KW 15 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Rift Valley Fieber in Südafrika
In Südafrika breitet sich das Rift Valley Fieber immer weiter aus. Aktuell sind 111 Patienten gezählt worden, mindestens neun Menschen sind an der Infektion verstorben. Neu ist, dass erste Fälle in der Provinz „Estern Cape“ bekannt geworden sind. Unter den bisher sieben Erkrankungsfällen aus dieser Provinz sind insbesondere Bauern, ein Tierarzt und ein Tierarzthelfer. Rift Valley Fieber wird durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren, insbesondere deren Blut und deren Gewebe, sowie über infizierte Stechmücken übertragen. Für Reisende besteht aktuell keine unmittelbare Gefahr. Sie sollten sich von Tieren grundsätzlich fernhalten und bei erhöhtem Stechmücken-Expositionsrisiko eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. April 2010). 

Nocardiose in den USA
Im US-Bundesstaat New Jersey wurden zwischen Februar und März acht Fälle von subkutaner Bindegewebsinfektionen (Zellulitis) beobachtet. Alle acht Patienten entwickelten die Infektionen nach der Durchführung von kosmetischen Einspritzungen verschiedener Substanzen (u.a. Botox, Hydrogel, Gel Filler, Biogel) in die Po-Backen. Insgesamt konnte siebenmal Nocardia spp. und einmal Rhodococcus equi nachgewiesen werden. Die Infektionen werden auf die Verwendung nicht lizenzierter Produkte oder unsauberer Methoden bei der Einspritzung zurückgeführt. Reisende sollten daher wissen, dass insbesondere bei günstigen Angeboten für kosmetische Operationen von nicht ausgewiesenen Stellen eine deutlich erhöhte Infektions- und Verletzungsgefahr besteht (ProMED, 15. April 2010).

Arbovirus-Infektionen in Australien

In der Region Kimberley, im Norden des australischen Bundesstaats Western Australia, wird eine erhöhte Aktivität von durch Stechmücken übertragenen Arboviren vermutet. Es wurde erstmalig dort in diesem Jahr Kunjin-Virus nachgewiesen. Dabei handelt es sich um ein mit dem West Nil-Virus und dem Japan-Enzephalitis-Virus verwandtes Virus, das zu Hirnhautentzündung führen kann. Auch die Verdachtsdiagnose einer Murray Valley Enzephalitis konnte bei einem Patienten gestellt werden. Es wird auch vermutet, dass die Aktivität der übrigen in Australien vorkommenden durch Stechmücken übertragenen Viren erhöht sein kann. Darunter zählen neben den beiden genannten Viren, das Ross River-Virus (Epidemische Arthritis) und das Barmah Forest-Virus (Arthritis). Die australischen Gesundheitsbehörden empfehlen allen Bewohnern und Besuchern der genannten Region eine verstärkte individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe (ProMED, 14./16. April 2010).

Milzbrand in China
Ein ungewöhnlicher Milzbrand-Ausbruch wird aus China gemeldet. In der Bergprovinz Ningxia, im zentralen Norden des Landes, wurde Milzbrand in einer Schweinefarm diagnostiziert. Die Zahl der betroffenen Tiere wurde nicht mitgeteilt. Experten gehen davon aus, dass die Tiere sich mit kontaminiertem Futter infiziert haben, da eine natürliche Infektion von Schweinen hohe Erregermengen benötigt und üblicherweise sehr selten dann auftritt, wenn Schweine an Milzbrand verstorbene Tiere oder deren Teile als Futter vorgesetzt bekommen. Am wahrscheinlichsten ist im vorliegenden Fall, dass nicht ausreichend sterilisiertes Knochenmehl von an Milzbrand verendeten Tieren dem Futter beigemischt worden war. Es handelt sich um ein weiteres Beispiel, dass in China jegliche Nahrungsmittel mit Vorsicht zu verzehren sind und die allgemeinen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene-Empfehlungen beachtet werden sollten (ProMED, 14. April 2010).

