KW 20 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Milzbrand in den USA
Im US-Bundesstaat North Dakota ist Milzbrand ausgebrochen. In Sioux County im zentralen Süden des Bundesstaats ist ein Rind am Milzbrand verendet. Der Fall ist insbesondere ungewöhnlich, da der Milzbrand bisher in erster Linie im Nordosten des Bundesstaats endemisch auftrat. Damit ist dies der erste Fall von Milzbrand in diesem Jahr. Die Veterinärbehörden empfehlen den Farmern dringend ihre Vieherden zu impfen. Neben den Rindern tritt der Milzbrand in North Dakota auch bei den wilden Bisons auf. Betroffen sind auch die großen Nationalparks. Reisende und Besucher sollten jeden direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder mit Kadavern verendeter Tiere vermeiden (ProMED, 21. Mai 2010).

Masern in Slowenien
In Slowenien sind drei Menschen an den Masern erkrankt. Es handelt sich dabei um die ersten Erkrankungsfälle von Masern seit zehn Jahren. Der Indexfall hatte sich mit den Masern vermutlich bei einem Aufenthalt in Irland infiziert. Zurück in Ljubljana wurde er in ein Krankenhaus eingewiesen. Die beiden weiteren Erkrankten sind ein medizinisches Pflegepersonal und ein Besucher, die sich nosokomial infizierten. Grundsätzlich sollten alle Bewohner in Deutschland gegen Masern geimpft sein. Masernausbrüche können immer wieder auftreten, wenn die Populations-Immunität unter 85% fällt. Grundsätzlich stellt die reisemedizinische Beratung eine gute Gelegenheit dar, den Impfschutz gegen Infektionen wie Masern oder Tetanus zu überprüfen und ggf. zu komplettieren (ProMED, 21. Mai 2010).

Hendra-Virus in Australien
Im Rahmen eines Ausbruchs mit dem Hendra-Virus ist ein Pferd im australischen Bundesstaat Queensland verendet. Menschliche Erkrankungen sind bisher nicht aufgetreten. Hendra-Virus ist ein Paramyxovirus, das von Flughunden übertragen wird. Die Übertragung auf den Menschen kann auch durch Kontakt mit Blut oder Gewebe infizierter Pferde erfolgen. Beim Menschen führt die Erkrankung zu einer Enzephalitis oder einem Multiorganversagen. Hendra-Virus wurde bisher nur auf dem australischen Kontinent nachgewiesen. Ein verwandtes Virus ist Nipah-Virus, das in Südostasien immer wieder zu Enzephalitis-Ausbrüchen führt. Reisende nach Australien sollen sich von Flughund-Kolonien fernhalten und jeden direkten Kontakt mit erkrankten Pferden oder mit Pferdekadavern vermeiden (ProMED, 21. Mai 2010).

West Nil-Virus in Italien
Im Norden Italiens wurden 60 Gemeinden unter besondere Beobachtung gestellt, nachdem eine deutliche Ausbreitung des West Nil-Virus von der Emilia Romagna in Richtung Lombardei festzustellen ist. Bisher werden keine Erkrankungsfälle bei Menschen gemeldet, allerdings treten die ersten Fälle meist erst im Hochsommer auf. Grundsätzlich sollten Reisende in den Norden Italiens Gegenden mit hohen Stechmücken-Populationen (v.a. Sümpfe, Teichlandschaften) vermeiden, da hier mit einem erhöhten Übertragungsrisiko zu rechnen ist. Bei Stechmücken-Stichen sollte eine individuelle Expositionsprophylaxe durchgeführt werden (ProMED, 20. Mai 2010).

Puumala-Virus in Deutschland

In Teilen Deutschlands wird über eine sehr hohe Zahl von Erkrankungen mit Puumala-Virus berichtet. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden bereits rund 400 Erkrankungsfälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Damit liegt die Zahl augenblicklich fast doppelt so hoch wie im Jahr 2007, als die bisher höchste Zahl von Infektionen in Deutschland registriert worden war. Die Erkrankungen treten überwiegend in den bekannten endemischen Regionen in Baden-Württemberg und in Bayern auf. Puumala-Virus wird durch die Rötelmaus (Myodes glareolus) übertragen. Die Mäuse sind lebenslang infiziert und scheiden das Virus mit Urin und Sekreten ein Leben lang aus. Die Infektion auf den Menschen erfolgt durch direkten Kontakt oder mit Aerosol virushaltiger Mäusematerialien. Reisende sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkreten oder Sekreten vermeiden (ProMED, 20. Mai 2010).

Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber-Virus in Russland
In Russland sind in diesem Jahr bereits sechs Fälle von Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber aufgetreten. In der Region Stavropol wurden vier, in der Region Rostov am Don zwei Erkrankungsfälle diagnostiziert. Dies sind die bekannten endemischen Regionen Russlands. Die Übertragung erfolgte in allen bisherigen Fällen durch direkten Kontakt mit Nutztieren (Rinder, Schafe, Ziegen). Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber kann durch direkten Kontakt mit Blut oder Gewebe infizierter Nutztiere oder durch Zecken auf den Menschen übertragen werden. Reisende in die genannten Regionen im Süden Russlands sollten Maßnahmen zum Schutz vor Zecken durchführen und jeden direkten Kontakt mit nicht vorbehandelten tierischen Materialien vermeiden (ProMED, 20. Mai 2010).

Masern in Russland
Im Fernen Osten Russland sind die Masern ausgebrochen. Mehr als 50 Erkrankungsfälle sind in der Amur-Region aufgetreten. Als Ursache des Ausbruchs wird eine sich augenblicklich in der Grenzregion Chinas (Heihe Provinz) ablaufende Masernepidemie genannt, an der bisher nach offiziell nicht bestätigten Angaben mindestens 280 Menschen erkrankt sind. In der Amur-Region wurden nun mehr als 14.000 Menschen gegen Masern geimpft. Reisende in den Fernen Osten Russlands, insbesondere in die Grenzregionen zwischen Russland und China, sollten über einen ausreichenden Masern-Immunschutz (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED; 20. Mai 2010).

Lassa-Fieber in Nigeria

Aus dem nördlichen nigerianischen Bundesstaat Kebbi wird ein Lassa-Fieberausbruch gemeldet. Mindestens 17 Menschen sind an der Virusinfektion verstorben, eine nicht näher genannte Zahl („Dutzende“) von Bewohnern sind am Lassa-Fieber erkrankt. Lassa-Fieber wird vom gleichnamigen Virus verursacht. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit Nagerexkrementen oder Nagetieren der Vielzitzenratte (Mastomys natalensis) oder durch Aerosol von Virus-kontaminiertem Staub. Reisende nach Nigeria und weitere Länder Westafrikas (Sierra Leone, Guinea, Liberia) sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder mit deren Exkrementen kontaminierten Gegenständen vermeiden (ProMED, 19. Mai 2010).

Tollwut in Angola

Innerhalb einer Woche sind in Angola mindestens elf Menschen an Tollwut verstorben. Damit steigt die Zahl der Todesfälle an Tollwut in Angola in diesem Jahr bereits auf 78. Die aktuellen Fälle wurden in vier Provinzen gezählt. Damit ist im gesamten Land mit Tollwut zu rechnen. Die Übertragung erfolgt durch streunende, verwilderte Hunde. Es handelt sich damit um die urbane Übertragungsform der Erkrankung. Reisende nach Angola sollten jeden direkten Kontakt mit Hunden vermeiden. Im Fall eines entsprechenden Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei Aktivitäten mit einem erhöhten Risiko einer Übertragung sollte eine Präexpositionsprophylaxe durchgeführt werden (ProMED, 19. Mai 2010).

Paralytisches Schalentier-Syndrom in China

In Hongkong und in Macao sind insgesamt 38 Menschen am Paralytischen Schalentier-Syndrom erkrankt. Es handelt sich um eine Vergiftung durch Aufnahme von Saxitoxin, einem Algentoxin, das sich in Schalentieren anreichert. Bei Verzehr ausreichender Mengen über Meeresfrüchte kann die Vergiftung zu Lähmungen und zum Tod führen. Als Infektionsquelle des aktuellen Ausbruchs werden Kammmuscheln vermutet, nachdem in entsprechenden Muscheln auf lokalen Märkten in China das Toxin nachgewiesen werden konnte. Die Ursache, bzw. Quelle für die hohen Toxinkonzentrationen sind bisher nicht klar. Reisende nach China sollten augenblicklich keine Kammmuscheln verzehren (ProMED, 18./19. Mai 2010).

