KW 11 / 2010: Epidemiologische Informationen

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in ArgentinienIn der argentinischen Provinz Buenos Aires ist ein 24jähriger junger Mann am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom verstorben. Nach der Auskunft des Unterstaatssekretärs für Gesundheit wurden in der betroffenen Region weitere Erkrankungsfälle beobachtet. Aktuell suchen die das Lechiguana-Virus übertragenden Nagetiere (Gelbe Zwergreisratte, Azara Grasmaus) aufgrund der Witterungsbedingungen menschliche Behausungen auf. Infektionen erfolgen vor allem durch Einatmen von Virus-haltigem Staub, der sich häufig in nicht bewohnten Gebäuden bildet, die von Mäusen infestiert sind. Entsprechende Gebäude sollten in keinem Fall gekehrt werden, sondern nass gewischt.
Jeder direkte Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkreten und Sekreten sollte vermieden werden (ProMED, 15. März 2010).
Tollwut in den USAWeiterhin wird in Teilen der USA eine hohe Tollwut-Aktivität beobachtet. Im US-Bundesstaat Michigan wurden nun Besitzer von Haustieren aufgefordert, ihre Tiere gegen Tollwut impfen zu lassen. Insgesamt wurde bei sechs Personen eine Postexpositionsprophylaxe durchgeführt, die Kontakt mit einem tollwütigen Pferd hatten. Gleichzeitig wurden alle Besitzer in der Umgebung des Gestüts aufgefordert, Haustiere und insbesondere auch Katzen mit auffälligem Verhalten sofort auf Tollwut untersuchen zu lassen. Im Bundesstaat Texas wurden innerhalb weniger Tage drei Fledermäuse mit Tollwut entdeckt. Ein Hund, der direkten Kontakt mit einer der Fledermäuse hatte, wurde geimpft und unter Quarantäne gesetzt. Reisende in die gesamten USA sollten jeden direkten Kontakt zu Tieren mit auffälligem Verhalten meiden und nach einem entsprechend Kontakt sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 18. März 2010).
Tollwut in den Palästinensisch-Autonomen GebietenIn den West Banks der Palästinensisch-Autonomen Gebiete ist ein Wolf mit Tollwut diagnostiziert worden. Das Tier war im Norden der West Banks in der Nähe einer Farm geschossen worden und hatte keinen Kontakt zu anderen Tieren. Im Gehirn des Tieres wurde das Tollwut-Virus nachgewiesen. Es handelt sich um den bisher südlichsten Tollwut-Fall und um den ersten dokumentierten Tollwut-Fall in den West Banks im Rahmen des aktuellen Ausbruchsgeschehens, wo immer wieder tollwütige Füchse und Schakale von Norden her aus dem Libanon und aus Syrien einwandern. Reisende in den Norden Israels und der West Banks sollten direkten Kontakt mit Tieren mit auffälligem, insbesondere aggressivem Verhalten vermeiden und im Fall eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 18. März 2010).
Mumps in den USAAn der State University of New York in Plattsburgh im Nordosten des US-Bundesstaats New York sind drei Studenten an Mumps erkrankt. Daraufhin wurde eine Warnung von der Universitätsverwaltung ausgegeben. Danach sollen alle Studierenden, die von den Frühjahrs-Ferien zurückkehren ohne zwei dokumentierte Mumps-Impfungen vor Beginn des Unterrichts eine Immunisierung gegen Mumps durchführen. Bisher ist die Infektionsquelle für die drei Studenten unklar. Es scheint wohl keine direkte Verbindung zum aktuellen Mumps-Ausbruch bei jüdischen Schülern in der Stadt New York zu geben. Reisende in die USA sollten grundsätzlich über eine Immunität gegen Mumps (natürliche Infektion oder zweimalige Impfung) verfügen (ProMED, 17. März 2010).