Wilde Yam-Wurzel-Vergiftung auf den Philippinen
Auf den Philippinen sind möglicherweise bis zu 70 Menschen an Vergiftungen durch die wilde Yam-Wurzel erkrankt. Als indirekte Ursache für das Ereignis wird die Wetter-Anomalie El Nino genannt, die zu ungewöhnlichen Ernteausfällen führten, so dass die Menschen sich von der giftigen Yam-Wurzel ernährten. Die Wurzel (Dioscorea hispida) enthält das Alkaloid Dioscorin, das zu zentralnervösen Störungen führt. Die Wurzel kann durch mehrtägiges Einweichen in Wasser mit Sägespänen entgiftet werden. Reisende auf die Philippinen sollten jeglichen Verzehr unbekannter Wurzeln oder Gemüse vermeiden (ProMED, 9. April 2010).

Hepatitis A in Mexiko
Aus Mexiko wird eine erhöhte Aktivität der Hepatitis A gemeldet. In der Stadt Leon, im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato im Zentrum Mexikos, sind in diesem Jahr bereits 160 Menschen an Hepatitis A erkrankt. Dies bedeutet einen Anstieg der Erkrankungszahlen im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum von 50%. Insgesamt wird in den Mexiko ein Rückgang der Hepatitis A-Fälle beobachtet, so dass der erneute Anstieg im  Bundesstaat Gunajuato besonders auffällig ist. Über mögliche Infektionsquellen sind bisher keine Informationen verfügbar. Reisende nach Mexiko sollten grundsätzlich über einen ausreichenden Hepatitis A-Immunschutz verfügen (ProMED, 9. April 2010).

Leptospirose in Kolumbien
In der kolumbianischen Stadt El Pozon wird eine Rattenplage beobachtet, die zu Fällen von Leptospirose bei Hunden führt. Bisher sind keine menschlichen Erkrankungsfälle bekannt geworden. Über den genauen Leptospiren-Serotyp gibt es bisher keine Informationen. Mittlerweile wurde ein Ratten-Bekämpfungsprogramm begonnen. Reisende nach Kolumbien und insbesondere in die Städte sollten sich von Ratten und Ratten-infestierten Plätzen fernhalten und jeden direkten Kontakt mit den Tieren und insbesondere ihren Exkreten vermeiden (ProMED, 10. April 2010).

Masern auf den Philippinen

Im gesamten südostasiatischen Inselstaat liegt die Masern-Inzidenz im bisherigen Jahr 2010 um das 3,5fache höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bisher wurden rund 1.500 gesicherte Erkrankungsfälle registriert. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der an Masern verstorbenen Patienten von drei (2009) auf acht (2010) fast verdreifacht. Ursachen für den starken Anstieg der Masern-Erkrankungen auf den Philippinen wurden von den Behörden nicht mitgeteilt. Reisende auf die Philippinen sollten über einen ausreichenden Masernschutz (zweimalige Impfung oder nachgewiesen durchgemachte Infektion) verfügen (ProMED, 10. April 2010).

Chikungunya-Fieber in Reunion

Auf der zu Frankreich gehörenden, im Indischen Ozean gelegenen Insel Reunion breitet sich das Chikungunya-Fieber weiter aus. Während Ende März drei Fälle der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion registriert worden waren, versechsfachte sich die Zahl innerhalb von 10 Tagen auf nun 19 Fälle. Auch wenn die Gesamtzahl der Erkrankungsfälle bisher gering ist, muss mit einer weiteren Ausbreitung auf der Insel gerechnet werden. Bisher traten die meisten Fälle in St. Paul und in benachbarten Gemeinden auf. Reisende nach Reunion sollten augenblicklich einen ganztägigen individuellen Stechmücken-Expositionsschutz durchführen (ProMED, 10. April 2010).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in China

In China sind allein im März dieses Jahres mehr als 77.700 Kinder an der Hand-Fuß-Mund-Krankheit erkrankt. Mindestens 40 Kinder sind an Komplikationen verstorben. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die durch bestimmte Enteroviren, in erster Linie Enterovirus Serotyp 71 und Coxsackie-Virus A16, verursacht werden. Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion (fäkal-oral). Betroffen sind hauptsächlich Kleinkinder. Üblicherweise manifestiert sich die Erkrankung mit einem vesikulären Exanthem, das prominent an Händen, Füßen und Mund vorkommt. In manchen Fällen tritt eine ZNS-Beteiligung (Meningoenzephalitis) auf, die in seltenen Fällen zum Tod führen kann. Reisende nach China, insbesondere Reisende mit Kindern, sollten auf peinliche Einhaltung der individuellen Hygiene achten (ProMED, 12. April 2010).

