KW 32 / 2008: Epidemiologische Informationen

Poliomyelitis weltweitAktuell werden noch 4 Länder als Polio-endemisch angesehen. In Pakistan wurden in diesem Jahr 23 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Dies bedeutet einen Anstieg der Erkrankungsfälle um mehr als 50% zum Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Es wurden bisher ausschließlich Erkrankungsfälle durch Serotyp 1 diagnostiziert. In Afghanistan wurden in 2008 bisher 17 Erkrankungsfälle registriert. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres waren es nur 5 Fälle, was einen Anstieg um mehr als das Dreifache bedeutet. Auch hier wurden ausschließlich Polioviren des Serotyps 1 identifiziert. In Indien, dem dritten endemischen Land, wurden bisher die meisten bekannten Erkrankungsfälle diagnostiziert.
In Indien traten seit Jahresbeginn 331 Erkrankungsfälle auf, davon rund 90% durch den Serotyp 3, der Rest ist durch Serotyp 1 verursacht. Auch dies bedeutet eine Zunahme der Erkrankungsfälle um mehr als das Doppelte. Für Nigeria werden seit Jahresbeginn 483 Erkrankungsfälle gemeldet, ebenfalls ein Anstieg um mehr als das Dreifache zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit gelten weiterhin Afrika und Zentralasien und der Indische Subkontinent als ‚Polio-endemisch. Reisende dorthin sollten über einen ausreichenden Polio-Immunschutz verfügen (ProMED, 4. August 2008).
Tollwut in SüdafrikaAus der östlichen Kap-Provinz in Südafrika wird ein Tollwut-Ausbruch gemeldet. Bei mindestens 4 Hunden wurde eine Tollwut diagnostiziert. Mindestens einer der Hunde hatte auch einen Menschen gebissen. Grundsätzlich sollte in ganz Afrika mit der Tollwut bei streunenden und verwilderten Hunden gerechnet werden. Bei direktem Kontakt (Biss, Schleimhaut-Kontakt) mit einem Tier unbekannter Herkunft oder mit auffälligem Verhalten sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei Aktivitäten mit erhöhtem Risiko eines Tierkontakts oder bei Reisen, die einen Arztkontakt innerhalb von 24 Stunden nicht möglich machen, sollte eine Tollwut-Impfung diskutiert werden (ProMED, 2. August 2008).
Multiresistente Tuberkulose in Österreich aus RumänienIn Österreich ist der erste Fall einer multi-resistenten Tuberkulose bekannt geworden. Dabei handelt es sich um Stämme von Mycobacterium tuberculosis, die gegen Isoniazid und Rifampicin, sowie gegen mindestens ein Fluorchinolon und mindestens eines der folgenden 3 zu injizierenden Antituberkulostatika: Kanamycin, Amikacin, Capreomycin, resistent sind. Der Patient stammt aus Rumänien. Er war in einem Lungen-Fachzentrum in Wien vorstellig geworden. Seit 2002 war eine Tuberkulose bekannt, die seit der Erstdiagnose mit unterschiedlichen immer wieder wechselnden Antituberkulostatika in Rumänien therapiert worden war. Das Beispiel zeigt, dass entsprechende multiresistente Stämme mittlerweile auch in Europa vorkommen. Sie sollten bei allen länger therapierten Patienten mit Tuberkulose ausgeschlossen werden (ProMED, 3. August 2008).
Malaria in Sarawak, MalaysiaAus mehreren Dörfern im malaysischen Sarawak auf der Insel Borneo wird ein Malaria-Ausbruch gemeldet. Aktuell wird eine Ausbreitung des betroffenen Gebiets beobachtet und die auftretenden Erkrankungsfälle nähern sich der Stadt Miri. Die Behörden sprechen von einer sehr aggressiven Form der Malaria, so dass Experten annehmen, es könnte sich um den erst kürzlich in Malaysia entdeckten fünften Malaria-Erreger, Plasmodium knowlesi, handeln, der eine sehr viel raschere Vermehrung in den Organen aufweist, als die übrigen Malaria-Erreger. Eine endgültige Bestätigung hierfür steht allerdings noch aus. Die genannte Region ist sehr abgelegen und auf Straßen nicht erreichbar. Reisende könnten jedoch im Rahmen beruflicher Tätigkeit (z.B. technische, humanitäre Zusammenarbeit) in die Region gelangen und sollten dabei eine Expositions- und Chemoprophylaxe durchführen (ProMED, 4./ 6. August 2008).
Milzbrand in den USADer Milzbrand-Ausbruch im US-Bundesstaat Montana weitet sich aus. Mittlerweile ist von 80 toten Bisons auf einer Ranch die Rede. Daraufhin wurden jetzt mehrere Zufahrtsstraßen zur Ranch für den Straßenverkehr gesperrt, um eine Ausbreitung sporenhaltiger Erde zu minimieren und auch die Kontakte zwischen Menschen und erkrankten Tieren oder Tierkadavern zu verringern. Es handelt sich um den ersten bekannten Milzbrand-Ausbruch in Gallatin County, allerdings wurden in den letzten Jahren mindestens 2 Ausbrüche in benachbarten Counties beobachtet. Reisende in die nordwestlichen Bundesstaaten der USA und die angrenzenden Provinzen Kanadas sollten jeden direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder mit Tierkadavern vermeiden (ProMED, 2./6. August 2008).
