KW 10 / 2010: Epidemiologische Informationen

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF

Masern in Nigeria
Im südnigerianischen Bundesstaat Bayelsa, am Nigerdelta, werden aus einigen Regionen Masernausbrüche gemeldet. Aktuell ist von mehr als 40 Todesfällen die Rede. Dabei handelt es sich ausschließlich um Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren. Nach Angaben von Medizinern kommen täglich neue Todesfälle hinzu. Die dortigen Kinder sind nicht oder nur unzureichend gegen die Masern geimpft, so dass ein Ausbruchsgeschehen zu großen Erkrankungszahlen und Todesfällen führt. Reisende nach Nigeria und in die Grenzregionen angrenzender Staaten sollten eine Immunität gegen Masern aufweisen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine gute Gelegenheit dar, den Masern-Schutz zu überprüfen (ProMED, 10. März 2010).

Rift Valley Fieber in Südafrika
In Südafrika sind mittlerweile mindestens sieben Menschen am Rift Valley Fieber erkrankt, mindestens ein Patient ist an der Infektion verstorben. Der Patient war mit Verdacht auf Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Weiterführende Untersuchungen am südafrikanischen Institut für Virologie in Johannesburg zeigten dann, dass es sich um ein Rift Valley Fieber handelte. Insgesamt werden aktuell auf mindestens 15 Farmen in der Region von Bultfontein in den Distrikten Free State und Northern Cape bei Haustieren Fälle von Rift Valley Fieber registriert. Reisende in diese Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen und jeden direkten Kontakt mit Schlachtvieh und deren unbehandelten Produkten vermeiden (ProMED, 10. März 2010).

Typhus auf Fidschi
Von den Fidschi-Inseln wird ein Typhus-Ausbruch gemeldet. Innerhalb einer Woche wurden 13 neue Erkrankungsfälle gemeldet. Insgesamt stieg die Zahl der Erkrankungen im gegenwärtigen Ausbruchsgeschehen auf mehr als 110 Fälle an. Aktuell ist die nördliche Division des Inselstaats betroffen. Dazu gehören die drei Provinzen Macuata, Cakaudrove und Bua. Im betroffenen Distrikt liegt die Insel Vanua Levu, die ein wichtiges Touristenzentrum der Fidschi-Inseln darstellt. Als Infektionsquelle wird insbesondere kontaminiertes Trinkwasser angesehen. Die amerikanischen Behörden haben nun eine Warnung an ihre Mitbürger auf Fidschi ausgegeben, in der vor dem Typhusausbruch gewarnt wird und die Einhaltung aller individuellen Maßnahmen der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene sehr empfohlen wird (ProMED, 10. März 2010).

Chikungunya-Fieber in Myanmar

In Myanmar, dem ehemaligen Burma, scheint sich eine Chikungunya-Fieber-Epidemie zunehmend auszubreiten. Es sind keine Erkrankungszahlen bekannt. Auch nähere Informationen zur geographischen Ausbreitung in Myanmar stehen nicht zur Verfügung. Allerdings wird von verschiedenen inoffiziellen Stellen berichtet, dass sich Erkrankungsfälle mit starken Gelenkschmerzen in der Bevölkerung aktuell auffällig häufen. Reisende nach Myanmar sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 8. März 2010).

Dengue-Fieber in Malaysia
In den ersten beiden Monaten des Jahres sind in Malaysia bereits mindestens 31 Menschen am Dengue-Fieber verstorben. Dies ist ein Anstieg um rund 10% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mehr als 8.000 Erkrankungsfälle wurden in Malaysia im Januar und Februar bereits registriert. Diese beiden Monate stellen aufgrund der Monsunregen die Hauptaktivität von Stechmücken dar mit einer entsprechenden Häufung von durch Mücken übertragenen Erkrankungen. Reisende nach Malaysia, auch in die Großstädte, sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 11. März 2010).

Dengue-Fieber in Brasilien
Im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro wird ein Dengue-Fieberausbruch an der Küste des Bundesstaats berichtet. Betroffen ist insbesondere die Region von Santos Baixada. Dort sind seit Jahresbeginn mehr als 170 Fälle von Dengue-Fieber im Krankenhaus registriert worden, Rund 40% der eingewiesenen Patienten zeigten eine hämorrhagische Verlaufsform der Virusinfektion. Reisende nach Brasilien und insbesondere in die genannte Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Stechmückenstichen (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 11. März 2010).

