KW 27 / 2008: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in IndienIm indischen Bundesstaat Orissa sind mindestens 15 Menschen am Milzbrand erkrankt. Es handelt sich augenblicklich um mindestens 2 unterschiedliche Ausbrüche. Als Infektionsquelle konnte wiederum der Verzehr infizierten Fleisches identifiziert werden. Es handelt sich damit vermutlich in erster Linie um die klinische Form des Darm-Milzbrands. In der gleichen betroffenen Region sind seit März dieses Jahres und auch schon im Jahr 2008 Milzbrand-Fälle bei Menschen bekannt geworden. Damit muss die Erkrankung als endemisch eingestuft werden. Reisende in den genannten Bundesstaat im Osten des Subkontinents sollten jeden Kontakt zu erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermeiden. Fleisch sollte ausschließlich in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 29. Juni2. Juli 2009).
Pest in AlgerienNach bisher unbestätigten Berichten sind in Algerien in den letzten Wochen bis zu 50 Pestfälle aufgetreten. Bisher gibt es möglicherweise bis zu 3 Todesfälle durch die Infektion. Die erhöhte Pestaktivität ereignet sich im Grenzgebiet zwischen Algerien und Libyen. Die nomadisierenden Beduinenstämme wandern über die Grenze und verbringen damit die Erkrankung auf beide Seiten der Grenze. Die algerischen Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass der Pesterreger in den vorhandenen großen Nagerpopulationen verbreitet wird und bei direktem Kontakt mit kranken oder toten Nagetieren der Pestfloh auf den Menschen übergeht und die Infektion überträgt. Reisende in die nordafrikanischen Länder sollten jeden Kontakt mit lebenden oder toten Nagetieren vermeiden (PorMED, 1. Juli 2009).
Brucellose in RusslandIn der Region Omsk im russischen Westsibirien sind vermutlich rund 40 Menschen an Brucellose erkrankt. Die Patienten gehören zu einer Gruppe von rund 300 Menschen, die mit infizierten Tieren (Rindern, Schafen, Schweinen) Kontakt hatten. Informationen zur genauen Infektionsquelle und zum Erregertyp wurden nicht gemacht. Brucellose wird durch tierische Produkte (z.B. unbehandelte Milch, Frischkäse) übertragen. Aktuell sollten in den ländlichen Regionen der Region Omsk tierische Produkte nur in vorbehandeltem Zustand verzehrt werden (ProMED, 1. Juli 2009).
Östliche Pferdeenzephalitis in den USAIm Leon County im US-Bundesstaat Florida sind 2 Pferde an der Östlichen Form der Amerikanischen Pferdeenzephalitiden erkrankt. Die Gesundheitsbehörden haben daraufhin eine Meldung an die Bewohner ausgegeben, dass aktuell eine erhöhte Virusaktivität zu verzeichnen ist und dass den Bewohnern des betroffenen Counties Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken dringend angeraten werden. In Louisiana ist ein Pferd in Rapides Parish ebenfalls an der Östlichen Pferdeenzephalitis erkrankt und verstorben. Die Östliche Pferdeenzephalitis wird durch ein Virus gleichen Namens übertragen, das durch Stechmücken übertragen wird. Sie gilt als die am schwersten verlaufende Form der Pferdenzephalitiden mit Letalitätsraten um 30% und einer hohen Raten schwerer bleibender Missbildungen. Reisende nach Florida und Louisiana sollten in Regionen mit erhöhten Stechmückenpopulationen Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 27. Juni/1. Juli 2009).
Mumps in EnglandMumps breiten sich weiter auf der britischen Insel auf. In der Grafschaft Cumbria hat sich die Zahl der Mumps-Infektionen innerhalb einer Woche von 12 auf 23 fast verdoppelt. Die Gesundheitsbehörden gehen von einer Ausbruchssituation aus. Betroffen sind insbesondere junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, die Colleges oder Universitäten besuchen. Vermutlich hat ein Großteil der Erkrankten keine oder nur eine einzige MMR-Impfung bekommen. Dabei werden immer wieder Impfversager beobachtet, da die Mumps-Komponente des Impfstoffs sehr temperatursensitiv ist und schon bei kurzen Zeitverzögerungen bis zur Impfung ihre Aktivität einbüßen kann. Reisende nach England sollten grundsätzlich über eine Mumpsimmunität (dokumentiert durchgemachte Infektion oder zwei (MMR-Impfungen) verfügen (ProMED, 30. Juni 2009).
Milzbrand in KanadaIn der kanadischen Provinz Saskatchewan ist der erste Fall von Milzbrand in diesem Jahr bei einem Rind identifiziert worden. In großen Teilen der kanadischen Prärieregion sind Milzbrand-Sporen im Erdreich vorhanden und können so zu Erkrankungen bei Rindern führen. Menschliche Infektionen sind sehr selten und entstehen meist durch direkten Kontakt mit erkrankten Rindern oder Bisons, deren Kadavern oder mit deren Fleisch. Reisende in den Prärien Kanadas sollten jeden direkten Kontakt mit erkrankten oder toten Rindern und Bisons oder deren Kadavern vermeiden (ProMED, 30. Juni 2009).