Hantavirus Hämorrhagisches Fieber in Taiwan
Aus Taiwan wird ein Fall eines Hämorrhagischen Fiebers durch Hantaviren gemeldet. Die Erkrankung gilt als diagnostisch gesichert. Ein Patient war mit Nasenbluten, Husten und hohem Fieber bei einem Arzt vorstellig geworden. Eine serologische Untersuchung ergab den ersten Fall einer Hantavirus-Infektion auf Taiwan im Jahr 2010. Es wurde nicht mitgeteilt, um welches Hantavirus es sich handelt. Als Überträger wurde entweder die Hausratte oder die Tanezumi-Ratte genannt. Vereinzelt werden neben hämorrhagischen Symptomen auch Respirationstrakt-Symptome beschrieben. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Neuwelt-Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom. Reisende nach Taiwan sollen grundsätzlich jeden direkten oder indirekten Kontakt zu Nagetieren vermeiden (ProMED, 12. April 2010).

Milzbrand in Indonesien

Im indonesischen Distrikt Mandai auf dem indonesischen Sulawesi Selatan ist der Milzbrand ausgebrochen. Innerhalb von einer Woche sind mindestens drei Kühe verendet. Das indonesische Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei hat nun eine Milzbrand-Warnung der Stufe 1 ausgerufen. Bisher wurden 20 Menschen getestet, die mit den Tieren direkten Kontakt hatten, doch es zeigten sich nach den bisher verfügbaren Ergebnissen keine Hinweise auf Infektionen. Grundsätzlich sollten Reisende jeden direkten Kontakt mit kranken Tieren oder Tierkadavern vermeiden und Fleisch nur in gut durchgegartem Zustand verzehren (ProMED, 8. April 2010).

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in Südamerika

Aus Argentinien und aus Chile werden Fälle von Hantavirus Kardiopulmonalem Syndrom gemeldet. Im Bergland des westlichen Argentiniens werden aus der Region Bariloche zwei Erkrankungsfälle gemeldet, einer davon mit tödlichem Verlauf. Nach Auskunft des ärztlichen Leiters des behandelnden Krankenhauses handelt es sich allerdings nicht um ein ungewöhnliches Geschehen in der betroffenen Region. In Antafagasta, im Norden Chiles, ist ein Mann an der Infektion verstorben. Die Infektion erfolgte hier vermutlich während eines Aufenthalts in Biobio in Zentral-Chile. Bei beiden Infektionen handelt es sich vermutlich um Infektionen mit dem Andes-Virus, übertragen von der Langschwanz-Zwergreisratte. Reisende in den gesamten südamerikanischen Kontinent sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden (ProMED, 8. April 2010).

Masern in Südafrika
Der Masernausbruch in Südafrika breitet sich weiter aus. Mittlerweile sind allein in Kapstadt  mehr als 1.000 neue Erkrankungsfälle registriert worden. Mindestens 12 Patienten sind an den Masern verstorben, darunter auch ein Erwachsener. Die Gesundheitsbehörden planen nun eine Million Kinder zu impfen. Die Behörden empfehlen aktuell allen Besuchern nach Südafrika eine ausreichende Masern-Immunität (nachgewiesen durchgemachte Infektion oder zweimalige Masern-Impfung) (ProMED, 8. April 2010).

Tollwut in Angola
Die angolanischen Gesundheitsbehörden berichten fast 600 Tierbisse von möglicherweise tollwütigen Tieren in diesem Jahr. Vier Menschen sind bisher an der Tollwut verstorben. Die Regionen Luanda und Bie sind am stärksten von der Tollwut betroffen, allerdings tritt die Erkrankung bei streunenden Hunden im gesamten Land auf. Die Veterinärbehörden haben innerhalb der ersten Aprilwoche mehr als 120.000 Hunde gegen Tollwut geimpft. Reisende nach Angola sollen jeden direkten Kontakt zu streunenden Hunden oder Tieren vermeiden, insbesondere wenn diese ein ungewöhnliches (aggressives oder stilles) Verhalten an den Tag legen. Im Fall eines entsprechenden Kontakts soll unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Reisende bei Aktivitäten mit erhöhtem Tierkontaktrisiko ist eine Tollwut-Impfung vor Antritt der Reise zu empfehlen  (ProMED, 9. April 2010).

