KW 25 / 2010: Epidemiologische Informationen

Masern in MalawiDas ostafrikanische Land Malawi meldet weiterhin eine hohe Inzidenz der Masern. Seit dem 10. Mai sind nach behördlichen Meldungen mehr als 9.000 Erkrankungsfälle registriert worden. Bisher sind rund 70 Kinder an den Masern verstorben. Als Ursache für die erhöhte Masernaktivität in Malawi und in anderen Ländern Ost- und Südafrikas wird die zurückgehende Durchimpfungsrate in den betroffenen Ländern verantwortlich gemacht, vor allem aus finanziellen und logistischen Gründen. Reisende nach Malawi und in die gesamte ost- und südafrikanische Region sollen über einen ausreichenden Immunschutz (dokumentiert durchgemachte Infektion oder zweimalige Impfung) verfügen (ProMED, 20. Juni 2010).
Frühsommer-Meningoenzephalitis in SchwedenIn Schweden wurden in diesem Jahr bereits neun Erkrankungsfälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) diagnostiziert. Alle Fälle wurden in bekannten endemischen Regionen in Zentralschweden erworben. Dies entspricht in etwa der Zahl der im gleichen Zeitraum aufgetretenen Erkrankungen (11 Fälle) des Vorjahres. Eine Vorhersage über die weitere Entwicklung der FSME-Aktivität wurde von der nationalen schwedischen Gesundheitsbehörde nicht gegeben. Reisende mit Aktivitäten in der Natur in die gesamte Region Süd- und Mittelschwedens, einschließlich der vor der Küste liegenden Schäreninseln, sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen FSME verfügen (ProMED, 20. Juni 2010).
Leptospirose in Aserbaidschan/Nagorno-KarabakhAus der Autonomen Republik Nagorno-Karabakh, einem Teil der südkaukasischen Republik Aserbaidschan, melden die Gesundheitsbehörden einen Ausbruch mit Leptospirose. Mindestens 14 Personen sind erkrankt und in Krankenhäuser zur Behandlung eingewiesen worden. Nähere Informationen, v.a. über den verursachenden Serotyp und die klinische Verlaufsform, wurden nicht gemacht. Auch über mögliche Infektionsquellen und Übertragungswege wurden keine Informationen mitgeteilt. Reisende in die südkaukasische Region sollen jeden direkten oder indirekten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen (Urin) vermeiden (ProMED; 20. Juni 2010).
Domoinsäure in KalifornienIn Ventura County im Süden des US-Bundesstaats Kalifornien sind innerhalb von zwei Wochen mindestens 15 Seelöwen an Vergiftung mit Domoinsäure an die Küste gespült worden und verendet. Auch von den benachbarten Küstenabschnitten werden entsprechend verendete Seelöwen gemeldet. Domoinsäure wird von Algen gebildet und akkumuliert über die Nahrungskette in Fischen und kann dann bei entsprechend hohen Konzentrationen zu Vergiftungen bei Seelöwen führen. Beim Menschen verursacht es das Amnestische Schalentier-Syndrom, das über Lähmungen zum Tod führen kann. Die verstärkte Algenblüte wird auf das derzeit herrschende El Nino-Phänomen mit erhöhten Temperaturen des Meereswassers zurückgeführt. Reisende sind aufgrund der Kontrollen der gefangenen Fische und Schalentiere bisher nicht gefährdet. Allerdings sollte man augenblicklich bei selbst gefangenen Schalentieren vorsichtig sein (ProMED, 20. Juni 2010).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in RusslandIn der russischen Provinz Mordovia, an der Moldau rund 600 Kilometer östlich von Moskau, wird eine erhöhte Aktivität von Hämorrhagischem Fieber mit Renalem Syndrom gemeldet. In diesem Jahr traten bereits sieben Erkrankungsfälle auf, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres nur zwei waren. Die Zahlen sind noch relativ gering, die Behörden gehen allerdings von einer erhöhten Aktivität in diesem Jahr aus. Es handelt sich vermutlich um Infektionen mit dem Puumala-Virus, übertragen von der Rötelmaus (Myodes glareolus). Die Behörden empfehlen allen Bewohnern dringend jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Sekreten und Exkreten zu vermeiden (ProMED, 20. Juni 2010).
