KW 34 / 2008: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in FrankreichEin Milzbrand-Ausbruch wird im französischen Departement Doubs beobachtet. Auf insgesamt 8 Bauernhöfen sind bisher 38 Rinder erkrankt und verstorben. Menschliche Erkrankungsfälle traten bisher nicht auf. Die betroffene Region liegt im Südosten Frankreichs in bergigem Gelände, nahe der Grenze zur Schweiz. Möglicherweise könnte der Boden durch in der Region befindliche ehemalige Tierbestattungsplätze bedingt sein, in denen durch starke Niederschläge die Bakteriensporen an die Oberfläche gespült wurden. Insgesamt werden jetzt mehr als 9.000 Rinder und Schafe in der Region geimpft. Der Beginn der Jagdsaison in der Region wurde um mehrere Wochen verschoben.
Bekannte Plätze mit Tierbestattungen wurden gesperrt. Reisende, insbesondere Wanderer in der Region, sollten jeden Kontakt mit toten Tieren oder Tierkadavern vermeiden (ProMED, 21. August 2008).
Vibrio parahaemolyticus in USADie Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaats New Jersey haben die Austernbänke in der Delaware Bay am Atlantik geschlossen, nachdem mindestens 2 Fälle von Infektionen mit Vibrio parahaemolyticus durch Austern aus diesen Bänken aufgetreten sind. Der genannte Erreger ist ein naher Verwandter des Choleraerregers und verursacht beim Menschen bei oraler Aufnahme über Meeresprodukte eine Gastroenteritis und im Falle einer Wundkontamination schwer verlaufende Wundinfektionen. Aufgrund der Sperrung sollten Austern der entsprechenden Bänke nicht mehr in den Verkehr gelangen. Häufig handelt es sich jedoch nicht um lokale, sondern regionale Phänomen, so dass generell Vorsicht beim Genuss von rohen Meeresfrüchten in den Atlantik-Staaten geboten ist (ProMED, 21. August 2008).
Listeriose in KanadaIn Kanada wurden 16 Fälle von Listeriose diagnostiziert. Ein Patient ist an der Infektion verstorben. Die Erkrankungsfälle traten in der Provinz Ontario auf. 16 weitere mögliche Infektionen sind in der Untersuchung. Besonders gefährdet durch Listerien sind Kleinkinder, ältere Personen und Patienten mit Immunsuppression. Diese gefährdeten Personenkreise können eine tödlich verlaufende Sepsis entwickeln. Als Infektionsquelle wurde fertig hergestelltes Rindfleisch identifiziert, das in einer Fabrik des Herstellers Marple Leaf in Toronto hergestellt wurde. Alle Produkte der Firma, die seit dem 2. Juni in Toronto produziert wurden, werden nun aus dem Handel zurückgezogen. Dabei sind insbesondere Fleischprodukte der Produktnamen „Schneiders“ und „Sure Slice“. Entsprechende Produkte sollten nicht verzehrt werden (ProMED, 21. August 2008).
West Nil Fieber in den USAIn den USA sind in diesem Jahr schon 236 Menschen an West Nil Fieber erkrankt. 2 Patienten sind an der Infektion verstorben. Nach den verfügbaren Daten wird ein aktueller starker Anstieg der Virusaktivität und der Erkrankungsfälle im Süden Kaliforniens festgestellt. Dort wird die höchste Aktivität seit dem Jahr 2004 beobachtet. Reisende nach Kalifornien und insbesondere in den Süden des US-Bundesstaats sollten in Gebieten mit hoher Stechmücken-Aktivität eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 21. August 2008).
Dengue Fieber in WestafrikaAus Westafrika werden zunehmend Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber bei Reiserückkehrern beobachtet. Traditionellerweise ist Westafrika ein beliebtes Reiseziel der Franzosen. Dort wurde ein Anstieg von 4 Fällen im Jahr 2006 über 7 Fälle im Jahr 2007 auf mittlerweile schon 8 Erkrankungsfälle im laufenden Jahr registriert. Bisher galt zwar Dengue Fieber in Westafrika als endemisch vorkommend, allerdings ging man davon aus, dass es sich in erster Linie um einen silvatischen Übertragungszyklus des Dengue-Virus vom Serotyp 2 zwischen Affen und Wald-Stechmücken handeln würde. Die molekularbiologische Charakterisierung ergab bei einem japanischen Reiserückkehrer aus Westafrika ein Virus des Serotyps 3 mit größter Ähnlichkeit mit einem arabischen Virusstamm. Dies könnte evtl. bedeuten, dass ein neuer Stamm evtl. mit Pilgerreisenden aus Arabien, nach Westafrika eingeschleppt wurde, der sich nun im Rahmen eines (urbanen?) Übertragungszyklusses ausbreitet. Daneben werden auch andere Serotypen nachgewiesen, wodurch auch das Risiko des Auftretens hämorrhagischer Manifestationsformen ansteigen könnte. Reisende nach Westafrika (Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Senegal, Togo, Ghana) sollten neben Gelbfieber und Malaria zunehmend an das Dengue Fieber denken und eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 20. August 2008).
