KW 24 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Milzbrand in Uganda
Im berühmten Queen Elizabeth National Park in Uganda sind vermutlich 27 Nashörner am Milzbrand verendet. Diese teilte die Parkverwaltung mit. Die Kadaver der Tiere wurden nun vergraben. Milzbrand war im Jahr 2004 in epidemischer Form im Park aufgetreten und hatte mehr als 200 Nashörner und eine Vielzahl anderer Tiere getötet. Der Ausbruch ist aktuell auf eine Region beschränkt, die abseits von den Touristenrouten im Park liegt. Trotzdem sollten alle Reisenden in den Park jeden direkten Kontakt mit Tierkadavern vermeiden (ProMED, 15. Juni 2010).

Dengue-Fieber auf den Philippinen
In der Region Cagayan im Norden des asiatischen Inselstaats Philippinen warnen die Gesundheitsbehörden vor einem drohenden Dengue-Fieberausbruch. Im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres (90 Erkrankungsfälle) hat sich die Zahl der diagnostizierten Infektionen im aktuellen Jahr mit bisher 191 Fällen mehr als verdoppelt. Die Behörden fordern nun alle Bewohner der Region auf, Maßnahmen zur Bekämpfung der Stechmücken und ihrer Brutplätze durchzuführen. Reisenden in die genannte Region wird eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe empfohlen (ProMED, 16.06.2010)

Dengue-Fieber in Vietnam
Die Hauptstadt Vietnams meldet einen kontinuierlichen Anstieg der Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber. In den letzten Wochen war wöchentlich eine Zunahme um jeweils rund 20% zur Vorwoche zu registrieren. Aktuell ist von mehr als 60 Erkrankungsfällen die Rede, die in der Stadt bereits diagnostiziert wurden. Durch die anhaltenden Regenfälle wird eine Verschärfung der Situation mit zunehmenden Zahlen von Erkrankten erwartet. Betroffen sind auch weitere Distrikte, u.a. Thu Duc, Binh Tan und Binh Chanh. Reisenden in die genannten Gebiete wird eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe empfohlen (ProMED, 16.06.2010)

Dengue-Fieber in Indien
Der südwestliche indische Bundesstaat Kerala meldet einen Anstieg der Dengue-Fieber-Erkrankungen. Betroffen ist insbesondere der Distrikt (Taluk) von Kasargod. Hier trat die Mehrzahl der gemeldeten Erkrankungsfälle auf. Während im Jahr 2009 über 48 Erkrankungsfälle berichtet worden war, wurden im aktuellen Jahr bereits 45 Erkrankungsfälle bekannt. Nach Angaben der Behörden wird die Virusinfektion durch Stechmücken übertragen, die in Plantagen der Areca-Palme (Nussschalen und Blättern) und in Gummibaumplantagen brüten. Reisende sollten sich von entsprechenden Plantagen möglichst fernhalten und ihnen wird eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe empfohlen (ProMED, 16.06.2010)

Dengue-Fieber in Sri Lanka

In der Hauptstadt Sri Lankas, Colombo, wurden in diesem Jahr bis Mai bereits mehr als 4.000 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber registriert. In den ersten Monaten war die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle rund dreimal so hoch, wie im bisherigen Rekordjahr 2009. Die Behörden schätzen die Situation für die kommende Monsun-Saison (Juni-Juli) als sehr ernst ein. Die Situation für die gesamte Insel im Indischen Ozean dürfte ähnlich der in Colombo sein. Reisenden nach Sri Lanka wird eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe empfohlen (ProMED, 16.06.2010)

Dengue-Fieber in Martinique
Auf der karibischen Insel Martinique ist ein erster Todesfall durch Dengue Hämorrhagisches Fieber zu verzeichnen. Ein 10jähriges Mädchen mit Sichelzell-Anämie ist der Virusinfektion erlegen. Martinique meldet aktuell rund 500 Erkrankungsfälle. Davon waren mehr als 100 in Krankenhäusern behandelt worden. 21 Erkrankungsfälle wurden als schwer eingestuft, vier Erkrankungen wurden als Hämorrhagische Fieber-Form klassifiziert. Reisenden nach Martinique (und die benachbarten Inseln der Karibik) wird eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe empfohlen (ProMED, 16.06.2010)

