KW 15 / 2008: Epidemiologische Informationen

Chikungunya Fieber auf SumatraAuf der indonesischen Insel Sumatra wird eine verstärkte Chikungunya Virus-Aktivität beobachtet. Betroffen ist insbesondere der Südosten der Insel, v.a. der Distrikt Lampung. Es sind ganze Familien in der Region betroffen. Es scheint, dass der im Dezember in der Region gemeldete Chikungunya Fieber-Ausbruch nach einer Zeit mit geringerer Aktivität jetzt wieder in seiner Aktivität zunimmt. Die Gesundheitsbehörden sind beunruhigt, da in der Region eine weite Verbreitung von Aedes aegypti, dem mutmaßlichen Überträger nachgewiesen wird, die aktuell im Ansteigen begriffen ist. Reisende nach Sumatra und insbesondere in den Südosten der indonesischen Insel sollten alle Maßnahmen der persönlichen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 6. April 2008).
Hepatitis E auf KreuzfahrtDie englischen Gesundheitsbehörden melden das Auftreten von 4 Fällen von Hepatitis E bei Passagieren einer Kreuzfahrt. Das Schiff hatte in verschiedenen Häfen in Amerika (Nord, Mittel, Süd), Australien und Ozeanien angelegt. Zwischen dem 12. und 23. März waren die Passagiere erkrankt. Es konnte bisher nicht ermittelt werden, wo die Infektion erfolgte. Die Passagiere wurden über die Infektion informiert und gebeten bei entsprechenden Symptomen einen Arzt aufzusuchen. Die britischen Behörden schätzen das Risiko einer direkten Übertragung an Bord auf andere Passagiere jedoch als gering ein. Kreuzfahrt-Passagiere mit Symptomen einer Hepatitis sollten auf Hepatitis E untersucht werden (ProMED, 6. April 2008).
Metapneumovirus-Infektionen in KanadaDas humane Metapneumovirus wurde erst 2001 als Erreger von Respirationstrakt-Infektionen beim Menschen entdeckt. Betroffen sind hierbei besonders Kinder und chronisch kranke Patienten. Nun führte ein Ausbruch durch dieses Virus zu 60 Erkrankungsfällen und 4 Todesfällen in einem Seniorenheim auf Vancouver Island an der kanadischen Pazifikküste. Nähere Untersuchungen zeigen nun, dass das verursachende Virus eine bisher unbekannte Mutation aufweist, die das Virus pathogener machen könnte. Reisende aus Kanada mit schweren Respirationstrakt-Infektionen sollten auf Metapneumovirus untersucht werden (ProMED, 5. April 2008).
Gelbfieber in LiberiaIm westafrikanischen Liberia ist ein 32jähriger Mann am Gelbfieber verstorben. Die Behörden nehmen an, dass es sich um einen Gelbfieber-Ausbruch handelt, da im Zeitraum der Diagnosestellung und –Bestätigung meist schon weitere Personen infiziert wurden. Die Gelbfieber-Aktivität wird im Nimba County und im angrenzenden Grand Gedeh County beobachtet, bzw. vermutet. Die nationalen und internationalen Bekämpfungsstrategien werden sich zunächst auf diese beiden Landkreise konzentrieren. Reisende nach Westafrika sollten grundsätzlich über einen Gelbfieber-Immunschutz verfügen (ProMED, 5. April 2008).
Masern in ÖsterreichIm österreichischen Bundesland Salzburg sind mittlerweile im Rahmen eines Ausbruchs 180 Personen an Masern erkrankt. Ausgangspunkt der Epidemie ist eine Waldorfschule in Salzburg, wo die meisten der Kinder nicht gegen Masern geimpft sind. Mittlerweile wurden erste Erkrankungsfälle im angrenzenden Bundesland Oberösterreich und auch jenseits der österreichisch-deutschen Grenze in Bayern nachgewiesen, die vermutlich mit dem Ausbruch in Salzburg in Verbindung stehen. Grundsätzlich sollten alle Einwohner in Deutschland einen Masern-Schutz aufweisen. Insbesondere sollte bei Reisenden in die genannte Region und bei Bewohner der Region ein Immunschutz gegen Masern vorhanden sein (ProMED, 4. April 2008).
Cholera in ÄthiopienIn der äthiopischen Region Somalia an der Grenze zu Kenia sind mindestens 97 Menschen an wässrigen Durchfällen mit Verdachtsdiagnose Cholera erkrankt. 8 Patienten sind bisher an den Durchfällen verstorben. Auch auf kenianischer Seite werden erste Erkrankungsfälle bei Einreisenden beobachtet und diagnostiziert. Reisende in die genannte Region auf äthiopischer und kenianischer Seite sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittelhygiene strikt beachten (ProMED, 4. April 2008).