Respirationstrakt-Infektionen in NicaraguaAus verschiedenen Informationsquellen geht hervor, dass bei nicaraguanischen Kindern eine starke Häufung von Infektionen des Respirationstrakts auftritt. Die offiziellen Stellen gehen von Influenza-Infektionen und Infektionen durch Respiratory Syncytial-Virus (RSV) aus. Trotz der nur bedingt verfügbaren Diagnostik gehen die Gesundheitsbehörden nicht von einem ungewöhnlichen Ausbruchsgeschehen aus. Das Beispiel zeigt, dass die Influenza auch in den Tropen vorkommt, obwohl Meldungen darüber bisher eher spärlich sind. Es wird vermutet, dass die Influenza insbesondere während der tropischen Regenzeit auftritt. Personen, die in die Tropen reisen, sollten bei Indikation eine Impfung vor Reiseantritt durchführen (ProMED, 18./20. August 2008).
Melioidose in Israel aus ThailandIn Israel ist der erste bekannte Fall einer Melioidose aufgetreten. Es handelt sich um einen Thailänder, der sich seit rund 9 Monaten in Israel aufhält und seit 2-3 Wochen unspezifische Symptome eines Infekts (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit) zeigt. Es handelt sich um einen Reis- und Zuckerrohrbauern. Als Grunderkrankungen konnten Diabetes mellitus und Anämie diagnostiziert werden. Die Untersuchung zeigte multiple Abszesse in Lungen, der Milz, einer Niere und in der Prostata. Der Patient berichtete über zwei Hautabszesse vor mehreren Monaten. Die Melioidose ist eine bakterielle Infektion, die durch Burkholderia pseudomallei verursacht wird. Der Erreger kommt in tropischen Böden vor. Die Übertragung erfolgt insbesondere nach heftigen Regenfällen durch direkten Kontakt mit Tropenerde. Die Infektion manifestiert sich als abszedierende Erkrankung mit Hautabszessen oder, vor allem bei Patienten mit Grunderkrankungen (z.B. Diabetes mellitus) mit Abszessen der parenchymatösen Organe. Bei abszedierenden Erkrankungen bei Tropenrückkehrern aus Südostasien und Australien sollte immer eine Melioidose ausgeschlossen werden (ProMED, 19. August 2008).
Salmonellose in EuropaDas Ausbruchsgeschehen mit Salmonella enteritidis, Serotyp agona, auf der Britischen Insel scheint sich auf das europäische Festland auszubreiten. Mittlerweile melden Finnland, Schweden und Frankreich erste Einzelfälle durch den molekularbiologisch als identisch identifizierten Salmonellen-Typ. Als Infektionsquelle konnte eine Nahrungsmittelfabrik in Irland identifiziert werden. Die Transportwege in die Länder des europäischen Festlands sind bisher ungeklärt. Als Empfehlung kann nur gegeben werden, bei Nahrungsmitteln aus Irland und den Britischen Inseln vorsichtig zu sein und die Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittelhygiene zu befolgen (ProMED, 19. August 2008).
Toxische Myoglobinurie (Haff-Krankheit) in RusslandIn der Autonomen Russischen Republik Buriatien sind innerhalb weniger Tage 16 Menschen an der sog. Haff’schen Erkrankung erkrankt. Dabei handelt es sich um eine toxische Myoglobinurie. Die Erkrankung wird verursacht durch den Genuss von Fischen. Die genaue Spezies in Buriatien wurde nicht mitgeteilt. Die Fische scheinen bisher nicht identifizierte pflanzliche Toxine zu enthalten, die nach Verzehr der Fische beim Menschen zu einer starken Schädigung der Skelettmuskulatur führt. Die Diagnose wird klinisch durch Ausschlussdiagnostik gestellt. Die Patienten klagen über starke Muskelschmerzen und Muskelsteifheit sowie dunklen Urin. Laborchemisch imponieren ein starker Anstieg der Kreatinkinase (MB-Fraktion < 5%), der Laktat-Dehydrogenase und der Transaminasen. Im Urin kann Myoglobin nachgewiesen werden. Die Erkrankung kann tödlich verlaufen, wenn das Myoglobin toxisch auf die Nieren wirkt. Die Haff’sche Krankheit wurde auch im europäischen Teil Russlands (Erstbeschreibung in Königsberg) und in den USA nachgewiesen. Aufgrund der fehlenden Kenntnisse zur genauen Ursache können aktuell nur Empfehlungen in Form einer Vermeidung von Fisch in der betroffenen Region (Buriatien) gegeben werden (ProMED, 18. August 2008).
