KW 26 / 2008: Epidemiologische Informationen

West Nil-Virus-Infektion in Vereinigte Arabische EmirateDas Wasser- und Umweltministerium der Vereinigten Arabischen Emirate hat die Welt-Tiergesundheits-Datenbank der OIE informiert, dass auf einer Farm ein Fall von West Nil Fieber bei einem Pferd aufgetreten ist. Das Pferd gehört zu einer Herde von mehr als 230 Tieren. Bisher ist es der einzige Krankheitsfall bei den Tieren. West Nil-Virus wird durch Stechmücken der Gattung Culex übertragen. Das Ausmaß der Virus-Aktivität ist bisher unklar, es ist jedoch von einer erhöhten Stechmücken-Aktivität auszugehen. Reisende in die Emirate sollten Gebiete mit erhöhten Stechmücken-Populationen meiden oder ggf. Maßnahmen zum Schutz vor einer Stechmücken-Exposition ergreifen (ProMED, 25. Juni 2008).
Milzbrand in IndienIm indischen Bundesstaat Gujarat treten vermehrt Fälle von Milzbrand bei Hausrindern und bei Wildrindern, bzw. Wasserbüffeln auf. Mindestens 8 Tiere sind am Milzbrand verendet. Mittlerweile befürchten die Behörden, dass sich die vom Aussterben bedrohten asiatischen Löwen infizieren könnten. Deshalb wurden Maßnahmen ergriffen, um die Löwen von den Kadavern der verendeten Haus- und Wildrinder fern zu halten. Für Reisende in die Region gilt, dass jeder direkte oder indirekte Kontakt mit kranken Tieren oder Tierkadavern vermieden werden sollte (ProMED, 24. Juni 2008).
Bleivergiftung im SenegalIn einem Stadtteil der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist eine Reihe von Kindern verstorben. Auf Anforderung der Regierung wurden die Todesfälle von einer Kommission der WHO untersucht. Dabei zeigte sich eine extrem hohe Bleikonzentration im Blut der verstorbenen Kinder und auch bei Kindern und Erwachsenen mit neurologischen Symptomen in der betroffenen Region. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die hohen Bleikonzentrationen aus der Wohnumgebung der betroffenen Personen stammten und hohe Mengen von Blei mit Staub eingeatmet und oral aufgenommen werden. Das Blei stammt vermutlich aus falsch entsorgten Batterien. Das Beispiel zeigt, dass in verschiedenen Ländern der dritten Welt Umweltgifte teilweise nicht fachgerecht entsorgt werden und daher in diesen Ländern ein erhöhtes Risiko von entsprechenden Intoxikationen besteht. Dies sollte auch bei der Differenzialdiagnose entsprechender Symptome bedacht werden (ProMED, 24. Juni 2008).
Salmonellose in ItalienIn einem Hotel im italienischen Brescia sind mindestens 30 englische Touristen an einer Gastroenteritis erkrankt. 13 Erkrankte wurden in ein Krankenhaus eingewiesen und ein Patient ist an der Infektion verstorben. Als Ursache konnten mittlerweile Salmonellen identifiziert werden, die genaue Typisierung steht jedoch noch aus. Als Infektionsquelle konnte ein Galadiner im Viersterne-Hotel identifiziert werden. Das Beispiel zeigt, dass auch in Hotels der Luxusklasse Nahrungsmittel-Infektionen vorkommen können. In Ländern mit niedrigen Nahrungsmittelstandards sollte daher auch in Luxus-Hotels Vorsicht beim Essen und die Empfehlungen der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene eingehalten werden (ProMED, 26. Juni 2008).
Trichinose in RusslandIn der Region von Tomsk in West-Sibirien sind mindestens 26 Menschen an Trichinose erkrankt. Bei den Erkrankten handelt es sich in erster Linie um Jäger und deren Familienangehörige. Als Infektionsquelle konnte Bärenfleisch identifiziert werden. Der Bär war illegal geschossen worden und das Fleisch ohne Fleischbeschau verzehrt worden. Es werden immer wieder kleinere Ausbrüche durch Verzehr infizierten Bärenfleisches in Russland bekannt. Nachdem die Jagd von Bären in Russland als Jagdurlaub immer beliebter wird, sollte der geschilderte Ausbruch zeigen, dass Bärenfleisch nur nach fachlicher Fleischbeschau verzehrt werden sollte (ProMED, 22. Juni 2008).
