KW 28 / 2008: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in KasachstanIn der Region Kyzylorda in Zentral-Kasachstan sind mindestens 3 Personen mit Verdacht auf Milzbrand in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Infektionsquelle scheint eine kranke Kuh zu sein, die unter Teilnahme der 3 Erkrankten geschlachtet worden war. Vermutlich handelt es sich dabei um Hautmilzbrand, der durch Hautkontakt mit infiziertem Material (Blut, Gewebe) entsteht. Milzbrand tritt in allen zentralasiatischen Ländern auf. Ausgangspunkt der Infektionen sind meist Haustiere, die in krankem Zustand geschlachtet werden und deren Fleisch unkontrolliert verkauft wird. Reisende in diesen Ländern sollten grundsätzlich kein Fleisch von Straßenverkäufern kaufen (ProMED, 8. Juli 2008).
Milzbrand in RusslandIn der russischen autonomen Region Buriatien sind mindestens 2 Menschen am Milzbrand erkrankt. Für zwei weitere Patienten steht die bestätigende Diagnostik noch aus. Buriatien liegt östlich des Baikalsees in Zentral-Sibirien. Aus der Region werden vereinzelt Fälle von Milzbrand gemeldet. Genauere Zahlen sind nicht verfügbar. Es scheint Weiden zu geben, die bekanntermaßen mit Milzbrand verseucht sind. Diese Weiden sollen nicht mehr benutzt werden. Rinder, die krank sind, werden teilweise notgeschlachtet und das Fleisch noch auf dem Schwarzmarkt ohne veterinärmedizinische Kontrolle verkauft. Reisende nach Russland sollten Fleisch unklarer Herkunft vermeiden (ProMED; 8. Juli 2008).
Dengue Fieber in VenezuelaIn Venezuela sind im Jahr 2008 bisher mehr als 27.000 Erkrankungsfälle von Dengue Fieber aufgetreten. Dies bedeutet eine Zunahme der Erkrankungsfälle im Vergleich zum Vorjahr von rund 20%. Die höchste Erkrankungszahl wird im Bundesstaat Zulia registriert. Gefolgt wird Zulia von den Bundesstaaten Merida, Lara und Monagas. Insgesamt wird die Zahl der Infektionen auf mehr als 270.000 geschätzt. Die aktuelle Zahl der Fälle an hämorrhagischem Dengue-Fieber und die Zahl der Todesfälle wurde nicht mitgeteilt. Reisende nach Venezuela und insbesondere in die genannten Bundesstaaten sollten die Empfehlungen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED 7. Juli 2008).
West Nil Fieber in der Karibik und in SüdamerikaWest Nil Fieber breitet sich weiter über den amerikansichen Kontinent aus. Mittlerweile kann das Virus auf verschiedenen karibischen Inseln, u.a. den Cayman Inseln, Guadeloupe, der Dominikanischen Republik und Jamaika isoliert werden. Serologisch gelang der Nachweis einer Virusaktivität auf Kuba, in Puerto Rico und auf den Bahamas. In Südamerika konnte Aktivität in Kolumbien und auf Trinidad nachgewiesen werden. Reisende in die genannten Länder sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken-Stichen durchführen, insbesondere in Gebieten mit erhöhten Stechmücken-Populationen (ProMED, 7. Juli 2008).
Östliche Pferdeenzephalitis in Florida, USAIm US-Bundesstaat Florida sind in diesem Jahr schon 45 Pferde an der Östlichen Pferdeenzephalitis aufgetreten. Alle erkrankten Pferde sind verstorben. Dies bedeutet einen Anstieg der Fallzahlen zum Vorjahr um das Vierfache. In einigen Regionen Floridas sind erstmals seit Menschen Gedenken Erkrankungsfälle aufgetreten. Die Östliche Pferdeenzephalitis wird von Stechmücken auf den Menschen übertragen. Sie gilt als die gefährlichste Form der amerikanischen Pferdeenzephalitiden mit einer Letalität oder schweren bleibenden neurologischen Schäden von bis zu 80%. Das Risiko für Menschen wird als gering eingeschätzt, da die Stechmücken in erster Linie ornitophil sind. Reisende nach Florida sollten bei hoher Stechmücken-Aktivität Maßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen durchführen (ProMED, 6. Juli 2008).