Tollwut in Ghana
In der Provinz Bongo im westafrikanischen Ghana sind im dortigen Krankenhaus mehr als 100 Patienten mit Tollwut-Verdacht eingewiesen worden. Insgesamt wurde bei 47 Patienten eine Postexpositionsprophylaxe durchgeführt. Insgesamt sind fünf Menschen an Tollwut erkrankt und verstorben. In Westafrika wird die Tollwut vorwiegend durch streunende Hunde (urbaner Übertragungstyp) übertragen. Reisende nach Ghana und in das gesamte Westafrika  sollen jeden direkten Kontakt zu streunenden Hunden oder Tieren vermeiden, insbesondere, wenn diese ein ungewöhnliches (aggressives oder stilles) Verhalten an den Tag legen. Im Fall eines entsprechenden Kontakts soll unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Reisende bei Aktivitäten mit erhöhtem Tierkontaktrisiko ist eine Tollwut-Impfung vor Antritt der Reise zu empfehlen  (ProMED, 9. April 2010).

Dengue-Fieber in Puerto Rico
Nach dem Überschreiten der Warnschwelle an zwei aufeinander folgenden Wochen wurde in Puerto Rico eine Dengue-Fieber-Epidemie ausgerufen. Innerhalb einer Woche im März waren fast 200 Erkrankungsfälle der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion diagnostiziert worden. Die am stärksten betroffenen Gemeinden sind Naguabo, Las Piedras, Humacao, Yabucoa, Juncos, Arecibo, Hatillo und Santa Isabel. Durch die heftigen Regenfälle und die darauf folgenden hohen Temperaturen haben sich große Populationen des Überträgers insbesondere an der nördlichen Küste der Insel und im Osten des Landes bilden können. Reisende nach Puerto Rico sollen über das augenblicklich erhöhte Infektionsrisiko vor Reiseantritt informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. April 2010).

Dengue-Fieber in der Dominikanischen Republik
Die Gesundheitsbehörden der Dominikanischen Republik haben eine Dengue-Fieber-Warnung ausgegeben. Aufgrund der herrschenden Witterungsbedingungen konnte sich Aedes aegypti, der Überträger des Dengue-Virus, stark vermehren. Insgesamt wurden bereits mehr als 2.000 Erkrankungsfälle, darunter knapp 300 hämorrhagische Verlaufsformen und 14 Todesfälle registriert. Reisende in die dominikanische Republik sollen über das augenblicklich erhöhte Infektionsrisiko vor Reiseantritt informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. April 2010).

Dengue-Fieber in Südamerika

Aus mehreren Ländern Südamerikas werden erhöhte Aktivitäten der Arbovirus-Infektion gemeldet. In der venezolanischen Provinz Tachira, im Westen des Landes an der Grenze zu Kolumbien, werden durchschnittlich fünf Erkrankungsfälle gemeldet, davon mindestens ein hämorrhagischer Verlauf. Auch in Peru wurde für Teile des Landes eine epidemische Situation ausgerufen. Die höchsten Erkrankungszahlen werden hier aus dem Nordwesten des Landes (Provinz Piura) gemeldet. In Paraguay zirkuliert Dengue-Virus Serotyp 2 in der Hauptstadt des Landes, Asucion. Von bisher rund 5.000 Verdachtsfällen konnten knapp 2.000 bestätigt werden. In Brasilien werden hohe Erkrankungszahlen in den Bundesstaaten Sao Paulo, Minas Gerais, und Bahia berichtet. Allein in Bahia wird ein Anstieg der Dengue-Erkrankten um das Zehnfache festgestellt. Reisende in die gesamte südamerikanische Region nördlich des 30. Breitengrades sollen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. April 2010).

Dengue-Fieber in Brunei
Seit Jahresbeginn wurde ein starker Anstieg der Dengue-Fieber-Erkrankten beobachtet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums des auf der Insel Borneo gelegenen Sultanats ist der Ausbruch jedoch unter Kontrolle. Besonders betroffen ist der Distrikt Brunei-Muara. Dort wird eine hohe Aedes aegypti-Population gefunden. Entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen wurden vor Ort eingeleitet. Reisende nach Brunei und insbesondere in die genannte Region sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. April 2010).



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