KW 18 / 2008: Epidemiologische Informationen

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in SingapurIn der vergangenen Woche wurden in Singapur insgesamt 26 Kindertagesstätten aufgrund des epidemischen Auftretens von Hand-Fuß-Mund-Krankheit geschlossen. Nach Auskunft der Gesundheitsbehörden wird eine deutlich erhöhte Aktivität dieser Virusinfektion insbesondere bei Klein- und Schulkindern beobachtet. Es ist von mehr als 800 Erkrankungsfällen innerhalb von 4 Tagen die Rede. Die Erkrankung wird durch Viren aus der Gruppe der Enteroviren verursacht. Häufigster Erreger ist das Coxsackievirus Typ 16 und das Enterovirus 71. In seltenen Fällen werden neben dem charakteristischen Exanthem an den Händen und im Gesicht auch neurologische Komplikationen beobachtet. Tödliche Verlaufsformen sind selten, wurden jedoch beschrieben.
Die Übertragung erfolgt durch Kontaktinfektion mit kontaminierten Gegenständen oder direkt fäkal-oral. Reisenden, insbesondere mit Kindern, nach Singapur wird die strikte Einhaltung der persönlichen Hygiene-Maßnahmen empfohlen (ProMED, 27. April 2008).
Tollwut in EnglandIn England wiesen 3 Mitarbeiter einer Hundeauffangstation direkten Haut- bzw. Schleimhautkontakt mit einem Welpen aus Sri Lanka auf, der 2 Tage später an Tollwut erkrankte. Die Auffangstation führt Straßenhunde aus Sri Lanka ein, um sie für 6 Monate bis zur tierseuchenrechtlichen Freigabe unter Quarantäne-Bedingungen zu halten. Bei den Mitarbeitern wurde eine Post-Expositionsprophylaxe durchgeführt. Das Beispiel zeigt wiederum, dass streunende Hunde in tropischen und subtropischen Ländern Asiens, Afrikas und Amerikas ein generelles Tollwut-Risiko aufweisen. Jeder Kontakt mit streunenden Hunden sollte daher vermieden werden. Im Falle eines Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 27. April 2008).
Cholera im SudanIm Süden des ostafrikanischen Landes sind mindestens 118 Fälle von Cholera oder wässrigen Durchfällen aufgetreten. Die Mitarbeiter einer sich vor Ort befindlichen Hilfsorganisation haben daraufhin jetzt eine Notfall-Unterstützung angefordert. Genauere Informationen über die Situation vor Ort liegen nicht vor. Im Sudan wird jedoch in den letzten 2 Jahren ein stetiger Anstieg der Fälle von Cholera oder wässrigem Durchfall beobachtet. Die Behörden machen u.a. die zunehmend schlechten hygienischen Verhältnisse in den Flüchtlingslagern dafür mitverantwortlich. Reisende in den Sudan sollten alle Maßnahmen der persönlichen und Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 28. April 2008).
Choleraverdacht in SomaliaNach offiziellen Angaben sind in der Stadt Mahas in Zentral-Somalia mindestens 7 Menschen an einer Form von wässrigem Durchfall verstorben. Nach inoffiziellen Angaben sind mehr als 135 Menschen an einer entsprechenden Infektion erkrankt, die inoffizielle Stellen für Cholera halten. In der Region existieren keinerlei medizinische Einrichtungen, so dass von weiteren Erkrankungs- und Todesfällen sowie von einer Verschlimmerung der Situation ausgegangen wird. Reisende in das ostafrikanische Land sollten alle Empfehlungen der Individual- und Nahrungs- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 28. April 2008).
Cholera in TansaniaIm Südwesten des ostafrikanischen Landes Tansania sind mindesten 2 Menschen an Cholera verstorben. Mindestens 8 weitere Personen wurden mit Choleraverdacht in Krankenhäuser eingewiesen und therapiert. Der Ausbruch ereignete sich in der Stadt Sumbawanga im Südwesten Tansanias. Es handelt sich nicht um eine klassische Touristenregion. Reisende nach Tansania und insbesondere in die genannte Region sollten alle Empfehlungen der Individual-, Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene befolgen (ProMED, 28. April 2008).
