KW 18 / 2010: Epidemiologische Informationen

Melioidose in AustralienIm australischen Bundesstaat NorthernTerritory wird in der aktuellen Regenzeit eine dreimal höhere Häufigkeit der Melioidose registriert wie im Durchschnitt der Vorjahre. Insgesamt wurden bisher bereits 72 Erkrankungsfälle gemeldet. Bisher sind zehn Todesfälle zu verzeichnen gegenüber üblicherweise zwei bis vier Todesfällen im Jahr. Die Melioidose wird von Burkholderia pseudomallei verursacht. Es handelt sich um ein Bodenbakterium, das durch starke Regenfälle an der Oberfläche ausgeschwemmt wird. Beim Kontakt mit Haut kann der Erreger in den menschlichen Körper eindringen und eine schwere granulomatöse Infektion verursachen.
Besonders gefährdet sind Personen mit Grunderkrankungen (z.B. Diabetes mellitus), die mit einer Verminderung des Immunsystems einhergehen. Reisende in den Norden Australiens und nach Südostasien sollten den direkten Kontakt mit durch Regen aufgeweichter Erde vermeiden (ProMED, 6. Mai 2010).
Tollwut in IndonesienAuf der indonesischen Insel Bali ist der Tollwutausbruch weiterhin nicht unter Kontrolle. Allein im Jahr 2010 wurden bereits 16 Erkrankungsfälle gemeldet, davon vor allem in Kubu, Tabanan, Bangli, Mengwi und Karangasem. Trotz intensiver Impfbemühungen in der Hundepopulation sind immer noch mehr als die Hälfte der Hunde auf Bali nicht gegen Tollwut geimpft. Die Zahl der täglich neu hinzukommenden Hunde übersteigt die Zahl der täglich geimpften Hunde. Reisende nach Bali sollten jeden direkten Kontakt mit Hunden vermeiden und im Fall eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED; 5. Mai 2010).
Sindbis-Virus in DeutschlandDas Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten in Hamburg hat in einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass im Rahmen der Überwachung von Stechmücken auf West Nil-Virus in Deutschland ein Alphavirus nachgewiesen werden konnte. Das Virus zeigt eine mehr als 99%ige Identität mit einem in Schweden isolierten Subtyp des Sindbis-Virus, dem sog. Ockelbo-Virus. Der Nachweis erfolgte in der Region von Weinheim im Rheintal. In Schweden ist das Ockelbo-Virus der Verursacher der sog. Ockelbo-Krankheit, einer fieberhaften Erkrankung mit einem masern-ähnlichen Exanthem und einer Arthritis. Es bleibt abzuwarten, inwieweit entsprechende Erkrankungen auch im Rheintal auftreten. Reisende in die genannte Region sollten bei hoher Stechmücken-Aktivität eine Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 5. Mai 2010).
Masern im JemenIm Jemen sind in diesem Jahr bereits mehr als 150 Erkrankungsfälle aufgetreten. Dies ist das Zwanzigfache der Fälle verglichen mit dem gesamten Vorjahr. Bisher sind vier Kinder in diesem Jahr an den Masern verstorben, gegenüber keinen Todesfällen in den Vorjahren. Besonders betroffen ist die Provinz Saada. Die Masern sollten im Jemen bis ins Jahr 2010 ausgerottet werden. Als Ursache für das erneute Auftreten der Masern wird die Kriegssituation in der Provinz genannt, die zum Stopp aller Impfaktivitäten zwang. Reisende in den Jemen sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Masern (dokumentiert durchgemachte Infektion, zweimalige Impfung) verfügen (ProMED, 4. Mai 2010).
