KW 33 / 2008: Epidemiologische Informationen

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West Nil Fieber in Nordamerika
In den USA sind in diesem Jahr bisher 162 Erkrankungsfälle von West Nil-Fieber aufgetreten. 2 Patienten sind an der Infektion verstorben. Die Fälle konzentrieren sich insbesondere auf die Bundesstaaten des Mittleren Westens und des Ostens. In Kanada wurden bisher keine menschlichen Erkrankungsfälle registriert. Insgesamt ist damit die Aktivität der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion als gering zu bezeichnen. Reisende sind gefährdet, wenn sie sich in Regionen mit hohen Stechmücken-Populationen aufhalten. Hier sollte eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchgeführt werden (ProMED, 18. August 2008).

Mumps in Kanada
In Oxford County, in der kanadischen Provinz Ontario, sind 10 Personen an Mumps erkrankt. Der Ausbruch ereignete sich in der dortigen Niederländisch Reformierten Kirchengemeinde. Alle Erkrankten waren nicht geimpft. Die Mumps sind eine durch Tröpfcheninfektion übertragene Virusinfektion. Sie tritt nach wie vor epidemisch bei ungeimpften Kindern und teilweise bei einmal geimpften jungen Erwachsenen auf. Auch in Ländern mit hoher Durchimpfung im Säuglingsalter werden bei ungeimpften Populationen (Impfgegner) immer wieder kleinere Ausbrüche beschrieben. Die Mumps-Impfung zählt zu den allgemein empfohlenen Impfungen. Jeder Bewohner sollte über einen Mumps-Immunschutz verfügen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine ideale Gelegenheit dar, den Impfschutz bei allen allgemein empfohlenen Impfungen zu überprüfen und ggf. zu komplettieren (ProMED, 10. August 2008).

Tollwut in Alaska, USA
In US-Bundesstaat Alaska hat sich in den letzten Jahren die Zahl der gemeldeten Tollwut-Nachweise bei Wildtieren mehr als verfünffacht. Während im Zeitraum von 2001-2005 jeweils 8 Tiere infiziert gefunden wurden, waren es im letzten Jahr 45 Tiere. Betroffen sind in erster Linie Rotfüchse und Arktische Wölfe. Die Tiere wurden insbesondere an den nördlichen und südwestlichen Küstenregionen gefunden, bzw. erlegt. Die Tollwut tritt in Alaska in Mehrjahreszyklen auf. Ob es sich bei den aktuellen Fallzahlen um ein zyklisches Hoch oder um einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen handelt, muss sich zeigen. Interessant ist, dass gleichzeitig der Rotfuchs zunehmend nach Alaska einwandert, der noch vor einigen Jahren dort nicht beobachtet wurde. Reisende nach Alaska sollten jeden Kontakt mit Wildtieren vermeiden (ProMED, 10. August 2008).

Tollwut in Russland
In der Region Kaluga im Westen der russischen Hauptstadt Moskau, im europäischen Teil Russlands, ist ein deutlicher Anstieg der Fälle von Tollwut bei Wild- und bei Haustieren (sowohl Nutz- als auch Schoßtiere) zu verzeichnen. Mit rund 100 tollwütigen Tieren beträgt der Anstieg rund 50% zum Vergleichszeitraum im Vorjahr. Schon 2.300 Menschen wurden postexpositionell geimpft nach direktem Kontakt mit tollwütigen Tieren. Reisende nach Russland sollten jeden direkten Kontakt mit Wildtieren und Haustieren mit auffälligem Verhalten vermeiden. Im Falle eines Kontakts sollte ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 10. August 2008).

Botulismus in Alaska, USA

In Alaska sind im Jahr 2007 10 Fälle von Botulismus aufgetreten. Ein Patient ist an der Intoxikation verstorben. Damit wird dort die höchste Inzidenz aller US-Bundesstaaten im nördlichsten US-Bundesstaat der USA beobachtet. Als Infektionsquelle konnten in allen Fällen traditionell hergestellte Nahrungsmittel identifiziert werden. Insbesondere eingelegte Nahrungsmittel (u.a. Belugawal-Fleisch, Biberschwänze, Robbenflossen, Fischköpfe, Walfischspeck) ausfindig gemacht werden. Die Erkrankungsfälle traten konzentriert in erster Linie im Südwesten Alaskas auf. Reisende nach Alaska sollten insbesondere beim Verzehr von privat hergestellten, eingelegten Fleischspeisen aus Meerestieren vorsichtig sein (ProMED, 11. August 2008).

Cholera im Sudan
Aufgrund starker Regenfälle im Süden des Sudan ist dort seit Anfang August eine deutlich erhöhte Cholera-Aktivität zu verzeichnen. Allein am ersten Augustwochenende sind mindestens 20 Menschen an der Infektion verstorben. Die Zahl der infizierten Menschen und auch die geographische Verbreitung des Ausbruchs sind unklar. Betroffen ist insbesondere die Bevölkerung im südsudanesischen Bundesstaat Bahr al-Ghazal. Ein Mitglied des autonomen Parlaments in der Region bat um internationale Hilfe. Die genannte Region ist seit Jahren vom Bürgerkrieg heimgesucht. Sie stellt damit keine touristische Reiseregion dar. Beruflich Reisende in die Region (z.B. aufgrund humanitärer Einsätze) und auch in den Grenzregionen nach Kenia sollten alle Empfehlungen der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 11. August 2008).

