KW 22 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Tollwut in den USA
In verschiedenen Teilen der USA wird weiterhin über eine hohe Aktivität von Tollwut berichtet. Im Adams County im US-Bundesstaat Colorado wurde ein Stinktier mit ungewöhnlichem Verhalten getötet und Tollwut diagnostiziert. Es handelt sich um den dritten Fall einer Tollwut bei Tieren in Adams County innerhalb der letzten zwei Monate. Im US-Bundesstaat Florida wurde ein tollwütiger Rotluchs getötet, nachdem er ein Pferd verletzt hatte. Zwei weitere Tiere wurden in Marion County in der Umgebung von Ortschaften gefunden. Im US-Bundesstaat Michigan wurde das mittlerweile zweite Stinktier mit Tollwut in der Umgebung der Stadt Detroit gefunden. In Oakfield County wurde bereits das dritte Tollwuttier nachgewiesen, darunter zwei Stinktiere und ein Hund. Im Middlesex County im Bundesstaat New Jersey wurde ein diesem Jahr bereits das neunte tollwütige Tier, ein Waschbär mit Tollwut diagnostiziert. Diese Tiere werden zunehmend auch in kleineren Städten und Vorgärten entdeckt. Aus dem Howell County im US-Bundesstaat Missouri wurde bereits über das neunte Tier mit Tollwut berichtet. Im US-Bundesstaat Virginia wurde in der Region von Preston im Henry County eine Frau von einem tollwütigem Fuchs angegriffen und verletzt. Auch an der Westküste der USA ist die Tollwut aktiv. In Kalifornien, in der Gegend von Windsor, wurden acht Menschen von einem tollwütigen Fuchs angegriffen. Reisende in die gesamte USA sollten vor Reiseantritt über das aktuell erhöhte Risiko in den gesamten USA informiert werden und jeden direkten Kontakt mit unbekannten Tieren oder mit Tieren mit auffälligem Verhalten vermeiden. Im Fall eines entsprechenden Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 1. Juni 2010).

Paragonimiasis in den USA

Im US-Bundesstaat Missouri wird über eine ungewöhnliche Häufung von Fällen von Paragonimiasis berichtet. Drei der Fälle wurden allein seit September letzten Jahres nachgewiesen. Insgesamt wurden vor diesem ungewöhnlichen Ereignis nur sieben Fälle in den USA insgesamt beschrieben. Der Erreger dieser Form der Paragonimiasis wird verursacht von Paragonimus kellicotti, einer Lungenegelart, die in den USA vorkommt. Die Infektion führt zu Atembeschwerden, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Fieber, Husten und Brustschmerz. Die Übertragung erfolgt durch den Genuss von rohen Krebsen. Die Gesundheitsbehörden haben nun die Bevölkerung informiert, dass Krebse nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden sollen. Diese Information wird insbesondere auch an Wanderer und Bootsverleih-Firmen weiter gegeben (ProMED, 30. Mai 2010).

Dengue-Fieber und Chikungunya-Fieber in Gabun

Im Südosten des westafrikanischen Landes Gabun wird aktuell ein Ausbruch aus Dengue-Fieber und Chikungunya-Fieber beobachtet. Seit Anfang April treten vermehrt Fälle von fieberhaften Infektionen mit Muskel- und Gelenksschmerzen auf. Die Untersuchung von 608 Seren ergab nun, dass rund ein Drittel der untersuchten Patienten mit Chikungunya-Fieber infiziert waren. Rund 15% der Proben wiesen Hinweise für eine akute Dengue-Virusinfektion auf. Bei 15 Patienten wurden Doppelinfektionen mit beiden Viren nachgewiesen. Beide Viren werden durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen. Reisende nach Gabun sollten daher eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 30. Mai/1. Juni 2010).

Influenza in Singapur
Seit rund sechs Wochen wird in Singapur eine erhöhte Aktivität von Infektionen des Repsirationstrakts beobachtet. Die epidemische Schwelle wurde mehrmals kurzzeitig überschritten. Die Fallzahlen liegen jeweils knapp unter oder über dieser Schwelle. Innerhalb einer Woche waren mehr als 18.000 Patienten in Polikliniken und Ambulanzen behandelt worden, ca. 25% mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Gesundheitsbehörden sind von der hohen Zahl von Pneumonien beunruhigt. Rund 30% der untersuchten Fälle von Respirationstrakt-Infektionen waren durch den pandemischen Typ des Influenza A-Virus vom Typ H1N1 hervorgerufen. Reisende nach Singapur (und die angrenzenden Regionen Südostasiens) sollten bei bestehender Impfindikation eine Influenza-Impfung (incl. dem pandemischen H1N1-Typ) durchführen (ProMED, 30. Mai 2010).