Mumps in den USAIm US-Bundesstaat North Carolina ist ein Fall von Mumps aufgetreten. Als Infektionsquelle konnte eine Erkrankter in einem englischen Rugby-Team identifiziert werden, der sich zu einem Turnier in North Carolina aufhielt und im Verlauf eines Spiels vermutlich den jetzt Erkrankten infizierte. Weitere vier englische Spieler zeigten Symptome von Mumps, ohne dass jedoch die Erkrankung diagnostiziert worden war. Auch aus dem Bundesstaat Texas wird mindestens ein gesicherter Mumps-Erkrankungsfall und mehrere weitere klinische Verdachtsfälle berichtet. Hier sind allerdings die Umstände bisher nicht geklärt. Die Mumps treten in den USA nur mehr sporadisch in kleinen Mikroepidemien auf. Es herrscht nun die Befürchtung, dass sich aus dem Erkrankungsfall ein Ausbruch entwickeln könnte. Alle Bewohner in den betroffenen Counties der Bundesstaaten wurden aufgefordert, den Immunschutz gegen Mumps zu überprüfen und ggf. zu komplettieren. Gleiches ist Reisenden in die USA dringend zu empfehlen (ProMED, 2./3. Mai 2010).
Tollwut in den USADie Tollwut ist weiterhin in verschiedenen Teilen der USA sehr aktiv. Im US-Bundesstaat New York wurden zwei Hunde von einem tollwütigem Graufuchs attackiert. Im US-Bundesstaat North Carolina wurde in diesem Jahr bereits der dritte Fuchs mit Tollwut diagnostiziert. Dabei war der Fuchs über einen 1,3 m hohen Zaun gesprungen und hatte einen Hund attackiert. Im US-Bundesstaat Massachusetts ist erstmals seit 34 Jahren die Tollwut bei einem Pferd diagnostiziert. Das Pferd hatte sich an einem Tollwütigen Stinktier infiziert. In West Virginia wurde innerhalb von einer Woche das zweite Stinktier mit Tollwut gefunden. Mittlerweile wurden bisher bereits sieben Tiere mit Tollwut in West Virginia identifiziert. Damit bleibt die Tollwut auf einem ähnlich hohen Aktivitätsniveau wie im vergangenen Jahr. Reisende nach USA sollten jeden direkten Kontakt mit Haustieren mit ungewöhnlichem oder aggressivem Verhalten und mit allen Wildtieren vermeiden und bei einem entsprechenden Kontakt sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 3. Mai 2010).
Poliomyelitis in TadschikistanIn Tadschikistan breitet sich die Poliomyelitis weiter aus. Mittlerweile ist von mehr als 170 möglichen Erkrankungsfällen die Rede. 32 Erkrankungsfälle konnte bisher als Poliomyelitis Typ 1-Infektionen bestätigt werden. Der überwiegende Teil der Erkrankten umfasst Kinder im Alter unter fünf Jahren. Nach den verfügbaren Informationen wiesen 90% der Erkrankten eine dreimalige Schluckimpfung gegen Poliomyelitis auf. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass entweder die Eintragungen in den Impfbüchern falsch sind oder dass der verwendete Impfstoff wirkungslos war. Reisende nach Tadschikistans und die angrenzenden Länder sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 2. Mai 2010).
Pandemische Influenza H1N1 in SüdostasienWährend in den übrigen Teilen der Welt die pandemische Influenza H1N1 auf einem sehr niedrigen Niveau zirkuliert, wird in einigen südostasiatische Ländern eine ansteigende Aktivität gemeldet. Namentlich Singapur, Malaysia, Thailand und Kambodscha melden ansteigende Fallzahlen. Bangladesch und die indischen Bundesstaaten Karnataka und Maharashtra melden ebenfalls deutlich ansteigende Zahlen von Erkrankungsfällen durch das Influenzavirus H1N1. Daneben zirkuliert auch Influenza B-Virus in erhöhtem Maße. Reisende nach Süd- und Südostasien sollten bei entsprechenden Impf-Indikationen vor Reisebeginn eine Influenza-Impfung durchführen, die die Typen A-H1N1 und B umfasst (ProMED, 2. Mai 2010).