Listeriose in KanadaIn der kanadischen Provinz Ontario wird eine ungewöhnliche Häufung von Listeriose-Erkrankungen beobachtet. Während in den letzten Jahren durchschnittlich jeweils rund acht Erkrankungsfälle in den ersten drei Monaten des Jahres registriert werden, waren es in den ersten zehn Wochen des Jahres 2009 schon 14 Erkrankungsfälle. Zwei der Erkrankten sind an der Infektion verstorben. Bisher konnte nur bei einigen der Fälle eine mögliche Infektionsquelle identifiziert werden. Schinken und Salami der in Toronto angesiedelten Firma Siena Foods wurde von den zuständigen Behörden aufgrund Kontamination mit Listerien zurück gerufen. Reisende nach Ontario sollten Schinken und Salami der genannten Firma vermeiden (ProMED, 15. März 2010).
Tollwut in IndonesienSeit Januar dieses Jahres sind auf der indonesischen Insel Bali mindestens zehn Menschen an Tollwut erkrankt und verstorben. Damit sind im Rahmen des aktuellen Ausbruchs seit Ende 2008 mehr als 40 Menschen an der Tollwut verstorben. Die Erkrankungen in diesem Jahr wurden in den Regionen Tabanan, Mengwi, Bangli, Ungasan, Kubu und Tubu diagnostiziert. Aktuell werden in einigen Regionen Balis von privaten Tierschutz-Organisationen bis 500 – 600 Hunde pro Tag geimpft. Reisende auf die Insel Bali sollten jeden direkten Haut- und Schleimhautkontakt mit Tieren vermeiden und insbesondere bei entsprechenden Kontakten mit streunenden Hunden oder Hunden mit aggressivem Verhalten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 13. März 2010).
Hepatitis in IndienIn der indischen Millionenstadt Mumbai (Bombay) sind mindestens 65 Menschen an einer bisher nicht näher identifizierten Form der Hepatitis erkrankt. Eine Patientin ist an der Erkrankung verstorben. Als Infektionsquelle wird kontaminiertes Wasser vermutet. Insgesamt werden rund 400 Familien mit entsprechendem Wasser versorgt, woraus bisher die erwähnten 65 Patienten entstammen. Als mögliche Diagnosen werden Hepatitis A und Hepatitis E diskutiert. Eine Kontamination mit Fäkalien ist dokumentiert, da auch Escherichia coli in erheblichen Mengen nachgewiesen werden konnte. Reisende nach Indien und insbesondere nach Mumbai sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachten (ProMED; 13. März 2010).
Nokardiose in den USAIn Essex County im US-Bundesstaat New Jersey wurden nun sechs Frauen in Krankenhäuser eingewiesen, nachdem Nokardiosen bei Ihnen festgestellt worden waren. Die Frauen hatten alle bei einem nicht zugelassenen plastischen Chirurgen Silikoneinspritzungen durchführen lassen. Dabei handelte es sich jedoch nicht um Silikon für medizinische Anwendungen, sondern um verdünntes Silikon aus einem Baumarkt. Die Injektionen führten nun bei den Patientinnen zu schweren Hautinfektionen mit Nokardien. Grundsätzlich sollten entsprechende plastische Operationen - auch im entwickelten Ausland - nur von spezialisierten und zugelassenen Einrichtungen durchgeführt werden (ProMED, 12. März 2010).
Legionellose in den USAIn der Stadt Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin sind acht Personen an Legionellose erkrankt. Sechs der acht Personen waren kurz vorher zur Behandlung im Saint Luke’s South Shore Hospital. Die Gesundheitsbehörden gehen von einer Infektionsquelle im genannten Krankenhaus aus. Es ist davon auszugehen, dass eine Wassertröpfchen produzierende Quelle für die Infektionen verantwortlich ist. Die Krankenhausbehörden haben nun mehr als 1.000 Patienten angeschrieben, um ggf. entsprechende Untersuchungen durchführen zu lassen. Reisenrückkehrer, mit Aufenthalt in Milwaukee und respiratorischer Symptomatik, sollten auch auf Legionellen untersucht werden (ProMED, 15. März 2010).
