KW 29 / 2008: Epidemiologische Informationen

Affenpocken in der Demokratischen Republik KongoIn der Region Bokungu in der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens 39 Menschen an den Affenpocken erkrankt. Die Hälfte der erkrankten Patienten sind Kinder im Alter unter fünf Jahren. 3 Patienten sind bisher verstorben. U.a. erkrankte auch der Leiter des medizinischen Teams vor Ort durch Kontakt mit einem erkrankten Kind. Das Reservoir des Affenpocken-Virus ist in Kleinnagern zu finden. Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt mit Nagetieren (als Nahrung), mit Affen (als Haustiere, Nahrung) oder direkt von Mensch zu Mensch. Die Erkrankung tritt insbesondere in den schwer zugänglichen Urwaldregionen Zentralafrikas auf. Normalreisende sind daher nicht gefährdet.
Die Erkrankung kann jedoch eine Gefahr für Entwicklungshelfer u.ä. darstellen. Die Pockenimpfung schützt vor einer Infektion mit dem Affenpocken-Virus (ProMED, 14. Juli 2008).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in RusslandIm russischen Bashkortostan sind in diesem Jahr schon mehr als 400 Menschen an Hämorrhagischem Fieber mit Renalem Syndrom erkrankt. 2 Patienten sind verstorben. Dies entspricht einer Verdopplung der Fallzahlen zum Vorjahr. Es handelt sich um eine Hantavirus-Infektion, die durch Nagetiere übertragen wird. Hauptüberträger dürfte die Rötelmaus sein. Erreger der vorliegenden Form ist das Puumala Virus. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch aerogene Aufnahme des Virus mittels Viruskontaminiertem Staub. Bashkortostan liegt im Süden des Urals. Reisende in diese Region sollten Maßnahmen vor direktem Kontakt mit Nagetieren und von durch diese Tiere kontaminierten Gegenständen vermeiden (ProMED, 14. Juli 2008).
Milzbrand in KirgisienWie auch in anderen Staaten Zentralasiens ist in Teilen Kirgisiens eine erhöhte Milzbrand-Aktivität zu verzeichnen. Es ist augenblicklich von 9 bestätigten humanen Erkrankungsfällen, von weiteren 34 Verdachtsfällen und von mindestens einem Todesfall die Rede. Es handelt sich nach den Angaben der Gesundheitsbehörden ausschließlich um Fälle von Hautmilzbrand. Betroffen sind insbesondere die Provinzen Jalalabad und Osh. Nach den Angaben des nationalen veterinärmedizinischen Dienstes finden sich im gesamten Land kontaminierte Weiden. Reisende in die zentralasiatische Region sollten jeden direkten Kontakt mit Haustieren und insbesondere mit erkrankten Tieren und deren Kadavern vermeiden (ProMED, 13./17. Juli 2008).
Gelbfieber in BrasilienIm brasilianischen Bundesstaat Bahia ist in der Nähe der Stadt Salvador im Küstenwald ein Affe am Gelbfieber verendet. Es handelt sich um den ersten Fall eines Gelbfiebers in der Region. Das gesamte Ausmaß des Ausbruchs ist aktuell unklar. Im Umkreis von 500 Metern um den toten Affen wurden alle Bewohner gegen Gelbfieber geimpft. Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass keine größere Gefahr für die Bewohner und insbesondere der nahe gelegenen Stadt Salvador besteht. Reisende nach Brasilien sollten über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 12. Juli 2008).
Masern in den USAIn den USA wird aktuell der größte Masern-Ausbruch seit mehr als einem Jahrzehnt beobachtet. In insgesamt 15 Bundesstaaten sind mehr als 70 Menschen an den Masern erkrankt. Die Masern wurden von Reisenden aus Europa im Mai 2008 eingeschleppt. Seither breiten sich die Masern in den USA aus. Reisende in die USA sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Masern verfügen zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz vor einer Einschleppung der Masern in die USA (ProMED, 11. Juli 2008).
