KW 24 / 2008: Epidemiologische Informationen

Tularämie in USAIm Stadtgebiet von New York in den USA ist ein Patient an einer Pneumonie durch Tularämie erkrankt. Der Patient hielt sich 4 Tage vor Erkrankungsbeginn zum Campen auf einem Erholungsgebiet im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf. Erreger der Tularämie ist ein Bakterium, Francisella tularensis. Es wird durch direkten Kontakt mit infizierten Nagetieren („Hasenpest“), durch infizierte Arthropoden (Zecken, Bremsen) oder durch Einatmen von Erregern (z.B. erregerhaltiger Staub) übertragen. Die nordamerikanische Variante des Erregers gilt als hoch virulent und verursacht schwere und tödlich verlaufende Infektionen. Bei Patienten mit einer atypischen Pneumonie sollten ggf. auch seltene Ursachen ausgeschlossen werden (ProMED, 12. Juni 2008).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in der TürkeiDie Zahl der am Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber erkrankten Patienten in der Türkei steigt stetig an. Aktuell ist von mehr als 300 Patienten in Krankenhäusern die Rede und von mindestens 15 Todesfällen. Die türkischen Behörden betonen jedoch, dass die Erkrankung bisher nur in den zentralen und nördlichen Landesteilen registriert wurde. Istanbul und auch die Touristenregionen am Mittelmeer gelten bisher als frei von der durch Zecken der Gattung Hyalomma übertragenen Virusinfektion. Reisende, besonders in die ländlichen Regionen der Zentral- und Nordtürkei, sollten alle Maßnahmen zum Schutz vor Zecken ergreifen (ProMED, 11./13. Juni 2008)
Milzbrand in KirgisienIm Süden des zentralasiatischen Landes wird eine ungewöhnlich hohe Milzbrand-Aktivität beobachtet. Mindestens 2 Patienten verstarben an der Infektion, weiterte 6 Personen werden in Krankenhäusern behandelt. Ein Teil der Infektionen erfolgt durch die Schlachtung infizierter Rinder oder Pferde, bzw. die Verarbeitung von deren Fleisch. Weitere Infektionen treten auf durch den Verzehr von Fleisch infizierter Tiere, das unkontrolliert in den Verkauf gelangt. Reisende nach Kirgisien sollten jeden Kontakt mit erkrankten Tieren oder mit Tierkadavern vermeiden. Fleisch sollte nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden. Fleisch von Straßenverkäufen sollte gemieden werden (ProMED, 9./12. Juni 2008).
Lassa Fieber in NigeriaIn den letzten Wochen sind im westafrikanischen Nigeria vermehrt Todesfälle an Lassa Fieber aufgetreten. Betroffen sind verschiedene Bundesstaaten, u.a. Edo, Plateau, Lagos, Ogun, Nasarawa, Taraba, Borno und Anambra. Es ist damit von einer insgesamt erhöhten Aktivität in weiten Teilen des Landes auszugehen. Lassa Fieber ist eine Virusinfektion, die durch Ratten auf den Menschen übertragen wird. Die Ratten scheiden das Virus mit dem Urin aus. Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Ratten (Nahrung), durch mit Urin kontaminierte Gegenstände oder durch Einatmen von mit Nagerexkrementen kontaminiertem Staub. Nigeria zählt nicht zu den typischen Reiseländern, allerdings ist möglicherweise von einer erhöhten Aktivität in den Nachbarregionen auszugehen. Reisende in die westafrikanische Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor direkten und indirekten Kontakten mit Nagetieren durchführen (ProMED, 12. Juni 2008).
Tuberkulose in USA aus MexikoIn den USA sind Erkrankungsfälle von Tuberkulose aufgetreten. Betroffen sind insbesondere Einwanderer aus Mexiko in Süden des US-Bundesstaats Kalifornien. Als Erreger konnte Mycobacterium bovis identifiziert werden. Dieser ungewöhnliche Tuberkuloseerreger wird in nicht kontrollierten Rinderbeständen nachgewiesen. Als Infektionsquelle für die menschlichen Infektionen wurde Milch und Milchprodukte identifiziert, die illegal aus Mexiko nach Kalifornien verbracht und dort in Umlauf gebracht wurden. Reisende nach Mexiko und in den Süden Kaliforniens sollten Milch und Milchprodukte unklarer Herkunft meiden (ProMED, 8. Juni 2008).
Gelbfieber in BrasilienIm brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo sind seit 8 Jahren erstmals Fälle von Gelbfieber aufgetreten. Beide Patienten sind an der Virusinfektion verstorben. Beide Infektionen traten in ländlichen Regionen rund 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt des Bundesstaats auf. Es handelt sich um sylvatische Übertragungszyklen. In verschiedenen Teilen Brasiliens wird in den letzten Monaten eine erhöhte Gelbfieber-Aktivität beobachtet. Reisende nach Brasilien sollten über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 6./8. Juni 2008).
Gelbfieber in PeruSeit Jahresbeginn sind in Peru schon 17 Fälle von Gelbfieber aufgetreten. Die Erkrankungsfälle treten aktuell sporadisch in verschiedenen Regionen des amazonischen Tieflands Perus auf. Es handelt sich jeweils um den sylvatischen Übertragungszyklus. Es scheint, dass auch in Peru eine erhöhte Aktivität des Gelbfiebers zu beobachten ist. Reisende in das amazonische Tiefland Perus sollten bei Einreise über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 8. Juni 2008).
Gelbfieber in ZentralafrikaIm Südwesten der Demokratischen Republik sind vermutlich mehr als 10 Personen am Gelbfieber verstorben. Eine unbekannte Zahl von Personen ist erkrankt. Betroffen sind in erster Linie Diamanten-Minen-Arbeiter, die in den letzten Wochen aus Angola ausgewiesen wurden. Es ist aktuell unklar, ob die Infektion aus Angola in die Demokratische Republik Kongo eingeschleppt wurde oder ob es sich um autochthone Infektionen der südwestlichen Region des Kongo handelt. Die Region ist abgelegen und nur per Hubschrauber zu erreichen. Für Reisende oder Touristen ist die Region unzugänglich. Jedoch zeigt der Ausbruch, dass mit Gelbfieber immer im gesamten Gelbfieber-Gürtel zu rechnen ist und deshalb die Reisenden über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen sollten (ProMED, 8. Juni 2008).
Hantavirus-Infektionen in Sri LankaDer aktuelle Ausbruch von akutem Nierenversagen durch Leptospirose in Sri Lanka ist möglicherweise teilweise durch Hantaviren verursacht. In einer serologischen Studie zeigte sich, dass 9 von 39 Patienten Antikörper gegen Hantaviren (Puumala Virus und/oder Hantaan Virus) aufwiesen. Die genaue Bedeutung dieser Befunde und vor allem der Nachweis des Hantavirus-Typs und die übertragenden Nagerspezies bedürfen weiterer Abklärung. Reisende nach Sri Lanka sollten Regionen mit Überschwemmungen vermeiden. Weiterhin sollten Maßnahmen zum Schutz vor direktem oder indirektem Kontakt mit Nagetieren getroffen werden (ProMED; 6. Juni 2008).