KW 23 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Kalziumkarbid-Vergiftung in Nepal
Im Osten Nepals kommen augenblicklich täglich 30 bis 40 Menschen in Kliniken und Ambulanzen mit Vergiftungserscheinungen nach dem Genuss von Mangos. Die häufigsten Symptome sind Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen. Als Ursache konnten Mangos identifiziert werden, die künstlich mit Kalziumkarbid ausgereift wurden. Im Rahmen dieser Behandlung der Früchte führt das gebildete Azetylen zu einer rascheren Ausreifung von unreif geernteten Früchten. Nachdem die so vorzeitig gereiften Früchte sehr frisch und vollreif geerntet scheinen, empfehlen die Behörden aktuell unreife Mangos zu kaufen und diese an einem warmen Platz ausreifen zu lassen. Nur so ist der Verzehr von Früchten mit einer erhöhten Acetylenkonzentration zu vermeiden (ProMED, 4. Juni 2010).

Mumps in England

Die südenglischen Städte Brighton und Hove werden von einer Mumps-Epidemie heimgesucht. Aktuell sind mindestens 46 Erkrankungsfälle diagnostiziert worden. Im Vergleich dazu waren im gesamten Jahr 2009 nur 27 Erkrankungsfälle registriert worden. Als Ursache für das wiederholte Auftreten von Mumps- und Masernepidemien in England wird die MMR-Impfrate von nur 70 bis 80% in der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Dadurch ist kein ausreichender Populationsschutz vorhanden, der zum Stopp eines Ausbruchs führen würde. Reisende nach England sollen über einen ausreichenden Immunschutz gegen Mumps (und Masern) (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED; 5. Juni 2010).

Milzbrand in Schottland
Der Milzbrand-Ausbruch in Schottland bei i.v.-Drogenabhängigen ist weiterhin nicht unter Kontrolle. In den letzten Tagen wurden wiederum zwei neue Erkrankungsfälle in der Region von Glasgow in Clyde gemeldet. Insgesamt sind damit seit Beginn des Ausbruchs 45 Erkrankungsfälle gemeldet worden, davon sind 13 Patienten verstorben. Die Herkunft des infizierten Heroins konnte bisher weiterhin nicht geklärt werden. Es wird jedoch nicht von absichtlich kontaminierten Drogen, sondern von einer unbeabsichtigten Kontamination ausgegangen. Reisende Drogenabhängige nach Schottland sollten vor dem Verkauf und der Verwendung von in Schottland angebotenem Heroin gewarnt werden (ProMED,  5. Juni 2010).

Nosokomiale Hepatitis B in den USA

In Berkeley County im US-Bundesstaat West Virginia sind mindestens fünf Patienten einer Zahnarzt-Klinik mit Hepatitis B infiziert worden. Die Übertragung fand vermutlich schon im Juni des Jahres 2009 statt, wurde nun aber erst offensichtlich. Der genaue Infektionsweg ist bisher nicht geklärt, allerdings wird ein Nichtbeachten hygienischer Standards nicht ausgeschlossen. Aktuell sind rund 2.000 Patienten der Klinik angeschrieben worden, um einen Hepatitis B-Test durchzuführen. Die betroffene Zahnklinik an der Mission of Mercy war beliebt, da sie Patienten kostenlos behandelte. Reisende aus den USA, die im Letzten Jahr eine Zahnbehandlung an der genannten Klinik hatten, sollten auf Hepatitis B serologisch getestet werden (ProMED, 5. Juni 2010).

Blei-Vergiftung in Nigeria
Im  Bundesstaat Zamfara, im Norden des westafrikanischen Landes Nigeria, sind möglicherweise mehr als 160 Menschen, meistens Kinder, an einer akuten Bleivergiftung verstorben. Insgesamt zeigen mehr als 350 Menschen in einigen abgelegenen Dörfern Anzeichen einer Bleivergiftung, davon sind mindestens 165 Patienten verstorben. Der Vorgang kam im Rahmen einer Impfkampagne ans Licht, als die Nicht-Regierungsorganisation „Medicins sans Frontiers“ in den Dörfern keine Kinder fand. Die angebliche Ursache Malaria stellte sich dann als akute Bleivergiftung heraus. Das Blei stammt aus von illegal betriebenen Goldminen und wird vermutlich über damit kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen. Die betroffene Region ist sehr abgelegen und damit keine Reiseregion. Reisende in der Nähe von Minen sollten jedoch grundsätzlich an die Möglichkeit der Kontamination von Trinkwasser denken und dieses, soweit möglich, vermeiden (ProMED, 6. Juni 2010).

