KW 09 / 2010: Epidemiologische Informationen

Mumps in den USADer Mumps-Ausbruch in New York ist weiterhin nicht unter Kontrolle. Mittlerweile sind mehr als 2.300 Fälle registriert. Infektionen wurden in den US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut, nach Kanada (Quebec) und nach Israel exportiert. Weiterhin treten die meisten Erkrankungsfälle in der jüdischen Hasiden-Gemeinde auf. Hier treten Erkrankungsfälle vor allem bei Schülern auf. Die Schüler verbringen einen Großteil der Zeit in den Schulen. Internationale Gäste wohnen teilweise für längere Zeit in entsprechenden Schulen. Damit ist der enge Kontakt für die Übertragung der Mumps gegeben.
Reisende nach New York sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Mumps verfügen (ProMED, 26. Februar 2010).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in den USA Im US-Bundesstaat Colorado ist ein Mann am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom verstorben. Es handelt sich um den fünften Erkrankungsfall, der in Colorado diagnostiziert wurde und um den zweiten je diagnostizierten Todesfall an der Infektion. Als Erreger wird Sin Nombre-Virus vermutet. Überträger dieses Virus ist die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus). Die Behörden empfehlen dringend alle möglichen Nagerverstecke in und um Gebäude zu entfernen. Räume mit Nagetieren sollten vor dem Aufenthalt auslüften. In keinem Fall sollten entsprechende Räume trocken gefegt werden, sondern immer nass gewischt werden. Jeder direkte oder indirekte Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen ist zu vermeiden (ProMED, 4. März 2010).
Chikungunya-Fieber in Madagaskar Im Distrikt Fianarantsoa im Südosten Madagaskars ist das Chikungunya-Fieber ausgebrochen. Innerhalb weniger Wochen sind hier in einigen Gemeinden bis zu 60% der Patienten, die eine Ambulanz oder Klinik aufsuchen, an Chikungunya-Fieber erkrankt. Es ist von mehr als 44.000 erkrankten Menschen die Rede. Chikungunya-Virus wird durch Aedes aegypti übertragen. Reisende nach Madagaskar sollten vor Reiseantritt über das aktuell herrschende Infektionsrisiko informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 26. Februar/1. März 2010).
Tollwut in den USAIn verschiedenen Teilen der USA wird weiterhin eine hohe Tollwut-Aktivität registriert. Im Lawrence County im US-Bundesstaat Arkansas wurde Tollwut bei einem Hund diagnostiziert. Die gesamte Familie, die den Hund hielt, wurde postexpositionell geimpft. In Ocean County im US-Bundesstaat New Jersey wurde bei einem Waschbären Tollwut festgestellt, nachdem dieser mit einem Hund gekämpft hatte. In Bandera County im US-Bundesstaat Texas wurde Tollwut bei einem Pferd diagnostiziert. Vermutlich war das Pferd sechs Monate vorher durch einen Waschbären infiziert worden, der dort aufgefunden wurde und bei dem Tollwut diagnostiziert worden war. Reisende in die gesamten USA sollten jeden Kontakt mit Haus- oder Wildtieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden. Besondere Gefahr geht von Waschbären, Stinktieren und Fledermäusen aus. Auch bei Haustieren wird immer wieder Tollwut diagnostiziert (ProMED, 26./28. Februar/3. März 2010).
Lyme Borreliose in RusslandIn Teilen Russlands wurde im Jahr 2009 eine ungewöhnlich hohe Inzidenz von Lyme Borreliose registriert. Im Onblat Kaluga, südwestlich von Moskau, wurde eine Inzidenz von 15/100.000 diagnostiziert. Der Anstieg wird durch den zunehmenden Tourismus, durch den Anstieg der Gartenarbeit und die zunehmende Bautätigkeit in Waldgebieten verursacht. In der Region ist jede siebte Zecke Borrelienträger. Reisen nach Russland sollten neben einer Immunität gegen FSME auch eine Expositionsprophylaxe gegen Zecken durchführen, um das Infektionsrisiko von Lyme Borreliose, Rickettsiosen und Ehrlichiose zu senken (ProMED, 28. Februar 2010).
Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in DeutschlandIm baden-württembergischen Regierungsbezirk Stuttgart sind seit Jahresbeginn bereits 85 Erkrankungsfälle von Hämorrhagischem Fieber mit Renalem Syndrom aufgetreten. Als Ursache wird das durch die Rötelmaus (Myodes glareolus) übertragene Puumala-Virus vermutet. Die aktuelle Zahl liegt doppelt so hoch wie die Erkrankungszahl im gleichen Zeitraum des Jahres 2007, in dem im gesamten Deutschland mehr als 1.600 Fälle registriert worden waren. Experten gehen von einem Jahr mit einer hohen Puumala-Virusaktivität aus. Bewohner und Reisende in der betroffenen Region sollten jeden direkten und indirekten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden (ProMED; 26. Februar 2010).
