wurde mit dem Schwermetall kontaminiertes Wasser getrunken. Nähere Informationen werden von den chinesischen Behörden bisher nicht bekannt gegeben. Grundsätzlich sollten Reisende nach China in der Nähe von Industriegebieten vorsichtig beim Verzehr von dort gewachsenen Früchten, Gemüse und von natürlichem Wasser sein (ProMED, 28. August 2009).
Japan-Enzephalitis in IndienIn der indischen Provinz Uttar Pradesh sind in diesem Jahr bereits rund 1.000 Personen an einem enzephalitischen Syndrom erkrankt. Aktuell werden mehr als 150 Patienten in Krankenhäusern behandelt. Innerhalb von 24 Stunden sind 22 neue Patienten in Krankenhäusern gezählt worden. Ein Teil davon scheint durch Japan-Enzephalitis hervorgerufen zu sein. Insgesamt 210 Patienten sind bisher verstorben. Auch aus dem Bundesstaat Assam wird ein Ausbruch mit Japan-Enzephalitis gemeldet. Hier sind in diesem Jahr bereits 164 Patienten erkrankt und davon 78 Patienten verstorben. Nach anderen Informationen sind in Assam schon rund 1.000 Patienten von der Infektion betroffen. In Assam wird in diesem Jahr eine ungewöhnliche Altersverteilung der Patienten festgestellt. Während bisher die Japan-Enzephalitis eine Erkrankung der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren war, werden in diesem Jahr rund Dreiviertel der Fälle in der Altersgruppe jenseits 15 Jahre beobachtet. Reisende in die indischen Bundesstaaten Uttar Pradesh, Assam, Karnataka, Tamil Nadu und Andhra Pradesh sollten bei Aktivitäten in der Natur über einen Schutz vor Japan-Enzephalitis verfügen (ProMED, 30. August/1. September 2009).
Syphilis in den USAIm US-Bundesstaat North Carolina hat sich die Zahl der neu aufgetretenen und registrierten Fälle von Lues in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Es ist von rund 140 Fällen die Rede im Vergleich zu 46 Fällen im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Die Ursachen für den Anstieg sind nicht klar. Möglicherweise führt der hohe Anteil an HIV in der Bevölkerung zu einer Disposition, entweder durch entsprechend aggressive Sexpraktiken oder durch eine Co-Infektion der beiden Infektionen. Reisende nach North Carolina mit geplanten Intimkontakten zur dortigen Bevölkerung sollten über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und Safer Sex-Praktiken durchführen (ProMED, 1. September 2009).
Milzbrand in BangladeschIm distrikt Rajshani in Bangladesch sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden 35 Menschen am Milzbrand erkrankt. Als Infektionsquelle konnte eine mit Milzbrand infizierte Kuh identifiziert werden, deren Fleisch verkauft wurde und bei den 35 Personen nach Verzehr zur Milzbrand-Infektion führte. Obwohl die Manifestationsform des Milzbrands nicht angegeben wurde, ist von einer Form des Darm-Milzbrands auszugehen, die sich nach Verzehr Milzbrand-haltigen Fleisches entwickelt. Milzbrand ist in vielen asiatischen Ländern endemisch. Fleisch von Rindern, Schafen und Ziegen sollte daher nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 1. September 2009).
Dengue-Fieber in PakistanIn der Region der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind am letzten Wochenende mindestens 5 Patienten mit akutem Dengue-Fieber in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Bei weiteren 13 Patienten mit fieberhaften Infektionen konnte die Infektion nicht nachgewiesen worden. 2 der Patienten sind mittlerweile verstorben. Alle Dengue-Fieberpatienten waren Kinder im Alter zwischen 3 und 8 Jahren. Es handelt sich um die ersten Fälle von Dengue-Fieber in der betroffenen Region in diesem Jahr. Experten befürchten nun einen Dengue-Fieberausbruch. Reisende nach Islamabad und die angrenzenden Regionen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 1. September 2009).