Malaria in Venezuela

In Venezuela hat sich die Zahl der Malaria-Fälle in diesem Jahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres verdoppelt. Insgesamt wurden bisher mehr als 21.000 Erkrankungsfälle gezählt, während es im Jahr 2009 bis Juni 10.750 Fälle waren. Betroffen ist überwiegend der Bundesstaat Bolivar im Süden des Landes. Hier traten mehr als 90% aller in Venezuela gemeldeten Fälle auf. Insbesondere sind Goldschürfer gefährdet und betroffen, die in abgelegenen Dschungelcamps nach dem Edelmetall suchen. Reisende in den Bundesstaat Bolivar in Venezuela sollen eine Malariaprophylaxe nach den Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft durchführen (ProMED, 6. Juni 2010).

Rift Valley Fieber in Südafrika
Im Verlauf der aktuellen Rift Valley Fieberepidemie in Südafrika sind mittlerweile mehr als 200 Menschen erkrankt. Eine Analyse von rund 180 Erkrankungsfällen ergab, dass der überwiegende Teil der Erkrankten direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder deren Gewebe oder Körperflüssigkeiten hatte. Damit scheint das Risiko einer Übertragung durch Stechmücken aktuell relativ gering zu sein. Aktuell wird ein deutliches Absinken der Erkrankungsfälle bei Tieren registriert, so dass mit einem Abflauen des Ausbruchs gerechnet wird. Reisende nach Südafrika sollten insbesondere jeden direkten Kontakt mit Haustieren oder deren Geweben und/oder Sekreten und Exkreten vermeiden. Auch nicht behandelte Milch infizierter Nutztiere (Rinder, Schafe, Ziegen) kann das Virus übertragen ProMED, 6. Juni 2010).

Mayaro-Fieberausbruch in Venezuela
Im venezolanischen Bundesstaat Portugesa sind in der Region Ospino  mindestens 69 Menschen am Mayaro-Fieber erkrankt. Es handelt sich um den ersten je in Venezuela diagnostizierten Ausbruch dieser Erkrankung. Die Infektion wird durch ein Virus gleichen Namens aus der Gattung der Alphaviren verursacht und durch Stechmücken übertragen. Menschen können vermutlich als natürlich Wirte dienen, so dass von einer Art urbanem Übertragungszyklus gesprochen werden kann. Die Symptomatik verläuft ähnlich dem Dengue-Fieber und v.a. dem Chikungunya-Fieber mit z.T. lang anhaltenden Arthritiden. Reisende in die genannte Region in Venezuela sollen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 7. Juni 2010).

Masern in Australien
In der westaustralischen Stadt Perth ist nach dem Auftreten eines Falls von Masern ein Masern-Alarm ausgerufen worden. Der Patient war in der Ambulanz des Royal Perth Hospital aufgetreten und hatte möglicherweise mit mehr als 90 Menschen Kontakt. Es handelte sich um den zweiten Fall von Masern in Perth innerhalb von zwei Wochen. Die Behörden gehen nun von weiteren Erkrankungsfällen aus. Reisende nach Australien und insbesondere nach Perth und den Bundesstaat Western Australia sollen über eine ausreichende Masern-Immunität (zweimalige Impfung oder durchgemachte dokumentierte Infektion) verfügen (ProMED, 8. Juni 2010).

Poliomyelitis in Russland aus Usbekistan

Nach bestätigten Informationen der russischen Gesundheitsbehörden ist im Distrikt Swerdlowsk im Ural ein Patient mit Poliomyelitis an der Virusinfektion verstorben. Der Patient stammte aus Usbekistan und war nach seiner Ankunft an der Infektion erkrankt und dann verstorben. Bisher gibt es keine gesicherten Informationen über Poliomyelitis in Usbekistan. Nach den verfügbaren Daten der Gesundheitsbehörden Usbekistans wurden dort im Jahr 2010 23 Fälle einer schlaffen Lähmung diagnostiziert. Allerdings wurde in keinem der Fälle eine weiterführende Diagnose durchgeführt, so dass unklar ist, ob es sich dabei um Poliomyelitis handelte. Reisende nach Usbekistan und die angrenzenden Regionen sollten auf jeden Fall über einen ausreichenden Schutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 9. Juni 2010).

Tollwut in der Ukraine
In der Region Zhytomyr in der Ukraine werden zunehmend Tollwut-Fälle bei Haustieren beobachtet. Die Erkrankung wurde schon bei mehr als 20 Haustieren nachgewiesen. Als Ursache wird die hohe Fuchspopulation genannt. Diese müsste auf ein Drittel reduziert werden, um eine Übertragung vom silvatischen auf einen urbanen Übertragungszyklus zu verhindern. Reisende in die Ukraine sollen grundsätzlich jeden direkten Kontakt mit Wildtieren und mit Haustieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden und bei entsprechendem Kontakten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 9. Juni 2010).