Milzbrand auf den PhilippinenIn der Provinz Cagayan, im Norden der philippinischen Insel Mindanao sind mehr als 400 Menschen am Milzbrand erkrankt. Ein Patient, nach andere Informationen zwei Patienten, ist bisher an der Infektion verstorben. Als Infektionsquelle wird Fleisch infizierter, bzw. an Milzbrand verstorbener Rinder vermutet, das ohne tierärztliche Kontrolle im Straßenverkauf billig an die arme Bevölkerung verkauft worden war. Die Behörden warnen dringend vor dem Kauf von Fleisch unklarer Herkunft. Reisende auf die Philippinen sollten grundsätzlich ebenfalls kein Fleisch unklarer Herkunft kaufen und grundsätzlich Fleisch nur in gut durchgegartem Zustand verzehren (ProMED, 1./3./4. März 2010).
Leptospirose in ArgentinienAus der argentinischen Provinz Santa Fe wird eine erhöhte Leptospirose-Aktivität gemeldet. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn 32 Fälle von Leptospirose diagnostiziert worden. Sechs Patienten sind bisher an der Infektion verstorben. Die Behörden sehen den Anstieg der Erkrankungsfälle seit Mitte Januar, weil durch heftige Regenfälle der Fluss Parana über die Ufer trat und es zu Überschwemmungen führte. Die Behörden empfehlen dringend, jeden direkten Haut- und Schleimhautontakt mit stehenden Gewässern zu vermeiden und ggf. Gummistiefel und Gummihandschuhe bei Aktivitäten mit potentiellem Wasserkontakt zu tragen (ProMED, 2. März 2010).
Dengue-Fieber in AustralienIm australischen Bundesstaat Queensland wird wieder eine Dengue-Virusaktivität beobachtet. In der Stadt Townsville wurden bisher 13 Erkrankungsfälle gezählt. In der etwas nördlich davon gelegenen Stadt Tully ist nun ebenfalls ein autochthoner Fall von Dengue-Fieber aufgetreten. Es handelt sich um den ersten Dengue-Fieberfall in der Stadt seit mehr als 20 Jahren. Experten vermuten eine weitere Ausbreitung des Dengue-Virus, bzw. eine Intensivierung der Aktivität in den aktuellen Verbreitungsgebieten des Dengue-Virus in Australien für die kommende Dengue-Fiebersaison. Reisende in den Norden von Queensland sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2010).
Dengue-Fieber in BolivienIn der bolivianischen Provinz Santa Cruz, an der Grenze zum brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul, sind eine Reihe von Dengue-Infektionen aufgetreten. Mindestens ein Patient ist bisher an der Infektion verstorben. Aktuell ist von rund 250 Verdachtsfällen und bestätigten Fällen die Rede. Reisende in die genannte Region Boliviens sollten über das Infektionsrisiko informiert werden und eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED; 3. März 2010).
Dengue-Fieber in ParaguayFür Teile Paraguays wurde von den nationalen Gesundheitsbehörden eine Dengue-Fieberwarnung ausgegeben. Betroffen sind aktuell die Provinzen Concepcion, Alto Parana, Amambay, Central und Alto Paraguay. Es wurden in diesen fünf Provinzen bereits mehr als 400 Erkrankungsfälle diagnostiziert. Die Behörden weisen darauf hin, dass augenblicklich drei verschiedene Dengue-Viruss-Serotypen zirkulieren und damit das Risiko schwerer hämorrhagischer Verläufe ansteigt. Reisende in die genannten Provinzen Paraguays sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 3. März 2010).
Milzbrand in GroßbritannienDer Milzbrand-Ausbruch durch kontaminiertes Heroin in Schottland und England ist immer noch nicht unter Kontrolle. Mittlerweile wurde ein weiterer Erkrankungsfall in London bestätigt. Damit sind in Großbritannien 27 Erkrankungsfälle und davon 11 mit tödlichem Ausgang aufgetreten. Nach wie vor ist nicht geklärt, wo und auf welchem Weg das Heroin nach Großbritannien gelangt ist. Die Behörden warnen dringend vor dem Erwerb und der Anwendung von Heroin in allen Teilen Großbritanniens (ProMED, 2./3. März 2010).
Chikungunya-Fieber in Taiwan aus IndonesienTaiwan meldet in diesem Jahr bereits drei Fälle von Chikungunya-Fieber. Es handelt sich nicht um autochthone Fälle, sondern alle drei Erkrankungsfälle wurden importiert und wurden auf dem Flughafen im Rahmen eines Fieber-Screenings entdeckt. Alle drei Fälle wurden aus Indonesien importiert, aus Jakarta, Sumatra und Surabaya. Experten befürchten eine Etablierung des Chikungunya-Fiebers in Taiwan, da dort auch Aedes aegypti, der wichtigste Überträger des Chikungunya-Virus, vorkommt. Reisende nach Indonesien, auch in die Großstädte des südostasiatischen Staates, sollten aktuell eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. März 2010).