Dengue-Fieber auf MauritiusNach Angaben der europäischen Seuchenbehörde ECDC wurde im Juni dieses Jahres ein lokalisierter Dengue-Fieberausbruch beobachtet. Der Ausbruch fand in der Hauptstadt Port Louis statt. Genaue Angaben über die Zahl der Erkrankten wurden nicht mitgeteilt. Als vermutlicher Überträger wird Aedes albopictus genannt, eine Stechmückenart, die auch schon für den Chikungunya-Fieberausbruch im Jahr 2007 verantwortlich war. Nach den aktuellen Angaben ist der Ausbruch unter Kontrolle. Reisende nach Mauritius sollten trotzdem augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED 1. September 2009).
Dengue-Fieber auf der Dominikanischen RepublikIn Canca la Reina auf der Ferieninsel Dominikanische Republik sind mehr als ein Dutzend Menschen am Dengue-Fieber erkrankt. Ein Patient ist in ernstem Zustand und wird auf einer Intensivstation behandelt. Die Gesundheitsbehörden geben als Grund für das Ausbruchsgeschehen die hohen Stechmücken-Populationen an, die sich aufgrund der starken Regenfälle der letzten Wochen ausbilden konnten. Reisende in die Dominikanische Republik und insbesondere in die dortige Region Canca la Reina sollten augenblicklich eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED 1. September 2009).
Hepatitis B und C in IndienIm indischen Bundesstaat Uttar Pradesh sind in der letzten Zeit mehrmals kontaminierte Blutkonserven aufgetaucht. Die Blutkonserven zeigten einen deutlich geringeren Hämoglobinwert und waren teilweise mit Hepatitis B- und Hepatitis C-Viren kontaminiert. Nach Angaben handelte es sich um kriminelle Machenschaften. Die Blutkonserven stammten aus der größten staatlichen Blutbank des Bundesstaats und wurden über mindestens 2 Jahre ausgegeben. Reisende, die in den letzten 2 Jahren im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts in Uttar Pradesh Blutkonserven erhalten haben, sollten eine Infektion mit den beiden genannten Hepatitis-Formen ausschließen (ProMED, 1. September 2009).
Tollwut in den USAIn einigen Staaten der USA, namentlich im Osten der USA, wird weiterhin eine hohe Aktivität der Tollwut beobachtet. So wurde jetzt im New Yorker Central Park (Manhattan) ein Waschbär mit Tollwut identifiziert. Es handelt sich bereits um den zweiten Waschbären mit Tollwut in kurzer Zeit in Manhattan. Auch in den anderen Stadteilen werden immer wieder tollwütige Wildtiere gefunden, u.a. Stinktiere, Fledermäuse u.ä. Die Behörden warnen alle Bewohner und Besucher, sich von Tieren fernzuhalten, insbesondere, wenn diese ein auffälliges Verhalten an den Tag legen. Im US-Bundesstaat Point Pleasant Beach ist bei streunenden Katzen die Tollwut ausgebrochen. Innerhalb weniger Tage hatten zwei streunende Katzen ein Kind und einen Jugendlichen angegriffen. Die Behörden planen nun Bekämpfungsmaßnahmen gegen die hohe Katzenpopulation. Reisende in die USA sollten sich generell von unbekannten Tieren fernhalten und im Fall eines direkten Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 30. August 2009).
Methanolvergiftung in UgandaIn einem Stadtteil von Kampala sind in den letzten vier Wochen neun Menschen an einem bisher nicht endgültig aufgeklärten Krankheitsbild verstorben. Die Patienten versterben an plötzlichem Atemversagen und klagen einige Stunden vorher noch über Blindheit. Die Symptome passen gut zu einer Vergiftung mit Methanol. Die Behörden untersuchen die Todesfälle augenblicklich. Schon vor einigen Jahren gab es entsprechende Todesfälle, die auf eine Methanolvergiftung zurückzuführen waren. Reisende nach Uganda und insbesondere Kampala sollten alkoholische Getränke unklaren Ursprungs vermeiden (ProMED, 29. August 2009).