Masern in GroßbritannienIn England, Wales und Schottland sind seit Jahresbeginn mehr als 500 Masern-Erkrankungsfälle aufgetreten. Ein immunsupprimierter Patient ist an den Masern verstorben. Die englischen Gesundheitsbehörden vermelden, dass 14 Jahre nachdem eine autochthone Übertragung der Masern in Großbritannien gestoppt worden war, die Masern wieder endemisch auftreten. Ein wichtiger Grund für das Widerauftreten der Masern ist die geringe Durchimpfungsrate der jungen Bevölkerung aufgrund von unbegründeten Befürchtungen, die Masern-Impfung könnte zu Autismus führen. Reisende nach Großbritannien sollten über einen Masern-Immunschutz verfügen (ProMED, 6. Juli 2008).
Hendra Virus in AustralienIn der Nähe der australischen Stadt Brisbane sind bei Pferden drei Fälle von Hendra Virus-Infektionen aufgetreten. Eines der Pferde war verstorben und ein zweites war eingeschläfert worden. Der Besitz, auf dem die Pferde standen, wurde geschlossen. Hendra Virus gehört in die Familie der Paramyxoviren und bildet gemeinsam mit dem verwandten Nipah-Virus die Gattung Henipavirus. 1994 war ein bekannter Pferdetrainer an einer Hendra Virus-Infektion verstorben. Das Reservoir des Virus wird in Flughunden vermutet. Reisende sollten sich von Flughunden und vor erkrankten Pferden fern halten (ProMED, 8. Juli 2008).
Hand-Fuß-Mund-Krankheit in TaiwanIn Taiwan sind im Jahr 2008 schon mindestens 200.000 Kinder an der Hand-Fuß-Mund-Krankheit erkrankt. Davon verliefen mehr als 300 Erkrankungen unter einem schweren Krankheitsbild (Meningitis/Enzephalitis/Multiorganversagen ?) und 10 Patienten verstarben an der Infektion. Am häufigsten wird Coxsackie Virus B5 nachgewiesen. Die schweren und tödlich verlaufenden Erkrankungsfälle waren jedoch zum allergrößten Teil (> 90%) von Enterovirus Typ 71 verursacht, das als Verursacher schwerer Infektionen bekannt ist. Es besteht weiterhin eine epidemische Situation. Reisende, insbesondere mit Kindern, sollten die Empfehlungen der persönlichen Hygiene strikt befolgen (ProMED, 9. Juli 2008).
Milzbrand in VietnamIn der vietnamesischen Provinz Ha Giang sind möglicherweise mehr als 400 Menschen mit Milzbrand infiziert. Die Personen gehören zu einer Gruppe, die Fleisch von zwei an Milzbrand verstorbenen Rindern gegessen hatten. Mindestens 2 Todesfälle sind schon aufgetreten, drei weitere Patienten befinden sich aktuell in kritischem Zustand in Krankenhäusern der Region. Nähere Informationen zum Geschehen und auch zur früheren Milzbrand-Situation in der betroffenen Region und in Vietnam insgesamt sind nicht verfügbar. Reisende nach Vietnam sollten möglichst den Genuss von nicht ausreichend durchgegartem Fleisch und den Kauf von Fleisch von Straßenverkäufern vermeiden (ProMED, 9. Juli 2008).
Pest in den USAIm US-Bundesstaat South Dakota wird aktuell eine hohe Pestaktivität unter den Präriehund-Populationen beobachtet. Bisher wurden keine menschlichen Erkrankungsfälle registriert. Allerdings sehen Experten den Bestand der äußerst seltenen Schwarzfuß-Frettchen als bedroht an, deren Hauptnahrung aus Präriehunden besteht. Die Aktivität ist insbesondere auch in den Nationalparks des Bundesstaats (z.B. Badlands Nationalpark) zu beobachten. Reisende in diese Regionen der Prärie sollten jeden direkten Kontakt mit Präriehunden und insbesondere mit deren Kadavern vermeiden (ProMED, 9. Juli 2008).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in RusslandIn Teilen des europäischen Teils Russlands wird eine hohe Aktivität von Hämorrhagischem Fieber mit Renalem Syndrom beobachtet. In Tatarstan in der mittleren Wolgaregion sind allein mehr als 65 Erkrankungsfälle diagnostiziert worden. Ein Patient ist an der Infektion verstorben. Die Infektionen erfolgen nach Auskunft der russischen Gesundheitsbehörden im Rahmen von Waldaufenthalten oder beim Fischen in den Seen und Flüssen. Aufgrund des milden Winters rechnen die lokalen Zoologen mit deutlich höheren Mäusepopulationen und damit mit einer höheren Virusaktivität. Zur Identität des Hantavirus-Typs wurden keine Angaben gemacht. Reisende in den genannten Teil Russlands sollten bei Aufenthalten in der Natur oder in ländlichen Hütten Kontakte zu Nagetieren und deren Exkrementen vermeiden (ProMED, 11. Juli 2008).