FSME und Borreliose in Russland
In Teilen Russlands wird in diesem Jahr ein deutlicher Anstieg der Erkrankungsfälle von Lyme-Borreliose und der russischen Frühjahr-Sommer-Enzephalitis berichtet. Besonders betroffen ist die Region Moskau. Hier kam es in den letzten Jahren kontinuierlich zu einem Anstieg der Erkrankungsfälle mit beiden durch Zecken übertragenen Erkrankungen. Die meisten Fälle werden nach Informationen der Gesundheitsbehörden außerhalb Moskaus bei Aufenthalten auf dem Land (Wochenend-Häuser, Datschas) erworben. Innerhalb der Stadt, z.B. in den Parks von Moskau ist das Risiko sehr gering. Reisende nach Moskau und in andere Teile Russlands, mit Aufenthalten auf dem Land und in der Natur, sollten über eine gültige Impfung gegen FSME verfügen und Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (Vermeidung von direktem Kontakt mit Vegetation, Tragen imprägnierter Kleidung, Absuchen nach Aufenthalten in der Natur) durchführen (ProMED, 30. Mai 2010).

Milzbrand auf den Philippinen
In der philippinischen Stadt Villaviciosa sind nach offiziellen Angaben 41 Menschen an Hautmilzbrand erkrankt. Alle Erkrankten können auf Kontakt mit Fleisch von verendeten Wasserbüffeln (Carabao) im Rahmen der Zubereitung und/oder des Verzehrs dieses Fleisches  in Verbindung gebracht werden. Ungewöhnlich ist, dass es nur zur Hautform der Infektion und nicht zum Darmmilzbrand gekommen ist, was vermutlich auf direkten Kontakt und auf ein gutes Durchgaren des Fleisches zurückzuführen ist. Das Beispiel zeigt wiederum, dass in Südostasien mit dieser Infektion gerechnet werden muss. Reisende sollten daher jeden direkten Kontakt mit verendeten Tieren und deren Fleisch vermeiden und Fleisch grundsätzlich nur in gut durchgegartem Zustand verzehren (ProMED, 31. Mai 2010).

Milzbrand in Kenia
In der Central Province des ostafrikanischen Landes Kenia sind mindestens zwei Menschen an Milzbrand verstorben und ein weiterer Patient liegt in lebensbedrohlichem Zustand in einem Krankenhaus. Die Infektion erfolgte durch den Verzehr von Fleisch infizierter Rinder. Es handelt sich um zwei unabhängige Ereignisse in einer Region, so dass von einer größeren Aktivität in der Region auszugehen ist. Aus Kenia werden sporadisch kleinere Ausbrüche von Milzbrand gemeldet. Das gesamte Land muss als endemisch für die Erkrankung betrachtet werden. Reisende nach Kenia und insbesondere in Regionen außerhalb der traditionellen Touristenziele sollten jeden direkten Kontakt mit Tieren oder Tierkadavern vermeiden und Fleisch grundsätzlich nur in gut durchgegartem Zustand verzehren (ProMED, 31. Mai 2010).

Dengue-Fieber auf den Philippinen
In der Region West Visayas auf den Philippinen sind seit Jahresbeginn bereits mehr als 1300 Fälle von Dengue-Fieber diagnostiziert worden. Dies bedeutet eine Vervierfachung der Erkrankungszahlen zum Vergleichs-Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt sind mindestens sieben Menschen an der hämorrhagischen Verlaufsform des Dengue-Fiebers verstorben. Am heftigsten betroffen sind Negros Occidental, Bacolod City, Iloilo Provinz, Iloilo City und Capiz mit jeweils mehr als 100 bis zu 400 gemeldeten Erkrankungsfällen. Reisende auf die Philippinen sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 31. Mai 2010).