Zeckenenzephalitis in RusslandIn der Region Wologda im Nordwesten Russlands, ca. 500 Kilometer nördlich von Moskau, sind in diesem Jahr bereits neun Fälle von Zeckenenzephalitis aufgetreten. Der verursachende Virussubtyp wurde nicht mitgeteilt. Damit ist es unklar, inwieweit es sich um eine europäische, sibirische oder fernöstliche Form der Erkrankung handelt. Mehr als 3.000 Menschen wurden schon aufgrund von Zeckenstichen medizinisch betreut. Dies bedeutet einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 10%. Obwohl relativ hoch im Norden gelegen, muss mittlerweile auch nördlich von Moskau bis in der Region von Archangelsk mit Zeckenenzephalitis gerechnet werden. Reisende nach Russland, mit Aktivitäten in der Natur, sollten einen ausreichenden Immunschutz gegen Zeckenenzephalitis besitzen (ProMED, 20. Juni 2010).
Pest in ChinaIn der chinesischen Provinz Gansu ist ein Brückenbauarbeiter an der Beulenpest erkrankt und verstorben. Der Arbeiter hatte ein sibirisches Murmeltier gejagt und verzehrt. Vermutlich war das Tier infiziert und die Flöhe des Tieres sind auf den Arbeiter übergesprungen. Trotz einer Einweisung in ein Krankenhaus konnte sein Leben nicht gerettet werden. Die chinesischen Behörden weisen darauf hin, dass Teile, insbesondere der westlichen Provinzen, pest-endemisches Gebiet sind. Reisende sollen jeden direkten Kontakt mit Nagetieren und insbesondere auch mit Nagetier-Kadavern vermeiden (ProMED, 18. Juni 2010).
Tollwut in Sri LankaIn Sri Lanka sind im letzten Jahr 56 Menschen an Tollwut erkrankt und verstorben. Auch in diesem Jahr wurden bereits mindestens acht Todesfälle allein aus Kurungela und Puttalam gemeldet. Überträger sind vor allem streunende Hunde, so dass es sich um eine urbane Übertragungsform der Tollwut handelt, in der Wildtiere nicht von Bedeutung sind. In der Region Kurungela wurden allein im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Hunde gegen Tollwut geimpft. Reisende nach Sri Lanka sollen jeden direkten Kontakt mit Tieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden und im Falle eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED; 21. Juni 2010).
Dengue-Fieber in HondurasIn Honduras sind in diesem Jahr bereits rund 11.000 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt. Knapp 500 Erkrankungen zeigten einen hämorrhagischen Verlauf. Mindestens zehn Patienten sind bisher an der Infektion verstorben. Das Aufkommen von Patienten ist augenblicklich dermaßen groß, dass erwogen wird, um die Krankenhäuser Notfall-Behandlungszelte aufzubauen, da die Bettenkapazitäten der Krankenhäuser nicht mehr ausreichen. Reisende nach Honduras sollen über die augenblickliche Denguefieber-Situation vor Reiseantritt informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Juni 2010).
Dengue-Fieber in Costa RicaIn Costa Rica wurden in diesem Jahr bereits mehr als 7.300 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber gezählt. Dies bedeutet einen Anstieg um rund das Vierfache im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres. Aktuell zirkulieren nach Angaben des Gesundheitsministeriums drei der vier Virus-Serotypen in Costa Rica. Diese Zirkulation mehrerer Virus-Serotypen führt zu einem deutlich erhöhten Risiko von hämorrhagischen Verlaufsformen. Die Gesundheitsbehörden befürchten einen weiteren Anstieg der Erkrankungszahlen, da die Regenzeit jetzt erst beginnt, in der die Zahlen nochmals kräftig ansteigen können. Reisende nach Costa Rica sollen über die augenblickliche Denguefieber-Situation vor Reiseantritt informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Juni 2010).
Dengue-Fieber in VenezuelaIn der Region Barinas in Venezuela sind innerhalb der letzten beiden Wochen rund 70 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Die Gesundheitsbehörden wurden daraufhin alarmiert und es werden allgemeine Bekämpfungsmaßnahmen gegen Stechmücken durchgeführt. Die Behörden befürchten einen weiteren Anstieg der Erkrankungszahlen, da die Regenzeit jetzt erst beginnt. Reisende nach Venezuela und insbesondere in die Region Barinas sollen über die augenblickliche Dengue-Fiebersituation vor Reiseantritt informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Juni 2010).
Dengue-Fieber in ParaguayParaguay meldet eine weitere erhöhte Dengue-Fieberaktivität, insbesondere in den Provinzen Alto Parana, Central und Capital. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits rund 20.000 Verdachtsfälle gemeldet, knapp 10.000 Erkrankungsfälle davon konnten bestätigt werden. Die Behörden gehen weiterhin von einer hohen Aktivität aus, da noch in knapp 30% aller Regionen einen Inzidenz von mehr als 100/100.000 beobachtet wird. Reisende nach Paraguay und insbesondere in die drei genannten Provinzen sollen über die augenblickliche Dengue-Fiebersituation vor Reiseantritt informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Juni 2010).