Diphtherie in Haiti
Seit Mitte Mai wird aus Haiti ein Diphtherie-Ausbruch gemeldet. Patienten wurden in einem der Lager für Opfer nach dem Erdbeben diagnostiziert. Die Zahl der bisher diagnostizierten Patienten wurde nicht mitgeteilt. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs ist bisher nicht klar. Die Vereinten Nationen planen nun Notfall-Impfungen. In der ersten Phase sollen rund 2.000 Menschen geimpft werden, die direkt mit dem Erreger exponiert waren. In einer zweiten Phase sollen die Bewohner der betroffenen Flüchtlings-Lager geimpft werden. Reisende, insbesondere solche mit Kontakten zur lokalen Bevölkerung, sollen über einen ausreichenden Immunschutz gegen Diphtherie verfügen (ProMED, 19. Mai 2010).

Malaria in Indien

In der indischen Millionenstadt Mumbai (Bombay) sind allein im Mai dieses Jahres bereits drei Menschen an Malaria verstorben. Im April wurden mehr als 3.000 Infektionen gemeldet. Dies bedeutet eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum und eine Vervierfachung der Erkrankungsfälle zum Vergleichszeitraum des Jahres 2008. Die Mediziner der Stadt sind über die hohen Erkrankungszahlen sehr überrascht. Als Erklärung werden die vergleichsweise niedrigen Temperaturen angegeben. Die Malariaübertragung sistiert bei mehr als 40°C. Nachdem aktuell die Temperaturen deutlich niedriger liegen als im Durchschnitt, wird weiter eine Malaria-Übertragung beobachtet. Reisende nach Mumbai sollten entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft eine Chemo- und Expositionsprophylaxe zur Vermeidung der Malaria durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Milzbrand in Kolumbien
Aus der kolumbianischen Provinz La Guajira wird ein Milzbrand-Ausbruch gemeldet. Betroffen ist hier der Stamm der Wayuu, bei denen Ziegenfleisch einen wichtigen Bestandteil der Nahrung darstellt. Nun wurde ein Mädchen nach Verzehr von Fleisch einer an Milzbrand verstorbenen Ziege vermutlich mit Darmmilzbrand in ein Krankenhaus eingewiesen. Die betroffene Region zählt nicht zu den typischen Reiseregionen. Reisende sollten trotzdem immer daran denken, dass Nahrungsmittel in entsprechenden Ländern nicht unbedingt den gewohnten Standards entsprechen. Daher sollten die allgemeinen Empfehlungen der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachtet werden (ProMED, 17. Mai 2010).

Mumps in den USA
Der aktuell an der Ostküste der USA ablaufende Mumps-Ausbruch scheint sich weiter auszubreiten. Aktuell wurden im US-Bundesstaat Kalifornien bereits neun Fälle von Mumps diagnostiziert. Dies sind zwei Fälle mehr als im gesamten Jahr 2009. Mindestens vier der neun Fälle konnten mit dem Ausbruch an der Ostküste in Verbindung gebracht werden, wo die Virusinfektion in der Bevölkerungsgruppe der orthodoxen Juden ausgebrochen war und sich seither ausgebreitet hatte. Reisende in die USA sollen über einen ausreichenden Mumps-Immunschutz (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED, 17. Mai 2010).

Masern in Kanada
Die Masern breiten sich in Kanada weiterhin aus. In der letzten Woche wurden mindestens vier weitere Erkrankungsfälle gezählt. Acht Verdachtsfälle sind aktuell in der bestätigenden Diagnostik. Damit zeigt sich eine Tendenz der Ausbreitung nach Westen. Reisende nach Kanada und insbesondere in den Westen Kanadas sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Mumps (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED, 16. Mai 2010).

Enterovirus-Infektion in Kanada aus dominikanischer Republik

Die kanadischen Gesundheitsbehörden berichten über einen Ausbruch mit Enterovirus-Infektionen in einer Gruppe von kanadischen Schülern, die sich vom 25.März bis zum 2 April in der Dominikanischen Republik aufgehalten hatten. Von den rund 200 Studenten zeigten 23 Zeichen einer ZNS-Infektion. Davon waren 7 Schüler Teilnehmer der Reise, die übrigen 16 Schüler hatten enge Kontakte zu den Reisenden nach ihrer Rückkehr. Bei einigen Studenten konnten Enteroviren nachgewiesen werden, so dass von einem Ausbruch ausgegangen wird. Aus der Dominikanischen Republik existieren momentan keine Informationen über eine erhöhte Enterovirus-Aktivität. Reisende in die Dominikanische Republik sollten aktuell besonders auf die Empfehlungen der allgemeinen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene achten (ProMED, 16. Mai 2010).

