KW 19 / 2010: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in IndienIm Distrikt Sundargarh des indischen Bundesstaats Orissa sind mindestens sieben Menschen am Milzbrand erkrankt. Als Infektionsquelle konnten eine tote Kuh und ein totes Schaf identifiziert worden, das von den Bewohnern der beiden betroffenen Dörfer verarbeitet und verzehrt wurde. Die Bewohner der Sundargarh-Dörfer sind arm und verzehren daher auch das Fleisch kranker Tiere oder von Tierkadavern. Im Bundesstaat West-Bengalen sind 50 Menschen erkrankt und zwei Menschen verstorben, nachdem sie ebenfalls das Fleisch einer toten Kuh verzehrt hatten. Reisende nach Orissa, West Bengalen und in das gesamte Indien sollten vorsichtig sein beim Verzehr von Fleisch unbekannten Ursprungs.
Grundsätzlich sollte Fleisch nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 8./13. Mai 2010).
Masern in BulgarienIn Bulgarien hat ein Masernausbruch unter der dortigen Roma-Bevölkerung in den letzten Wochen an Heftigkeit zugenommen. Mittlerweile wurde von den türkischen Behörden die Grenze zwischen beiden Staaten für Personen mit Masern-Symptomen geschlossen. Seit vergangenem Jahr sind in Bulgarien mehr als 18.000 Menschen an den Masern erkrankt. Bisher werden 20 Todesfälle gemeldet. Der letzte große Masernausbruch in Bulgarien liegt 18 Jahre zurück. Damals erkrankten 22.000 Menschen. Reisende nach Bulgarien sollten einen ausreichenden Immunschutz gegen Masern (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) aufweisen (ProMED, 12. Mai 2010).
Windpocken in Florida, USADie Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaats Florida haben eine Warnung ausgegeben, nachdem seit Februar dieses Jahres 41 Menschen im Lee County an den Windpocken erkrankt sind. Dies ist die dreifache Anzahl der sonst dort in einem ganzen Jahr registrierten Erkrankungsfälle an Windpocken. Am meisten betroffen sind Grundschüler. Reisende nach Florida und insbesondere in den betroffenen Lee County sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Windpocken (dokumentiert durchgemachte Infektion oder zweimalige Impfung) verfügen (ProMED, 12. Mai 2010).
Masern in MalawiIn dem südostafrikanischen Land sind seit Ausbruch der Masern mehr als 3.000 Menschen erkrankt und mindestens acht Patienten an der Infektion verstorben. Die Behörden versuchen nun mit Hilfe von Medecins sans Frontieres und den Regierungen von Frankreich und Belgien im Rahmen einer Impfaktion die weitere Ausbreitung einzudämmen. Die Masern werden aktuell auch in anderen Ländern der Region, u.a. in Südafrika und Simbabwe beobachtet. Reisende nach Afrika und insbesondere in die südlichen Länder des Kontinents sollten über einen ausreichenden Immunschutz (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber in Saudi-ArabienInnerhalb der beiden letzten Wochen sind in Saudi-Arabien mehr als 200 neue Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber gemeldet worden. Damit steigt die Gesamtzahl der Erkrankungen im aktuellen Ausbruchsgeschehen auf mehr als 750 Patienten. Betroffen ist insbesondere die Region von Jeddah. Allerdings wurde jetzt auch aus der Region Jizan, im Südwesten Saudi-Arabiens, an der Küste des Roten Meeres, über mehr als 150 Erkrankungsfälle berichtet. Reisende in die genannten Regionen Saudi-Arabiens sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber im JemenNach bisher offiziell nicht bestätigten Informationen ist in Teilen der jemenitischen Hauptstadt Aden das Dengue-Fieber ausgebrochen. Genauere Informationen, insbesondere zur Zahl der Erkrankten und zum verursachenden Virustyp und ggf. zu genetischen Verwandtschaft zum aktuell in Saudi-Arabien zirkulierenden Dengue-Virus, sind bisher nicht verfügbar. Nach unbestätigten Informationen sind insbesondere die dicht bevölkerten Stadtteile Adens betroffen. Reisende in den Jemen und insbesondere nach Aden sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber in BruneiIm Sultanat Brunei Sultanat Brunei, auf der Insel Borneo, sind seit Jahresbeginn bereits 77 Personen am Dengue-Fieber erkrankt. Dies bedeutet mehr als eine Verdopplung der Zahlen des bisherigen Rekord-Gesamtjahres 2009 mit 37 Erkrankungsfällen. Allein in der ersten Woche im April sind 24 neue Erkrankungsfälle registriert worden. Erstmals überhaupt sind in Brunei zwei Erkrankungsfälle von Dengue Hämorrhagischem Fieber aufgetreten. In Brunei wird über eine Veränderung der Lokalisation der Erkrankungsfälle im Vergleich zu den Vorjahren berichtet. 