Hand-Fuß-Mund-Krankheit in der MongoleiSeit Auftreten erster Erkrankungsfälle der Hand-Fuß-Mund-Krankheit im Mai 2008 sind mehr als 2.600 Menschen an der Infektion durch Enteroviren erkrankt. Betroffen sind mittlerweile mindestens 90% aller Provinzen der Mongolei. Beim überwiegenden Teil der Erkrankten handelt es sich um Kinder im Alter unter 10 Jahren. Als Erreger konnte in den meisten Fällen Enterovirus vom Serotyp 71 identifiziert werden, jedoch scheint ein kleiner Teil der Infektionen auch durch andere Enteroviren verursacht zu sein. Die Infektion erfolgt durch direkte oder indirekte Infektion (Kontaktinfektion). Reisende in die Mongolei sollte alle Empfehlungen der persönlichen Hygiene strikt befolgen (ProMED, 15. Juli 2008).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in SüdafrikaIn der südafrikanischen Provinz East Cape ist eine Person, ein Farmer und Berufsjäger, am Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber erkrankt. Er befindet sich in kritischem Zustand. Die Infektion erfolgte durch einen Zeckenstich Anfang Juli. Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber tritt in verschiedenen Regionen Südafrikas auf. Jährlich werden zwischen 5 und bis zu 25 Erkrankungsfälle registriert. Betroffen sind in erster Linie Farmer, Farmarbeiter, Jäger und Schlachthofarbeiter. Für Reisende besteht dann ein Risiko, wenn sie Aktivitäten entwickeln, die einen Kontakt mit Zecken ermöglichen oder wenn sie direkten Kontakt mit dem Blut infizierter Tiere haben (z.B. Jäger). Reisende nach Südafrika sollten daher Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Zecken und direktem Kontakt mit Blut von Haus- oder Jagdtieren durchführen (ProMED, 17. Juli 2008).
La Crosse Enzephalitis in den USAIm US-Bundesstaat North Carolina sind 2 Kinder an La Crosse Enzephalitis erkrankt. Es handelt sich um eine Virusinfektion, die von einem Virus der Gruppe California Enzephalitis Viren aus der Familie Bunyaviridae verursacht wird. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch Stechmücken und hier vor allem in Wäldern brütenden Stechmückenarten. Über die Rolle von Aedes albopicus als Brückenwirt wird diskutiert, es liegen jedoch dafür bisher keine eindeutigen Daten vor. Die Infektion führt in einem Teil der Infizierten zu einer aseptischen Meningitis und in seltenen Fällen zu einer Enzephalitis. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich insbesondere im mittleren Westen der USA. In North Carolina zählt der westliche Teil des Bundesstaats zu den endemischen Gebieten. Reisende sollten bei Außenaktivitäten in der Nähe von Wäldern Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken-Stichen durchführen (ProMED, 17. Juli 2008).
Östliche Pferdeenzephalitis in den USAIm US-Bundesstaat Alabama ist ein Baby an der Östlichen Pferdeenzephalitis erkrankt. Betroffen ist die Region des Baldwin County im Süden des Bundesstaats am Golf von Texas. Genauere Informationen zum Zustand des Babys wurden nicht gemacht. Die Östliche Pferdeenzephalitis gilt als die am schwersten verlaufende Form der amerikanischen Pferdeenzephalitiden mit einer Letalität von 30 bis 80% und einem hohen Prozentsatz von bleibenden neurologischen Schäden bei den Überlebenden. Reisende in die Golfregion der USA sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 18. Juli 2008).
Tollwut in SüdafrikaIn der südafrikanischen Provinz East Cape ist ein Mädchen an Tollwut erkrankt und verstorben. Als vermutlicher Überträger wurde ein streunender Hund identifiziert, der jedoch kurz nach der Bissattacke verstarb und für Untersuchungen nicht mehr zur Verfügung steht. Der Fall erinnert daran, dass die Tollwut im gesamten Süden Afrikas endemisch vorkommt. Die meisten Übertragungen erfolgen durch streunende verwilderte Hunde (sog. urbane Übertragungsform). Reisende nach Südafrika sollten jeden direkten Kontakt mit Hunden vermeiden. Bei Schleimhautkontakten oder die Haut penetrierenden Verletzungen durch Hunde oder Wildtiere sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei Reisen mit einem erhöhten Risiko von Tierkontakten sollte eine präexpositionelle Tollwut-Impfung durchgeführt werden (ProMED, 17. Juli 2008).
Poliomyelitis weltweitNach den neuesten Informationen der Poliomyelitis-Eradikations-Gruppe der WHO sind seit Jahresbeginn schon rund 800 Fälle von Polio weltweit aufgetreten. Dies bedeutet fast eine Verdreifachung der gemeldeten Erkrankungsfälle im Vergleich zum Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Rund 90% der Polio Serotyp 1-Infektionen werden aus dem Norden Nigerias gemeldet. Ein Erkrankungsfall einer Polio-1-Infektion wurde jetzt aus Pakistan gemeldet. Dort ist im umkämpften Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan ein 7monatiges Baby erkrankt. Bekämpfungsmaßnahmen sind aufgrund der instabilen Lage schwierig oder sogar unmöglich. Aktuell gelten Afrika und Zentralasien mit dem indischen Subkontinent weiterhin als Polio-endemisch. Reisende in diese Regionen sollten über einen gültigen Immunschutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 18. Juli 2008).