Listeriose in den USA

Im US-Bundesstaat Texas sind innerhalb weniger Wochen sieben Menschen an Listeriose erkrankt. Zwei davon sind an der Infektion verstorben. Fünf Patienten stammten aus dem County Bexar, jeweils ein Fall aus den Counties Travis und Hidalgo. Alle Patienten waren älter als 65 Jahre. Bisher konnte eine gemeinsame Infektionsquelle nicht nachgewiesen werden. Es besteht der Verdacht, dass Speisen einer kanadischen Feinkost-Firma (Zadi Foods) in einem Zusammenhang mit den Erkrankungen stehen könnten. Reisende mit Grunderkrankungen oder mit höherem Alter wird momentan vom Verzehr entsprechender Feinkost-Nahrungsmittel der genannten Firma abgeraten

Rotavirus-Impfstoff in den USA
Die für die Zulassung von Impfstoffen in den USA zuständige Behörden Food and Drug Administration (FDA) hat mitgeteilt, dass nach ausführlicher Prüfung möglicher Kontaminationen mit Porcinen Circo-Viren von den beiden in den USA verfügbaren Impfstoffen gegen Rotavirus-Infektionen, Rotarix und RotaTeq, keine Gefahr für Menschen ausgeht. Damit wurde das Ruhen der Zulassung für die Impfstoffe aufgehoben. Die Impfstoffe können damit in den USA wieder verabreicht werden (ProMED, 15. Mai 2010).

Chagas-Krankheit in Venezuela

In der venezolanischen Hauptstadt Caracas sind 15 Menschen an Chagas-Krankheit erkrankt. Alle Erkrankten stammen aus einem Stadtviertel. Es handelt sich um den dritten Ausbruch von Chagas-Krankheit innerhalb von 30 Monaten. Als Infektionsquelle kommen Raubwanzen oder das Trinken von Fruchtsäften in Frage, die mit Raubwanzen kontaminiert sind. Reisende nach Caracas und Venezuela sollten Maßnahmen zum Schutz vor Raubwanzen treffen. Diese leben insbesondere in alten Gemäuern mit vielen Ritzen. Bei Fruchtsäften aus unbekannter Herkunft sollten Reisende vorsichtig sein (ProMED, 15. Mai 2010).

Rift Valley Fieber in Namibia
Das Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Forsten in Namibia meldet einen Rift Valley Fieber-Ausbruch. Betroffen ist bisher eine Farm. Hier sind von rund 3.300 Schafen sieben erkrankt und drei verendet. Damit scheint sich der Ausbruch in Südafrika in nördlicher Richtung nach Namibia ausgebreitet zu haben. Reisende nach Namibia sollten bei Auftreten von Stechmücken-Populationen Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen und keine unbehandelten Produkte von landwirtschaftlichen Nutztieren verzehren (ProMED, 15. Mai 2010).

Poliomyelitis in Russland
Aus der sibirischen Stadt Irkutsk wird der erste Fall einer Poliomyelitis seit 13 Jahren gemeldet. Es handelt sich um ein Mädchen, das zu Besuch in Tadschikistan war und sich dort vermutlich mit dem augenblicklich zirkulierenden Poliovirus infiziert hat. Bei der Patientin wurden klinische Symptome einer Polio diagnostiziert. Bei einem neunmonatigen Mädchen wurde ebenfalls Poliovirus im Stuhl nachgewiesen, ohne dass es bisher zu einer Symptomatik gekommen wäre. Reisende in die mittelasiatische Region, aber insbesondere nach Tadschikistan und die angrenzenden Regionen Russlands, sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 15. Mai 2010).

Keuchhusten in den USA
Im US-Bundesstaat Minnesota ist in einer Schule im Writh County der Keuchhusten ausgebrochen. Insgesamt sind mindestens 46 Schüler einer Grundschule erkrankt. Das Erkranken von Grundschülern ist typisch, da hier der Immunschutz der Grundimmunisierung langsam abfällt. Deshalb sollte vor der Einschulung nochmals gegen Keuchhusten aufgefrischt werden. Auch Erwachsene sollten zehn Jahre nach der letzten Keuchhusten-Impfung geimpft werden (ProMED, 14. Mai 2010).