86% aller Fälle dieses Jahres kommen aus dem Distrikt Mara, während die Fälle in den letzten Jahren nur jeweils rund 13% ausmachten. Reisende nach Brunei sollten aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber in ThailandIn Thailand sind in diesem Jahr bereits mehr als 14.000 Erkrankungsfälle von Dengue-Fällen registriert worden, darunter mindestens 17 Todesfälle. Mehr als die Hälfte der Erkrankungen (7735 Fälle) verliefen mit hämorrhagischen Manifestationen und von den mehr als 250 Dengue-Schock-Patienten verstarben 12 an der Virusinfektion. Die am schwersten betroffenen Provinzen sind Yala, Satun, Trad, Rayong und Chantaburi. Auf der beliebten Ferieninsel Phuket wurden bisher 123 Erkrankungsfälle gemeldet, damit rangiert die Insel auf Platz 11 der Provinzen. Reisende nach Thailand und insbesondere in den Süden und die Zentraleregion Thailands sollen aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber auf Bali, IndonesienDie indonesische Ferieninsel Bali meldet aktuell seit Jahresbeginn sechs Todesfälle von Dengue-Fieber, darunter vier Kinder. Eine genaue Angabe der Gesamt-Erkrankungszahlen ist nicht verfügbar. Nach offiziellen Informationen werden vermutlich die meisten Erkrankungsfälle nicht diagnostiziert, da sie für eine Influenza oder einen sonstigen unspezifischen viralen Infekt gehalten werden. Aktuell muss auf der gesamten Insel mit Dengue-Fieber gerechnet werden. Reisende nach Thailand sollten aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber in PanamaIn Panama sind in diesem Jahr bereits mehr als 500 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Dies bedeutet einen leichten Rückgang gegenüber der Fallzahl des Vergleichszeitraums des Vorjahres (544 Fälle). Die meisten Erkrankungen wurden in Panama-Stadt, in San Miguelito, in Chocle, in Chiripiri und im Westen des Landes registriert. Die Behörden erwarten durch die in diesem Jahr besonders heftigen Regenfälle im Verlauf der Regenzeit jetzt einen weiteren Anstieg der Stechmücken-Populationen und damit einen Anstieg der Erkrankungsfälle. Reisende nach Panama sollten aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Dengue-Fieber in VenezuelaIn Venezuela wurden in diesem Jahr bereits rund 27.000 Menschen mit Dengue-Fieber diagnostiziert. Davon verliefen rund 10% als hämorrhagisches Fieber. Aktuell werden in verschiedenen Teilen Venezuelas Anstiegsraten um das Drei- bis Zehnfache der durchschnittlich beobachteten Erkrankungszahlen registriert. Durchschnittlich werden aktuell pro Woche bis zu 3.000 neue Erkrankungen beobachtet. Die höchste Zahl von Erkrankungen melden Miranda und der Hauptstadt-Distrikt 2. Reisende nach Venezuela sollten aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Mai 2010).
Rotz in BahrainDie bahrainschen Veterinärbehörden melden einen Ausbruch von Rotz in dem Emirat auf der arabischen Halbinsel. Dabei sind in einer Herde von zehn Pferden sechs Tiere erkrankt. Nach offiziellen Angaben handelt es sich bei zwei Indextieren um Tiere, die aus Kuwait und Syrien importiert worden waren. Der Rotz ist eine Erkrankung der Equiden. Er führt bei diesen Tieren zu schweren granulomatösen Infektionen in der Haut und den inneren Organen. Durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren kann der Erreger, Burkholderia mallei, auf den Menschen übertragen werden und dort ebenfalls schwer verlaufende Infektionen in parenchymatösen Organen verursachen. Reisende nach Bahrain sollten vorsichtig sein beim Besuch von Pferdeställen und direkte Kontakte möglichst vermeiden. Burkholderia mallei gilt als der am höchsten infektiöse bakterielle Erreger. Bei entsprechendem Verdacht sollte ein Speziallabor zugezogen werden (ProMED, 11. Mai 2010).