Tollwut in AserbaidschanIn der Region Aghdam in Aserbaidschan ist ein 12jähriger Junge an Tollwut erkrankt und verstorben. Der Junge war von seinem Hund gebissen worden. Die Verletzung war nur leicht, deshalb hatten die Eltern keinen Arzt aufgesucht. Der Hund war nach dem Biss weggelaufen und konnte bisher nicht mehr gefunden werden. Die letzte Information über Tollwut in Aserbaidschan stammt aus dem Jahr 2007. Grundsätzlich sollen Reisende jeden direkten Kontakt mit unbekannten Tieren oder mit Tieren mit auffälligem Verhalten vermeiden und bei entsprechenden Kontakten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 23. Juni 2010).
Tollwut in ThailandDie thailändischen Behörden warnen vor einer Ausbreitung der Tollwut, nachdem in diesem Jahr bereits 13 Menschen an der Tollwut verstorben sind. Hauptüberträger und verantwortlich für zwölf der 13 Infektionen sind streunende Hunde. Ein Erkrankungsfall war von einer streunenden Katze übertragen worden. Die Hälfte der Erkrankungsfälle stammen aus Bangkok, zwei weitere Fälle aus der westlichen Provinz Kanchanaburi. Die restlichen Fälle sind Einzelfälle aus den Provinzen Saraburi, Samut Prakan, Suphan Buri, Tak und Chon Buri. Bangkok und Kanchanaburi wurden nun zum endemischen Gebiet erklärt. Grundsätzlich sollen Reisende nach Thailand jeden direkten Kontakt mit unbekannten Tieren (auch mit Tempelaffen) oder mit Tieren mit auffälligem Verhalten vermeiden und bei entsprechenden Kontakten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 23. Juni 2010).
Östliche Pferdeenzephalitis in FloridaIn Martin County im US-Bundesstaat wurde bei Überwachungsuntersuchungen bei Hühnerküken das Virus der Östlichen Pferdeenzephalitis nachgewiesen. Es handelt sich um den ersten Nachweis einer Zirkulation dieses Virus im County seit mehr als 30 Jahren. Die Gesundheitsbehörden warnen nun die Bewohner der Region und raten, Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken zu ergreifen und insbesondere in der Dämmerung sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten, lange Kleidung zu tragen und unbedeckte Hautpartien mit einem Repellents zu behandeln. In der Umgebung von Häusern sollten alle potentiellen Brutplätze entfernt werden. Reisende sollen ebenfalls in der Dämmerung eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Juni 2010).
Clenbuterol-Vergiftung in MexikoIm mexikanischen Bundesstaat Jalisco sind in diesem Jahr bereits 22 Menschen an Vergiftung mit dem Wachstumshormon Clenbuterol erkrankt. Im gesamten Vorjahr waren nur insgesamt 17 Vergiftungen bekannt geworden. Clenbuterol wird illegal in der Tiermast verwendet. Beim Menschen führen erhöht aufgenommene Mengen zu Tachykardie, Nervosität, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Muskelzittern. Die Symptome verschwinden meist nach einigen Tagen wieder. In Mexiko nimmt die Zahl der belasteten Fleischproben von Jahr zu Jahr zu. In diesem Jahr wurden bisher ca. 11% aller Fleischproben positiv getestet, ein Anstieg um 6% gegenüber dem Vorjahr. Reisende sollen vorsichtig sein beim Verzehr von Fleisch unbekannter Herkunft (ProMED, 24. Juni 2010).
Östliche Pferdeenzephalitis in PanamaIn der Provinzen Darien und Panama sind drei weitere Personen an Enzephalitis erkrankt. Mittlerweile ist nicht mehr klar, um welche Form der Amerikanischen Pferdeenzephalitiden es sich handelt. Nachdem bisher von der Venezolanischen Form ausgegangen wurde, ist jetzt die Rede von der gefährlicheren östlichen Form. Beide Formen werden durch Stechmücken übertragen. Insgesamt sind momentan sieben Personen erkrankt. Davon ist ein Mädchen verstorben und zwei weitere Kinder sind nach wie vor in ernstem Zustand. Reisende nach Panama und insbesondere in Regionen mit hohen Stechmücken-Populationen sollen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 21. Juni 2010).