Enterovirus-Meningitis in RusslandIn der Region Chelyabinsk, an den südöstlichen Hängen des Urals, sind mehr als 200 Kinder an Meningitis erkrankt. Aktuell werden mehr als 80 Kinder in Krankenhäusern behandelt. 44 Kindergärten in der Region wurden geschlossen. Als Ursache werden Enteroviren vermutet, die typischerweise Ende des Sommers und zu Beginn des Herbstes eine erhöhte Aktivität zeigen. Besonders betroffen sind Kinder und die Infektion kann insbesondere für Kleinkinder in seltenen Fällen auch lebensbedrohlich verlaufen. Die Gesundheitsbehörden fordern alle Bewohner zur Einhaltung einer strikten Händehygiene auf, insbesondere bei Kindern (ProMED, 29. August 2009).
Masern im südlichen AfrikaAus mehreren Ländern im südlichen und südwestlichen Afrika werden Masernausbrüche gemeldet. Im Enghela Distrikt in Namibia sind mindestens 29 Personen mit der Verdachtsdiagnose in ärztlicher Behandlung, davon 15 im Distrikt-Krankenhaus in Ohangwena. Die Erkrankung wurde nach namibischen Angaben aus Angola importiert, wo in der südlichen, an Namibia angrenzenden Provinz Cunene rund 100 Menschen erkrankt waren. Auch aus Südafrika werden erhöhte Masernzahlen genannt. Am stärksten betroffen ist die Gauteng Provinz mit fast 100 Erkrankungsfällen. Einzelfälle wurden auch aus den übrigen Provinzen gemeldet, so dass von einer insgesamt erhöhten Aktivität auszugehen ist. Reisende in das südliche und südwestliche Afrika sollten vor Reiseantritt ihren Masernschutz überprüfen lassen (ProMED, 29. August/4. September 2009).
Büffelpocken in IndienDie aus dem indischen Bundesstaat Tamil Nadu gemeldeten Milzbrand-Fälle bei Menschen haben sich mittlerweile als Büffelpocken herausgestellt. Die Infektion war an den Händen eines Büffelbesitzers aufgetreten und hatte zuerst das Aussehen eines Milzbrand-Primäraffekts. Mittlerweile wurde die Diagnose Büffelpocken gesichert. Die Büffelpocken stellen eine Form der tierischen Orthopocken dar. Sie können durch engen Kontakt auf den Menschen übertragen werden und dort, ähnlich den Kuhpocken, zu lokalen Infektionen führen. Bei immunsupprimierten Patienten kann daraus selten eine schwere und tödlich verlaufende generalisierte Infektion resultieren. Grundsätzlich sollte der direkte Kontakt mit Haus- oder Wildtieren möglichst vermieden werden (ProMED, 30. August 2009).
Östliche Pferdeenzephalitis in VirginiaIm US-Bundesstaat North Carolina ist ein Pferd an der Östlichen Pferdeenzephalitis verendet. Es handelt sich um den ersten Fall der durch Stechmücken übertragenen Alphavirus-Infektion im County Scotland in diesem Jahr. In angrenzenden Counties (Robeson, Bladen Columbus) wurden jedoch schon Fälle bei Pferden nachgewiesen, so dass von einer erhöhten Aktivität in der gesamten Region auszugehen ist. Reisende in die ländlichen Gebiete im US-Bundesstaat Virginia sollten bei Aufenthalten in Regionen mit erhöhten Stechmücken-Populationen eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 28. August 2009).
Milzbrand in AustralienIm Nordosten des australischen Bundesstaates Victoria ist ein Rind am Milzbrand verendet. In der betroffenen Farm sind in den letzten Jahren regelmäßig Fälle von Milzbrand bei Rindern aufgetreten. Die gesamte Herde ist deshalb geimpft. Es handelt sich bisher um einen isolierten Fall. Die gesamte Herde steht unter Beobachtung. Reisende in die Region sollten jeden Kontakt mit kranken Tieren oder mit Tierkadavern vermeiden (ProMED, 4. September 2009).