Chagas-Krankheit in VenezuelaIn Venezuela sind mindestens vier Fälle von Chagas-Krankheit aufgetreten, die durch kontaminierte Fruchtsäfte übertragen werden. Fünf weitere Verdachtsfälle werden aktuell untersucht. Die Entwicklung wird als sehr alarmierend eingeschätzt, allerdings ist der aktuelle Ausbruch lokal auf eine Gemeinde in der Hauptstadtregion von Caracas begrenzt. Die Gesundheitsbehörden starten nun eine Kampagne zur richtigen Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln. Die Infektionen geschehen durch den Genuss von mit Raubwanzen (Triatominen) kontaminierten Früchten und Fruchtsäften. Reisende sollten darauf achten, Früchte und vor allem Fruchtsäfte bekannten (kommerziellen) Ursprungs zu konsumieren (ProMED, 9. Mai 2010).
Aflatoxin –Kontamination in KeniaDie Gesundheitsbehörden Kenias haben eine Warnung ausgegeben, nachdem in Proben von Mais extrem hohe Konzentrationen von Schimmelpilzgiften (Aflatoxine) gefunden worden waren. Der Mais stammte aus dem Vorjahr und wurde in Lagern in Ost-Kenia und in der Küstenprovinz gelagert. Die Behörden gehen von einer weitreichenden Kontamination von Mais mit Aflatoxinen aus, zumindest in der Ost-Provinz und der Küsten-Provinz. Die hohen Toxinwerte könnten durch die anhaltenden Regenfälle des letzten Jahres bedingt sein. Reisende nach Kenia sollten vorsichtig sein beim Verzehr von Mais-haltigen Speisen (ProMED, 12. Mai 2010).
Meningokokken-Meningitis in BrasilienDie Gesundheitsbehörden des brasilianischen Bundesstaats Bahia melden eine ungewöhnliche Zahl von Meningokokken-Meningitis-Fällen. Insgesamt wurden im aktuellen Jahr bereits 330 Erkrankungsfälle registriert, davon verliefen 39 Fälle tödlich. Der Großteil der Todesfälle (27) war durch Meningokokken der Serogruppe C verursacht. Allerdings wurde die Zahl der von Meningokokken der Gruppe C verursachten Erkrankungsfälle nicht mitgeteilt. In der Vergangenheit wurden in Brasilien Ausbrüche durch Meningokokken der Gruppe B und C beobachtet. Reisende, insbesondere jüngere Reisende nach Brasilien (Bundesstaat Bahia) mit Familien-Kontakten zur einheimischen Bevölkerung, sollten über eine Impfung gegen Meningokokken Serogruppe C aufweisen (ProMED, 9. Mai 2010).
Chikungunya-Fieber in Frankreich aus La ReunionIn Frankreich werden zunehmend wieder Erkrankungsfälle von Chikungunya-Fieber aus dem im Indischen Ozean gelegenen Übersee-Departement La Reunion gemeldet. Ein Fall, der jetzt in Arles in Südfrankreich, auftrat erregte besondere Aufmerksamkeit, da im Süden Frankreichs auch der Asiatische Tigermoskito (Aedes albopictus) weit verbreitet ist und somit die Gefahr eines autochthonen Übertragungszyklus besteht. Eine entsprechend Situation hatte im Jahr 2006 nach Einschleppung des Virus durch einen Indienreisenden in der Emilia Romagna in Italien zu einem Ausbruch geführt. Über die genaue Ausbreitung des Chikungunya-Virus in La Reunion gibt es bisher keine genaueren Informationen. Reisende nach la Reunion sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 9. Mai 2010).