Rotavirus-Ausbruch in RusslandIn der im Nordwesten Russlands gelegenen Autonomen Republik Komi sind innerhalb weniger Tage rund 400 Kinder an Rotavirus-Infektionen erkrankt. Es handelt sich in erster Linie um Kinder aus Kindergärten und Kinderhorten. Im Vergleich zum Vorjahr war ein Anstieg der Erkrankungsfälle um 50% zu verzeichnen. Die Zahl der gastrointestinalen Infektionen generell ist um ein Drittel angestiegen, wobei die Zahl der bakteriellen Infektionen weitgehend der des Vorjahres gleicht. Es sind damit in erster Linie virale Infektionen, die für den Anstieg der Erkrankungszahlen verantwortlich sind. Aktuell gibt es keine Erklärung für den Anstieg viraler Gastroenteritiden in der Republik Komi. Die Gesundheitsbehörden empfehlen eine strikte Einhaltung der individuellen Hygiene-Empfehlungen (ProMED, 16. März 2010).
Rift Valley Fieber in Südafrika In der südafrikanischen Provinz Free State sind 21 Menschen am Rift Valley Fieber erkrankt. Zwei Patienten sind an der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion bisher verstorben. Auch in der Northern Province gibt es erste Verdachtsfälle bei Tieren, die aktuell in der diagnostischen Bestätigung sind. Die Veterinärbehörden empfehlen dringen die Impfung aller gefährdeten Haustiere in den Ausbruchsregionen. Weiterhin sollen keine toten Tiere unsachgemäß zerteilt werden. Kranke Tiere dürfen nicht geschlachtet und zerteilt werden. Reisende in die genannten Provinzen Südafrikas sollten in Gegenden mit hohen Stechmücken-Populationen eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. März 2010).
Brucellose in RusslandIm Distrikt Kletskiy, in der Provinz Wolgograd im Süden des europäischen Teils Russlands, ist ein Ausbruch von Brucellose bei Rindern bekannt geworden. Insgesamt sind mindestens 51 Tiere erkrankt. Im Distrikt wurde jeder Transport und jede Ausfuhr von Rindern verboten. Bisher sind keine Erkrankungsfälle bei Menschen bekannt. Als Erreger wird Brucella abortus vermutet. Die Brucellose tritt auch in anderen Regionen Russlands immer wieder in kleineren Ausbrüchen auf. Reisende nach Russland sollten tierische Produkte nur nach ausreichender Behandlung verzehren (ProMED; 17. März 2010).
Dengue-Fieber in KolumbienIn der kolumbianischen Provinz Valle de Cauca sind seit Jahresbeginn bereits mehr als 3.200 Fälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Neun Menschen sind bisher an schweren hämorrhagischen Verlaufsformen der Infektion verstorben, sechs davon in der Stadt Cali, zwei Patienten in Palmira und ein Patient in Jamundi. Die Gesundheitsbehörden besuchen nun Regionen mit besonders hohen Fallzahlen und kontrollieren dort die Maßnahmen zur Stechmücken-Bekämpfung. Reisende nach Kolumbien und insbesondere in die genannte Region sollten eine individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 17. März 2010).
Dengue-Fieber auf den Galapagos InselnAuf den Galapagos-Inseln ist das Dengue-Fieber ausgebrochen. Aktuell ist von sieben autochthon erworbenen Infektionen die Rede. Davon wurden sechs Fälle auf der Insel San Cristobal und ein Erkrankungsfall auf der Insel Santa Cruz diagnostiziert. Auf den Galapagos-Inseln war im Jahr 2002 erstmals Dengue-Fieber ausgebrochen und hatte bis 2004 insgesamt 215 Erkrankungsfälle verursacht. Seither war kein neuer Fall bekannt geworden. Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass ein Reisender in der Virämiephase das Virus vom südamerikanischen Festland auf die Inseln eingeschleppt hat. Aktuell scheint die Verbreitung und Zirkulation des Virus gering zu sein. Reisende auf die beiden genannten Inseln sollten bei hohen Stechmücken-Populationen einen ganztägigen Stechmücken-Expositionsschutz durchführen (ProMED, 17. März 2010).