Tollwut in den USA
In Texas sind innerhalb weniger Tage mehrere Tiere an Tollwut erkrankt und verendet. Es handelt sich um einen Waschbären und eine Hauskatze, bei in der texanischen Stadt Llano. In Babyhead war im März bereits ein Stinktier mit Tollwut aufgefunden worden. Nach Auskunft der zuständigen Veterinärbehörden wurden in diesem Jahr damit schon mehr Tiere mit Tollwut nachgewiesen als im gesamten Jahr 2009. Im Bundesstaat New York wurden ebenfalls innerhalb weniger Tage zwei Waschbären mit Tollwut diagnostiziert. Einer hatte zwei Menschen und einen Hund, der andere einen Hund attackiert. Nach wie vor ist die Tollwut in verschiedenen Regionen der USA hochaktiv. Reisende in die USA sollten vor jedem Tier Abstand halten. Nach direktem Kontakten mit aggressiven oder auffälligen Tieren sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 14. Mai 2010).

Angiostrongyliasis in Australien
In Sydney wurde bei einem Patienten mit eosinophiler Meningitis eine Infektion mit Angiostrongylus cantonensis nachgewiesen. Es handelt sich um eine Helmintheninfektion, die in Australien bisher selten diagnostiziert wurde. Die Helmintheneier werden von Ratten, den Hauptwirten des Wurms, mit dem Kot ausgeschieden und können dann von Weg- oder Wasserschnecken aufgenommen werden. Der Patient hatte sich durch den Verzehr einer Wegschnecke infiziert. Eine Angiostrongyliasis kann zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild führen. Reisende sollten auf den Verzehr von Schnecken verzichten (ProMED, 15./16. Mai 2010).

Tollwut in Indonesien
Auf der indonesischen Ferieninsel Bali ist die Tollwut weiterhin aktiv. Nun ist im Unterdistrikt Buleleng ein Schüler an Tollwut erkrankt und verstorben, der von einer Katze gebissen worden war. Es handelt sich um den ersten bekannt gewordenen Fall einer Tollwut-Übertragung durch Katzenbiss im Rahmen des aktuellen Ausbruchsgeschehens auf Bali. Der Schüler war der 50. Todesfall an Tollwut seit Beginn des Ausbruchs im Jahr 2009. Reisende nach Bali sollten grundsätzlich jeden Kontakt mit unbekannten Tieren vermeiden. Bei entsprechenden Kontakten mit Tieren mit aggressivem oder ungewöhnlichem Verhalten sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 17. Mai 2010).

Dengue-Fieber in Nepal

Erstmals sind im Tal von Katmandu zwei autochthone Fälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Die vorwiegend durch Aedes aegypti übertragene Virusinfektion war bisher nur im Tiefland Nepals, in den Distrikten Tarai und Inner-Tarai nachgewiesen worden. Inwieweit sich die Infektion im Tal von Katmandu auf einer Höhe von rund 2.000 m etablieren kann, oder ob es nur zu einer Einschleppung eines virämischen Patienten oder von Virus-infizierten Stechmücken aus der Terai-Region mit einer einmaligen saisonalen Übertragung gekommen ist, bleibt abzuwarten. Unter Berücksichtigung der aktuell vorliegenden Daten ist das Risiko für Reisende als gering einzuschätzen. Inwieweit in der Terai-Region ein erhöhtes Übertragungsrisiko herrscht ist unklar. Reisende sollten in den südlichen niedrig gelegenen Landesregionen einen individuellen Stechmücken-Expositionsschutz durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Dengue Fieber in Tansania
Nachdem bei zwei japanischen Reisenden nach ihrer Rückkehr aus der tansanischen Hauptstadt Dar es Salaam Dengue-Fieber, verursacht durch Dengue-Virus vom Serotyp 3, verursacht worden war, melden nun die Behörden einen Ausbruch in Dar es Salaam. Aktuell ist von mindestens 17 Erkrankten die Rede. Die Erkrankten hatten sich u.a. auch auf der im Indischen Ozean vorgelagerten Insel Sansibar aufgehalten. Der eigentliche Übertragungsfokus bleibt damit unklar. Reisende nach Dar es Salaam und Sansibar sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Dengue-Fieber in Guadeloupe
Auf der Karibik-Insel werden wöchentlich von rund 60 Fällen von Dengue-Fieber berichtet. Die Zahl der Arztbesuche aufgrund fieberhafter Symptomatik liegt bei bis zu 500 pro Woche, etwa das Siebenfache dessen, was im gleichen Zeitraum des Vorjahres registriert worden war. Besonders betroffen ist der Distrikt Grande-Terre und hier die Stadt St. Francis. Die Fallzahlen sind seit Wochen stabil. Ursache für den Anstieg der Erkrankungszahlen in den letzten Wochen ist die Zunahme der Temperatur und der Feuchtigkeit. Reisende nach Guadeloupe und die angrenzenden Inseln sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Dengue-Fieber auf Guatemala

