KW 21 / 2008: Epidemiologische Informationen

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West Nil Virus-Aktivität in Nordamerika
Aus mehreren US-Bundesstaaten werden die ersten Fälle von West Nil-Fieber des Jahres gemeldet. So wurden in Texas, Arizona und Tennessee jeweils ein menschlicher Erkrankungsfall und im Bundesstaat Mississippi 2 menschliche Erkrankungen diagnostiziert. Die Hauptaktivität des durch Stechmücken übertragenen Virus in den USA wird erst im Hochsommer gesehen. Insbesondere in den südlichen Bundesstaaten kann jedoch auch schon frühzeitiger im Jahr eine Aktivität nachgewiesen werden, die sich in menschlichen Erkrankungsfällen niederschlägt. Reisende in die südlichen Bundesstaaten mit Aktivitäten, die ein erhöhtes Risiko von Kontakten mit Stechmücken bergen, sollten Maßnahmen der Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Mai 2008).

Botulismus in Russland
In der Region Rostov, im Süden des europäischen Teil Russlands, sind in diesem Jahr schon 12 Fälle von Botulismus mit 2 Todesfällen aufgetreten. Als Risiko-Nahrungsmittel werden immer wieder selbst hergestellte Konserven mit marinierten Pilzen, geräucherten Fischen und eingemachtem Gemüse genannt. Grundsätzlich sollten daher Reisende nach Russland keine Nahrungsmittel aus selbst hergestellten Konserven verzehren, um ein Risiko einer Intoxikation mit Botulismus möglichst zu minimieren (ProMED, 16. Mai 2008).

Cholera in Namibia
In Ohangwena im Norden Namibias wird die Aktivität der Cholera immer intensiver. Aktuell ist von mehr als 1.400 Verdachtsfällen und von 36 Todesfällen die Rede. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs ist jedoch unklar. Als Ursache für die Zunahme der Verdachts- und Erkrankungsfälle werden die unzureichenden hygienischen Zustände genannt. Insbesondere fehlen im Norden Latrinen für einen Großteil der Bevölkerung. Für Reisende gilt ein Cholerarisiko generell als eher gering, jedoch sollten alle Reisenden in die genannte Region in Namibia die Empfehlungen zur individuellen Hygiene, Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene befolgen (ProMED, 17. Mai 2008).

Masern in Spanien
Insbesondere in der andalusischen Stadt Algeciras sind möglicherweise mehr als 140 Personen an Masern erkrankt. Betroffen sind insbesondere Kleinkinder im Alter von unter 2 Jahren und Erwachsene im Alter von 20 bis 39 Jahren. Weniger als 2% der Erkrankten weisen mindestens eine Masern-Impfung auf, so dass der Grund für den Ausbruch u.a. in der nicht ausreichenden Durchimpfung der Bevölkerung zu sehen ist. Die Indexfälle für den Ausbruch scheinen in zwei Mitgliedern einer Schiffs-Crew zu sein, die nach einer Reise nach Marokko an den Masern erkrankt und dann weitere Personen infiziert hatten. Grundsätzlich ist die Masern-Impfung eine allgemein empfohlene Impfung. Alle Personen sollten eine natürliche oder durch Impfung induzierte Immunität aufweisen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Möglichkeit zur Überprüfung des Masern-Immunstatus dar. Reisende nach Andalusien sollten auf die aktuelle Infektionsgefahr vor Reiseantritt hingewiesen und ggf. immunisiert werden (ProMED, 17. Mai 2008).

Chikungunya Fieber in Indien
Im indischen Bundesstaat Karnataka sind aktuell vermutlich mehr als 4.000 Menschen am Chikungunya Fieber erkrankt. Aktuell wird weiterhin eine hohe Aktivität der durch Stechmücken übertragenen Infektion beobachtet. Nach den vorliegenden Informationen wurden dabei innerhalb von nur 3 Tagen 2.000 zusätzliche Erkrankungsfälle beobachtet. Die indischen Gesundheitsbehörden setzen Maßnahmen zur Reduktion der Stechmücken-Populationen (u.a. Vernebeln) ein. Die Bevölkerung wird aufgefordert alle künstlichen Wasserbehältnisse in und um Behausungen zu entleeren, um den Stechmücken (insbesondere Aedes aegypti) die Brutplätze zu entziehen. Reisende nach Karnataka sollten alle Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 23. Mai 2008).