FSME-Impfreaktionen in RusslandAus dem Distrikt Yaroslavl, rund 280 km nordöstlich von Moskau, sind nach FSME-Impfungen bei mindestens 80 Impflingen schwere Nebenwirkungen aufgetreten. Der beschuldigte Impfstoff ist Encevir der russischen Firma Microgen aus Tomsk. Der Impfstoff ist in Deutschland nicht im Gebrauch und auch nicht verfügbar. Nähere Informationen zu den Nebenwirkungen wurden nicht gemacht. Aktuell ist damit nur ein deutscher Impfstoff in Russland verfügbar. Die Gesundheitsbehörden notieren aktuell einen Anstieg der Zeckenstiche, so dass befürchtet wird, dass aufgrund der verringerten Impfraten die FSME-Erkrankungszahlen in Russland ansteigen werden. Reisende nach Russland sollten einen ausreichenden Immunschutz gegen FSME aufweisen (ProMED, 9. Mai 2010).
Masern in RusslandIm Fernen Osten Russlands sind die Masern ausgebrochen. Es ist von mindestens 31 Erkrankungsfällen die Rede, die in der Amur-Region innerhalb von wenigen Tagen auftraten. Als Infektionsquelle wird von russischen Behörden ein Reisender aus China angegeben. Ungewöhnlich ist, dass in der Hauptsache Erwachsene betroffen sind. Reisende in den Fernen Osten Russlands und nach China sollten über einen ausreichenden Masern-Immunschutz (zweimalige Impfung oder dokumentierte durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED, 8. Mai 2010).
Mumps in den USAIm US-Bundesstaat Nebraska sind mindestens sechs Menschen an Mumps erkrankt, bei weiteren 14 Personen besteht der Verdacht einer Mumps-Infektion. Die Erkrankungsfälle stehen in Zusammenhang mit einem Basketball-Turnier in Columbus, an dem 18 der Erkrankungsfälle teilnahmen. Weitere damit in Zusammenhang stehende Einzelfälle wurden aus Arizona und Colorado gemeldet. Mittlerweile haben auch die Behörden des Bundesstaats Iowa eine Meldung zu einem kleinen Mumps-Ausbruch ausgegeben. Reisende in die USA sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Mumps verfügen (zweimalige Impfung oder dokumentiert durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED, 8. Mai 2010).
Hand-Fuß-Mund-Krankheit in ChinaIn der chinesischen Autonomen Region Guangxi wird ein heftiger Ausbruch von Hand-Fuß-Mund-Krankheit beobachtet. Insgesamt sind mehr als 650 Kinder betroffen und mindestens 13 Kinder sind bisher an der Infektion verstorben. Die chinesischen Mediziner berichten über fulminante Verlaufsformen, die innerhalb von Stunden zu lebensbedrohlichen Krankheitsbildern und zum Tod führen können. Als Erreger wurde in den bisher untersuchten Fällen Enterovirus Serotyp 71 nachgewiesen. Das Virus wird durch Kontaktinfektion („fäkal-oral“) übertragen und von Patienten über den Stuhl ausgeschieden. Die Infektion erfolgt direkt oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Besonders gefährdet sind Klein- und Schulkinder. Reisende nach China und insbesondere in die autonome Republik Guangxi sollten die Empfehlungen zur persönlichen Hygiene strikt befolgen (ProMED, 7. Mai 2010).
Rift Valley Fieber in Saudi-ArabienIn der saudi-arabischen Stadt Najran ist ein Feuerwehrmann an Rift Valley Fieber erkrankt. Er wurde mit den klinischen Symptomen eines hämorrhagischen Fiebers in ein Krankenhaus eingewiesen. Die molekularbiologische Diagnostik ergab die entsprechende Diagnose. Bisher sind keine Daten über den Infektionsort und mögliche Infektionswege verfügbar. Rift Valley Fieber-Virus wird durch Stechmücken oder durch Kontakt mit Produkten infizierter Tiere übertragen. Reisende nach Saudi-Arabien und v.a. in die Region von Najran sollten eine individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen und jeden direkten Kontakt mit nicht ausreichend vorbehandelten Produkten von Tieren vermeiden (ProMED, 7. Mai 2010).
