KW 20 / 2008: Epidemiologische Informationen

Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in RusslandNach Angaben der lokalen Gesundheitsbehörden des Distrikts Stavropol im Süden Russlands ist die diesjährige Situation bezüglich der Zecken und des dadurch übertragenen Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers in der Region als ernst zu bezeichnen. Seit Jahresbeginn wurden bisher 10 Erkrankungsfälle registriert. Dies bedeutet einen Anstieg um mehr als das Dreifache im Vergleich zum Zeitraum des letzten Jahres (3 Erkrankungsfälle). Die Zahl der Arztbesuche aufgrund von Zeckenstichen ist mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Es ist damit von einer hohen Zeckenaktivität auszugehen. Reisende in die Region im Süden Russlands sollten alle Möglichkeiten der Zecken-Expositionsprophylaxe durchführen. Insbesondere sollten Zecken niemals mit den Fingern entfernt und/oder zerquetscht werden (ProMED, 15. Mai 2008).
Dengue-Fieber in PeruIn Peru sind in diesem Jahr schon mehr als 6.400 Fälle von Dengue-Fieber gemeldet worden. Davon wiesen 25 Erkrankungsfälle hämorrhagische Verlaufsformen auf. Bisher wurden keine Todesfälle gemeldet. Betroffen sind in erster Linie der Osten und Nordosten des Landes im Amazonas-Tiefland des südamerikanischen Landes. Reisende in die amazonischen Tiefland-Regionen des südamerikanischen Landes sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. Mai 2008).
Dengue-Fieber in BrasilienDas durch Stechmücken übertragene Dengue-Fieber grassiert weiterhin in Teilen Brasiliens. Im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden seit Jahresbeginn mehr als 135.000 Erkrankungsfälle, in der Stadt Rio de Janeiro mehr als 76.000 Erkrankungsfälle registriert. Im Bundesstaat Rio Grande del Norte wurde jetzt der Notstand ausgerufen, nachdem in diesem Jahr schon mehr als 20.000 Erkrankungsfälle registriert wurden. Insgesamt ist die Situation in Brasilien immer noch als kritisch einzustufen. Reisende nach Brasilien sollten daher weiterhin eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. Mai 2008).
Dengue-Fieber in IndonesienIm indonesischen Kalimantan wird eine erhöhte Dengue-Virus-Aktivität beobachtet. Bisher sind in diesem Jahr mehr als 2.400 Erkrankungsfälle mit mindestens 41 Todesfällen aufgetreten. Die höchste Aktivität tritt in der Stadt Balipapan (865 Erkrankungsfälle, 13 Todesfälle) auf, gefolgt von der Region Kartanegra (231 Todesfälle, 8 Todesfälle). Die Aktivität ist auf großen Teilen der Insel Borneo als hoch einzuschätzen. Reisende nach Borneo und insbesondere den südöstlichen Teil der Insel sollten daher eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. Mai 2008).
Melioidose in AustralienIm australischen Northern Territory sind mehrere hundert Ziegen an Melioidose erkrankt. Es handelt sich um eine bakterielle Erkrankung, verursacht durch den Erreger Burkholderia pseudomallei. Der Erreger kommt vor allem in Südostasien und im Norden Australiens vor. Nach starken Regenfällen treten immer wieder endemisch und epidemisch auch menschliche Erkrankungsfälle auf. Die Erreger werden durch direkten Kontakt der Haut mit durch Bakterien kontaminiertem Wasser und Erde übertragen. Auch die aerogene Aufnahme von bakterienhaltigem Wasser kann zu Infektionen (Pneumonie) führen. Die deutlich gestiegene Zahl von tierischen Infektionen zeigt, dass auch für Menschen aufgrund der meteorologischen Gegebenheiten aktuell ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Reisende sollten daher jeden direkten Hautkontakt mit feuchter Erde und Wasser vermeiden (ProMED, 14. Mai 2008).