Milzbrand in Moldawien
Ein ungewöhnlicher Milzbrand-Ausbruch wird aus einem Teil Moldawiens gemeldet. Auf einem Bauernhof waren mehrere Schweine an Milzbrand erkrankt. Mittlerweile wurde der Ausbruch durch Verimpfen von 2.000 Impfdosen an das gesamte Vieh der Umgebung eingedämmt. Die Ursache des Ausbruchs ist unklar. Die Behörden melden, dass die Region seit mehreren Jahren frei von Milzbrand war. Der Ausbruch ereignete sich in Transnistrien, einer Region entlang des Westufers des Dnjester, an der Grenze zur Ukraine, die sich 1990 für unabhängig erklärt hatte, die aber bisher von keinem Staat als unabhängig anerkannt wird. Es handelt sich nicht um eine klassische Reiseregion. Trotzdem sollten Reisende in die genannte Region und nach Moldawien vorsichtig sein beim Verzehr von Fleisch unklarer Herkunft (ProMED, 10. Juni 2010).

Venezolanische Pferdeenzephalitis in Panama
Im Süden Panamas sind mindestens fünf Kinder an der Venezolanischen Form der Amerikanischen Pferdeenzephalitiden erkrankt. In der betroffenen Region Darien wurde bereits von Erkrankungen bei Pferden berichtet. Mittlerweile wurde bei fünf Kindern die Erkrankung diagnostiziert. Eines der Kinder ist bereits verstorben, drei weitere Kinder befinden sich in kritischem Zustand und werden intensivmedizinisch betreut. Über den fünften Patienten existieren keine Informationen. Nachdem sich nur ein kleiner Teil der Infektionen, insbesondere bei Kindern und bei älteren Personen, als Enzephalitis manifestiert, ist augenblicklich von einer weiter reichenden erhöhten Aktivität der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion auszugehen. Reisende in die genannte Region Panamas und das angrenzende Kolumbien sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 14./17. Juni 2010).

Brucellose in Nord-Irland
In der Region südlich der nordirischen Stadt Armagh ist bei einem Rinderbestand Brucellose festgestellt worden. Nach Auskunft der Behörden ist ein agro-verbrecherischer Hintergund wahrscheinlich. Die Tiere wurden absichtlich infiziert. Es handelt sich um den dritten Ausbruch innerhalb weniger Wochen in der genannten Region. Mittlerweile mussten mehr als 300 Rinder getötet und entsorgt werden. Aktuell sollten Reisende in die genannte Region möglichst keine unbehandelten Tierprodukte (v.a. aus Milch) verzehren. Kalbende Kühe scheiden den Erreger in großen Mengen aus. Jeder direkte Kontakt mit Rindern sollte daher vermieden werden (ProMED, 13. Juni 2010).

Legionellose in Spanien
In der spanischen Stadt Alcoy, in der Provinz Alicante, sind vier Menschen an Legionellose erkrankt. Es ist aktuell unklar, ob es sich um eine zufällige Häufung von Erkrankungsfällen oder um eine gemeinsame Infektionsquelle handelt. Die Behörden sind alarmiert und untersuchen die Erkrankungsfälle, da im Jahr 1999 in der nämlichen Stadt ein Legionellose-Ausbruch mit mehr als 300 Erkrankten beobachtet worden war. Damals waren Teermaschinen die Infektionsquelle für den Ausbruch. Reiserückkehrer aus Lacoy mit respiratorischen Symptomen sollten auf Legionellose abgeklärt werden (ProMED; 13. Juni 2010).

Poliomyelitis in Russland

Zwei Kinder sind im Distrikt Chelyabinsk im Ural an Poliomyelitis erkrankt, verursacht durch den Serotyp 1. Es handelt sich bei beiden Kindern (8 Jahre, 17 Jahre) um tadschikische Immigranten. Die Kinder haben in diesem Jahr die Region Chelyabinsk nicht verlassen. Die Behörden teilen deshalb mit, dass die Infektion vermutlich durch tadschikische Einreisende eingeschleppt und das Virus auf die Kinder übertragen wurde. Reisende in die russische Ural-Region sollen augenblicklich über einen ausreichenden Immunschutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 12. Juni 2010).

