KW 13 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Tollwut in Israel
Im Norden Israels nimmt die Aktivität der Tollwut bei Tieren zu. In diesem Jahr wurde bei 16 Tieren, darunter neun Hunde, die Tollwut festgestellt. Insgesamt musste bei mehr als 670 Menschen eine Tollwut-Postexpositionsprophylaxe durchgeführt werden. Die Veterinärbehörden beunruhigt insbesondere die hohe Zahl von Tollwut-Fällen bei Hunden, während bisher die Tollwut weitgehend bei Wildtieren diagnostiziert worden war. Es ist hier ein Überspringen eines silvatischen auf einen urbanen Zyklus zu beobachten. Reisende nach Israel, insbesondere in den Norden Israels, sollten jeden direkten Kontakt mit Haus- oder Wildtieren vermeiden und insbesondere nach Kontakten mit Tieren mit auffälligem und aggressivem Verhalten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 27. März 2010).

Influenza-Aktivität weltweit

Aktuell wird eine erhöhte Influenza H1N1-Aktivität in Südostasien, in Westafrika und in Zentral- und Südamerika beobachtet. In Südostasien wird momentan eine erhöhte Aktivität in Thailand und in Malaysia registriert. Während in Thailand die Aktivität sich zu verringern scheint, nimmt die Häufigkeit von Influenza-ähnlichen Erkrankungen in Malaysia seit Mitte März deutlich zu. In Indien und Bangladesch wird Influenza H1N1 weiter auf niedrigem Niveau registriert. In Afrika, südlich der Sahara, ist die Aktivität insbesondere in Westafrika hoch. Neben Ghana und dem Senegal wird auch in Ruanda eine lokal begrenzte erhöhte Aktivität registriert. In Mittelamerika wurde in den letzten Wochen eine zunehmende Influenza-Aktivität in Guatemala, Nicaragua, El Salvador und Panama diagnostiziert. In Südamerika meldet Brasilien vermehrt Influenza-Fälle, wobei bisher keine exakten Daten dazu verfügbar sind. Reisende in die genannten Länder mit Indikation für eine Influenza-Impfung sollten vor Reisebeginn eine Impfung durchführen lassen (ProMED, 28. März 2010).

Rift Valley Fieber in Südafrika
Rift Valley Fieber breitet sich in Südafrika weiter aus. Insgesamt wurden seit Beginn des Ausbruchs 63 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Erstmalig wurde ein menschlicher Erkrankungsfall und mindestens 14 erkrankte Tiere in der Provinz Western Cape diagnostiziert worden, die bisher als Rift Valley Fieber-frei galt. Die durch Stechmücken übertragene Virusinfektion zeigt damit weiter eine deutliche Tendenz der Ausbreitung in Südafrika. Reisende nach Südafrika sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe), sowie jeden direkten Kontakt mit unbehandelten Tierprodukten, insbesondere auf Schlachthöhen, vermeiden (ProMED, 29./31. März 2010).

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in Chile

In Chile sind zwei weitere Menschen am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom erkrankt. Die Infektionen ereigneten sich in der Küstenprovinz Aysen und in der Provinz Osorno. Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass es sich um Infektionen mit dem Andes-Virus handelte. Überträger dieses südamerikanischen Hantavirus ist die Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus). Die Provinz Osorno zählt zu den am höchsten endemischen Provinzen für Hantaviren in Chile. Seit 2001 sind dort 25 Erkrankungsfälle aufgetreten. Reisende in die genannten Provinzen sollten augenblicklich direkte Kontakte mit Nagetieren und deren Exkreten und Sekreten vermeiden. Nager-infestierte Gebäude sollten ausschließlich nass gesäubert werden (ProMED, 30. März 2010).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in Singapur