Im Distrikt Escuintla, im Süden des mittelamerikanischen Landes ist ein Dengue-Fieberausbruch zu verzeichnen. Bisher wurden mehr als 300 Erkrankungsfälle registriert. Dies bedeutet, dass die Zahl bereits höher liegt als im gesamten Jahr 2009. Ein wichtiger Grund für den Ausbruch ist die offene Lagerung von Wasser in der regenarmen Region. Diese führte in den letzten Wochen zu hohen Stechmücken-Populationen. Reisende in den Süden Guatemalas und die angrenzenden Regionen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Dengue-Fieber in Nicaragua
In Nicaragua sind seit dem Beginn der Regenzeit und der daran assoziierten Übertragungsperiode des Dengue-Virus rund 2.800 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt. Mehrere Menschen scheinen schon an der Infektion verstorben zu sein, ohne dass hierzu genauere Daten vorliegen. Am meisten sind Kinder im Alter von 3-5 Jahren betroffen. Als Hauptgrund sehen die Behörden des Landes den Müll, der überall ungeordnet deponiert wird und der in der aktuellen Regenzeit optimale Bedingungen für Brutplätze von Aedes aegypti darstellt. Reisende nach Nicaragua und die angrenzenden Regionen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Dengue-Fieber auf den Galapagos-Inseln
Nach bisher nicht offiziell bestätigten Informationen herrscht auf den beiden Galapagos-Inseln San Cristobal und Santa Cruz ein ausgedehnter Dengue-Fieberausbruch mit hunderten oder gar tausenden von Erkrankten. Nach Informationen eines Reisenden sind von einer Familie mit rund 30 Mitgliedern bisher 2-3 nicht erkrankt. Dies würde, soweit übertragbar, bedeuten, dass rund 90% der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht haben. Aktuell gibt es keine Informationen zum verantwortlichen Serotyp. Reisende auf die beiden genannten Galapagos-Inseln sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Dengue-Fieber in Paraguay
Im Norden Paraguays, an der Grenze zum brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul sind in diesem Jahr bereits rund 5.000 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt. Mindestens elf Menschen sind am Dengue-Fieber verstorben. Betroffen sind insbesondere die Provinzen Central, Amabay, Concepcion und Alto Parana. Allerdings muss nach Anngaben der Gesundheitsbehörden in allen Provinzen mit einem Risiko der Übertragung durch Stechmücken gerechnet werden. Die Virusinfektion wurde durch die Reisen der Bevölkerung während der Oster-Feiertage im ganzen Land verbreitet. Reisende nach Paraguay sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 18. Mai 2010).

Tollwut in Mexiko
Im Bundesstaat Tabasco, im Südosten Mexikos, sind mehrere Rinder an Tollwut erkrankt und verendet. Die betroffenen Rinder weiden auf freien Grasflächen. Mittlerweile wurden Impfaktionen gestartet, um die mehr als 1.600 Rinder in der betroffenen Region zu impfen. Die Infektion der Rinder erfolgt durch die Vampir-Fledermaus (Desmodus rotundus). Diese leckt in der Dunkelheit Blut von den weidenden Rindern und infiziert die Rinder mit Tollwut-Virus über ihren Speichel, den sie in die Wunde abgibt, um die Blutgerinnung zu verhindern. Menschen sind bisher nicht erkrankt. Die Infektion kann grundsätzlich beim Menschen erfolgen, wenn dieser ungeschützt in der Nacht im Freien schläft. Reisende in die genannte Region sollten daher nicht im Freien übernachten (ProMED, 18. Mai 2010).



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