Poliomyelitis in Tadschikistan
Aus Tadschikistan werden weiterhin neue Erkrankungsfälle von Poliomyelitis gemeldet. Allerdings ist die Zahl der Neuerkrankungen rückläufig. Am 1. Juni 2010 waren 564 Fälle von schlaffer Lähmung gemeldet worden. Davon waren 184 als Poliomyelitis bestätigt, 14 Erkrankungsfälle waren negativ auf Polioviren. Der Großteil der übrigen Fälle ist in der virologischen Bestätigung. Der Ausbruch ist weiterhin v.a. auf den südwestlichen Landesteil und die Hauptstadt Duschanbe beschränkt. In mehreren landesweiten Impfaktionen wurden mittlerweile mehr als 99% aller Kinder unter sechs Jahren mit Polio-Serotyp 1-Impfstoff geimpft. Reisende nach Tadschikistan und die angrenzenden Regionen sollen über einen ausreichenden Immunschutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 12. Juni 2010).

Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in Kasachstan
Im Süden des zentralasiatischen Landes Kasachstan ist ein 12jähriger Junge an Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber erkrankt. Der Patient befindet sich nach Auskunft des Krankenhauses in kritischem Zustand. Die Infektion erfolgte in der Region Kyzylorda. In der gleichen Region war es bereits 2009 zu Erkrankungsfällen durch die von Zecken übertragene Virusinfektion gekommen. Das Gebiet muss als endemisch für die Infektion eingestuft werden. Reisende nach Kasachstan und insbesondere in den Süden des Landes sollen Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (persönliche Expositionsprophylaxe) durchführen und jeden direkten Kontakt mit unbehandeltem Blut oder Geweben von Haustieren vermeiden (ProMED, 12. Juni 2010).

Leishmaniose in Spanien
In Spanien steigt die Zahl der Leishmaniose-Fälle bei Menschen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Dabei sind nicht mehr nur die klassischen mediterranen Klimaregionen an der Küste und auf den Balearen betroffen. Die Leishmaniose wird verstärkt auch bei Hunden im Norden des Landes (Baskenland, Galizien) und auch in der Hauptstadt Madrid nachgewiesen. Die Übertragung der Leishmaniose erfolgt durch Sandmücken, die über ganz Spanien verbreitet sind. Bis zu 60% der Hunde in endemischen Regionen sind von der caninen Form der Erkrankung betroffen. Nur etwa jeder zehnte erkrankte Hund wird diagnostiziert. Reisende, insbesondere mit Grunderkrankungen des Immunsystems wird empfohlen, nachts Maßnahmen zum Schutz vor Sandmücken zu ergreifen (ProMED, 12. Juni 2010).

Malaria in Papua, Indonesien
Auf dem indonesischen Teil der Insel Neu-Guinea wird ein Malaria-Ausbruch gemeldet. In der Hochland-Provinz Intan Jaya sind nach Angaben der Behörden bis zu 40 Menschen an Malaria erkrankt. Bisher wurde die Malaria nicht in diesem Hochland nachgewiesen. Es ist aktuell unklar, ob es sich um einen autochthonen Ausbruch handelt, oder ob die Erkrankten die Infektion in einer tiefer gelegenen Region erworben haben und nach Rückkehr im Hochland erkrankt sind. Reisende nach Neuguinea sollen die Malaria-Prophylaxe-Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft beachten (ProMED, 11. Juni 2010).

Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber im Kosovo
Im Kosovo sind in diesem Jahr mindestens vier Menschen am Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber erkrankt. Ein 50jähriger Mann ist jetzt an der Infektion verstorben. Am 20. Mai war ein 11jähriger Junge ebenfalls an der Infektion verstorben. Mehr als 350 Menschen haben in diesem Jahr bereits ein Krankenhaus wegen Zeckenstichen aufgesucht. Besonders betroffen sind die Regionen und Gebiete der Gemeinden Suhareke, Malisevo und Istoq in der Region Podrime. Reisende in die genannte Region und insbesondere in die genannten Gemeinden sollen Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (persönliche Expositionsprophylaxe) durchführen und jeden direkten Kontakt mit unbehandeltem Blut oder Geweben von Haustieren vermeiden (ProMED, 12. Juni 2010).

