KW 14 / 2008: Epidemiologische Informationen

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF

Masern in Frankreich
In der ostfranzösischen Stadt Reims sind zwischen Ende Januar und März 16 Personen (9 Erwachsene, 7 Kinder) an Masern erkrankt. Als Index-Fall konnte eine 20jährige Frau identifiziert werden, die erst 4 Mitglieder ihrer Familie infizierte. Davon ausgehend wurden weitere 11 Personen infiziert. Die Infektionsquelle des Indexfalls ist unbekannt. Soweit bekannt war keiner der Patienten geimpft. Das Beispiel zeigt wiederum die aktuell auch in vielen europäischen Ländern labile epidemiologische Masern-Situation. Grundsätzlich sollte jeder in Deutschland einen Immunschutz gegen Masern aufweisen. Im Rahmen reisemedizinischer Beratungen sollte auf einen ausreichenden Masernschutz geachtet werden ( www.eurosurveillance.org , 27. März 2008)

Mumps in Moldawien
Aus Moldawien wird ein landesweiter Mumps-Ausbruch gemeldet. Seit Oktober 2007 sind schätzungsweise 20.000 Personen an der Virusinfektion erkrankt. Als Ursache für die stark erhöhte Aktivität werden Lücken in der allgemeinen Durchimpfung insbesondere der jüngeren Altersgruppen genannt. Reisende nach Moldawien sollten einen ausreichenden Immunschutz gegen Mumps besitzen. Dies sollte wie auch für den Masern-Immunschutz im Rahmen der reisemedizinischen Beratung abgeklärt werden ( www.eurosurveillance.org 27.März 2008).

West Nil Fieber in den USA
Im County Maricopa des US-Bundesstaats Arizona ist der erste menschliche Erkrankungsfall von West Nil-Fieber in diesem Jahr aufgetreten. Es handelt sich um den frühesten im Jahresverlauf jemals auf dem amerikanischen Kontinent bekannt gewordenen menschlichen Erkrankungsfall. Als Ursache für die frühe West Nil-Virusaktivität in diesem Jahr wird der milde Winter mit der früh einsetzenden Stechmücken-Aktivität genannt. Die lokalen Gesundheitsbehörden fordern alle Bewohner auf, potentielle Mückenbrutplätze (v.a. künstliche Wasseransammlungen) um Behausungen zu entfernen. Aktuell scheint die Aktivität noch relativ gering zu sein. Reisende in die USA sollten jedoch in Regionen mit höheren Mückenpopulationen eine ganztägige persönliche Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 29. März 2008).

Murray Valley Enzephalitis in Australien
Seit mehr als 30 Jahren wurde im australischen Bundesstaat Victoria Murray Valley-Virus in Kücken entdeckt, die zur epidemiologischen Überwachung in der Natur platziert worden waren. Aktuell gibt es keine menschlichen Erkrankungsfälle, jedoch wurde von den lokalen Gesundheitsbehörden eine Warnung an die Bewohner der betroffenen Region ausgegeben. Es sollten alle baulichen Einrichtungen zum Stechmückenschutz überprüft, Brutplätze für Stechmücken entfernt und eine ganztägige persönliche Expositionsprophylaxe durchgeführt werden. Murray Valley Enzephalitis ist eine schwer verlaufende Enzephalitis mit Letalitätsraten von bis zu 30% mit hoher Rate bleibender neurologischer Residuen. Reisende in den Norden Victorias sollten in Regionen mit hohen Stechmücken-Populationen eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 29. März 2008).