Dengue Fieber in MyanmarIm Norden des südostasiatischen Landes Burma wird ein Dengue-Ausbruch gemeldet. Betroffen ist vor allem die Stadt Monywa in der Provinz Sagaing. Nach Angaben von Bewohnern wurde das gesamte Gesundheitswesen de Region von der Heftigkeit des Ausbruchs völlig überrascht. Im Krankenhaus der Stadt sind keine Betten mehr verfügbar, so dass die Eltern erkrankter Kinder eigene Betten mitbringen, um ihre Kinder in ärztliche Behandlung zu bringen. Das gesamte Ausmaß des Ausbruchs ist unbekannt. Es ist von einer Reihe von Todesfällen die Rede, die ebenfalls bisher nicht genau beziffert werden können. Es handelt sich nicht um eine vom Taifun Nargi betroffene Provinz. Auch aus der Hauptstadt Burmas, Phnom Pen, werden einzelne Erkrankungsfälle gemeldet. Auch von dort sind keine Informationen über das genaue Ausmaß eines möglichen Ausbruchs verfügbar. Reisende nach Burma sollten alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 6. August 2008).
Salmonellose in Großbritannien und IrlandIn Großbritannien sind mindestens 60 Menschen an einer Salmonellose erkrankt. Betroffen sind Patienten in England, Schottland und Wales. Aus Irland werden ebenfalls bisher 8 Erkrankungsfälle gemeldet. Als Erreger konnte Salmonella enterica Serotyp agona identifiziert werden, bisher jedoch noch keine Infektionsquelle. Die Gesundheitsbehörden empfehlen allen Geschäften und Cafes, die fertige Sandwichs anbieten, alle Hygiene-Standards strikt einzuhalten. Die Behörden konzentrieren sich aktuell auf Speisen aus Fleisch und Geflügel. Bis zur weiteren Abklärung sollten Reisende nach England vorsichtig sein beim Genuss von nicht ausreichend erhitzter Speisen. Durchfall bei Reiserückkehrern sollte auf Salmonellen untersucht werden (ProMED, 6. August 2008).
Anaplasmose in ChinaIn der chinesischen Provinz Shandong sind mindestens 4 Patienten an der Symptomatik eines Hämorrhagischen Fiebers erkrankt und verstorben. Nach Informationen der chinesischen Gesundheitsbehörden erkrankten und verstarben die Patienten an der Humanen Granulozytären Anaplasmose. Diese kann in seltenen Fällen tödlich verlaufen. Ob es sich bei dem Ausbruch um einen besonderen Erregertyp handelt, bleibt abzuklären. Die Anaplasmose wird von Anaplasma phagocytophilum verursacht, einem Rickettsien-ähnlichen Erreger. Er wird durch Zecken übertragen. Neben einem fieberhaften, grippe-ähnlichem Infekt kann die Anaplasmose selten auch unter einer Enzephalitis oder einer Schocksymptomatik ablaufen. Auch aufgrund anderer durch Zecken übertragener Infektionen sollten bei entsprechenden Aktivitäten im Rahmen von Reisen nach China Maßnahmen zum Schutz vor Zecken durchgeführt werden (Expositionsprophylaxe) (ProMED, 6. August 2008).
Leishmaniose in KeniaIn der nördlichen kenianischen Provinz Wajir sind innerhalb von 4 Monaten 180 Fälle von Viszeraler Leishmaniose aufgetreten. Mindestens 6 Patienten, in erster Linie Kinder, sind an der Infektion verstorben. Als Gründe für die deutlich erhöhte Aktivität werden die anhaltende Trockenheit in der Region und der schlechte Ernährungszustand insbesondere bei den Kindern verantwortlich gemacht. Die Vektoren der Viszeralen Leishmaniose, Sandmücken, brüten in den trockenen Flussbetten und im Lehm der Hütten und übertragen die Erreger im Rahmen ihrer vorwiegend nächtlichen Aktivität. Die Region Wajir zählt nicht zu den Touristenregionen Kenias. Reisende dorthin sollten jedoch Maßnahmen zum Schutz vor Sandmückenstichen ergreifen (Expositionsprophylaxe) (ProMED, 6. August 2008).