Dengue Fieber in PeruIn Peru sind seit Jahresbeginn schon mehr als 7.000 Fälle von Dengue-Fieber registriert worden. Aufgrund eines Streiks der Gesundheitsarbeiter in einigen der am höchsten aktiven Provinzen sind die Erkrankungszahlen vermutlich nicht komplett und weitaus zu niedrig. Die am schwersten betroffenen Provinzen (Loreto, Jaen, Piura, Amazonien, Ucayali) liegen im amazonischen Tiefland Perus. Die in der Hauptstadt Lima diagnostizierten Erkrankungsfälle wurde alle aus der amazonischen Region importiert, d.h. es wurden bisher keine autochthonen Erkrankungsfälle registriert. Reisende in das amazonische Tiefland Perus sollten alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 18. August 2008).
Fledermaus-Tollwut in der UkraineDie Fledermaus-Tollwut entwickelt sich nach Angaben der ukrainischen Gesundheitsbehörden von einer epidemischen immer mehr zu einer alarmierenden Situation. Mittlerweile wurde in 29 Distrikten der Region von Donezk (80% der gesamten Region) über Ausbrüche der Fledermaus-Tollwut berichtet. In der Stadt Donezk wurde wiederholt über aktives Anfliegen und Bissen von Kindern durch Fledermäuse berichtet. Allerdings liegen keine Angaben über Fledermaus-Art und möglicherweise über den Tollwutvirus-Typ vor. In der Ukraine konnte vor mehr als 40 Jahren das Europäische Fledermaus-Lyssavirus Serotyp 1 (EBLV-1) nachgewiesen werden. In Tierexperimenten konnte eine protektive Wirkung des Tollwut-Impfstoffs auch gegen das EBLV-1 gezeigt werden. Reisende in die Ukraine sollten jeden direkten Kontakt mit Fledermäusen vermeiden. Räumlichkeiten mit Fledermäusen müssen vermieden werden. Bei Kontakt oder potentieller Inhalation von Fledermaus-Exkrementen sollte sofort ein Arzt zur Durchführung einer Post-Expositionsprophylaxe aufgesucht werden (ProMED, 17. August 2008).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in PanamaIm mittelamerikanischen Panama ist ein 65jähriger Maurer am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom verstorben. Die Erkrankung trat in der panamaschen Provinz Dos Santos im zentralen Süden des Landes auf. Der Erreger wurde nicht näher angegeben. Von den bisher 3 in Panama identifizierten Hantaviren (Rio Segundo, Calabazo und Choclo) ist bisher ausschließlich Choclo Virus als humanpathogen identifiziert worden, das durch eine Wühlmausart (Oligoryzomys fulvescens) übertragen wird. Typisch scheint der Maurerberuf als Risikofaktor zu sein, wodurch der Patient vermutlich während seiner Tätigkeit mit Exkrementen von Nagetieren in Kontakt gekommen war. Reisende nach Mittelamerika sollten - ebenfalls wie in Nord- und Südamerika - jeden direkten und indirekten Kontakt mit Kleinnagern vermeiden (ProMED, 16. August 2008).
Masern auf GibraltarAuf Gibraltar, der englischen Enklave im äußersten Süden der Iberischen Halbinsel, wird seit Beginn des Monats August ein Masern-Ausbruch beobachtet. Bisher wurden 17 Erkrankungsfälle registriert, in der Mehrzahl bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen < 18 Jahre. Die Gesundheitsbehörden warnen daher, dass insbesondere für Kinder und Jugendliche ohne Immunschutz augenblicklich ein besonders hohes Infektionsrisiko besteht. Reisende nach Gibraltar sollten daher über einen ausreichenden Immunschutz (natürlich oder durch Impfung induziert) gegen die Masern verfügen (ProMED, 15. August 2008).
Typhusverdacht in UgandaIm Südwesten des ostafrikanischen Landes Uganda sind mindestens 27 Menschen an einer schweren fieberhaften Infektion erkrankt. Davon sind bisher 9 Patienten verstorben. Nach den Angaben der Gesundheitsbehörden könnte es sich bei dem Ausbruch um eine Typhusepidemie handeln, wobei die finale Bestätigung noch aussteht. Die Anstrengungen des in die betroffene Region ausgesandten medizinischen Teams konzentrieren sich daher momentan auf de Einhaltung von grundlegenden Hygienemaßnahmen. Uganda wird immer beliebter als ein noch nicht so überlaufenes Reiseziel in Ostafrika. Reisende sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene befolgen und ggf. vor Reiseantritt eine Typhus-Impfung durchführen (ProMED, 14. August 2008).