Mumps in Australien
Im australischen Bundesstaat Northern Territories wurde ein Mumpsausbruch in einer Schule beobachtet, der sich jetzt auf Schuleinrichtungen in Western Australien ausgebreitet hat. Aktuell ist von 46 Erkrankungsfällen die Rede, was eine Verzehnfachung der üblichen Zahlen bedeutet. Nach den Aussagen der zuständigen lokalen Behörden scheint die Ursache nicht an einem Rückgang der durchgeführten Impfungen in der Bevölkerung zu liegen. Als Möglichkeit wird die generelle eingeschränkte Wirksamkeit des Impfstoffs bei schon geringfügigen Abweichungen von den Vorgaben zur Verabreichung genannt. Das im Impfstoff enthaltene Lebendvirus ist äußerst anfällig gegen längeres Lagern bei Raumtemperatur. Deshalb sollten Impfstoffe mit Mumps-Komponente zügig verimpft werden. Reisende nach Western Australia und in die Northern Territories Australiens sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Mumps verfügen (ProMED, 31. März 2008).

Cholera in Nigeria
Im zentralnigerianischen Bundesstaat Benue sind innerhalb der letzten Wochen mindestens 50 Menschen an der Cholera verstorben. Nach offiziellen Angaben ist von 150 Erkrankungsfällen die Rede, was einer ungewöhnlich hohen Letalität von 30% entspräche. Die meisten Erkrankungs- und Todesfälle traten in der Hauptstadt des Bundesstaats, Makuri, auf. Als Ursache wird kontaminiertes Trinkwasser gesehen. Nach den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden soll Wasser ausschließlich in abgekochtem Zustand verwendet werden. Reisende in die genante Region sollten alle Empfehlungen der persönlichen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt befolgen (ProMED, 31.März 2008)

Gelbfieber-Impfung und Nebenwirkungen in Peru
Im Zeitraum von Mitte September bis Anfang Oktober 207 sind in der peruanischen Region Ica 5 Fälle von schweren Gelbfieber-impfassoziiertem viszerotropes Syndrom aufgetreten. Vier der Erkrankungsfälle verliefen tödlich. Damit lag die Inzidenz dieser schweren Nebenwirkung nach Gelbfieber-Impfung rund 20fach höher als bisher beobachtet. Eine abschließende Bewertung der WHO und PAHO zeigt nun, dass es sich in den 5 Fällen um Personen mit Immundefizienz verschiedener Formen handelte. Das verursachende Virus war eindeutig als Impfvirus 17DD identifizierbar. Auch nach untersuchte Proben der verantwortlichen Impfstoffcharge wiesen keine Auffälligkeiten auf. Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass die Gelbfieber-Impfung aktuell die einzige sichere Möglichkeit der Vermeidung eines Gelbfiebers darstellt, einer Erkrankung mit bis zu 50% Letalität. Die Gesundheitsbehörden wissen um die selten auftretenden schweren Nebenwirkungen durch den Impfstoff. Deshalb sollte in jedem Fall eine sorgfältige Anamnese gemacht und die Impfentscheidung auf individueller Basis erfolgen. Besondere Sorgfalt sollte bei der Impfentscheidung für ältere Personen und für Personen mit eingeschränktem Immunsystem verwendet werden, da in diesen Personenkreisen ein erhöhtes Risiko von schweren Nebenwirkungen durch die Impfung bekannt sind (ProMED, 2. April 2008).

Konjunktivitis auf den Cayman Inseln
Auf den karibischen Cayman Inseln wird eine deutlich erhöhte Inzidenz von Konjunktivitis beobachtet. In den letzten Tagen war zusätzlich von stark ansteigenden Erkrankungszahlen die Rede, so dass lokale Gesundheitsexperten von einem epidemischen Auftreten der Augenerkrankung ausgehen. Als Ursache werden Adenoviren genannt, wobei der schlussendliche Nachweis noch aussteht. Die Konjunktivitis kann durch verschiedene Adenovirus-Typen verursacht werden. Sie gilt als hochinfektiös und wird in erster Linie durch Kontaktinfektion direkt oder indirekt (über Gegenstände) übertragen. Reisende auf die Cayman Inseln sollten augenblicklich auf sorgfältige persönliche Händehygiene achten (ProMED, 1. April 2008).