Milzbrand in den USAIm US-Bundesstaat Texas ist eine Ziege am Milzbrand erkrankt und verstorben. Es würde sich um einen jahreszeitlich ungewöhnlich frühen Beginn der Saison für Milzbrand bei Tieren handeln. Es besteht aktuell der Verdacht, dass möglicherweise das gegebene Futter (Heu oder Heupellets) den Erreger enthielten, da die Ziegen nicht auf der Wiese waren und in der Region bisher Milzbrand nicht beobachtet worden war. Reisende nach Texas sollten jeden direkten Kontakt mit Kadavern von Haus- oder Wildtieren vermeiden und kein Fleisch unbekannter Herkunft verzehren (ProMED, 4. April 2008).
Hochresistente Tuberkulose in NamibiaIm südwestafrikanischen Namibia werden aktuell 24 bekannte Fälle von hochresistenter Tuberkulose behandelt. Weiterhin sind 254 Fälle von multiresistenter Tuberkulose bekannt und in Therapie. Dies bedeutet immerhin, dass in diesem Land schon jeder 10. Fall einer multiresistenten Tuberkulose eine hochresistente Form darstellen, das sind Tuberkuloseerreger, die gegen Isoniazid, Rifampizin, gegen mindestens ein orales Fluorchinolon und gegen ein injizierbares Tuberkulostatikum resistent sind. Besonders betroffen in Namibia ist die Region Hardap. Reisende nach Namibia mit engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung sollten ggf. nach Rückkehr eine Tuberkulose-Untersuchung durchführen lassen (ProMED, 3. April 2008).
Malaria in BotswanaIn der Region von Bobirwa im südafrikanischen Botswana sind in diesem Jahr schon mehr als 200 Menschen an Malaria erkrankt. 6 Patienten sind an der Malaria verstorben. Dies bedeutet eine Verdoppelung der Malaria-Fälle im Vergleich zum Zeitraum der letzten 2 Jahre. Die Gründe für diese hohe Aktivität der Malaria in der Region von Mmadinare, Bobonong und Selebi-Phikwe sind bisher nicht klar. Reisende nach Botswana und in die betroffenen Regionen sollten eine Malariaprophylaxe mit Mefloquine, mit Doxycyclin oder mit Atovaquon/Proguanil durchführen (ProMED, 8. April 2008).
Dirofilariose in RusslandIn der Region der russischen Stadt Kirov sind in diesem Jahr schon 2 Fälle von Dirofilariose aufgetreten. Dabei handelt es sich um eine tierische Mikrofilariose der Katzen und Hunde, die in seltenen Fällen zu einer Infektion beim Menschen führt. Sie manifestiert sich in subkutanen Knötchen im Rahmen einer allergischen Reaktion gegen die Mikrofilarien im subkutanen Gewebe. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken. Ungewöhnlich ist die jahreszeitlich sehr frühe Übertragung in diesem Jahr. Reisende in die genannte Region sollten sich durch individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe vor Stechmücken-Stichen schützen (ProMED, 8. April 2008).
Leptospirose in Neu-KaledonienAuf der ozeanischen Inselgruppe Neu-Kaledonien ist ein Leptospirose-Ausbruch zu beobachten. Insgesamt sind mehr als 320 Personen erkrankt. Betroffen ist neben der Hauptstadt Noumea besonders auch die Insel Lifou. Auf Neu-Kaledonien ist eine der höchsten Leptospirose-Inzidenzen im gesamten ozeanischen Raum. Die Leptospirose ist dort häufiger als Salmonellose, Hepatitis A, Hepatitis B oder Tuberkulose. Die hauptsächliche Übertragung erfolgt über direkten Kontakt mit den Ausscheidungen von Tieren (Nagetiere, Schweine, Pferde und Rinder), die den Erreger insbesondere über Urin ausscheiden. Reisende auf Neu-Kaledonien sollten jeden direkten Kontakt mit Tieren und deren Ausscheidungen vermeiden (ProMED, 8. April 2008).
Tollwut in den USAIn verschiedenen Bundesstaaten der USA wird eine erhöhte Tollwut-Aktivität beobachtet. Betroffen sind Tiere und Menschen. Im Bundesstaat New York wurde ein Mann von einem tollwütigen Fuchs attackiert. Im Bundesstaat Arkansas war ein Haushund einer Familie mit Tollwut infiziert. Die Infektionsquelle für den Hund ist bisher unklar, jedoch kommt in Arkansas die durch Stinktiere übertragene Tollwut häufig vor. In Arizona wurden zwei Camper von einem Puma angegriffen, der sich später als tollwütig herausstellte. Es handelt sich um den zweiten Vorfall dieser Art durch Pumas in Arizona in den letzten Wochen. Im Bundesstaat Georgia wurde ebenfalls ein Mann von einem tollwütigen Fuchs angegriffen. In Texas wurde bei einer Fledermaus Tollwut festgestellt. Die Fledermaus war auf einem Spielplatz gefunden worden und mindestens 2 Kinder kamen in direkten Kontakt mit dem Tier. Reisende in die USA sollten jeden direkten Kontakt mit Wildtieren oder mit Haustieren mit auffälligem Verhalten vermeiden. Im Zweifel sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 10./11. April 2008).
