KW 16 / 2008: Epidemiologische Informationen

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Dengue-Fieber in Kambodscha
In Kambodscha wird in den nächsten Wochen ein deutlicher Anstieg der Dengue-Virus-Aktivität erwartet. Als Gründe werden die ungewöhnliche Dengue-Virus-Aktivität im Winter 2007, Veränderungen der Umwelt in Teilen Kambodschas und die starken Regenfälle der letzten Wochen genannt. Damit kann sich im April und May eine hohe Stechmücken-Population aufbauen, die zur Übertragung des Dengue-Virus führen können. Die schlechten sanitären Verhältnisse vor allem in den größeren Städten sowie die Bevölkerungsmigration tragen zur Einschleppung von Dengue-Viren, bzw. zum Anstieg der Stechmückenpopulationen bei. Reisende nach Kambodscha sollten aktuell alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe beachten (ProMED, 15. April 2008).

Dengue-Fieber in Thailand

In Thailand sind im ersten Viertel des Jahres schon mehr als 7.400 Fälle von Dengue-Fieber gezählt worden, davon 9 Todesfälle. Dies bedeutet nahezu eine Verdopplung der Erkrankungszahlen und mehr als eine Verdopplung der Todesfälle im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres. Die thailändischen Gesundheitsbehörden haben nun eine allgemeine Dengue-Virus-Warnung an die Bevölkerung ausgegeben. Reisende nach Thailand sollten aktuell alle Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 15. April 2008)

Dengue-Fieber in Malaysia

In Malaysia wurden im ersten Quartal des Jahres schon knapp 10.000 Erkrankungsfälle und 26 Todesfälle gezählt. Im ganzen letzten Jahr waren es in Malaysia dagegen insgesamt 14.000 Erkrankungs- und 34 Todesfälle. Die höchsten Erkrankungszahlen kommen aus dem Bundesstaat Selangor, aus der Hauptstadt Kuala Lumpur und aus dem Süden des Bundesstaats Johor. Die Behörden gehen von einer weiteren erhöhten Aktivität und damit einem weiteren Ansteigen der Erkrankungszahlen aus. Reisende nach Malaysia und insbesondere in die genannten Regionen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. April 2008).

Dengue-Fieber in Singapur

In Singapur ist die Zahl der Dengue-Erkrankten in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 60% angestiegen. Die Gesundheitsbehörden warnen nun die Bevölkerung vor einer weiteren Zunahme der Dengue-Virus-Aktivität. Aktuell werden Aedes aegypti-Populationen in Regionen nachgewiesen, die bisher als frei galten. Weiterhin wird zunehmend ein Dengue Virusstamm mit einer vermuteten erhöhten Pathogenität beobachtet. Dies führt zu einem Anstieg des Anteils von hämorrhagischen Verlaufsformen. Aktuell müssen Reisende in großen Teilen Singapurs mit einer potentiellen Übertragung rechnen und sollten daher die Maßnahmen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 15. April 2008).

Dengue-Fieber in Brasilien
In Brasilien melden immer mehr Bundesstaaten und Regionen eine erhöhte Dengue-Virus-Aktivität. Erste Fälle werden aus Belo Horizonte (Bundesstaat Minas Gerais), jeweils der erste Todesfall dieses Jahres aus Cuite (Bundesstaat Paraibe) und aus Pernambuco gemeldet. Während in Pernambuco die Gesamtzahl der Erkrankungsfälle im Vergleich zum Vorjahr rückläufig ist, treten in anderen Bundesstaaten erhöhte Aktivitäten auf. Reisende nach Brasilien, auch in die großen Städte, sollten alle Maßnahmen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. April 2008).

Masern in Kanada

In der kanadischen Stadt Toronto sind bisher 4 Personen an den Masern erkrankt. Die 4 Erkrankten hatten das Land und den Stadtbereich nicht verlassen, so dass die Behörden davon ausgehen, dass der Indexfall noch nicht entdeckt ist und möglicherweise weitere Personen infiziert sein könnten und erkranken. Von den Betroffenen sind 3 Personen mehr als 30 Jahre alt und ein Patient ist ein 10jähriges Mädchen. Die Patienten war nur einmal gegen die Masern geimpft worden, bzw. hatten überhaupt keine Impfung erhalten. Grundsätzlich sollte jeder Bewohner in Deutschland eine Masernimmunität aufweisen. Es sollten 2 Impfungen gegen Masern durchgeführt werden. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Möglichkeit dar, um auch den Schutz gegen Masern zu überprüfen und ggf. zu ergänzen (ProMED, 12. April 2008).