Masern in SüdafrikaIn der südafrikanischen Western Cape Provinz sind seit Jahresbeginn mehr als 500 Erkrankungsfälle von Masern registriert worden. Die Isolierstationen von zwei Krankenhäusern sind mit schweren Masern-Verlaufsformen gefüllt und an der Grenze der Aufnahmefähigkeit. Die Zahl der Erkrankungsfälle steigt weiterhin an. Die Behörden planen nun Impfaktionen in den Hotspots der betroffenen Regionen. Reisende nach Südafrika sollten aktuell vor Reiseantritt über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und über eine Immunität gegen Masern verfügen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine geeignete Möglichkeit dar, um den Immunstatus der allgemein empfohlenen Impfungen zu überprüfen und ggf. zu komplettieren (ProMED, 3. März 2010).
Masern in SimbabweAus Simbabwe breiten sich die Masern weiter aus. Rund die Hälfte der insgesamt 62 Distrikte des Landes ist von den Masern betroffen. Es wird von mehr als 1.200 Erkrankungsfällen und mindestens 90 Todesfälle berichtet. Fast die Hälfte aller Todesfälle wird in der Midlands Provinz gezählt. Hier sind insbesondere die Kinder der Apostolischen Sekte, die aus religiösen Gründen gegen die Impfung sind, gefährdet. Reisende nach Simbabwe sollten aktuell vor Reiseantritt über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und über eine Immunität gegen Masern verfügen. Die reisemedizinische Beratung stellt eine geeignete Möglichkeit dar um den Immunstatus der allgemein empfohlenen Impfungen zu überprüfen und ggf. zu komplettieren (ProMED, 3. März 2010).
Rotavirus-Infektion in RusslandIn Lesnoy, einer Stadt, einer Stadt ca. 250 km nördlich von Jekaterinburg, in der Provinz Swerdlowsk, sind zwei Kinder in einer Behinderteneinrichtung an Rotavirus-Infektionen verstorben. Beiden Kinder wiesen neurologische Behinderungen und Wachstumsretardierungen auf. Inwieweit weitere Kinder der Einrichtung erkrankt sind, ist nicht mitgeteilt worden. Das Beispiel zeigt, dass Rotavirus-Infektionen unter entsprechenden Bedingungen lebensbedrohliche Infektionen verursachen können. Bei Reisen mit behinderten Kindern in Länder mit hoher Rotavirus (Gastroenteritis-)-Prävalenz sollte ggf. überlegt werden, inwieweit die Kinder dann gegen Rotaviren geimpft werden sollten (ProMED, 3. März 2010).
Milzbrand in IndienIn der im indischen Bundesstaat Kerala gelegenen Stadt Ramavarmapuram sind ungewöhnliche Fälle von Milzbrand aufgetreten. Dort wurden auf dem Gelände der Akademie für Tiermedizin und Landwirtschaften sieben Wildschein-Kadaver mit Milzbrand entdeckt. Weitere Informationen wurden nicht gegeben. Auch wurden keine Erkrankungsfälle bei klassischerweise an Milzbrand erkrankenden Paarhufern in der Region mitgeteilt. Schweine gelten üblicherweise als eher wenig empfänglich für Milzbrand, daher ist ein Milzbrandausbruch in einer Schweinepopulation ohne entsprechende Fälle in der Rinder-, Büffel- oder Schafspopulation als eher ungewöhnlich zu betrachten. Reisende nach Indien sollten grundsätzlich jeden direkten Kontakt mit Tierkadavern vermeiden (ProMED, 1. März 2010).
Dengue-Fieber in Puerto RicoDie Gesundheitsbehörden haben offiziell eine Dengue-Fieber-Ausbruchssituation erklärt. Aktuell sind seit Jahresbeginn bereits mehr als 200 Erkrankungsfälle diagnostiziert worden. Diese Zahl liegt mehr als dreimal höher als im Zeitraum des Jahres 2007, als der bisher schwerste Dengue-Fieberausbruch in Puerto Rico mit mehr als 11.000 Erkrankungsfällen registriert worden war. Experten rechnen damit mit einer extrem hohen Dengue-Virusaktivität in diesem Jahr. Bisher wurden keine Todesfälle berichtet. Aktuell ist von drei hämorrhagischen Verlaufsformen die Rede. Der verursachende Virus-Serotyp wurde nicht mitgeteilt. Reisende nach Puerto Rico sollten über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und eine ganztägige, individuelle Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 4. März 2010).
Dengue-Fieber in El SalvadorEl Salvador hat offiziell die Dengue-Alarmstufe „Gelb“ ausgerufen. Seit Jahresbeginn wurden bereits mehr als 1.500 Erkrankungsfälle gemeldet, eine Zahl, die bisher noch nicht registriert worden war. Aktuell ist von mindestens 32 hämorrhagischen Verlaufsformen die Rede. Bisher ist kein Todesfall durch Dengue-Fieber aufgetreten. Die Alarmstufe „Gelb“ bedeutet u.a., dass Militär und weiteres Regierungspersonal für die Bekämpfung abgestellt werden. Reisende nach El Salvador sollten über das aktuelle Infektionsrisiko informiert werden und eine ganztägige, individuelle Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 4. März 2010).
Dengue-Fieber in Sri LankaAus Sri Lanka werden mehr als 8.000 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber berichtet. Mindestens 46 Patienten sind an Infektionen mit Dengue-Viren verstorben. Es handelt sich um mehr als dreimal so viele Fälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Betroffen ist