Malaria in ÄthiopienDie äthiopischen Gesundheitsbehörden haben ihre Bedenken über eine Zunahme der Malaria im Land ausgedrückt. Betroffen sind insbesondere Regionen in größeren Höhen, in denen die Malaria in den letzten Jahrzehnten bisher nicht registriert worden waren. Die Hauptübertragungszeiten der Malaria in Äthiopien sind der April mit einer kleinen und der Oktober mit der eigentlichen Regenzeit. Insbesondere in den Monaten der Regenzeit sollten Reisende nach Äthiopien die von der DTG empfohlene Chemoprophylaxe im gesamten Land in Höhen unter 2.200 m. durchführen. Addis Abeba gilt als Malaria-frei (ProMED, 1. Mai 2010).
Rotz in BrasilienAus Brasilien wird ein Ausbruch einer mittlerweile seltenen Zoonose gemeldet. Es handelt sich um einen einzelnen Ausbruch im Distrito Federal, bei dem ein Pferd betroffen ist. Die Umstände sind unklar. Der Rotz kommt in Brasilien endemisch in einigen nordöstlichen Landesteilen vor. Der Erreger des Rotz ist Burkholderia mallei. Er zirkuliert vor allem unter Equiden, kann jedoch auch Menschen infizieren und hier zu schweren, häufig tödlich verlaufenden granulomatösen Infektionen der parenchymatösen Organe führen. Burkholderia mallei gilt als der infektiöseste bakterielle Erreger, der im Labor gehandhabt wird. Für Reisende besteht kein aktuelles Risiko. Allerdings sollten direkte Kontakte mit Pferden mit granulomatösen Veränderungen am Maul vermieden werden (ProMED, 1. Mai 2010).
Streptokokken-Infektion in ChinaDas Zentralkrankenhaus für Tropenkrankheiten in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi meldet eine ungewöhnliche Häufung von Infektionen mit Streptococcus suis. Insgesamt wurden vier Erkrankungsfälle beim Menschen beobachtet. Die Infektion verläuft als Meningitis oder toxisches Schock-Syndrom in einem Teil der Fälle tödlich. Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt mit Schweinen. Die Erkrankung tritt insbesondere während des Schlachtens infizierter Schweine bei Schlächtern und Metzgern auf. Von erhitztem Schweinefleisch geht keine Gefahr aus. Reisende sollten direkte Kontakte zu Schweinen vermeiden (ProMED, 30. April 2010).
Mumps in den NiederlandenSeit 1. Dezember 2009 sind in den Niederlanden mehr als 170 Personen an Mumps erkrankt. Bei der Mehrzahl der Infizierten handelt es sich um Studenten. Ein Teil der Studenten besuchte eine Studentenparty in Leiden, so dass es dort vermutlich zur Übertragung und zum Beginn der Ausbreitung der Erkrankung gekommen ist. Mehr als 70% der erkrankten Studenten, für die Informationen vorliegen, war gegen Mumps geimpft. Die Mumps-Impfstoffe gelten als sehr temperatur-empfindlich. Schon eine kurzfristige Lagerung bei Raumtemperatur reduziert die Lebensfähigkeit der enthaltenen Mumps-Viren erheblich und schränkt so die Wirksamkeit der Impfung drastisch ein. Impfstoffe mit einer Mumps-Komponente sollten nach kurzem Anwärmen in der Hand sofort verimpft werden. Reisende in die Niederlande sollten über einen ausreichenden Mumps-Immunschutz (dokumentierte Impfung oder zweimalige Impfung) verfügen (ProMED, 1. Mai 2010).
Dengue-Fieber in Florida, USAIm US-Bundesstaat Florida ist ein weiterer einzelner Fall einer autochthonen Dengue-Infektion aufgetreten. Es handelt sich um den ersten Fall eines autochthonen Dengue-Fiebers in diesem Jahr, nachdem im letzten Jahr erstmals ein Erkrankungsfall seit 40 Jahren in Florida aufgetreten war. Der Erkrankte lebt auf Key West und die Umgebung seines Hauses wurde mit Insektiziden besprüht. Reisende nach Florida und insbesondere auf die vorgelagerten Keys sollten bei Stechmückenpopulationen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 4. Mai 2010).