Dengue-Fieber in Taiwan
Auf der Insel Taiwan befürchten die Gesundheitsbehörden eine zweite Welle eines Dengue-Fieberausbruchs, der im September 2009 begonnen hatte und vor wenigen Wochen für mehrere Wochen sistierte. In der ersten Welle waren 38 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Augenblicklich steigen die Erkrankungsfälle wieder an. Bisher ist von mindestens sieben Fällen die Rede. Betroffen ist bisher besonders die Stadt Kaohsiung. Reisende nach Taiwan und insbesondere in den Süden der Insel sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED; 31. Mai 2010).

Dengue-Fieber in Thailand
Seit Januar dieses Jahres sind in Thailand bereits mehr als 16.000 Fälle von Dengue-Fieber aufgetreten, davon mehr als die Hälfte mit hämorrhagischen Verlaufsformen. Die höchste Inzidenz zeigen die südliche Region (20,75/100.000), gefolgt von der Zentralregion (13,32/100.000), der nordöstlichen Region (7,60/100.000) und der nördlichen Region mit 6,06/100.000). Die Provinzen mit der höchsten Inzidenz sind Yala (50,01), Satun (44,69), Trat (38,63), Chantaburi (31,69) und  Rayong (29,73). Hämorrhagische Verlaufsformen werden am häufigsten in den Provinzen Pattani ((42,00), Songkha (40,92), Pattalung (38,99)Samut-Prakran 836,59) und Samut-Sakhon (34,46). Reisende nach Thailand sollten vor Antritt der Reise über das hohe Infektionsrisiko und Möglichkeiten der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe informiert werden (ProMED, 31. Mai 2010).

Erhöhte Nebenwirkungsrate bei H1N1-Impfstoff für Kinder in Australien
Aus Australien wird eine unerwartet hohe Rate von Nebenwirkungen bei Kindern nach Verabreichung des aktuellen trivalenten, nicht-adjuvantierten Influenza-Impfstoffs der Firma CSL berichtet. Die Ursache für die erhöhte Nebenwirkungsrate ist bisher ungeklärt. Australische Experten könnten sich den hohen Gehalt an kleinen RNA-Fragmenten als möglichen Grund vorstellen. Die australischen Impfbehörden haben nun weiterhin empfohlen, den genannten Impfstoff nur nach sorgfältiger Risikoanalyse an Kinder zu verabreichen. Eine Möglichkeit ist die Anwendung des monovalenten H1N1-Impfstoffs, bei dessen Anwendung keine erhöhte Rate beobachtet wurde. Der Impfstoff wird in Deutschland nicht vertrieben. Reisende sollten zumindest ihre Kinder augenblicklich nicht mit dem genannten Impfstoff impfen lassen (ProMED, 2. Juni 2010).

Guillain-Barré-Syndromrate nach Influenza-Impfung in den USA

Eine vorläufige Analyse des US-amerikanischen Emerging Infections Program (EIP) zeigt, dass das Risiko des Auftretens eines Guillain-Barré-Syndroms nach Verabreichung des H1N1-Impfstoffs sich um 0,8 pro einer Million verabreichter Impfungen zu erhöhen scheint. Damit entspricht die Komplikationsrate der in den USA verwendeten pandemischen H1N1-Impfstoffe derjenigen von saisonalen Influenza-Impfstoffen. Die US-Behörden weisen darauf hin, dass nach wie vor die Influenza-Impfung die wichtigste Maßnahme zur Prophylaxe und Prävention der Influenza darstellt (ProMED, 2. Juni 2010).

Cyclosporidiose in Kanada
In der kanadischen Provinz sind mindestens 70 Teilnehmer einer Wohltätigkeitsveranstaltung an einer gastrointestinalen Infektion erkrankt. Bei mindestens sieben der Patienten konnte Cyclospora cayetanensis nachgewiesen werden. Die Behörden gehen daher von einem Ausbruch mit diesem Erreger aus. Die Infektionsquelle konnte bisher nicht identifiziert werden. Vor einigen Jahren war ein Ausbruch von Cyclosporidiasis in den USA aufgetreten mit Tausenden von Erkrankten. Damals war als Infektionsquelle Erdbeeren aus Mittelamerika identifiziert worden. Es bleibt abzuwarten, ob es sich um ein isoliertes Geschehen handelt oder ob eine größere Zahl von Patienten auch außerhalb der Wohltätigkeitsveranstaltung auftreten wird (ProMED, 3. Juni 2010).



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