Masern in Wisconsin, USA

Im US-Bundesstaat Wisconsin sind 4 Personen an den Masern erkrankt. Es handelt sich um die ersten Fälle von Masern seit 2005 und die höchste Zahl von Masernerkrankungen im Bundesstaat seit 1998. Während ein Fall bei einem 37Jährigen als sporadisch anzusehen ist, infizierten sich die 3 übrigen Fälle (Babys, bzw. Kleinkinder im Alter von 5, 12 und 23 Monaten) in einer Kindertagesstätte. Die Tagesstätte wurde daraufhin geschlossen und alle übrigen Kinder und Betreuer zu Hause in Quarantäne gesteckt. Reisende in die USA stellen häufig den Ausgangspunkt für Mikroepidemien dar. Deshalb sollten alle Reisenden einen Immunschutz gegen Masern aufweisen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Gelegenheit dar, um den Immunschutz zu überprüfen und ggf. aufzufrischen (ProMED, 13. April 2008).

Masern in England

Aus Teilen Englands werden immer wieder kleinere Masernausbrüche berichtet. Während im letzten Jahr knapp 1.000 Erkrankungsfälle registriert wurden, mit einem Schwerpunkt in London, ist seit Beginn des Jahres 2008 neben London vor allem Lewisham betroffen. Dort traten in 2008 bereits knapp 100 Verdachts- und Erkrankungsfälle auf, eine Verfünffachung der Zahlen des gleichen Zeitraums im Jahr 2007. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der Kinder unter 5 Jahren. Lewisham ist bekannt für seine niedrige Durchimpfungsrate gegen Masern. Reisende nach England sollten über einen ausreichenden Masern-Immunschutz verfügen (ProMED, 12. April 2008).

Multiresistente Tuberkulose in Peru

Aufgrund des Auftretens einzelner multiresistenter Tuberkulose-Bakterienstämme in Peru wurde dort jetzt eine Untersuchung des Staatlichen Instituts für Gesundheit durchgeführt, deren Daten jetzt vorgestellt wurden. Danach wiesen 36% der Mycobacterium tuberculosum-Stämme eine Multiresistenz (definiert durch Resistenz gegen mindestens Isoniazid und Rifampicin) auf und in 2,4% aller Stämme wurde eine sog. erweiterte Multiresistenz (charakterisiert durch Resistenz gegen Isoniazid, Rifampicin, ein Fluorchinolon und ein iv-Antituberkulostatikum der 2. Wahl) auf. Reisende, die mit entsprechenden Patienten in Kontakt kommen könnten, sollten nach ihrer Rückkehr auf Tuberkulose getestet und auch eine mögliche Multiresistenz abgeklärt werden (ProMED, 13. April 2008).

Malaria auf den Bahamas
Bei zwei Rückkehrern von der Bahamas-Insel Great Exuma wurde Malaria tropica diagnostiziert. Es handelt sich dabei um einen Kanadier und um deine deutsche Patientin. Beide Patienten waren sonst in keinem Malaria-endemischen Land. Malaria tropica war 2006 und 2007 sporadisch auf Great Exuma, vorwiegend bei Einheimischen, diagnostiziert worden. Das Auftreten von Malaria-Fällen bei Reiserückkehrern weist auf eine stärkere Aktivität des Malaria-Erregers hin. Reisende auf die Bahamas und insbesondere auf Great Exuma sollten eine Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen. Bei höherem Expositionsrisiko kann individuell eine Chemoprophylaxe erwogen werden (ProMED, 15./17. Mai 2008).

Chikungunya Fieber in Indien
Im indischen Bundesstaat Karnataka sind mehr als 1.700 Menschen an einem fieberhaften Infekt mit Arthritis erkrankt. Die endgültige Diagnose konnte bisher nicht gestellt werden aus Mangel eines diagnostischen Laboratoriums und entsprechender Teste in der hauptsächlich betroffenen Region. Die Behörden gehen jedoch davon aus, dass es sich um Chikungunya-Fieber handelt. Diese durch Stechmücken übertragene Virusinfektion trat schon 2007 epidemisch in einigen indischen Bundesstaaten auf. In den letzten Monaten sank die Aktivität. Mittlerweile scheint die Virusübertragung und die Stechmückenpopulation wieder deutlich anzusteigen, was zu vermehrten menschlichen Erkrankungsfällen führt. Reisende nach Karnataka sollten daher eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. April 2008).