Meningokokken-Meningitis in Burkina FasoIn dem westafrikanischen Land ist rund die Hälfte der bisher mehr als 700 Todesfälle durch Meningokokken-Meningitis durch den Serotyp X bedingt. Dieser Serotyp war bisher in Afrika nicht in dieser Häufigkeit in Erscheinung getreten. Bisher war der Serotyp A (epidemischer Serotyp) vorherrschend, der auch durch eine entsprechende Impfung vermeidbar ist. Gegen den neuen Serotyp X ist bisher keine Impfung verfügbar. Bei Kontakten mit Erkrankten kann ggf. eine Chemoprophylaxe mit Ciprofloxacin gemacht werden (ProMED, 7. Mai 2010).
Mayaro-Fieber in Frankreich aus BrasilienNach einem 15tägigen Aufenthalt im Amazonas-Becken entwickelte ein französischer Tourist hohes Fieber und stark beeinträchtigende rheumatische Beschwerden (Gelenksschmerzen). Als Ursache konnte eine Infektion mit Mayaro-Virus identifiziert werden. Es handelt sich um den ersten Fall einer Mayaro-Virusinfektion, der in Frankreich diagnostiziert wurde. Auch in Europa ist diese Diagnose bei Reiserückkehrern bisher extrem selten gestellt worden. Die Erkrankung manifestiert sich mit Fieber, einem Exanthem und einer Arthritis und ist klinisch vom Chikungunya-Fieber nur sehr schwer zu unterscheiden. Mayaro-Virus wird durch Stechmücken übertragen und kommt vermutlich in großen Teilen des nördlichen Südamerika vor. Es existiert keine Impfung. Die einzige Möglichkeit der Prophylaxe stellt die individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe dar. Diese sollten Reisende bei Aufenthalten in Verbreitungsgebiet des Virus berücksichtigen (ProMED, 7. Mai 2010).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in SüdamerikaIn mehreren Ländern Südamerikas wird weiterhin eine ungewöhnliche Hantavirus-Aktivität beobachtet. In Bolivien sind innerhalb der letzten Woche im April fünf Erkrankungsfälle aus drei Departments (Cochabamba, Santa Cruz, Tarija) gemeldet worden. Argentinien meldet einen ungewöhnlichen Erkrankungsfall aus einer semiurbanen Region (Neuquen), wo bisher noch nie Hantavirus-Infektionen auftraten. In Chile ist in einem entlegenen Anden-Tal eine Frau erkrankt. Weitere Untersuchungen zeigten, dass in der Provinz Osorno in diesem Jahr bereits vier Erkrankungsfälle registriert worden waren. Teilweise handelte es sich um landwirtschaftliche Arbeiter, so dass nun von betriebsmedizinischer Seite überlegt wird, wie die Arbeiter vor der durch Nagetiere (vermutlich Oligoryzomys longicaudatus) übertragenen Virus-Infektion (Andes-Virus) geschützt werden können. Reisende in die gesamte südlich des Amazonas liegende südamerikanische Region sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden. Längere Zeit nicht in Gebrauch befindliche Wohn- oder Nebengebäude sollten vor Betreten erst längere Zeit gelüftet werden und niemals trocken, sondern immer mit einem nassen (Chlorbleiche) Lappen ausgewischt werden (ProMED, 9./10./11. Mai 2010).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in den USAIm US-Bundesstaat New Mexiko ist der erste in Fall eines Kardiopulmonalen Hantavirus-Syndroms in diesem Jahr zu verzeichnen. Bisher ist unklar, wo die Infektion erfolgte. In New Mexiko ist vor allem Sin Nombre-Virus verbreitet, das durch die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) übertragen wird. In den letzten Jahren wurden 3-4 Erkrankungen pro Jahr in New Mexiko diagnostiziert. Die Infektionen traten meist in den Sommer- und Herbstmonaten auf. Das frühe Auftreten von Erkrankungen könnte ggf. auf eine erhöhte Aktivität in diesem Jahr in Nordamerika hindeuten. Reisende nach Nordamerika sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden. Längere Zeit nicht in Gebrauch befindliche Wohn- oder Nebengebäude sollten vor Betreten erst längere Zeit gelüftet werden und niemals trocken, sondern immer mit einem nassen (Chlorbleiche) Lappen ausgewischt werden. Um Wohngebäude sollten im Umkreis von ca. 100 bis 150 m all Verstecke für Nagetiere entfernt werden. Mögliche Futterquellen für Nagetiere sollte sicher vor Nagetieren aufbewahrt werden (ProMED, 9. Mai 2010).