TIBOLA in Spanien
An der Universität von Barzelona wurden in diesem Jahr bereits 40 Fälle von TIBOLA (Tick-Borne Lymphadenopathy) diagnostiziert. Dabei handelt es sich um eine von Zecken der Gattung Dermacentor (insbesondere Dermacentor marginatus) übertragene Rickettsiose. Erreger ist Rickettsia slovaca, eine in verschiedenen Teilen Europas nachgewiesene Rickettsienart. Die Erkrankung geht neben einer Allgemeinsymptomatik mit Lymphknotenschwellung, einem Eschar an der Einstichstelle und teilweise mit Alopezie einher, da Dermacentor marginatus gerne am beharrten Teil des Kopfes Blut saugt. Die Erkrankung tritt insbesondere im Norden Spaniens auf. Betroffen sind insbesondere Kinder und Erwachsene mit Aktivitäten in bergigen Regionen (u.a. Wandern, Campen). Reisende in die bergigen Regionen Nordspaniens (z.B. Jakobspilger) sollten lange Kleidung tragen und die nicht bedeckten Hautpartien mit einem Repellens behandeln (ProMED, 11. August 2008).

Dengue Fieber in Laos
Im südostasiatischen Land sind in diesem Jahr bereits fast 2.000 Erkrankungsfälle und mindestens 18 Todesfälle durch Dengue Fieber, bzw. Dengue Hämorrhagisches Fieber aufgetreten. Betroffen sind insbesondere die Provinzen Chapassak, Saravan, Khammuan und Xayaboury. Nach den Angaben der Provinz-Gesundheitsbehörden ist die Situation unter Kontrolle. Die Lage ist allerdings weitgehend unklar. Reisende nach Laos sollten alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 12. August 2008).

Dengue Fieber auf Amerikanisch-Samoa
Mehrere unabhängige Quellen melden eine erhöhte Dengue Fieber-Aktivität auf Amerikanisch-Samoa, einer zu Amerika gehörenden Inselgruppe im Südpazifik. Es ist aktuell von mindestens 4 Erkrankungsfällen die Rede. Die Erkrankungsfälle wurden bisher nur mittels eines Schnelltests diagnostiziert. Eine Bestätigung und insbesondere Informationen über den Virustyp und seine geographische Herkunft sind bisher noch nicht verfügbar. Reisende nach Amerikanisch-Samoa und die in der Nähe liegenden Inseln Ozeaniens sollten die Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 12. August 2008).

Dengue Fieber in der Elfenbeinküste
Bei einem französischen Reiserückkehrer aus der Elfenbeinküste, Westafrika, konnte Dengue Fieber diagnostiziert werden. Das isolierte Virus konnte als Serotyp 3 charakterisiert werden. Es handelt sich dabei um den ersten Nachweis einer Dengue Serotyp 3-Infektion in Westafrika überhaupt. Dengue-Fälle bei Afrika-Reisenden sind ungewöhnlich. Dengue-Virusinfektionen bei Reiserückkehrern weisen üblicherweise auf eine erhöhte Dengue-Virusaktivität im Reiseland hin und stellen häufig die erste internationale Meldung dar. Weitere Informationen zum Dengue Fieber in der Elfenbeinküste sind aktuell nicht verfügbar. Reisende in die Region sollten alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 9. August 2008).

Masern in den USA
Im US-Bundesstaat Minnesota sind seit 7 Jahren erstmals wieder die Masern aufgetreten. Es handelt sich um einen 12monatigen Säugling, der für die Impfung noch zu jung war und daher keinen ausreichenden Immunschutz aufweisen konnte. Die Infektionsquelle konnte bisher nicht identifiziert werden. Der Fall steht in einer Reihe von Ausbrüchen in verschiedenen Teilen der USA ein, die die nationalen Gesundheitsbehörden mittlerweile mit großer Besorgnis beobachten, da es sich um die höchsten Fallzahlen seit Jahren handelt. Der aktuelle Fall zeigt weiterhin, dass ein Kohortenschutz notwendig ist, um Personen in der Bevölkerung zu schützen, für die keine Impfung möglich ist. Die Masern-Impfung ist eine allgemein empfohlene Impfung für alle Bewohner. Die reisemedizinische Beratung sollte als Gelegenheit genutzt werden auch für Erwachsene den Impfstatus zu überprüfen und ggf. notwendige allgemein empfohlene Impfungen zu komplettieren (ProMED, 9. August 2008).

Milzbrand in Kirgisien
Aktuell wird ein weiterer Milzbrand-Ausbruch aus dem zentralasiatischen Kirgisien berichtet. Es wurde über 6 Patienten aus einem Dorf im Distrikt Ala-Buka in der Provinz Jalal-Abad, im Süden des Landes. Damit steigt die Gesamtzahl der humanen Milzbrand-Fälle in diesem Jahr auf 21. Im gesamten Jahr 2007 wurden 23 Erkrankungsfälle diagnostiziert und im Jahr 2006 waren es 17 Erkrankungsfälle. Damit ist ein Trend zu höheren Erkrankungsfällen erkennbar. Als Ursache für die Zunahme wird die nicht ordnungsgemäße Entsorgung von Kadavern der an Milzbrand verstorbenen Haustiere genannt. Diese werden nicht verbrannt, sondern nur in der Erde vergraben, so dass unter entsprechenden Witterungsbedingungen die Sporen wieder an die Oberfläche geschwemmt werden können. Reisende nach Zentralasien sollten jeden direkten Kontakt mit Tierkadavern vermeiden (ProMED; 7. August 2008).



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