Mayaro-Fieber in Venezuela
Im Verlauf eines Ausbruchs von Mayaro-Fieber im venezolanischen Bundesstaat Portuguesa sind mindestens 77 Menschen an der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion erkrankt. Es handelt sich um eine fieberhafte Infektion mit Arthritis und Arthralgien. Die Erkrankung verläuft ähnlich wie Chikungunya-Fieber und die klassische Form des Dengue-Fiebers. Dengue-Fieber und Mayaro-Fieber können häufig klinisch nicht voneinander unterschieden werden. Reisende in den Bundesstaat Portuguesa wird die Durchführung einer ganztägigen individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe empfohlen (ProMED, 18. Juni 2010).

Oropouche-Fieber in Peru
Das peruanische Gesundheitsministerium berichtet über einen Ausbruch mit Oropouche-Virus im Distrikt Pachica in der Provinz San Martin in der nördlichen Region Amazoniens von Peru. Mindestens 160 Menschen sind an der Virusinfektion bisher erkrankt. Oropouche-Virus verursacht eine fieberhafte Infektion, dessen klinische Symptomatik nicht vom Dengue-Fieber unterschieden werden kann. Es wird übertragen durch Mücken der Gattung Culicoides. Bekannt wurden große Ausbrüche, nachdem sich in den Schalen von geernteten Kokosnüssen zu großen Populationen vermehren konnten. Reisende in die Provinz San Martin sollen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 17./18. Juni 2010).

Dengue-Fieber in Kambodscha

In Kambodscha sind seit Jahresbeginn bereits mehr als 1.100 Menschen an Dengue-Fieber erkrankt. Mindestens sieben Patienten sind verstorben. In den letzten Wochen wurde ein kontinuierlicher Anstieg der Erkrankungsfälle, insbesondere in Phnom Penh und in den Provinzen Kampong Cham, Kompong Thom und Siem Reap registriert. Reisende nach Kambodscha sollen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 17./18. Juni 2010).

Japanische Enzephalitis in Vietnam
Das vietnamesischen Gesundheitsministerium meldet, dass im letzten Monat (Mai ?) mehr als 120 Menschen an der Japanischen Enzephalitis erkrankt sind. Sieben Patienten sind an der Infektion verstorben. Betroffen sind bisher 15 Provinzen des Landes, darunter neben Ho Chi Minh Stadt auch Nam Dinh, Bac giang, Nghe An, Than Hoa, Dak Lak und Dong Nai. Die nördlichen Provinzen zeigen aktuell die höchste Prävalenz. Reisende nach Vietnam und insbesondere in die die nördlichen Provinzen sollen eine individuelle ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen. Bei erhöhtem Risiko ist eine Impfung mit einem zugelassenen Zellkultur-Impfstoff möglich (ProMED; 17. Juni 2010).

Tollwut in den USA
In allen Teilen der USA wird weiterhin von einer hohen Tollwut-Aktivität berichtet. Der US-Bundesstaat Colorado meldet in diesem Jahr bereits 40 tollwütige Stinktiere und zwei tollwütige Pferde. Das entspricht der Zahl der Tollwutfälle des gesamten Vorjahres. In Pennsylvania berichtet der County Montgomery vier tollwütige Tiere, darunter eine streunende Katze. In Missouri werden aktuell acht Personen nach Kontakt mit einer tollwütigen Fledermaus postexpositionell behandelt. Ohio meldete tollwütige Waschbären. In Florida wurde die offizielle Tollwut-Warnung des Indian River County verlängert, nachdem mehrere Angriffe tollwütiger Waschbären auf Menschen verzeichnet worden waren. In Texas werden eine große Zahl tollwütiger Stinktiere, Kojoten, Füchse, Waschbären und Fledermäuse registriert. In Michigan wurde in Royal Oak County das vierte tollwütige Stinktier diagnostiziert. Montana hat über Yellowstone County ebenfalls eine Tollwut-Quarantäne verhängt, nachdem ein Pferd an Tollwut erkrankt war. In South Caroline wurde im Greenville County eine Tollwut-Warnung ausgesprochen, nachdem eine Frau von einem tollwütigen Waschbären attackiert und verletzt worden war. Alle Reisenden in die USA sollen über das aktuelle Tollwut-Risiko informiert werden und jeden direkten Kontakt mit Tieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden (ProMED, 14. Juni 2010).



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