In den ersten drei Monaten des Jahres wurden in Singapur mehr als 4.250 Fälle von Hand-Fuß-Mund-Krankheit diagnostiziert. Dies bedeutet einen Anstieg der Fallzahlen um 15% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Infektion erfolgt durch Kontaktinfektion direkt mit Infizierten oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Erreger sind Viren der Enterovirus-Gruppe, vor allem Enterovirus Serotyp 71. Die Erkrankung tritt vor allem bei Kleinkindern auf. In seltenen Fällen kann eine schwere Meningitis oder Enzephalitis als Komplikation auftreten. Reisende, insbesondere mit Kindern, sollten die Empfehlungen der allgemeinen Hygiene beachten und häufig die Hände desinfizieren oder mit Wasser und Seife waschen (ProMED, 30. März 2010).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in China
In der zentralchinesischen Provinz Henan sind in den ersten drei Monaten des Jahres bereits mehr als 1.700 Menschen an der Hand-Fuß-Mund-Krankheit erkrankt. Allein in der Stadt Pingdingshan ist von täglich mehr als 120 neuen Erkrankungsfällen die Rede. Zwei Kleinkinder sind an der Infektion bisher verstorben. Die eigentliche Übertragungszeit der Erkrankung beginnt üblicherweise im Mai, daher ist der frühe Beginn der Aktivität in diesem Jahr sehr ungewöhnlich und könnte evtl. auf eine sehr hohe Aktivität in diesem Jahr hinweisen. Betroffen sind in erster Linie Kleinkinder. Die Infektion erfolgt durch Kontaktinfektion direkt mit Infizierten oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Erreger sind Viren der Enterovirus-Gruppe, vor allem Enterovirus Serotyp 71. Die Erkrankung tritt vor allem bei Kleinkindern auf. Reisende, insbesondere mit Kindern, sollten die Empfehlungen der allgemeinen Hygiene beachten und häufig die Hände desinfizieren oder mit Wasser und Seife waschen (ProMED, 30. März 2010).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in Vietnam

Aus Vietnam wird ein starker Anstieg der Erkrankungsfälle von Hand-Fuß-Mund-Krankheit gemeldet. Zahlen liegen insbesondere au Ho Chi Mingh-Stadt vor. Dort wurden innerhalb von drei Tagen rund 20 Kinder mit der Erkrankung eingewiesen. Innerhalb einer Woche nahm die Zahl der eingewiesenen Patienten um 50% zu. Mindestens ein 18-monatiger Säugling ist an der Infektion verstorben. Die eigentliche Aktivität der Erkrankung beginnt üblicherweise erst im Mai. Daher ist der frühe Beginn der Aktivität in diesem Jahr sehr ungewöhnlich und könnte evtl. auf eine sehr hohe Aktivität in diesem Jahr hinweisen. Betroffen sind in erster Linie Kleinkinder. Die Infektion erfolgt durch Kontaktinfektion direkt mit Infizierten oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Erreger sind Viren der Enterovirus-Gruppe, vor allem Enterovirus Serotyp 71. Die Erkrankung tritt vor allem bei Kleinkindern auf. Reisende, insbesondere mit Kindern, sollten die Empfehlungen der allgemeinen Hygiene beachten und häufig die Hände desinfizieren oder mit Wasser und Seife waschen (ProMED, 30. März 2010).

Dengue-Fieber in Indonesien

In den Monaten Februar und März sind insgesamt sechs Reiserückkehrer aus Bali, Indonesien, Dengue-Fieber diagnostiziert worden. Es konnten drei unterschiedliche Virus-Serotypen, Serotyp 1, Serotyp 2, und Serotyp 4 identifiziert werden. Die Reisenden hielten sich ausschließlich in den Touristen-Orten der Insel auf. Damit ist von einer erhöhten Dengue-Aktivität und einer hyperendemischen Situation (Zirkulation von mindestens 3 Serotypen) auszugehen. Reisende nach Bali sollten vor Reiseantritt über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 31. März 2010).

Campylobacter-Infektion in den USA
Im US-Bundesstaat Michigan ist eine Reihe von Infektionen mit Campylobacter jejuni aufgetreten, die auf den Genuss von unbehandelter Kuhmilch zurückzuführen waren. Die Milch wurde von einem Erzeugerbetrieb im Bundesstaat Indiana produziert und als sog. "Bio-Milch" unpasteurisiert verkauft. Die amerikanischen Gesundheitsbehörden warnen nun die Bevölkerung vor dem Genuss von unbehandelter Milch. Diese birgt immer ein Risiko von Infektionen. Dies gilt in den Industriestaaten, aber mehr noch in Ländern mit einem weniger ausgebildeten Kontrollsystem für Lebensmittel. Grundsätzlich sollten Reisende keine unbehandelte Milch oder Lebensmittel zu sich nehmen (ProMED, 29. März 2010).

Tollwut auf den Philippinen

In den beiden philippinischen Provinzen Cebu und Negros Oriental wurden in den ersten drei Monaten des Jahres bereits mindestens drei Todesfälle beim Menschen durch Tollwut gezählt. Die Tollwut wird auf den Philippinen überwiegend durch streunende Hunde übertragen. Rund 10% der Fälle haben ihren Ursprung in Katzenbissen. Mehr als die Hälfte der Opfer sind Klein- und Schulkinder. Eine Post-Expositionsprophylaxe mit modernen Impfstoffen und humanem Tollwut-Immunglobulin ist nur begrenzt verfügbar. Reisende auf die Philippinen, mit einem potentiellen Risiko von Tierkontakten, sollten ggf. eine präexpositionelle Tollwut-Impfung durchführen. Jeder direkte Kontakt zu Tieren sollte vermieden werden. Im Fall eine Haut- oder Schleimhautkontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 29. März 2010).