Dengue-Fieber in ArgentinienIn Argentinien sind seit Jahresbeginn 672 Fälle von autochthon erworbenem Dengue-Fieber aufgetreten. Betroffen sind insbesondere die nördlichen Provinzen Misiones (536 Fälle) und Chaco (103 Fälle). Einzelne Fälle wurden in den Provinzen Buenos Aires, Santa Fe, Entre Rios und Salta diagnostiziert. In den betroffenen Regionen wird augenblicklich ein aktives Bekämpfungsprogramm durchgeführt. Dabei werden fieberhafte Patienten gezielt auf Dengue-Fieber untersucht, Häuser mit infizierten Personen werden mit Insektiziden vernebelt und mögliche Brutstätten für Stechmücken werden zerstört. Reisende, insbesondere nach Misiones und nach Chaco, sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 17. März 2010).
Dengue-Fieber in IndonesienDie Gesundheitsbehörden von Indonesien teilen mit, dass in diesem Jahr in der Hauptstadt Jakarta bereits mehr als 2.200 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt sind. Dies bedeutet allerdings einen Rückgang der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr auf ein Drittel. Aktuell werden insbesondere Erkrankungsfälle in den Stadtteilen Menteng, Central Jakarta, Pondok Indah und Southern Jakarta beobachtet. Nach Auskunft der Behörden liegt dies an der geringen Zusammenarbeit der Bevölkerung mit den Behörden bei der Bekämpfung möglicher Stechmücken-Brutplätze in diesen Stadtteilen. Reisende nach Indonesien sollten trotz des Rückgangs der Fallzahlen in einigen Regionen des Landes eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. März 2010).
Dengue-Fieber in AustralienIn Nord-Australien sind zwei neue autochthone Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber aufgetreten. Betroffen ist die Kleinstadt Tully. Dort war vor zwei Wochen ein erster Fall der durch Stechmücken übertragenen Virusinfektion aufgetreten. Die Behörden haben nun die Bekämpfungsmaßnahmen im betroffenen Teil der Stadt ausgeweitet, um eine weitere Ausbreitung und Aktivierung der Virusübertragung zu verhindern. Dahingegen sind in Townsville seit mehreren Wochen keine Erkrankungsfälle mehr gemeldet worden, so dass die Behörden davon ausgehen, dass die dortige Viruszirkulation gestoppt werden konnte. Allerdings sehen sie aktuell wieder die Gefahr einer Einschleppung aus dem nördlich von Townsville. Reisende, die sich in Tully aufhalten, sollten eine Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED; 15. März 2010).
Dengue-Fieber in El SalvadorDie Gesundheitsbehörden in El Salvador sind beunruhigt über die Ausbreitung des Dengue-Fiebers im mittelamerikanischen Land. Sie haben nun die Warnstufe „Gelb“ ausgerufen. In diesem Jahr sind bereits knapp 2.000 Menschen am Gelbfieber erkrankt. Mehr als 40 Fälle davon verliefen als hämorrhagisches Fieber. Aktuell sind rund 750 Patienten noch hospitalisiert, was die Bettenkapazitäten in El Salvador stark belastet. Die Behörden beklagen die geringe Teilnahme der Bevölkerung an den durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen. Reisende nach El Salvador sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. März 2010).
Dengue-Fieber in Puerto RicoDie Gesundheitsbehörden in Puerto Rico melden alarmierende Zahlen von Dengue-Fieberpatienten. Insgesamt wurden in der ersten Märzwoche rund 250 Erkrankungsfälle gezählt. Dies ist rund das Zwanzigfache der letzten Jahre und auch des Jahres 2007, als der letzte größere Ausbruch in Puerto Rico stattgefunden hatte. Am schwersten betroffen sind die Gemeinden von Arecibo und Baymon mit jeweils mehr als 20 Erkrankungsfällen, gefolgt von San Juan, Yabucoa, Humacao und Juncos mit jeweils zwischen 10 und 20 Erkrankungsfällen. Bisher wurden keine Todesfälle durch Dengue-Infektionen berichtet. Der oder die zirkulierenden Virus-Serotypen wurden nicht mitgeteilt. Reisende nach Puerto Rico sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 15. März 2010).