Östliche Pferdeenzephalitis in den USAIm US-Bundesstaat Georgia sind innerhalb kurzer Zeit 6 Pferde an der Östlichen Pferdeenzephalitis erkrankt. Insgesamt sind in diesem Jahr damit schon 9 Fälle dieser durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion im US-Bundesstaat aufgetreten, 3 Fälle mehr als im gesamten Vorjahr. Damit ist von einer deutlich erhöhten Aktivität der Infektion in Georgia auszugehen. Die Östliche Pferdeenzephalitis gilt als die am schwersten verlaufende Form der amerikanischen Pferdeenzephalitiden mit Letalitätsraten beim Menschen von bis zu 80%. Reisende in den Süden der USA sollten daher in Gebieten mit erhöhten Stechmücken-Populationen Maßnahmen der Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 22. Juni 2008).
Dengue Fieber in LaosIn der südlichsten Provinz Saravane des südostasiatischen Landes Laos sind in diesem Jahr bereits mehr als 200 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber aufgetreten. 7 Erkrankte sind an der Infektion bisher verstorben. In der Provinz Sekong sind mindestens 73 Menschen erkrankt. Die Situation scheint Hinweis zu sein für eine erhöhte Aktivität der Stechmücken und des Dengue Virus in Laos. Reisende in die Region und auch in die benachbarten Länder sollten daher über das erhöhte Risiko vor Reisebeginn informiert werden und Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken ganztägig durchführen (ProMED, 22. Juni 2008).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in RusslandDie Aktivität des Krim-Kongo Virus in Russland hält an und weitet sich weiter aus. Aktuell werden erstmals in diesem Jahr Erkrankungsfälle in den Regionen Wolgograd und Astrakhan im Süden des europäischen Teils Russlands gemeldet. In Astrakhan ist die Zahl der gemeldeten und behandelten Zeckenbisse rund 20% höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Reisende in die genannten Regionen Russlands sollten Maßnahmen zum Schutz vor einer Exposition mit Zecken durchführen (ProMED, 21. Juni 2008).
Brucellose in GriechenlandAuf der griechischen Insel Thassos wird ein Brucellose-Ausbruch bei Mensch und Tier registriert. Insgesamt sind seit Anfang April bisher mindestens 55 Menschen an der Infektion erkrankt. Als wichtigster Risikofaktor konnte der Genuss von unpasteurisierter Ziegenmilch und Milchprodukten identifiziert werden. Weiter wurde als Risikofaktor eine berufliche Tätigkeit mit Vieh aufgezeigt. Reisende auf die griechische Insel sollten augenblicklich Milchprodukte, insbesondere aus Ziegen- und Schafsmilch nur in aufbereitetem Zustand (pasteurisiert) verzehren (ProMED, 21. Juni 2008).
Hepatitis E in UgandaIn Teilen Ugandas breitet sich die Hepatitis E-Epidemie weiter aus. Mittlerweile ist von mehr als 3.000 Erkrankungsfällen die Rede. Mindestens 64 Erkrankte, meistens Schwangere, sind an der Infektion bisher verstorben. Die Epidemie spielt sich insbesondere im Distrikt Kitgum ab. Als Haupt-Infektionsquelle wird kontaminiertes Wasser angesehen. Insbesondere in den Flüchtlings-Camps und im Norden des Landes scheinen schlechte sanitäre und hygienische Verhältnisse zu herrschen. Reisende in die genannten Regionen sollten alle Empfehlungen der Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 21. Juni 2008).
Röteln in SchottlandIn einem Teil Schottlands sind vermehrt Fälle von Röteln aufgetreten. Genaue Informationen zur Anzahl der Erkrankungsfälle und zur geographischen Verbreitung sind bisher nicht verfügbar. Die schottischen Gesundheitsbehörden haben jedoch eine Warnung ausgegeben, dass alle Eltern Sorge tragen, dass ihre Kinder gegen Röteln geimpft sind. Als ein möglicher Grund für das Auftreten von Röteln wird die Einreise von Saisonarbeitern genannt, die möglicherweise die Röteln eingeschleppt haben. Aufgrund der Angst vor Autismus als Nebenwirkung der Masern-Impfung wurde in den letzten Jahren in Teilen Großbritanniens vermehrt Impflücken gegen Masern, Mumps und Röteln mit kleineren Ausbrüchen der drei Erkrankungen beobachtet. Reisende nach Schottland sollten über einen Schutz gegen Masern, Mumps und Röteln verfügen (ProMED, 20. Juni 2008).