Dengue-Fieber auf den PhilippinenAuf der philippinischen Hauptinsel Luzon ist Dengue-Fieber ausgebrochen. Betroffen ist die Stadt Santiago City, rund 300 km nördlich der philippinischen Hauptstadt Manila. Es ist von mehr als 60 Erkrankungsfällen innerhalb des Monats Juni die Rede, darunter mindestens 2 Todesfälle. Damit sind im Juni rund ein Drittel aller in diesem Jahr aufgetretenen Dengue-Fälle in Santiago City aufgetreten. Vergleichende Zahlen zeigen eine deutlich höhere Aktivität des Dengue-Virus in diesem Jahr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Reisende auf die Philippinen und insbesondere auf die Insel Luzon sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 29. Juni 2009).
Chikungunya-Fieber in IndienIm indischen Bundesstaat Karnataka werden ansteigende Erkrankungszahlen mit Chikungunya-Fieber registriert. Die Situation in mehreren Distrikten des Bundesstaats wird beschrieben, dass Patienten mit Chikungunya-Fieber die Krankenhäuser augenblicklich „überschwemmen“. Genauere Daten über das wahre Ausmaß des Ausbruchs sind aktuell nur schwer zu bekommen, da nur Fälle in Privatkliniken wohl ausreichend sicher diagnostiziert werden und vermutlich gleichzeitig auch eine erhöhte Dengue-Fieberaktivität zu verzeichnen ist. Reisende nach Indien und insbesondere nach Karnataka sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 29. Juni 2009).
Q Fieber in den NiederlandenAus Teilen der Niederlande wird weiterhin eine hohe Zahl von Neuerkrankungen an Q Fieber gemeldet, was auf eine weiter bestehende epidemische Ausbruchssituation hindeutet. Seit Beginn des Ausbruchsgeschehens im Jahr 2008 waren mehr als 1.000 Erkrankungsfälle diagnostiziert worden im Vergleich zu etwa 170 Fällen im gesamten Jahr 2007. Es sind aktuell auch mindestens 3 Todesfälle durch Q Fieber-Infektionen zu verzeichnen. Q Fieber wird durch Ausscheidungen von Schafen während des Geburtsvorgangs ausgeschieden und übertragen. Der Erreger kann durch Antrocknen an Staub auch als Aerosol über den Wind über weite Strecken verbreitet werden. Bei Reiserückkehrern aus den Niederlanden mit respiratorischer Symptomatik sollte ein Q Fieber diagnostisch ausgeschlossen werden (ProMED, 27. Juni 2009).
Chromobakteriose in den USAIm US-Bundesstaat North Carolina ist ein 14 jähriger Junge an einer sehr seltenen Infektion mit dem Bakterium Chromobacterium violaceum erkrankt. Er zeigte dabei eine nekrotisierende Weichteil-Infektion im Gesicht, die zur operativen Entfernung von einem Nasenflügel und Teilen des Oberkiefers einschließlich mehrerer Zähne führte. Die Infektionsquelle wird im Wasser eines Sees gesehen, in dem der Junge badete. Bisher sind seit 1927 nur 150 entsprechende Infektionen bekannt geworden. Die Infektion manifestiert sich als nekrotisierende, abszedierende Weichteil-Infektion. Immunsupprimierte Patienten sind bevorzugt betroffen. In dem nicht näher genannten See wurde vermutlich schon einmal eine entsprechende Infektion von einem anderen Patienten erworben. Da es weitere Infektionen mit entsprechenden Eigenschaften gibt, sollten Reisende mit Grunderkrankungen (Immunsuppression, metabolische Störungen, Lebererkrankungen) grundsätzlich Kontakte mit Oberflächen-Gewässern und Wasser-Durchtränkter Erde vermeiden (ProMED, 29. Juni 2009).
Gastroenteritis in ItalienDie italienische Region um den Gardasee ist augenblicklich von einem Ausbruch mit Gastroenteritis betroffen. Nach Angaben mehrerer nationaler und auch internationaler Zeitungen sind in den vergangenen Tagen insbesondere in der Stadt San Felice del Benaco mehr als 2000 Menschen an Durchfallerkrankungen erkrankt, mindestens 100 Patienten zeigten eine so schwere Symptomatik, dass sie in Krankenhäuser eingewiesen wurden. Als Ursache konnten mehrere Keime (u.a. Rota- und Noroviren) im Wasser der öffentlichen Trinkwasser Leitungen nachgewiesen werden, so dass augenblicklich von einer Einbringung von Durchfallkeimen in das Trinkwassersystem durch eine Leckage ausgegangen wird. Reisende an den Gardasee sollten deshalb in der genannten Stadt und deren Umgebung augenblicklich alles Wasser nur in abgekochtem Zustand verwenden (ProMED, 27. Juni 2009).
Tollwut in den USAInnerhalb weniger Stunden sind in den beiden US-Städten Durham und Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina Menschen von tollwütigen Füchsen angefallen und verletzt worden. In Durham wurde ein vierjähriges Mädchen in einem umzäunten Kindergarten-Spielplatz von einem tollwütigen Fuchs verletzt. Weiter wurden zwei Frauen in Chapel Hill ebenfalls von einem Fuchs angefallen. Die Fälle von Attacken tollwütiger Wildtiere gegen Menschen häufen sich augenblicklich stark. Dies weist auf eine hohe Tollwut-Aktivität bei Wildtieren im Osten der USA hin. Reisende dorthin sollten jeden direkten Kontakt mit Wildtieren vermeiden, insbesondere wenn diese ein auffällig zahmes oder aggressives Verhalten zeigen (ProMED, 30. Juni 2009).