Hand-Fuß-Mund-Krankheit in der MongoleiDie durch verschiedene Enteroviren verursachte Hand-Fuß-Mund-Krankheit breitet sich weiter über Teile Ostasiens aus. In der Mongolei wurden jetzt rund 300 Erkrankungsfälle beobachtet. Die ersten Fälle wurden in der Hauptstadt Ulaanbaatar registriert. Über eine mögliche weitere geographische Ausbreitung der Infektion über weitere Teile des Landes liegen bisher keine Informationen vor, allerdings ist mit einer weiteren Verbreitung der Virusinfektion zu rechnen. Betroffen sind überwiegend Kinder. Die Infektion erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt (fäkal-oral, Schmierinfektion). Reisende in die Mongolei, insbesondere in Begleitung von Kindern, sollten auf die peinliche Einhaltung der Maßnahmen der persönlichen Hygiene achten (ProMED, 12./13. Mai 2008).
Masern in KanadaIn der kanadischen Stadt Toronto sind in der letzten Woche wiederum mindestens 4 Fälle von Masern diagnostiziert worden. Nachdem schon vor einigen Wochen mehrere Fälle von Masernfälle registriert worden waren, rufen die aktuellen Erkrankungsfälle die Besorgnisse der Gesundheitsbehörden hervor, da es sich um Patienten handelt, die in der Innenstadt leben und sich dort insbesondere in den unterirdischen Fußgängerzonen aufhielten. Damit besteht die Möglichkeit, dass sich noch sehr viel mehr Menschen an den Masern infiziert haben könnten. Reisende nach Kanada und insbesondere nach Toronto sollten aktuell über einen ausreichenden Masernschutz verfügen. Generell sollten alle Bewohner in Deutschland gegen Masern natürlich oder durch Impfung immun sein. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Möglichkeit zur Überprüfung des Masern-Immunschutzes dar (ProMED, 9. Mai 2008).
Tollwut in EnglandIn der englischen Stadt Sussex in der Grafschaft Surrey wurde eine kranke Fledermaus gefunden, die nach entsprechender Untersuchung als Tollwut-Virus-Träger identifiziert werden konnte. Es handelte sich um das Europäische Fledermaus-Lyssavirus Typ 2 (EBLV-2). Es handelt sich um eine Daubenton'sche Fledermaus. Diese Fledermaus-Art wurde schon mehrmals mit EBLV-2 infiziert gefunden. Grundsätzlich sollte nach jedem direkten Kontakt mit Fledermäusen eine Post-Expositionsprophylaxe durchgeführt werden. Personen mit regelmäßigem Fledermaus-Kontakt sollten einen präexpositionellen Immunschutz aufweisen (ProMED, 10. Mai 2008).
Tollwut in South Carolina, USAIm US-Bundesstaat South Carolina wurde bei 16 Menschen eine Tollwut-Postexpositions-Prophylaxe durchgeführt, nachdem diese Personen direkten Kontakt mit einem tollwütigen Waschbären hatten. Weiterhin wurden 20 Haustiere (Hunde, Katzen) ebenfalls unter Quarantäne gestellt, da ein Kontakt mit dem Waschbären nicht auszuschließen ist. Das Beispiel zeigt, dass jeder Kontakt mit einem Wild- oder Haustier mit unnatürlichem Verhalten an eine Infektion mit Tollwut denken lassen sollte. Es sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 11. Mai 2008).
Hepatitis E in UgandaDie Hepatitis E breitet sich in Uganda aus und hat mittlerweile auch die Provinz West Nile erreicht. Aktuell ist von mindestens 23 Erkrankten und davon 4 Todesfälle, nach anderen Quellen von mindestens 153 Erkrankungsfällen und 23 Todesfällen die Rede. Genauere Zahlen sind jedoch aktuell nicht verfügbar. Auch das genaue Ausmaß der Ausbreitung im ostafrikanischen Land und ggf. über dessen Grenzen hinaus ist unklar. Die Hepatitis B wird insbesondere durch kontaminiertes Wasser und daraus bereitete Nahrungsmittel übertragen. Das Hepatitis E-Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden und kontaminiert unter inadäquaten sanitären Bedingungen das Trinkwasser. Auch eine Beteiligung von Tieren (u.a. Schweine) an der Zirkulation des Virus in der Natur ist nicht auszuschließen. Reisende nach Ostafrika sollten alle Maßnahmen der Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt befolgen (ProMED, 12. Mai 2008).