Botulismus in RusslandIn der russischen Region Tatastan am Mittellauf der Wolga sind in diesem Jahr schon 7 Fälle von Botulismus aufgetreten. Im gesamten Vorjahr 2007 wurden in der Region ebenfalls 7 Fälle identifiziert. Als Infektionsquelle konnte in allen Fällen geräucherter Fisch identifiziert werden, der in illegalen Straßenverkäufen an Bus- und Bahnhaltestellen und in der Nähe von Märkten oder Geschäften angeboten wird.. Während im Herbst und Winter in der Region Botulismusfälle durch eingemachtes Gemüse oder eingemachte Pilze als Infektionsquelle im Vordergrund stehen, wird im Sommer in ganz Russland geräucherte Fische als Hauptursache von Botulismus gesehen. Reisende nach Russland sollten keinen geräucherten Fisch an Straßenständen oder bei privaten Verkaufsständen kaufen (ProMED, 10. Juli 2008).
Masern in AustralienIn Australien liegt die Zahl der Masern-Erkrankten rund achtmal höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Betroffen sind insbesondere die beiden australischen Bundesstaaten New South Wales und Queensland. Die Masern treten vorwiegend bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen auf. Durch die erhöhte Viruszirkulation werden auch eine Reihe von Erkrankungsfällen bei Säuglingen diagnostiziert, die aufgrund des Alters noch nicht geimpft werden können. Dies ist ein deutlicher Hinweis für den geringer werdenden Populationsschutz. Reisende nach Australien und insbesondere in die beiden genannten Bundesstaaten sollten über einen ausreichenden Masern-Immunschutz verfügen (ProMED, 10. Juli 2008).
Onychomadesis in SpanienIn Spanien sind 21 Kinder an einer Erkrankung der Finger- und Zehennägel erkrankt, der sog. Onychomadesis. Dabei handelt es sich um eine Infektion des Nagelbetts mit Coxsackieviren, die in einem Teil der Fälle zu entzündlichen Veränderungen des Nagelbetts mit Ablösung des betroffenen Nagels führt. Die Erkrankung kann als Nagelform der Hand-Fuß-Mund-Krankheit angesehen werden, die durch identische Enteroviren verursacht wird. Bisher ist die Erkrankung auf Valencia und die Umgebung der spanischen Stadt beschränkt. Enteroviren werden fäkal-oral oder durch Kontaktinfektion übertragen. Reisende, insbesondere mit Kindern nach Valencia und in die Umgebung, sollten die Empfehlungen der individuellen persönlichen Hygiene befolgen (ProMED, 10. Juli 2008).
Marburg Hämorrhagisches Fieber in den Niederlanden aus UgandaIn der niederländischen Stadt Leiden ist ein Reiserückkehrerin aus Uganda am Marburg Hämorrhagischen Fieber erkrankt. Die 40jährige Patientin war nach der Rückkehr von einem Urlaub in Uganda an einem fieberhaften Infekt erkrankt, der sich nach Abklärung anderer Ursachen als Marburg Hämorrhagisches Fieber herausstellte. Die Diagnose wurde am Hamburger Tropeninstitut virologisch bestätigt. Die Patientin hatte 2 Höhlen in Uganda besucht und betreten, die mit großen Populationen von Fledermäusen, den vermutetem Reservoir des Marburg Virus, bewohnt waren. Eine Infektion erfolgte vermutlich durch Inhalation oder direkten Kontakt von Fledermauskot. Über den aktuellen Zustand der Patientin gibt es aktuell keine Aussagen. Reisende nach Zentralafrika sollten möglichst Fledermaus-bewohnte Höhlen meiden, da hier auch weitere gesundheitliche Risiken (u.a. Tollwut) bestehen können. Bei fieberhaften Infekten nach Tropenaufenthalt sollte auch an seltene Infektionskrankheiten gedacht werden und eine sorgfältige Reise- und Aktivitätsanamnese gemacht werden (ProMED, 10. Juli 2008).