Poliomyelitis in NigeriaIm Norden Nigerias wird eine starke Zunahme von Poliomyelitis-Fällen gemeldet. Genaue Erkrankungszahlen sind bisher nicht verfügbar, es ist jedoch von der stärksten Aktivität seit Jahren die Rede. Aktuell zirkulieren mindestens 2 Virus-Wildtypen, Serotyp 1 und Serotyp 3. Aktuell werden erste Erkrankungsfälle auch in anderen afrikanischen Ländern u.a. im Benin, im Niger und im Tschad beschrieben, die auf eine Einschleppung aus Nigeria zurückgeführt werden können. Experten schreiben dem Ausbruchsgeschehen in Nigeria daher ein hohes Ausbreitungspotential zu. Reisende auf den gesamten afrikanischen Kontinent sollten über eine Immunität gegen die Poliomyelitis-Viren verfügen (ProMED, 19. Juni 2008).
Milzbrand in ArgentinienIn der Region von Buenos Aires sind 2 Rinder aus einer Herde von 30 Tieren am Milzbrand verstorben. Milzbrand ist zu dieser Jahreszeit (Winter) ungewöhnlich und die Ursache des Ausbruchs wird momentan noch erforscht. Eine Möglichkeit besteht in der Verfütterung von kontaminiertem Futter. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass die Herde an einem vergessenen ehemaligen Grab eines an Milzbrand verendeten Tieres gegrast hatte. Der letzte Milzbrand-Fall der Region datiert aus dem Jahr 1969. Reisende in die Pampa-Regionen Argentiniens sollten jeden direkten oder indirekten Kontakt mit verendeten Tieren vermeiden (ProMED, 26. Juni 2008).
Leptospirose auf den PhilippinenDas philippinische Gesundheitsministerium warnt insbesondere die Bewohner der Region von Davao vor einem Ansteigen von Erkrankungsfällen der Leptospirose. Die durch Nagetiere übertragene Infektion tritt aktuell in den in der Region Davao überfluteten Arealen verstärkt auf, da das überflutete Wasser Nagetiere und deren kontaminierte Exkremente anschwemmt. Die Gesundheitsbehörden warnen daher vor dem direkten Kontakt von Haut mit Wasser der überfluteten Regionen. Reisende sollten ebenfalls jeden direkten Wasserkontakt aus überfluteten Regionen vermeiden (ProMED, 26. Juni 2008).
Brucellose in Wyoming, USAIm US-Bundesstaat ist die Brucellose in Tierbeständen ausgebrochen. Damit drohen dem Bundesstaat der Verlust der Brucellose-Freiheit und damit strikte Transport-Beschränkungen für Vieh. Die Behörden suchen nun nach weiteren Fällen in der Herde und in anderen benachbarten Herden. Möglicherweise tritt die Erkrankung auch in den wilden Bisons auf und wird von diesen Wildtieren auf die Rinder übertragen. Für Reisende besteht aktuell nur dann eine Gefahr, wenn es zu direkten Kontakten mit kranken Tieren und insbesondere mit Kadavern von totgeborenen Kälbern oder von Nachgeburten kommt (ProMED, 26. Juni 2008).
Milzbrand in den USAIm US-Bundesstaat North Dakota sind mindestens 2 Rinder am Milzbrand erkrankt und verendet. Das ergaben entsprechende Untersuchungen. In North Dakota werden immer wieder kleinere Milzbrand-Ausbrüche bei Bisons beschrieben, die insbesondere in den dortigen Nationalparks immer wieder auftreten. Für Reisende besteht grundsätzlich keine Gefahr, wenn jeder direkte Kontakt zu kranken oder verendeten Tieren vermieden wird (ProMED, 26. Juni 2008).