Mumps in Irland
Im irischen Limerick sind mindestens 18 Personen an Mumps erkrankt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten handelt es sich um Studenten der Universität Limerick. Als Ursache wird der mit 77% relativ niedrige Durchimpfungsgrad genannt, der dazu führt, dass es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen kommen kann. Die Gesundheitsbehörden empfehlen insbesondere allen Studenten der Universität bei nicht vorhandenem, unvollständigem oder unbekanntem Impfstatus einen Arzt aufzusuchen. Reisende und insbesondere Studenten, die zum Austausch nach Irland fahren wollen, sollten über einen ausreichenden Immunschutz verfügen. Gleichzeitig sollte der Masern-Immunschutz kontrolliert und ggf. vervollständigt werden (ProMED, 16. April 2008).

Toxische Selen- und Chrom-Konzentrationen in Nahrungsergänzungsmitteln in den USA
Die amerikanische Verbraucherbehörde warnt vor bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln, die toxische Konzentrationen der Spurenelemente Chrom und Selen enthalten. Es handelt sich um die Produkte „Totel Body Formula“ und „Total Body Mega Formula“, die in Fruchtsäften aufgelöst und eingenommen werden sollen. Es wurden mehr als das 200fache an Selen und mehr als das 17fache an Chrom gefunden. Mittlerweile wurden mindestens bei 91 Personen toxische Erscheinungen nach Aufnahme der Substanzen in der vorgeschriebenen Art und Konzentration berichtet. Selen bewirkt u.a. Haarausfall, Muskelkrämpfe, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Hautblasen und Abgehen von Fingernägeln. Für Chrom wurde über Hepatitis, Veränderungen des Blutbilds, Kopfschmerz, Durchfälle, Exantheme und im schlimmsten Fall Rhabdomyolyse berichtet. Reisende sollten keines der genannten Präparate kaufen oder benutzen (ProMED, 16. April 2008).

Milzbrand in Ghana

In einer Region im Nordosten des westafrikanischen Staates Ghana sind mindestens 3 Menschen am Milzbrand verstorben. Es handelt sich um die Mitglieder einer einzigen Familie. Als Infektionsquelle konnte ein Rinderbulle identifiziert werden, der verstorben war. Das Fleisch war jedoch von den Familienmitgliedern noch verzehrt worden. Die Region ist als Milzbrand-endemisch bekannt. Die Veterinärbehörden führen regelmäßig Impfungen des Viehs durch. Es handelt sich nicht um eine Reiseregion. Generell sollte jedoch bei Reisen nach Afrika und insbesondere auch nach Westafrika darauf hingewiesen werden, dass Fleisch unklarer Herkunft oder in nicht gut durchgegartem Zustand nicht verzehrt werden sollte (ProMED, 16. April 2008).

Shigellenruhr in Israel
In der Region von Groß-Tel Aviv und Sharon werden vermehrt Fälle von Shigellenruhr beobachtet. Betroffen sind insbesondere Kleinkinder, die Kindertagesstätten besuchen. Es wurden keine genauen Erkrankungszahlen genannt. Auch der genaue Erregertyp wurde nicht mitgeteilt. Der genaue Übertragungsweg und die Infektionsquelle sind unklar. Es werden kontaminierte Lebensmittel diskutiert. Kleinkinder können an Shigellenruhr lebensgefährlich erkranken. Reisende in die Region Tel Aviv sollten alle Empfehlungen der persönlichen Hygiene strikt befolgen, insbesondere sollten Kleinkinder überwacht werden (ProMED, 16. April 2008).

Cholera in Japan

In Japan sind 10 Personen an Cholera erkrankt. Der Ausbruch ereignete sich in der Groß-Tokio-Region. Die Übertragung erfolgte durch Sashimi in einem Restaurant. Die Herkunft des Sashimi ist nicht bekannt. Es handelt sich um den ersten Cholera-Ausbruch in Japan seit 6 Jahren. Grundsätzlich besteht bei Genuss von Meeresfrüchten immer ein gewisses Risiko einer Cholera- oder Vibrionen-Infektion. Insbesondere in der afrikanischen und Südostasiatischen Region kommt die Cholera in vielen Ländern endemisch vor. Reisende dorthin sollten grundsätzlich alle Maßnahmen der persönlichen Hygiene und Nahrungsmittelhygiene befolgt werden (ProMED, 16. April 2008).

Hepatitis E in Hongkong

In Hongkong sind seit Beginn des Jahres schon 45 Fälle von Hepatitis E diagnostiziert worden. Dies bedeutet fast eine Verdopplung der Erkrankungsfälle im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es sind alle Altersgruppen von 15 bis 85 betroffen. Bisher konnte keine gemeinsame Infektionsquelle identifiziert werden, so dass von einer generell erhöhten Aktivität auszugehen ist. Die Hepatitis E wird durch kontaminierte Nahrungsmittel und Trinkwasser übertragen. Generell sollten alle Empfehlungen der persönlichen Hygiene und Nahrungsmittelhygiene befolgt werden (ProMED, 16. April 2008).



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