Masern in den USA

Im US-Bundesstaat Arizona wird ein Anstieg von Masernerkrankungen registriert. Im Pima County wurden jetzt 9 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Die genaue Ausbruchshistorie ist noch unbekannt. Die Behörden gehen jedoch von weiteren Erkrankungsfällen in Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen und in der allgemeinen Bevölkerung aus. Die USA gelten als masernfrei, doch werden immer wieder Erkrankungsfälle von anderen Ländern eingeschleppt, die zu kleineren Ausbrüchen führen können. Reisende sollten grundsätzlich einen Masernschutz besitzen. Für Schüler und Studenten ist der Nachweis einer Masern-Immunität zwingend vorgeschrieben (ProMED; 1. April 2008).

Tollwut in den USA
In Hampshire County im US-Bundesstaat West Virginia wurde eine Rinderfarm unter Quarantäne gestellt, nachdem bei 3 der 85 Kühe auf der Farm Tollwut nachgewiesen worden war. Insgesamt wird bei 6 Personen, die mit den Rindern direkten Kontakt hatten, eine Post-Expositionsprophylaxe durchgeführt. Zum verursachenden Virustyp und möglichen Übertragungswegen sind noch keine Informationen verfügbar. Der Ausbruch zeigt jedoch, dass grundsätzlich alle Säugetiere, u.a. auch Rinder, an der Tollwut erkranken können und eine potentielle Gefahr für den Menschen darstellen. Insbesondere bei Rindern mit auffälligem Verhalten sollte jeder direkte Kontakt vermieden werden (ProMED, 1. April 2008).

Dengue Fieber auf den Philippinen
In der nordwestlichen Provinz Ilocos Norte auf den Philippinen wird augenblicklich eine deutlich erhöhte Dengue Virus-Aktivität beobachtet. Die Zahl der registrierten Erkrankungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Bisher wurden 2 Todesfälle berichtet. Betroffen sind vor allem die größeren Städte, u.a. Batac City und Laoag City. Die Gesundheitsbehörden versuchen zusammen mit der Bevölkerung, Maßnahmen zu implementieren, um die hohen Mückenpopulationen zu reduzieren. Jeder Reisende in die Region sollte eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 1. April 2008).

Dengue Fieber auf den Malediven
Bei einem deutschen Reiserückkehrer von den Malediven wurde Dengue Fieber diagnostiziert. Der Patient hielt sich für 9 Tage dort in 2 Resorts auf. Der letzte bekannte Dengue Fieber-Ausbruch auf den Malediven resultiert aus dem Jahr 2006. Reiserückkehrer mit Dengue oder anderen von Stechmücken übertragenen Erkrankungen stellen sensitive Indikatoren für eine erhöhte Virusaktivität dar. Reisende auf die Malediven sollten aktuell vorsichtig sein und ggf. Maßnahmen der persönlichen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 1. April 2008).

Dengue Fieber auf Neu-Kaledonien

Auf der südpazifischen Inselgruppe Neu-Kaledonien wird eine erhöhte Dengue-Virusaktivität beobachtet. Aktuell sind in diesem Jahr bereits 263 diagnostizierte Erkrankungsfälle bekannt geworden. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Noumea und ihre Umgebung sowie der Norden der Insel Lifou und die Insel Isle of Pines. Reisende nach Neu-Kaledonien und die benachbarten Inselgruppen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 1. April 2008).

Gelbfieber in Peru
In der zweiten Märzwoche ist eine 24jährige peruanische Frau an Gelbfieber erkrankt und verstorben. Nach den Angaben der Gesundheitsbehörden handelt es sich um die silvatische Form der Erkrankung. Die Patientin war ungeimpft. Es handelt sich um den 6. Gelbfieber-Fall in Peru in diesem Jahr. Die Letalität der Erkrankung lag bei 50%. Betroffen ist dabei das amazonische Tiefland Perus. Der aktuelle Fall ereignete sich in dem Departement St. Martin. Der amazonische Teil Perus ist als Gelbfieber-endemische Zone bekannt. Reisende dorthin sollten in jedem fall über eine gültige Gelbfieber-Impfung verfügen (ProMED, 1. April 2008).



© 2012 by Dr. Frühwein & Partner | created by nerd-d-sign, ska-design & Maximusweb