Paralytisches Schalentier-Syndrom in SüdafrikaIn Südafrika wurde entlang der Westküste nördlich des Kaps erhöhte Konzentrationen von Saxitoxin-ähnlichen Stoffen gefunden. Dieses Toxin wird von Algen gebildet und reichert sich in Schalentieren, Muscheln und Austern an, die beim Verzehr das sog. Paralytische Schalentier-Syndrom verursachen können. Die ersten Symptome äußern sich rund 30 Minuten nach dem Verzehr der Schalentiere als Brennen an Lippen und Zunge. Dann kommt es zu Taubheit an Armen, Beinen und am Nacken. Die südafrikanischen Behörden raten augenblicklich dringend davon ab, Muscheln oder Austern von der Westküste Südafrikas zu verzehren (ProMED, 10. April 2008).
Chikungunya Fieber in IndienIm Norden des Indischen Bundesstaats Kerala ist ein erneuter Chikungunya Fieber-Ausbruch aufgetreten. Nachdem im letzten Jahr besonders der Süden und das Zentrum des Bundesstaats betroffen waren, werden jetzt zunehmend Erkrankungsfälle im Norden Keralas beobachtet. Als Ursache für den Anstieg der Aktivität werden die heftigen und lang anhaltenden Regenfälle der letzten Wochen genannt, die zu deutlich höheren Stechmücken-Populationen führten. Reisende in den gesamten Bundesstaat Kerala sollten eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 9. April 2008).
Tollwut in SüdafrikaAus East London an der Küste des Indischen Ozeans in Südafrika wird ein Tollwut-Ausbruch gemeldet. In und um die genannte Stadt sind eine Reihe von streunenden Hunden tollwütig gefunden worden. Die Veterinärbehörden haben darauf hin eine allgemeine Warnung an die Bevölkerung ausgegeben. Danach müssen alle Haushunde und Katzen gegen Tollwut geimpft sein. Jeder direkte Kontakt mit streunenden, unbekannten Hunden sollte vermeiden werden. Nach einem Kontakt sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Reisende nach Südafrika sollten diese Empfehlungen befolgen und insbesondere jeden Kontakt mit streunenden Hunden und mit Haus- und Wildtieren mit auffälligem Verhalten vermeiden (ProMED, 9. April 2008).
Dengue Fieber in Neuseeland aus TongaIn Neuseeland wurden in diesem Jahr schon bei mindestens 23 Neuseeländern Dengue Fieber diagnostiziert. Die meisten der importierten Erkrankungsfälle stammen aus dem ozeanischen Inselreich Tonga. Dort wurden in diesem Jahr schon mehr als 200 Erkrankungsfälle bei den Einheimischen diagnostiziert. Bisher sind keine autochthonen Erkrankungsfälle in Neuseeland aufgetreten. Reisende nach Tonga sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen. Bei Reiserückkehrern aus Tonga und den angrenzenden Inselgruppen mit Fieber sollte ein Dengue Fieber ausgeschlossen werden (ProMED, 9. April 2008).
Cholera in KeniaIn der kenianischen Stadt Naivasha im Rift Tal im ostafrikanischen Kenia ist die Cholera aufgetreten. Über die genaue Zahl von Erkrankten wurde keine Information gegeben, allerdings sind innerhalb des vergangenen Wochenendes 5 Menschen an der Cholera verstorben. Die Gesundheitsbehörden warnen vor größeren Ausbrüchen in den Flüchtlingscamps aus der Zeit der Unruhen. Als Ursache werden Flüchtlinge und die schlechten sanitären Verhältnisse in der Region genannt. Reisende in den Nordwesten Nairobis sollten strikt die Empfehlungen der allgemeinen Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 9. April 2008).
Leptospirose in PeruIn der peruanischen Amazonas-Provinz wird ein Leptospirose-Ausbruch beobachtet. Dabei wurde ein neuer hoch pathogener Bakterienstamm nachgewiesen, der zu einer schweren Form der Leptospirose mit Gelbsucht, Nierenversagen und Lungenhämorrhagien führt, dem klassischen Krankheitsbild der schweren Weilschen Erkrankung. Als Überträger werden Ratten vermutet, aus denen der neue Erreger, Leptospira licerasiae, isoliert werden konnte. Der Erreger ist von anderen Leptospiren relativ verschieden, so dass nicht sicher ist, ob mit den herkömmlichen Standard-Nachweisverfahren die Erkrankung diagnostiziert werden kann. Reisende sollten jeden Kontakt mit Ratten und deren Exkrementen vermeiden und bei Fieber während oder nach einer Reise in den Amazonas einen Arzt zur weiteren Diagnostik aufsuchen (ProMED, 7. April 2008).
Flecktyphus in Japan aus IndonesienIn Japan wurde innerhalb kurzer Zeit bei zwei Reiserückkehrern von der indonesischen Insel Bali Flecktyphus diagnostiziert. Es handelt sich dabei um eine Rickettsiose, die durch Flöhe auf den Menschen übertragen wird und als natürliche Wirte in Ratten vorkommt. Die Erkrankung tritt vor allem in Küstenregionen und Städten mit hohen