Cholera in VietnamInnerhalb der letzten beiden Monate sind in verschiedenen Teilen Vietnams mehr als 2.500 Menschen an wässrigen Durchfällen erkrankt. Davon konnten mehr als 380 Fälle von Cholera diagnostiziert werden. Mindestens 20 Provinzen und Stadtregionen sind betroffen. Auch in der Hauptstadt Hanoi treten eine Reihe von Erkrankungsfällen auf. Die Gesundheitsbehörden haben nun gemeinsam mit der WHO ein Erziehungsprogramm für die betroffenen Bevölkerungsteile eingeleitet. Reisende nach Vietnam sollten alle Empfehlungen der Individual-, Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene befolgen (ProMED, 28. April 2008).
Durchfall in BangladeschAus verschiedenen Teilen von Bangladesch werden deutlich erhöhte Zahlen von Durchfallerkrankungen berichtet. Betroffen sind neben Kindern überdurchschnittlich viele Jugendliche und Erwachsene. Als Ursache für die Ausbrüche in mehreren Teilen des Landes werden die hohen Temperaturen genannt. Die Menschen müssen unsauberes Wasser trinken und infizieren sich damit. Es scheint sich nicht um den Ausbruch durch einen einzelnen Erreger (Vibrio cholerae) zu handeln, sondern um einen allgemeinen Anstieg von Durchfallerkrankungen. Reisende nach Bangladesch sollten alle Empfehlungen der Individual-, Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene befolgen (ProMED, 28. April 2008).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in BulgarienIm Distrikt Blagoevgrad im Süden Bulgariens sind innerhalb von 4 Wochen 6 Verdachtsfälle von Krim-Kongo Hämorrhagischem Fieber gemeldet worden. Die betroffene Region liegt an der Grenze zu Griechenland und Mazedonien. Mindestens ein Patient ist an der Infektion verstorben. Zwei Patienten hatten Zecken von Haustieren mit bloßen Händen abgenommen und/auch an der Schlachtung eines kranken Kalbes mitgewirkt. Der genaue Übertragungsweg für diese beiden fälle bleibt unklar. Auch mindestens ein nosokomialer Fall wird berichtet. Das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber tritt in Teilen des Balkans endemisch auf. Die Übertragung erfolgt durch Zecken oder durch Blut infizierter Haustiere. Erkrankungen treten vor allem in der ländlichen Bevölkerung auf. Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber kann durch Blut und bluthaltige Sekrete auch von Mensch zu Mensch (nosokomiale Infektion) übertragen werden. Reisende in die ländlichen Gebiete des Balkan sollten jeden Kontakt mit Blut von Tieren vermeiden und sich bei Aktivitäten in der Natur vor Zecken schützen (ProMED, 25. April 2008).
Hand-Fuß-Mund-Krankheit in ChinaIn der chinesischen Provinz Anhui sind mehr als 1.200 Kinder an Hand-Fuß-Mund-Krankheit erkrankt. In der Stadt Fuyang im Osten der Provinz wurde über 20 Todesfälle durch die Infektion berichtet. Als Erreger konnte Enterovirus Typ 71 identifiziert werden. Hand-Fuß-Mund-Krankheit führt üblicherweise zu einem typischen Exanthem an Händen und im Gesicht. Die Übertragung erfolgt in erster Linie fäkal-oral, direkt oder über kontaminierte Gegenstände. Betroffen sind hauptsächlich Klein- und Schulkinder. In seltenen Fällen werden Komplikationen des Zentralen Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis) mit z.T. tödlichem Ausgang beobachtet. Reisende in die Provinz Anhui, insbesondere bei Begleitung durch Kinder sollten alle Empfehlungen der individuellen Hygiene strikt befolgen (ProMED, 29. April 2008).
Chikungunya Fieber in Sri LankaDas Chikungunya Fieber breitet sich weiter in Sri Lanka aus. Schwer betroffen ist mittlerweile auch der Ratnapura Distrikt in der Provinz Sabaragamuwa. Dort suchten mehr als 500 Menschen mit Fieber an einem Tag ein Krankenhaus auf. Von 75 getesteten Patienten wiesen 68 Patienten ein Chikungunya Fieber auf. Als Ursache für die hohen Erkrankungszahlen werden die hohen Stechmücken-Populationen verantwortlich gemacht. Im genannten Distrikt liegen eine Vielzahl von Edelstein-Bergwerken und Ton-Abbaustätten, die ideale Brutbedingungen für Stechmücken bieten. Es muss mit Chikungunya Fieber auf der gesamten Insel gerechnet werden. Reisende nach Sri Lanka sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED; 29. April 2008).
Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in RusslandIn der Autonomen Republik Inguschetien im äußersten Süden des europäischen Teils von Russland ist der erste Fall von Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber in diesem Jahr aufgetreten. Der Patient verstarb an einer schweren Verlaufsform. Der genaue Infektionsweg ist unbekannt. Der erste Fall der natürlicherweise durch Zecken übertragene Erkrankung trat in diesem Jahr rund 2 Wochen eher auf als in vergangenen Jahr. Experten werten dies als ein Zeichen für eine früh einsetzende starke Zeckenaktivität. Reisende in den gesamten Süden Russlands sollten bei Aktivitäten in der Natur eine wirksame Zecken-Expositionsprophylaxe durchführen. Kontakt mit menschlichem oder tierischem Blut sollte vermieden werden (ProMED, 1. Mai 2008).
Dengue Fieber in La ReunionIn La Reunion, der Insel im Indischen Ozean sind 2 autochthone Fälle von Dengue Fieber aufgetreten. Augenblicklich ist die epidemische Situation unklar. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass aufgrund der hohen Stechmücken-Populationen, die 2006 zu einem Chikungunya Fieber-Ausbruch führten, auch die Möglichkeit für ein epidemisches Auftreten von Dengue Fieber gegeben sind. Bis zur weiteren Klärung der Situation sollten Reisende bei Vorhandensein von Stechmücken-Populationen Maßnahmen der Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 30. April 2008).
Masern in EnglandIn der englischen Stadt Camborne im Distrikt Kerrier sind 10 Kinder an Masern erkrankt. Die Eltern der betroffenen Schule wurden jetzt nochmals über die Infektiosität, Symptomatik und Impfung gegen Masern aufgeklärt. Gleichzeitig wurden alle Eltern aufgefordert Kinder, die keine Masernimpfung aufweisen, sich impfen zu lassen. Die Masernaktivität ist in England deutlich angestiegen, als durch Gerüchte, dass die Masern-Impfung bei Kleinkindern zu Autismus führen könnte, die Impffreudigkeit stark eingebrochen ist. Reisende nach England und insbesondere Schüler in Austauschprogrammen sollten eine Masern-Immunität aufweisen (ProMED, 29. April 2008).
Milzbrand in der MongoleiIn der Provinz Arkhangai in der westlichen zentralen Mongolei ist ein Hirte an Milzbrand erkrankt und wird in einem Krankenhaus stationär behandelt. Als Folge wurden mehr als 4.500 Tiere und 11 weitere Hirten in der betroffenen Region gegen Milzbrand geimpft. Milzbrand ist in der Mongolei endemisch und tritt immer wieder sporadisch oder in Mikroepidemien insbesondere bei Bauern und Viehhirten auf. Reisende in die Mongolei sollten daher jeden direkten Kontakt mit erkrankten Haus- oder Wildtieren oder von Tierkadavern vermeiden (ProMED, 29. April 2008).
Masern in den USAIm US-Bundesstaat Arizona wird augenblicklich der größte aktuelle Masern-Ausbruch in den USA gemeldet. Bisher sind 16 Personen im Pima County erkrankt. Die Behörden erwarten noch weitere Erkrankungsfälle. Als Indexfall konnte eine schweizerische Stewardess identifiziert werden, die ursprünglich 4 einheimische Personen infiziert hatte und den Ausbruch verursachte. Der Gouverneur des Bundesstaats erwägt nun das Ausrufen eines lokalen Gesundheits-Notfalls. Reisende in die USA sollten über eine Masern-Immunität verfügen. Schüler und Studenten mit längeren Aufenthalten müssen eine Immunität gegen Masern oder eine Masern-Impfung nachweisen (ProMED, 1. Mai 2008).
Nebenwirkungen nach Masern-Impfung in IndienIm indischen Bundesstaat Tamil Nadu sind im Rahmen einer Masern-Impfkampagne 4 Säuglinge innerhalb von Minuten nach einer Masern-Impfung verstorben. Die Ursache für diese Akutreaktion ist bisher ungeklärt. Allergische Reaktionen werden diskutiert, jedoch von Experten aufgrund der Schwere der Symptomatik für unwahrscheinlich gehalten. Eine Möglichkeit stellt das Auflösen eines einzelnen Impfstoff-Röhrchen in einem falschen Lösungsmittel (z.B. Adrenalin statt Wasser) dar oder die Kontamination mit Staphylokokken, die durch gebildete Toxine zu einer akuten Symptomatik führte. Alle übrigen Impfungen mit dieser Impfstoff-Charge wurden ohne Probleme vertragen. Entsprechende Vorkommnisse sollten nicht dazu führen, dass die Impfung insgesamt in Zweifel gezogen wird (ProMED, 25./29.April/2. Mai 2008).