Brucellose in Bosnien-Herzegowina
In der ehemaligen jugoslawischen Provinz Bosnien-Herzegowina sind in diesem Jahr schon mindestens 400 Menschen, möglicherweise jedoch mehr als 1.000 Menschen an Brucellose erkrankt. Ursache scheint eine Epizootie unter Schafen und Ziegen zu sein. Der Erreger wurde als Brucella melitensis identifiziert. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch kontaminierte Schafsprodukte, z.B. Schafmilch, die unbehandelt getrunken wird. Reisende in die Region sollten jeden Genuss unbehandelter Milch und jeden Kontakt mit frisch lammenden Schafen vermeiden, da auch während der Geburt von Lämmern der Erreger in großen Mengen ausgeschieden werden kann (ProMED, 23. Mai 2008).

Pest in Wyoming
Im US-Bundesstaat wurde ein toter Puma-Kadaver gefunden, in dem als Todesursache die Pest nachgewiesen wurde. Es handelt sich um den ersten Fall einer Pest bei Tieren in diesem Jahr im US-Bundesstaat Wyoming. Die zuständigen Behörden des Wild- und Fisch-Departments warnen alle Bewohner und Besucher des Bundesstaats, jeden direkten Kontakt mit toten oder kranken Wild- oder Hauskatzen zu vermeiden, da alle Katzenarten an Pest erkranken und diese auf den Menschen übertragen können. Die Pest kommt in großen Teilen der Rocky Mountains endemisch vor. Auch in den Nationalparks der Rocky Mountains muss daher mit dieser Infektion gerechnet werden (ProMED, 23. Mai 2008).

Rift Valley Fieber auf Mayotte
Von der Insel Mayotte im Indischen Ozean wir ein Ausbruch mit dem Rift Valley Fieber gemeldet. Wie die französischen Behörden der zu Frankreich gehörenden und nördlich von Madagaskar gelegenen Insel mitteilen, erkrankten mindestens 12 Rinder einer Herde von mindestens 67 Tieren auf der Insel. Die Infektion wird üblicherweise durch Stechmücken übertragen. Auch der direkte Kontakt mit Blut infizierter Tiere und möglicherweise der Genuss von Milch infizierter Tiere können zur menschlichen Infektionen führen. Die Infektion beim Menschen verläuft in einem Teil als hämorrhagisches Fieber, als Enzephalitis oder unter Augenbeteiligung (Retinitis). Reisende nach Mayotte sollten über das Infektionsrisiko informiert werden und Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 22. Mai 2008).

Gelbfieber in der Zentralafrikanischen Republik
In der Zentralafrikanischen Republik sind zwei Fälle von Gelbfieber diagnostiziert worden. Die Patienten stammen aus der Provinz Ouham-Pende im Westen des Landes. Die Gesundheitsbehörden lassen nun eine epidemiologische Untersuchung der betroffenen Region durchführen, um das genaue Ausmaß der Aktivität und eines möglichen Ausbruchs zu bestimmen. Weiterhin wurden rund 60.000 Impfdosen in die betroffene Region gebracht, um die dort lebende Bevölkerung zu immunisieren. Die Zentralafrikanische Republik liegt im Gelbfieber-Gürtel. Gelbfieber-Erkrankungsfälle können jederzeit auftreten. Reisende in den gesamten Bereich des Gelbfieber-Gürtel Afrikas sollten eine gültige Gelbfieber-Impfung bei der Einreise aufweisen. Ein Großteil der Länder verlangt eine entsprechende Impfung für die Einreise (ProMED, 22. Mai 2008).

Masern in Nigeria
Im nigerianischen Bundesstaat Jigawa werden mehrere Masern-Ausbrüche beobachtet. Genauere Informationen über das Ausmaß der Ausbrüche und die Zahl der Erkrankten oder mögliche Komplikationen und Todesfälle sind nicht verfügbar, es wurde aber über eine Reihe von Todesfällen berichtet. Als Infektionsquelle werden Ausbrüche im benachbarten Niger genannt. Infizierte Grenzgänger importieren nach den verfügbaren Angaben das Virus über die Grenze und führen zu multiplen kleinen Ausbrüchen in der Bevölkerung. Vermutlich liegt jedoch aber auch der Durchimpfungsgrad in der Bevölkerung Nigerias vergleichsweise niedrig. Die nigerianischen Gesundheitsbehörden haben nun mehr als 75.000 Dosen von Masern-Impfstoff für die betroffene Region bereitgestellt. Reisende kommen nur selten in die genannte Region. Alle Reisenden in Afrika sollten grundsätzlich über eine Masern-Immunität verfügen (ProMED; 21. Mai 2008).