Östliche Pferdeenzephalitis in den USAIm US-Bundesstaat Tennessee ist ein Pferd an der Östlichen Pferdeenzephalitis erkrankt. Die weist auf eine erhöhte Aktivität in dem Bundesstaat hin. Die Infektion wird von Stechmücken übertragen. Das Virus zirkuliert üblicherweise in einem Naturzyklus zwischen ornithophilen Stechmücken und Vögeln. Unter bestimmten ökologischen Bedingungen kann es zu einem Überspringen des ansonsten latenten Naturzyklus auf Pferde und auf den Menschen kommen. Die östliche Form der Pferdeenzephalitis ist die am schwersten verlaufende Form der drei amerikanischen Pferdeenzephalitiden. Die Letalität beim Menschen kann mehr als 50% betragen. Die amerikanischen Veterinärbehörden empfehlen insbesondere allen Pferdehaltern in der betroffenen Region, Maßnahmen zum Schutz vor der Infektion (Expositionsprophylaxe) durchzuführen. Für Pferde existiert ein Impfstoff. Reisende sollten ebenfalls eine Expositionsprophylaxe in Gegenden mit erhöhter Stechmückendichte durchführen (ProMED, 8. August 2008).
LaCrosse Enzephalitis in den USADie Aktivität des durch Stechmücken übertragenen LaCrosse Enzephalitis –Virus breitet sich weiter in den USA aus. Aktuell wurde ein erster Fall im US-Bundesstaat Louisiana gemeldet. Fälle dieser Enzephalitis-Form sind im südlich gelegenen US-Bundesstaat Louisiana eher ungewöhnlich. In mehr als 40 Jahren (1964-2007) wurden insgesamt 24 Erkrankungsfälle gemeldet. Die LaCrosse Enzephalitis kommt üblicherweise vorwiegend in den nördlichen Mitwestern-Bundesstaaten vor. Die Übertragung erfolgt insbesondere durch im Wald brütende Stechmücken. Von der Erkrankung sind insbesondere Kinder betroffen. Reisende sind dann gefährdet, wenn sie im Verbreitungsgebiet im Mittleren Westen der USA Aktivitäten in ländlichen Regionen ausüben, die ein erhöhtes Risiko eines Kontakts mit Stechmücken bergen. Dann sollten Maßnahmen der Expositionsprophylaxe durchgeführt werden (ProMED, 8. August 2008).
Chikungunya Fieber in SingapurAus dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur wird ein neuerlicher Ausbruch des Chikungunya Fiebers gemeldet. Nachdem im Januar in einem lokal begrenztem Ausbruch 13 Menschen erkrankt waren und der Ausbruch jedoch rasch begrenzt werden konnte, sind mittlerweile in einer anderen Region der Stadt (Kranji Way) 20 Menschen erkrankt. Nach Angaben der zuständigen Gesundheitsbehörden handelt es sich ebenfalls um einen lokal begrenzten Ausbruch. In anderen Stadtteilen dagegen wurden bisher keine Erkrankungsfälle gemeldet. Für den Normalreisenden scheint damit keine Gefahr einer Infektion zu bestehen. Bei Fahrten in den genannten Stadtteil sollten jedoch ggf. Maßnahmen der individuellen Expositionsprophylaxe durchgeführt werden (ProMED, 8. August 2008).
Hepatitis A in MikronesienAuf der mikronesischen Insel Chuuk wird ein Hepatitis-Ausbruch gemeldet. Der Ausbruch wird schon seit einigen Wochen beobachtet. Seit Juni werden jedoch zunehmend weniger Erkrankungsfälle diagnostiziert. Als Ursache für den Ausbruch werden die starken Regenfälle mit den daraus resultierenden Überflutungen der Trinkwasser- und Abwasser-Systeme und einer Kontamination des Trinkwassers genannt. Die benachbarte Insel Guam hat mittlerweile Einreise-Beschränkungen ausgesprochen. Danach müssen Reisende aus Chuuk nachweisen, dass sie nicht an Hepatitis A erkrankt oder infiziert sind. Im Fall einer Quarantäne haben danach die Reisenden alle Kosten zu tragen. Reisende nach Guam und vor allem aus der Insel Chuuk sollten sich über die Formalitäten vorab informieren. Grundsätzlich ist eine Hepatitis A-Impfung vor Reisen in die pazifische Inselwelt dringend zu empfehlen (ProMED, 7. August 2008).
Tollwut in VenezuelaIn einem entlegenen Urwaldgebiet in Venezuela sind in den letzten Monaten rund 40 Indianer vom Stamm der Warao-Indianer an einer mysteriösen Erkrankung verstorben. Allein seit Juni dieses Jahres wurden 16 Todesfälle beobachtet. Mittlerweile glauben die Gesundheitsbehörden die Lösung gefunden zu haben. Danach könnte es sich um die Tollwut handeln, die von sog. Vampir-Fledermäusen übertragen wird. In erster Linie handelt es sich um Fledermäuse der Art Desmodus rotundus. Diese Fledermäuse flattern nachts auf ihre Opfer, ritzen eine leichte Wunde und lecken das auftretende Blut. Menschen sind davon üblicherweise nur in Ausnahmefällen betroffen. Sie können jedoch beim Schlafen im Freien oder bei Fehlen anderer Wirte für die Fledermäuse zu wichtigen Wirten werden. Die Region ist keine Reiseregion. Reisende aus humanitären Gründen in die genannte Region sollten über einen Immunschutz gegen Tollwut verfügen (ProMED, 7. August 2008).