Zeckenaktivität in Russland
Aus dem westsibirischen Teil Russlands wird eine hohe Zeckenaktivität gemeldet. In der Region von Omsk wurden bereits rund 2.000 Personen mit Zeckenstichen registriert, darunter knapp 600 Kinder. In der Region Altai sind in diesem Jahr bereits rund 5.000 Menschen mit Zeckenstichen in Krankenhäusern und Ambulanzen vorstellig geworden. 21 Personen zeigten Hinweise auf eine Zeckenenzephalitis und rund 240 Personen klinische Hinweise für ein Sibirisches Zeckenbissfieber (Rickettsiose). Reisende in die westsibirische Region sollen über eine gültige FSME-Immunität verfügen und Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 9. Juni 2010).

Venezolanische Pferdeenzephalitis in Panama

Im Süden Panamas sind mindestens zwei Fälle von Venezolanischer Pferdeenzephalitis bei Pferden aufgetreten. Es handelt sich um die erste Meldung der Erkrankung aus Panama seit fünf Jahren. Der Ausbruch ereignete sich an der nördlichen Grenze, der sog. Darien-Lücke. Nach offiziellen Angaben der OIE wurden zwei von zwanzig Pferden krank. Die betroffene Region liegt in der Nähe eines Vogelzug-Rastplatzes, allerdings werden als natürliche Wirte des Venezolanischen Pferdeenzephalitis-Virus Nagetiere angesehen. Es sind bisher keine Informationen verfügbar, inwieweit es sich um einen epidemischen oder endemischen Subtyp des Virus handelte. Reisende in den Süden Panamas sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 10. Juni 2010).

Dengue-Fieber in Ägypten
Aus Ägypten werden Fälle von Dengue-Fieber gemeldet. Bei zwei italienischen Reiserückkehrern aus der Region des Roten Meeres wurde serologisch ein Dengue-Fieber diagnostiziert. Es handelt sich um den ersten Nachweis einer Dengue-Viruszirkulation in Ägypten seit vielen Jahren. Die epidemiologische Situation ist unklar. Auch der Überträger (Aedes aegypti, Aedes albopictus) ist bisher nicht klar. Reisende an das Rote Meer sollen eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Juni 2010).

Dengue-Fieber auf den Amerikanischen Jungfern-Inseln

Auf den zu den USA gehörenden Jungfern-Inseln in der Karibik ist ein erster autochthoner Fall eines Dengue-Fiebers aufgetreten. Als Ursache für das Auftreten werden die starken Regenfälle der letzten Wochen genant, die ideale Brutmöglichkeiten für Stechmücken schufen. Es wurden keine Informationen über den verursachenden Serotyp gemacht. Als Überträger dürfte Aedes aegypti verantwortlich sein. Die Gesundheitsbehörden fordern die Bevölkerung der Insel auf, Maßnahmen zur Bekämpfung von Stechmücken durchzuführen. Reisende auf die Amerikanischen Jungfern-Inseln sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Juni 2010).

Dengue-Fieber auf Guadeloupe

Auf der  Karibik-Insel Guadeloupe sind innerhalb einer Woche mehr als 650 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Dies entspricht dem Achtfachen des augenblicklich zu erwartenden Wertes. Der aktuelle Ausbruch hält damit unverändert auf hohem Niveau an. Betroffen sind u.a Grande-Terre und Basse-Terre. Reisende auf Guadeloupe und die benachbarten Inseln sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Juni 2010).

Dengue-Fieber in Brasilien
In verschiedenen brasilianischen Bundesstaaten wird weiterhin eine hohe Dengue-Fieber-Aktivität beobachtet. In Rio Grande do Sul wird mittlerweile die Armee für die Bekämpfung von Stechmücken eingesetzt. In Minas Gerais sind in diesem Jahr bereits 38 Patienten an Dengue-Hämorrhagischem Fieber verstorben. Dies bedeutet einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50%. Im Bundesstaat Sao Paulo wurden in diesem Jahr bereits mehr als 24.000 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Dies bedeutet eine Zunahme, im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre, um rund 60%. Auch in Rio de Janeiro stiegen die Fallzahlen um rund 50% im Vergleich zum Vergleichs-Zeitraum des Vorjahres auf bisher mehr als 13.000 Erkrankungsfälle an. Reisende nach Brasilien sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Juni 2010).



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