KW 11 / 2008: Epidemiologische Informationen

Tollwut in FrankreichIn 3 Departments in Frankreich sind bei Haushunden Fälle, bzw. vermutete Fälle von Tollwut aufgetreten. Die französischen Veterinärbehörden haben darauf Tollwut-Warnungen an die Bevölkerung der 3 Departements Gers, Grandpuits (Seine-et-Marne) und Calvados (Lisieux) ausgegeben. Frankreich gilt als Tollwut-frei. Ausgangspunkt der Tollwut-Erkrankungen war ein aus Marokko importierter Hund. Ein Hund hatte Kontakt in Gers mit dem Indexhund. Er erkrankte in Grandpuits und verstarb. Ein weiterer Hund hatte wiederum Kontakt in Calvados mit dem Hund aus Grandpuits. Dieser Hund wiederum erkrankte und verstarb im Departement Seine-et-Marne. Das Beispiel zeigt, dass der Import von streunenden Hunden aus Regionen außerhalb Europas mit dem Risiko einer Tollwut
behaftet ist und die Mobilität in der Bevölkerung zu einer raschen Ausbreitung der Tollwut über Hunderte von Kilometern führen kann. Reisende sollten auf keinen Fall streunende Hunde aus dem Ausland einführen (ProMED, 7. März 2008).
Toxische Reaktionen auf Heparin in Deutschland und in den USABei Patienten aus Deutschland und auch aus den USA sind heftige toxische Reaktionen auf die Verabreichung von Heparin aufgetreten. Aus den USA sind mehr als 700 Reaktionen und 46 Todesfälle im Verdacht. Aus Deutschland werden schwere Nierenstörungen mit Dialysepflicht gemeldet. Es besteht der Verdacht, dass mit einer bisher identifizierten Substanz kontaminiertes Heparin die Reaktionen verursacht. Das im Verdacht stehende Produkt wurde aus dem Verkehr genommen. Dieses Beispiel zeigt, dass Medikamente in anderen Ländern nicht unbedingt die Qualitätsstandards erfüllen, die in industrialisierten Ländern an Arzneimittel gestellt werden. Reisende sollten daher versuchen, notwendige Medikamente in den Urlaub mitzunehmen und vom Kauf von Arzneimitteln insbesondere in Ländern mit niedrigeren Qualitätsstandards abzusehen (ProMED 8. März 2008).
Tollwut in den USAAus mehreren Bundesstaaten der USA wurden Kontakte zwischen tollwütigen Tieren und Menschen berichtet. Im Bundesstaat Arizona wurde ein 10jähriger Junge von einem tollwütigen Puma angegriffen und verletzt. Der Vorfall ereignete sich im Tonto National Park, einem Ausflugsareal im Yavapai County in Arizona. In den Bundesstaaten Tennesse und West Virginia wurden Haushunde vermutlich von Waschbären mit Tollwut infiziert und erkrankten ebenfalls. Allen Personen mit Kontakt zu den Tieren wurde eine Postexpositions-Prophylaxe verabreicht. Reisende in die USA sollten jeden Kontakt mit Wildtieren, v.a. Waschbären, Stinktieren, Füchsen und Fledermäusen vermeiden (ProMED, 9./13. März 2008).
Dengue Fieber in TongaAuf der pazifischen Inselgruppe Tonga sind seit Beginn des Jahres mehr als 200 Menschen am Dengue Fieber erkrankt. Dies bedeutet eine Verdreifachung der Erkrankungsfälle gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. In der letzten Woche wurden erstmals 2 Todesfälle gemeldet, die an der hämorrhagischen Form der durch Stechmücken übertragenen Infektion verstorben waren. Aktuell ist von einer hohen Aktivität des Dengue Fiebers auf Tonga auszugehen. Die Gesundheitsbehörden empfehlen dringend Maßnahmen zur Stechmücken-Bekämpfung und zum individuellen Schutz vor Stechmücken durchzuführen (ProMED, 9. März 2008).
Dengue Fieber in AustralienIn der nordaustralischen Stadt Cairns werden wieder autochthone Erkrankungsfälle von Dengue Fieber gemeldet. Aktuell sind 14 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Teile der Stadt wurden jetzt von den lokalen Gesundheitsbehörden zur Dengue Fieber-Warnzone erklärt. Darunter fallen u.a. Port Douglas und der Stadtteil Mossman. Die Behörden empfehlen dringend den Bewohnern, Maßnahmen zur Stechmücken-Bekämpfung durchzuführen. Reisende nach Cairns und in die Umgebung von Cairns sollten die Empfehlungen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe befolgen (ProMED, 9. März 2008).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in den USAIm Mittleren Westen der USA werden aktuell verstärkt Fälle von Hantavirus Pulmonalem Syndrom beobachtet. In New Mexiko verstarb ein 64jähriger Mann an der Infektion. In Kiowa County in Colorado verstarb ebenfalls ein Mann an der Infektion. Mehrere Hantaviren (u.a. Sin Nombre Virus, Black Creek Canal Virus und New York Virus) verursachen in Nordamerika die akute kardiopulmonale Insuffizienz, die in rund 40-50% zum Tode führt. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetierarten. Reisende nach Nordamerika sollten jeden direkten und indirekten Kontakt mit Nagetieren vermeiden. Bei Hinweisen auf einen Befall von Gebäuden mit Nagetieren sollte auf keinen Fall trocken gesäubert werden, sondern immer nass und nach Möglichkeit unter Verwendung eines Desinfektionsmittels und persönlicher Schutzmaßnahmen (ProMED, 9./10. März 2008).