Tollwut in Israel
In Israel wird seit dem Jahr 2009 ein starker Anstieg der Tollwut bei Tieren beobachtet. Während bis ins Jahr 2008 zwischen zehn und fünfzehn Fälle bekannt wurden, waren dies im Jahr 2009 58 Fälle. Im Jahr 2010 wurden allein in den ersten beiden Monaten schon 12 Tollwutfälle diagnostiziert. Betroffen waren hier sieben Hunde, drei Schakale, ein Rind und ein Schaf. Alle Fälle traten im Nordosten des Landes auf. Allein in einer Woche mussten dazu elf Kinder und zwei Erwachsene postexpositionell gegen Tollwut geimpft werden, die Kontakt zu einem tollwütigen Hund in dem nordisraelischen Städtchen Beit-Shean aufwiesen. Reisende nach Israel und hier insbesondere in den Norden des Landes sollten jeden direkten Kontakt mit Hunden und Schakalen und mit Nutztieren mit auffälligem Verhalten vermeiden (ProMED, 7. März 2010).

Tollwut in den USA
Im Williamson County im US-Bundesstaat Tennessee wurde ein tollwütiges Stinktier tot aufgefunden. Es war von Hunden tot gebissen worden. Die in Frage kommenden Hunde waren nicht zeitgemäß gegen die Tollwut aufgefrischt worden und stehen nun unter Quarantäne. Aufgrund des im Frühjahr auffälligen Paarungsverhaltens der Stinktiere befürchten Experten augenblicklich eine Zunahme der Kontakte zwischen Menschen und Stinktieren und somit eine mögliche Zunahme von potentiellen Tollwut-Übertragungen auf Menschen und auf Haustiere, insbesondere Hunde und Katzen. Im Bundesstaat Oregon wurde in der Region von Cave Junction ein weiterer tollwütiger Fuchs gefunden. Der Fuchs war mit einem Fledermaus-Tollwut-Virusstamm infiziert. Reisende sollten daher jeden direkten Kontakt mit Wildtieren vermeiden und im Fall eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 5./7. März 2010).

Poliomyelitis im Senegal
Das westafrikanische Senegal meldet zwei Fälle von Poliomyelitis. Es handelt sich um die ersten Fälle der Virusinfektion in Senegal seit 1998. Obwohl genauere Informationen bisher fehlen, gehen Experten davon aus, dass die Infektionen mit dem Ausbruch in Nigeria in Verbindung stehen. Die zwei Erkrankungsfälle zeigen, dass die Polio-Situation in Afrika aktuell sehr labil ist und dass ggf. mit der Übertragung von Polio-Viren in Ländern zu rechnen ist, in denen seit Jahren keine Erkrankungen auftraten. Reisende nach Afrika sollten daher eine ausreichende Immunität gegen Poliomyelitis aufweisen (ProMED, 6. März 2010).

Chikungunya-Fieber in Indonesien
In Teilen Indonesiens steigen die Fälle von Chikungunya-Fieber weiter an. Allein in der Provinz Lampung wurden in den beiden ersten Monaten des Jahres mehr als 20.000 Erkrankungsfälle gezählt. Dies bedeutet, dass aktuell mehr Fälle von Chikungunya-Fieber als von Dengue-Fieber in Lampung auftreten. Die am schwersten betroffenen Provinzen in Indonesien sind neben Lampung noch Banga-Belitung, West Java und Kalimantan. Betroffen sind neben ländlichen Regionen vor allem urbane und semi-urbane Umgebungen in Indonesien. Reisende nach Indonesien sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 10. März 2010).

Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in Panama

In Panama haben die Gesundheitsbehörden in diesem Jahr bereits neun Fälle von Hantavirus Kardiopulmonalem Syndrom gemeldet. Sieben der Fälle traten in der Provinz Herrera auf. Ein weiterer Fall stammt aus der Provinz Chocle. Der neunte Fall wurde in der Provinz Panama Oeste diagnostiziert, vermutlich war die Infektion jedoch auch in Herrera erworben worden. Ursache der Infektionen ist vermutlich das Choclo-Virus, das bisher einzige Hantavirus mit humanpathogener Bedeutung von den drei bisher bekannten Hantaviren in Panama. Choclo-Virus wird von der Zwerg-Reisratte (Oligoryzomys fulvescens) übertragen. Reisende in Panama sollten jeden direkten oder indirekten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkreten und Sekreten vermeiden (ProMED, 5. März 2010).



© 2012 by Dr. Frühwein & Partner | created by nerd-d-sign, ska-design & Maximusweb