Epidemische Polyarthritis in AustralienIm australischen Bundesstaat New South Wales wird in der Murray Valley-Flussregion eine vierfach erhöhte Zahl von Erkrankungen an Epidemischer Polyarthritis registriert. Während im Vergleichszeitraum des letzten Jahres 23 entsprechende Infektionen nachgewiesen worden waren, stieg die Zahl der Erkrankungen in diesem Jahr bereits auf 96 Erkrankungsfälle. Die epidemische Polyarthritis ist ein durch Stechmücken übertragene Virusinfektion (Ross River-Virus). Die Ursache für den Anstieg der Erkrankungsfälle wird in der feuchten Witterung der letzten Wochen gesehen, die zu einem deutlichen Anstieg der Stechmücken-Populationen führte. Mittlerweile scheint die Aktivität zurückzugehen, da sich in den letzten Tagen das Wetter deutlich trockener entwickelte. Reisende in die Murray Valley Flussregion sollten bei Auftreten von Stechmücken eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. Mai 2010).
Poliomyelitis in NigeriaIm nigerianischen Bundessstaat Sokoto ist ein neunmonatiger Säugling an einer Infektion mit dem Polio-Virus, Serotyp 1, erkrankt. Es handelt sich um den ersten Fall einer Erkrankung mit diesem Serotyp in Nigeria in diesem Jahr. Insgesamt wurden in Nigeria in diesem Jahr drei Erkrankungsfälle von Poliomyelitis gemeldet. Die beiden anderen Fälle sind durch den mildere Symptome verursachenden Serotyp 3 verursacht. Die nigerianischen Gesundheitsbehörden haben nach eigenen Angaben unverzüglich Schritte zur Eindämmung der Virusausbreitung unternommen. Nigeria zählt zu den fünf Ländern weltweit, in denen die Poliomyelitis endemisch vorkommt. Reisenden nach Nigeria wird dringend ein ausreichender Immunschutz gegen Poliomyelitis empfohlen (ProMED, 13. Mai 2010).
Tollwut in den USAIn der Stadt St. Augustine im US-Bundesstaat Florida sind innerhalb einer Woche zwei tollwütige Waschbären aufgetreten. Einer hatte ein Mädchen angegriffen und verletzt. Ein weiterer hatte einen Hund attackiert und ebenfalls verletzt. Bei dem Mädchen wurde eine Post-Expositionsprophylaxe eingeleitet, der Hund wurde gegen Tollwut aufgefrischt. Im US-Bundesstaat Virginia im Roanoke County sind ebenfalls ein tollwütiger Waschbär und ein tollwütiger Fuchs aufgefunden worden. Über Attacken der beiden Tier ist nichts mitgeteilt worden. Weiterhin herrscht in Teilen der USA eine hohe Tollwut-Aktivität. Reisende dorthin sollten jeden direkten Kontakt mit unbekannten Tieren oder mit Tieren mit ungewöhnlichem (aggressivem) Verhalten vermeiden und im Fall eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 12. Mai 2010).
Schweinevirus-Kontamination in Rotavirus-ImpfstoffNachdem im von Glaxo Smithkline hergestellten Rotavirus-Impfstoff (Rotarix) ein Circovirus des Schweins (Porcines Circovirus, Subtyp 1) nachgewiesen worden war, meldet jetzt auch der zweite Hersteller von Rotavirus-Impfstoff in den USA (Rotateq), Merck, eine Kontamination seines Impfstoff mit dem entsprechenden Porcinen Circovirus sowie mit dem Porcinen Circovirus des Subtyps 2. Bisher konnte zwar keine humanpathogene Bedeutung der Porcinen Circoviren nachgewiesen werden, jedoch hatten die amerikanischen Behörden (FDA) empfohlen Rotarix bis zur weiteren Klärung nicht zu verwenden. Eine entsprechende Empfehlung wird möglicherweise nun auch für Rotateq ausgesprochen. Weitere Informationen liegen aktuell nicht vor (ProMED, 8. Mai 2010).