Masern im IrakIn der westlichen irakischen Provinz Anbar treten die Masern augenblicklich epidemisch auf. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs und die Zahl der Erkrankten sind unklar. Aktuell ist von 100 Todesfällen die Rede. Gesundheitsarbeiter versuchen nun rund 200.000 Kinder in der Provinz gegen Masern zu impfen. Als Ursache für den Ausbruch wird die in den letzten 3 Jahren nicht mehr durchgeführte Impfung im durch den Krieg geschüttelten Land verantwortlich gemacht. Aktuell zählt der Irak nicht zu den Reisegebieten. Das Beispiel zeigt jedoch, dass das Nachlassen der Impfanstrengungen schnell zum epidemischen Widerauftreten der Masern führen kann. In Deutschland sollte jede Person über einen ausreichenden Masern- Immunschutz verfügen (ProMED; 13. März 2008).
Masern in AustralienAus dem Norden Australiens wird ein Masernausbruch gemeldet. Ausgangspunkt des Ausbruchs war ein 22jähriger Minenarbeiter, der erst einen weiteren Mitarbeiter in der Mine und daraufhin noch 4 Schüler im Alter zwischen 12 und 15 Jahren infizierte. Es handelt sich um den ersten Ausbruch der Masern in der Region von Cairns seit 11 Jahren. Das Beispiel zeigt, dass die Masern in der aktuellen epidemiologischen Situation eine ständige Bedrohung für die Bevölkerung darstellt und dass daher alle Impflücken geschlossen werden sollten. Jede Person in Deutschland sollte über einen ausreichenden Masern-Immunschutz verfügen (ProMED; 14. März 2008).
Cholera in NamibiaIm Norden Namibias sind mehr als 70 Menschen an der Cholera erkrankt und mindestens ein Patient ist an der Infektion verstorben. Betroffen ist die Provinz Ohangwena im Norden Namibias. Diese Provinz wurde in den letzten Wochen von starken Regenfällen und heftigen Überflutungen betroffen. Tausende Bewohner wurden dadurch obdachlos. Aktuell fördern die durch die Überschwemmungen geschaffenen schlechten hygienischen Bedingungen die Ausbreitung der Cholera. Reisende in die betroffene Region sollten alle Empfehlungen der persönlichen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt befolgen (ProMED, 13. März 2008).
Typhus auf den PhilippinenIn der philippinischen Provinz Iloilo sind mehr als 200 Menschen am Typhus erkrankt. Vermutlich sind mindesten 4 Menschen an der Infektion verstorben. Eine epidemiologische Analyse der lokalen Gesundheitsbehörden erbrachte mehrere Risikofaktoren für das Auftreten der Infektion. Die Bevölkerungsdichte in der betroffenen Region ist sehr hoch. Es konnten Schäden an den Trinkwasserleitungen festgestellt werden. Viele Bewohner entnehmen das Trinkwasser aus Regentonnen oder kaufen Trinkwasser aus unbekanntem Ursprung von Straßenhändlern. Weiterhin stehen Nahrungsmittel von Straßenverkäufern im Verdacht die Cholera zu übertragen. Reisende in das Risikogebiet sollten alle Empfehlungen der persönlichen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene und der persönlichen Hygiene befolgen (ProMED, 12. März 2008).
Meningokokken-Meningitis in Burkina FasoIm westafrikanischen Burkina Faso sind seit Beginn des Jahres 2008 mehr als 3.000 Personen an Meningokokken-Infektionen erkrankt, mehr als 360 Patienten sind verstorben. In 5 Distrikten des Landes wurde der epidemische Status ausgerufen, zwei weitere Distrikte haben die Vorwarnstufe ausgegeben. Burkina Faso scheint in diesem Jahr das am schlimmsten betroffene Land im Meningokokken-Gürtel Afrikas zu sein. Als Erreger konnten Meningokokken der Serogruppe A identifiziert werden. Reisende nach Burkina Faso oder generell in den Meningokokken-Gürtel Afrikas sollten über einen Immunschutz gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (tetravalenter Polysaccharid-Impfstoff) verfügen (ProMED, 14. März 2008).
West Nil Virus in NordamerikaIm kalifornischen County San Diego im Westen der USA wurden in diesem Jahr erstmals mit West Nil Virus infizierte Vögel nachgewiesen. Dies ist der jahreszeitlich früheste Nachweis des durch Stechmücken übertragenen Virus in Nordamerika überhaupt, seit Einschleppung des Virus 1999. Der frühe Beginn der Übertragung scheint durch das milde Wetter im vergangenen Winter bedingt zu sein. Experten rechnen durch den frühen Beginn der Übertragungssaison mit einer verstärkten Aktivität des Naturzyklus und dadurch mit der Möglichkeit eines erhöhten Übertragungsrisikos für Menschen. Reisende in die USA und aktuell insbesondere nach Kalifornien sollten Regionen mit hohen Mückenpopulationen vermeiden und ggf. Maßnahmen der persönlichen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. März 2008).