Masern in England
In der englischen Hauptstadt London werden jetzt von den Gesundheitsbehörden Maßnahmen gegen einen Masern-Ausbruch eingeleitet, nachdem die Situation als kritisch angesehen wird. Obwohl keine genauen Zahlen über Erkrankungsfälle genannt werden, nahm deren Zahl in den letzten Wochen ständig zu. Nach den verfügbaren Daten verfügen nur etwa Dreiviertel der Kinder über eine einmalige Masern-Impfung. Die Impfung kam vor einigen Jahren in Verruf, als eine Assoziation mit Autismus hergestellt wurde. Seither nahm die Zahl der geimpften Kleinkinder stetig ab. Damit stieg die Zahl der nicht-immunen Population, was jetzt immer wieder zu Ausbrüchen führt. Reisende nach London und auf die britischen Inseln sollten daher über eine Masern-Immunität verfügen (ProMED, 20. Mai 2008).

Dengue Fieber auf den Philippinen
Die Philippinen melden in diesem Jahr bereits mehr als 10.000 Dengue-Erkrankungsfälle. Dies bedeutet einen Anstieg im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres um 30%. Am meisten betroffen ist die Hauptstadt-Region (Metro-Region) mit den Städten Manila, Quezon und Caloocan. Auch in anderen Teilen des Landes (Central Visayas, Central Luzon, Calabarzon, Zamboanga, and Soccsksargen) werden vergleichsweise hohe Erkrankungszahlen gemeldet. Reisende auf die Philippinen und insbesondere auch in die großen Städte des Landes sollten vor Reisebeginn auf das erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und die Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe konsequent anwenden (ProMED, 19. Mai 2008).

Dengue Fieber auf Bali, Indonesien
Auf der indonesischen Ferien-Insel Bali wird eine hohe Dengue-Aktivität registriert. Insgesamt wurden allein im Monat April rund 400 Patienten mit Dengue-Fieber behandelt. Die tatsächlichen Infektions- und Erkrankungszahlen liegen vermutlich um ein Vielfaches höher. Die Monsunzeit nähert sich dem Ende, so dass die Gesundheitsexperten noch einen Anstieg der Stechmücken-Aktivität und damit der Dengue-Fieberfälle befürchten. In verschiedenen Teilen wurden Insektizide versprüht, um die Stechmücken-Populationen zu reduzieren. Reisende nach Bali sollten über das aktuell erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 20. Mai 2008).

Brucellose in Aserbaidschan
In einer Ortschaft im Khachmaszkiy-Distrikt sind 4 Bewohner an Brucellose erkrankt. Weitere Untersuchungen zeigten weitere 10 Bewohner der Ortschaft mit Brucellose. Es handelt sich um Brucella melitensis, die höher pathogene Form des Erregers. Überträger sind in den meisten Fällen Ziegen und Schafe. Die Übertragung erfolgt durch Genuss unbehandelter Produkte (Milch, Käse) von infizierten Schafen oder Ziegen oder durch direkten Kontakt mit dem Erreger, z.B. im Rahmen von Geburten von Lämmern. Über die Durchseuchung der Tierbestände in der Region sind keine Daten verfügbar. Reisende nach Aserbaidschan sollten keine Milch oder Milchprodukte unbehandelt genießen. Jeder direkte Kontakt mit Tieren sollte vermieden werden (ProMED, 20. Mai 2008).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in der Mongolei
Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl der Erkrankungen von Hand-Fuß-Mund-Krankheit in der Mongolei um mehrere hundert Fälle an. Insgesamt ist aktuell von rund 600 Erkrankungsfällen die Rede. Während in einer ersten Information in erster Linie die mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar betroffen war, sind aktuell Erkrankungsfälle in 10 verschiedenen Provinzen registriert worden. Es muss das gesamte Land als potentiell endemische Region betrachtet werden. Erreger ist vermutlich Enterovirus Typ 71. Die Übertragung erfolgt direkt (fäkal-oral) oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Betroffen sind in erster Linie Kinder. Reisende in die Mongolei sollten peinlich die Empfehlungen zur persönlichen Hygiene durchführen (ProMED, 17. Mai 2008).



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