Mumps in Guam
Auf der zu den USA zählenden im Pazifik gelegenen Insel Guam ist die Mumps ausgebrochen. Es wird von aktuell mindestens fünf Erkrankungsfällen berichtet. Alle Erkrankten sind Schüler oder Kindergartenkinder. Es sind mehrere Schulen betroffen, so dass die Gesundheitsbehörden nun eine Ausbruchssituation erklärten. Reisende nach Guam sollten über einen ausreichenden Immunschutz (Impfung oder durchgemachte Infektion) gegen Mumps verfügen (ProMED, 29. März 2010).

Influenza in den USA
Im US-Bundesstaat Georgia wird ein deutlicher Anstieg der in Krankenhäuser eingewiesenen Fälle von Influenza A (H1N1) beobachtet. Die Zahl der diagnostizierten Erkrankungsfälle entspricht aktuell derjenigen im September zum Höhepunkt der ersten Welle der Influenza. Für die Gesundheitsbehörden ist es momentan unklar, ob es sich dabei um die befürchtete zweite Influenza-Welle der Saison handelt. Die Impfempfehlungen werden wieder verstärkt propagiert. Reisende mit entsprechenden Risikofaktoren nach Georgia sollten ggf. eine H1N1-Impfung durchführen lassen (ProMED, 31. März 2010).

St. Louis Enzephalitis in Argentinien

Die argentinischen Gesundheitsbehörden melden die ersten zwei in der argentinischen Hauptstadt aufgetretenen Fälle von St. Louis Enzephalitis. Dies bedeutet, dass der bisher in ländlichen Gebieten aufgetretene Übertragungszyklus nun auch urbane Gebiete erreicht zu haben scheint. Der Erreger der St. Louis Enzephalitis-Virus ist ein Virus aus der Familie der Flaviviren und mit dem West Nil- und Japan Enzephalitis-Virus nahe verwandt. Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken der Gattung Culex. Natürliche Wirte sind Vögel, v.a. Spatzenarten. Eine Übertragung kann auch in Städten zu Ausbrüchen führen. Reisende nach Argentinien sollten in Gebieten mit hohen Stechmücken-Populationen eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 31. März 2010).

Rotavirus-Aktivität in Amerika

Die panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) meldet in mehreren Teilen Mittelamerikas eine erhöhte Aktivität von Rotaviren. In der Dominikanischen Republik wird ein Anstieg der gemeldeten Fälle um 25% berichtet. In Mexiko ist eine erhöhte Aktivität in 32 Bundesstaaten registriert, mit den meisten Erkrankungsfällen in Baja California. Aus Guatemala werden mehr als 4.300 Fälle gemeldet. Reisende, insbesondere mit Kindern, in die genannten Länder sollten die Empfehlungen der allgemeinen Hygiene strikt beachten (ProMED, 31. März 2010).

Oseltamivir-Resistenz bei Influenza A in den USA

Aus den USA werden die ersten Fälle von Oseltamivir-Resistenz beim aktuell zirkulierenden Influenza Serotyp A H1N1-Virus gemeldet. In beiden Fällen handelte es sich um Patienten mit einer Immunsuppression, die eine Therapie über zwei Wochen erhalten hatten. Die Resistenzen entwickelten sich nach kurzzeitiger Therapiedauer mit einer ausreichenden Dosierung. Einer der beiden Virusstämme zeigte bereits eine Resistenz gegen das experimentell verwendete, intravenös zu verabreichende Peramivir. Die Beispiele zeigen, dass die antivirale Therapie bei Influenza problematisch sein kann und deshalb der Impfung als prophylaktischer Maßnahme der Vorzug gegeben werden sollte (ProMED, 27. März 2010).

Chikungunya-Fieber in La Reunion

Auf der vor Afrika und Madagaskar gelegenen Insel im Indischen Ozean wird ein erneuter Ausbruch mit Chikungunya-Fieber befürchtet. Nachdem vor zwei Wochen ein einzelner autochthoner Fall aufgetreten war, wurden nun mindestens zwei weitere Fälle der Virusinfektion diagnostiziert. Beide Fälle traten im gleichen Stadtgebiet der betroffenen Stadt Saint Paul auf wie der erste Erkrankungsfall. Die Behörden versuchen nun alle stehenden Gewässer und künstlichen Wasserbehältnisse in der Umgebung menschlicher Wohnungen zu eliminieren, um den Stechmücken die Brutmöglichkeiten zu entziehen. Aktuell scheint die Aktivität noch gering zu sein. Reisende nach La Reunion sollten trotzdem eine entsprechende Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 1. April 2010).



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